Bei Gerhart Hauptmann auf Hiddensee

Ein Junitag in Kloster auf Hiddensee: Hinter dem modernen Pavillon, der zugleich Buchladen, Ausstellungsraum und Ticketshop für das dahinter gelegene Hauptmannhaus ist, hat sich ein gutes Dutzend junger Leute in der Sonne gemütlich gemacht, um Werke des Literaturnobelpreisträgers zu besprechen.

Gerhart Hauptmann. Foto: Wilhelm Willinger. Public Domain, via Wikimedia Commons

Ich schaue hinüber zum „Haus Seedorn“, das in exponierter Lage zwischen Bäumen auf einem Hügel über dem Kirchweg steht, und stelle mir vor, wie ein älterer Herr den Kopf zum Esszimmer-Fenster herausstreckt. Er lässt seinen weißen Haarkranz im Ostseewind flattern und heftet den Blick wohlwollend auf die jungen Rezitatoren, die ihm zu Ehren – anders kann es ja nicht sein – auf die langgestreckte Insel westlich von Rügen gepilgert sind. Gerhart Hauptmann mochte es, bewundert zu werden. Weiterlesen →

Drei Tage München, viele Erkenntnisse, eine Entscheidung

Drei Tage berufliche Fortbildung in München liegen hinter mir. Es ging um Konfliktmanagement und Personalführung, es gab Rollenspiele und Gesprächstrainings, und an vielen Stellen ging’s ans Eingemachte. Nach gut sieben Stunden platt wie eine Flunder und zu Gesprächen, die über „ein Helles bitte“ hinausgehen, nicht mehr imstande, wechselte ich am Ende eines jeden Tages nur zu gerne in die Rolle der Beobachterin. Weiterlesen →

Droste im Paderborner Land (2): Mordfall Soistmann Berend – die Vorlage der „Judenbuche“

Vor wenigen Jahren geriet die ostwestfälische Kreisstadt Höxter in die Schlagzeilen. In einem Mietshaus im Ortsteil Bosseborn (das die Boulevardpresse, als sei alles noch nicht grausig genug, das „Horrorhaus von Höxter“ nennt) sollen ein Mann und seine frühere Ehefrau mehrere Frauen festgehalten und schwer misshandelt haben. Zwei der Opfer starben. Der Prozess läuft noch.

Es ist nicht der erste lokale Kriminalfall, der weit über die Region hinaus von sich reden macht. Unweit von Bosseborn geschah gut 230 Jahre zuvor ein Mord, der in die Literaturgeschichte eingehen sollte: Ein jüdischer Händler wird erschlagen, der mutmaßliche Täter flieht, kehrt 23 Jahre später zurück – und erhängt sich an eben jenem Baum, an dem die Mordtat geschehen war, der „Judenbuche“. Weiterlesen →