Ahoi!

Das Ufer kommt näher, und ich merke: Ich bin zu schnell. Das Boot droht unsanft an die Kaimauer des Frankfurter Westhafen zu rumpeln. Ich ziehe am Gashebel, bis er mittig einrastet, und schalte den Motor so in den Leerlauf. Das Boot wird langsamer und gleitet nun im spitzen Winkel auf die Mauer zu, an der ich anlegen will. Als sich Bordwand und Beton berühren, fangen die Fender den Stoß ab. So weit, so gut. Aber wo ist die Leiter, an der ich eigentlich anlegen wollte? Ich habe sie verfehlt.

Ich schaue den Prüfer an. Der Prüfer guckt wortlos zurück und wartet. „Moment, ich korrigiere“, sage ich leicht hektisch, fahre noch ein Stück vor, dann zurück, lege dabei das Ruder in die falsche Richtung, das Heck dreht sich weg vom Ufer. Am Ende steht das Boot mit dem Bug vor der Mauer. So wird das nichts.

„Ich glaube, ich fange nochmal von vorne an“, wende ich mich an den Prüfer, und der nickt. „Das würde ich auch vorschlagen.“

Zum Glück hat man für alle Manöver, die bei der Bootsführerscheinprüfung zu fahren sind, zwei Anläufe. Bislang hatte alles auf Anhieb geklappt – naja, fast alles. Leinen los und ablegen, kursgerechtes Aufstoppen (also das Boot in Fahrt zum Stillstand bringen und dabei nicht vom Kurs abkommen), Wenden auf engstem Raum und vor allem das wichtige Boje-über-Bord-Manöver, bei dem neben den im Ernstfall  für Leib und Leben entscheidenden Handgriffen auch die richtigen Kommandos erwartet werden: Mit all dem war der Prüfer bereits im ersten Versuch zufrieden. Auch meinen Achtknoten und meinen Kreuzknoten, meinen doppelten Schotstek, Webelein- und Palstek segnete er wohlwollend ab. Lediglich beim Belegen der Klampe verhedderte ich mich erst einmal. War klar. Es ist der Knoten, der mir von Anfang an Probleme machte.

Belegen einer Klampe

Ein Seemannsknoten mit Kopfschlag, der mir Kopfzerbrechen bereitete: Das Belegen einer Klampe – links richtig, rechts falsch. Bild: Schorschi2, Lizenz: Public Domain, Quelle: Wikipedia

Dabei scheint es so einfach zu sein, ich muss nur die Münchner Telefon-Vorwahl um zwei Hörner herum legen. Die Null und die Acht klappen ja easy, aber der letzte Schlag, die Neun, will mir lange nicht in den Kopf – bei diesem „Kopfschlag“ wird die Bucht der Leine einmal um die eigene Achse gedreht, bevor sie um das Horn geworfen wird. Immer wieder drehe ich sie in der falschen Richtung, und heraus kommt etwas, das aussieht wie auf dem rechten Bild.

Steuerbord vor Backbord, Lee vor Luv – und warum links manchmal rechts ist (ganz unpolitisch betrachtet)

Bootfahren lernen, die Regeln auf dem Wasser kennen, Schilder, Lichter und Schallzeichen lesen und deuten können, in der Lage sein, ein Schiff zu schleusen, all das fasziniert mich, seit ich denken kann. Wasser und Schiffe haben mich seit jeher angezogen. Nachdem ich als Kind mit großer Ernsthaftigkeit einen Dreimaster nach dem anderen gemalt hatte, fand ich, dass es nun endlich Zeit ist für den nächsten Schritt. ;) Also meldete ich mich beim Segel-Center Frankfurt für den SBF Binnen an, den Führerschein also, mit dem ich Motorboote ab 15 PS aufwärts und mit einer Länge bis knapp 20 Metern auf Bundeswasserstraßen im Binnenbereich steuern darf.

Den Anfang macht das Theorie-Wochenende. In knapp zwei Tagen schippern wir einmal quer durch die  Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung, liebevoll BinSchStrO abgekürzt. Es geht ein bisschen zu wie damals im Autofahrschul-Unterricht: An einer Tafel schieben wir magnetische Bootsrümpfe hin und her und lernen die Verkehrsregeln auf dem Wasser. Es zeigt sich, dass sie jenen auf den Straßen ähneln, jedenfalls dann, wenn sich zwei ebenbürtige Motorsportboote begegnen: Bei kreuzenden Kursen gilt dann rechts vor links, Verzeihung: Steuerbord vor Backbord. Die Variante für Segelboote heißt „Lee vor Luv“: Das Boot auf der dem Wind abgewandten Seite hat Vorfahrt. Segelboote haben zudem grundsätzlich Vorfahrt vor Motorbooten (es sei denn, die Segler werfen zusätzlich den Motor an, dann gilt wieder Steuerbord vor Backbord) und ebenso vor Kanus und Ruderern. Naja, und die Berufsschifffahrt hat sowieso immer Vorrang vor Freizeitkapitänen. Ich merke mir der Einfachheit halber: Mit einem Motorboot weiche ich allen anderen aus. Fast immer und überall.

Ich lerne, welche Schilder die Durchfahrt an Brücken regeln und welche auf Hindernisse, Untiefen, Fahrrinnenspaltungen oder auf Anker- und Liegeverbote hinweisen. Dass beim Anblick von blauen Flaggen Vorsicht geboten ist: Eine steht für brennbare Fracht, zwei für gesundheitsgefährdende Stoffe, drei für explosive Güter. Ich lasse mir beibringen, wie man in der Dunkelheit anhand der Farbe und Position der Lichter erkennen kann, ob das Schiff, das sich nähert, eine Segeljolle, ein Motorboot, eine Fähre  oder gar ein Schub- oder Schleppverband ist. Und ich lerne nicht nur den Unterschied zwischen Wasserstraße und Fahrrinne, sondern auch den zwischen linkem und rechten Ufer – eine durchaus verwirrende Angelegenheit! Denn linkes Ufer bleibt auch dann linkes Ufer, wenn es in Fahrtrichtung rechts liegt (und umgekehrt). Betrachtet wird das auf Flüssen immer von der Quelle zur Mündung. Stromabwärts ist das linke Ufer also dort, wo der Daumen rechts ist (und umgekehrt). Für Bergfahrer hingegen liegt das rechte Ufer in Fahrtrichtung links (an Backbord) und das linke Ufer an Steuerbord.

Noch mehr verwirrende Regeln gefällig? Bitte sehr: Grün und Rot stehen für linke und rechte Seite – manchmal aber auch für rechte und linke Seite. Es kommt darauf an, ob es sich um Ufer oder Boote handelt. Grüne Spitztonnen markieren stets das (aus Talfahrersicht, siebe oben) linke Ufer und rote Stumpftonnen das rechte Ufer. Doch bei der Lichterführung an Motorbooten ist es genau umgekehrt: Nachts und bei unsichtigem Wetter ist Steuerbord ein grünes Licht zu setzen, Backbord ein rotes Licht. Alles klar?

Übrigens: Linke Uferseite = Grün, rechte Uferseite = Rot habe ich mir recht einfach merken können.  R(rechts) = R(ot) – und „Linksgrün-versifft“. Ha! Endlich sind die täglichen Nettigkeiten, die unsere User der Redaktion an den Kopf werfen, mal für was gut.

Boje über Bord – was nun?

Der Theorie folgt die Praxis. Bevor ich an Bord gehe, lerne ich Umgang und Funktionsweise der automatischen Rettungsweste: Eine integrierte Zellulose-Tablette löst sich bei Kontakt mit Wasser auf, worauf sich eine Feder entspannt und zack! wird die Weste aufgeblasen – raffinierte Erfindung!

Endlich auf dem Wasser, gesellen sich zu „Steuerbord“ und „Backbord“ wunderbare neue Vokabeln wie „achteraus“ und „querab“. Als Rudergängerin darf ich meinem Fahrlehrer Kommandos geben, rufe mit wachsender Begeisterung „Klar zum Ablegen“, „Achterleine los!“, „Fender rein!“, „Boje beobachten!“, „Klar zum Anlegen“ quer durch den Frankfurter Westhafen.

Schippern im Schatten des „Gerippten“: Die Marina Westhafen in Frankfurt.

Das wichtigste Pflichtmanöver ist die Rettung eines über Bord gefallenen Crew-Mitglieds. Mein Fahrlehrer schmeißt unerwartet eine Boje ins Wasser und ruft „Boje über Bord an Steuerbord“ – nun muss alles ganz schnell gehen: Sofort den Motor auskuppeln, damit der Propeller stoppt und kein Blutbad anrichten kann, und das Ruder in Richtung der einen Menschen markierenden Boje legen, wodurch sich das Heck mit dem Außenborder von ihr wegdreht – auch dies eine Sicherheitsmaßnahme gegen Verletzungen. Dann eine Person bestimmen, die den über Bord Gegangenen nicht aus den Augen verlieren soll, das Kommando „Rettungsmittel auswerfen“ nicht vergessen, wieder einkuppeln und zunächst drei oder vier Bootslängen mit dem Wind bzw. mit der Strömung wegfahren. Dann drehen und langsam wieder nähern – gegen den Wind, weil sich das Boot so sicherer manövrieren lässt. Ein bis zwei Bootslängen entfernt den Motor wieder auskuppeln (von wegen Blutbad-Gefahr), das letzte Kommando „Aufnehmen an Steuer- bzw. Backbord“ geben und laaaaaangsam an der Boje vorbeigleiten, so dass sie an Bord genommen werden kann.

Zwei Fahrstunden lang übe ich dieses und andere Manöver, dann naht bereits die Prüfung. Theorie und Praxis werden am selben Tag stattfinden.

• — • — • — • — • — oder: Bleib weeeeeeg! Bleib weeeeeeg! Bleib weeeeeeeg! Bleib weeeeeeeg! Bleib weeeeeeeg!

Passenderweise habe ich zuvor eine Woche Urlaub – Zeit zum Pauken. Ich lerne Schilder und Farben und Schallsignale, merke mir, dass ein langer Ton für „Achtung!“ steht, ein kurzer Ton für Steuerbord, zwei kurze Töne für Backbord, ein langer und ein kurzer Ton für „Wende über Steuerbord“, zwei lange und zwei kurze Töne für „Überhole an Ihrer Backbord-Seite“, drei lange Töne für „Biege in Hafen oder Einmündung ab“, drei kurze für „Fahre rückwärts“, vier kurze Töne für „Oje, bin manövrierunfähig“, und hoffe, dass ich nie in die Verlegenheit kommen werde, die Folge „lang kurz lang kurz lang kurz lang kurz …“ zu vernehmen – das gefürchtete „Bleib-weg-Signal“. Beim Lernen hilft diese Website sowie eine App, mit der ich alle 15 offiziellen Fragebögen, ein jeder mit 30 Multiple-Choice-Fragen, beantworten kann. In der Prüfung wird einer davon vor mir liegen.

Morgennebel in Frankfurt-Fechenheim: Gleich werde ich hier die Theorieprüfung ablegen.

Ziemlich aufgeregt – meine letzte Prüfung ist so lange her, dass ich mich kaum erinnern kann – finde ich mich an einem Samstagmorgen in aller Herrgottsfrühe im Veranstaltungsraum eines Bootsclubs am Main im Frankfurter Stadtteil Fechenheim ein, um mit ungefähr 50 weiteren Anwärterinnen und Anwärtern die Theorieprüfung abzulegen. Mir wird der Fragebogen Nummer 15 zugelost. Nach zehn Minuten kann ich ihn ausgefüllt abgeben.

Für die Praxis muss ich einmal quer durch die Stadt zum Frankfurter Westhafen. Dort stehe ich wenig später in Rettungsweste am Ruder des Fahrschul-Motorboots und habe mich beim Anlegeversuch heillos vermanövriert. „Nur die Ruhe“, spricht der Prüfer, als ich zum zweiten Versuch ansetze. Der muss sitzen, sonst war’s das. Und es klappt. Ich drehe eine Runde, halte erneut im spitzen Winkel auf die Kaimauer zu, kupple diesmal rechtzeitig aus, lasse das Boot mit der Steuerbordseite an die Mauer gleiten, warte zwei Sekunden, drücke dann den Schalthebel nach unten in den Rückwärtsgang und lege das Ruder Richtung Ufer. Brav zieht der Radeffekt das Heck zur Leiter in der Kaimauer. „Leinen über und fest!“, rufe ich und schaue den Prüfer an. „Rückwärts ein bisschen zu viel Gas gegeben“, moniert er und lächelt dann: „Aber das ist nur ein Schönheitsfehler.“ Bestanden. Ich habe den Bootsführerschein!

Und gut drei Wochen später ist das gute Stück dann endlich in der Post.

Was lange währt… da isser!

„Fräulein Nettes kurzer Sommer“

Hey, Annette von Droste-Hülshoff in den Buch-Charts! Hammer, oder?

Gut, ok: Es sind nicht ihre Gedichte, nicht ihre Balladen, nicht ihre Komödie „Perdu“, nicht einmal ihr populärstes Werk, der Krimi „Die Judenbuche“, die zeitweilig auf vordere Verkaufsränge drängen. Es ist ein historischer Roman rund um einen Vorfall im Juli 1820, bei dem ihr in jungen Jahren übel mitgespielt wurde. Die Intrige, die einige Mitglieder der mütterlichen Familie zusammen mit einem besonders windigen Freund des Hauses gegen die 23-Jährige ausgeheckt hatten, bildet den Hintergrund für das fast-600-Seiten-Werk „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ von Karen Duve.

Das Komplott und seine Folgen habe ich hier schon mal beschrieben:

Droste im Paderborner Land (1): Die Intrige im Bökerhof

Nun also ist aus dem Stoff ein historischer Roman geworden. Schon wenn man das dicke Buch zur Hand nimmt, wird klar, dass es sich nicht auf die Schilderung der wenigen, für die Betroffenen durchaus dramatischen Sommertage des Jahres 1820 beschränkt. Karen Duve nutzt die Gelegenheit, um das Bild einer ganzen Epoche zu zeichnen. Das bietet sich an, denn in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts war ja verdammt viel los – Napoleon überrannte Europa und wurde wieder vertrieben, Hungersnöte brachen aus aus, weil auf auf Indonesien ein Vulkan ausgebrochen war, Studenten forderten den deutschen Nationalstaat und bekamen stattdessen erstmal Repression, ein Selbstmordattentat in Mannheim gegen einen „Vaterlandsverräter“, den anti-liberalen Dichter August von Kotzebue, bewegte die Gemüter. Und vieles davon berührte auch die Familie Droste-Hülshoff und ihr Umfeld unmittelbar.

Karen Duve: „Fräulein Nettes kurzer Sommer“. Galiani Berlin, 592 Seiten, 25 Euro. Bild: Verlag

Auf der Frankfurter Buchmesse konnte ich neulich zuhören, wie Karen Duve über die Entstehung ihres Romans sprach. Dass das Biedermeier eine so bewegte Epoche und die Biedermeier-Dichterin so ein „lebendiges und freches Wesen“ war, habe sie überrascht, erzählte sie dort.

Duve fand einen reich gedeckten Tisch an Material, Dokumenten und Quellen vor. Alle Welt schrieb damals Tagebuch, viele waren über ein entschleunigtes soziales Netzwerk namens „Brief“ miteinander verbunden,  und viele dieser Briefe sind erhalten, erschlossen und publiziert. So hätten sich Ereignisse wie den Besuch der Familie Droste bei den Grimms in Kassel quasi Stunde für Stunde rekonstruieren lassen, sagt Karen Duve, und was eigentlich nur ein Büchlein über den Vorfall im Juli 1820 werden sollte, wurde ein kleiner Wälzer über die Jahre 1817 bis 1821. Er schildert gesellschaftliche und politische Umbrüche, zeichnet die sozialen Netzwerke des 19. Jahrhunderts nach, in denen die Männer klüngeln (zum Namedropping gehören Grimm, Hoffmann von Fallersleben, Knigge, Heine). Und es beschreibt den (Adels-)Alltag, zum Beispiel das mühe- und schmerzvolle Reisen, eingepfercht in stickigen Kutschen, die auf schlammigen Wegen stecken bleiben, oder das Kuren wie in Bad Driburg, wo Annette von Droste Erholung von ihren zahlreichen „Uebligkeiten“ suchte.

Zwischen historischer Genauigkeit und Interpretation

Ein historischer Roman ist immer eine Gratwanderung. Lücken, die die (Literatur-)Forschung nicht füllen kann, weil Motive oder Abläufe im Dunkeln liegen, muss der Roman mit Spekulation oder Interpretation auffüllen. Auf der Buchmesse sagte Karen Duve dazu: „Um die Wissenschaft sollen sich die Wissenschaftler kümmern.“ Trotzdem bleibt sie über weite Strecken dicht dran an belegten Ereignissen und Äußerungen. Wer sich ein bisschen mit Annette von Droste beschäftigt, entdeckt in den Dialogen  alle Naslang authentische Zitate etwa aus Briefen wieder. Häufig fällt der Ausruf „Ei Sapperment!“, die 19.-Jahrundert-Version für „Ach du grüne Neune!“, einmal schmunzelt man über „Hätte, hätte, Epaulette“. Doch abgesehen von eingestreuten Sprachbildern und charakeristischen Redewendungen verlegt Duve die Sprache der Protagonisten in unsere Zeit – um der Verständlichkeit willen. „Ich wollte, dass man sich mittendrin fühlt, also habe ich mich nur sporadisch in der Zeit bedient“, erklärte sie dem Buchmesse-Publikum.

Duve nennt ihren Roman einen „Hybrid – historisch ziemlich genau, bis auf die Liebesgeschichte“. Der genaue Ablauf der Begegnungen zwischen Heinrich Straube und Annette von Droste ist nicht überliefert, und man weiß auch nicht, wie weit die Zuneigung tatsächlich ging. Es gibt Anlass zur Vermutung, dass nur Heinrich richtig verknallt war, während Annette ihn eher geschwisterlich liebte. Duve hat sich anders entschieden. Sie habe den Ehrgeiz gehabt, die Geschichte „im historisch Möglichen und psychologisch Wahrscheinlichen auszuarbeiten.“ Bei ihr ist es die große, beiderseitige Liebe.

Wer mehr über den Roman wissen möchte: Hier geht’s zu meiner Rezension für die Frankfurter Rundschau.

Geschichte eines Mega-Projekts: Frankfurts neue Altstadt

„Verrückte Idee“, dachte ich, als in Frankfurt der Plan reifte, die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Altstadt rund 70 Jahre später in Teilen zu rekonstruieren. Gotische Fachwerkhäuser auf dem Stand der 1920er Jahre originalgetreu wieder aufbauen, dazu 20 weitere Gebäude, die sich architektonisch in das historisierende Ganze einfügen, Straßenzüge wiederherstellen, ein ganzes (wenn auch kleines) Viertel „wiederauferstehen“ zu lassen? Das klingt so absurd wie die Bezeichnung „neue Altstadt“.

Dann fielen nach sechs Jahren in diesem Frühjahr die Bauzäune. Und ich muss sagen: Diese unansehnliche Ecke von Frankfurt hat enorm gewonnen. Jaja, ich weiß: Das ist keine Kunst, denn alles scheint besser als das Technische Rathaus, dieser potthässliche Waschbeton-Klotz, mit dem in den 1970er Jahren ein großer Teil dieses Areals überbaut wurde. Als der „Elefantenfuß“ 2012 abgerissen war, eröffnete sich die Chance zum Teil-Wiederaufbau der Altstadt.

Und so sieht es nun dort aus:

Heute spaziere ich gerne nach Feierabend durch die neue Gassen. Wenn sich die Touristenflut bei Einbruch der Dämmerung zurückzieht, hat man die Altstadt fast für sich alleine – noch. Viele Läden und Lokale sind noch nicht eröffnet, Wohnungen noch nicht bezogen. Ich schätze, dass es mit den offen zugänglichen Innenhöfen bald vorbei sein wird: Sobald die neuen Altstädtler sich ihren hochpreisigen Wohnungen eingerichtet haben, werden sie wohl recht schnell genervt die Tore verrammeln.

Aber bis dahin gibt es noch viel zu entdecken. Bei jedem Gang durch die Altstadt nehme ich neue Details wahr. Den Apfelweintrinker, der an der Braubachstraße / Ecke Neugasse aus der Ecke eines Gebäudes schaut – ein Eckstein aus dem Jahr 1940, der zurückgekehrt ist, ebenso wie der den Hühnermarkt dominierende Stoltzebrunnen oder das barocke Portal, das viele Jahre im Garten des Liebieghauses untergekommen war. Der rustikale Brunnen in einem Hof hinterm rekonstruierten Gasthof Zum Rebstock.

Interaktive Web-Reportage

Die FR-Story zur Frankfurter Altstadt

Für die FR habe ich ein interaktives Webdossier zur Frankfurter Altstadt umgesetzt. Darin erzählen wir die Geschichte dieses Mega-Projekts in Texten, Bildern, Grafiken, 360-Grad-Panoramen (wie oben zu sehen), in historischen Aufnahmen und Vorher-Nachher-Vergleichen. Wir beschreiben die Jahrzehnte nach der Zerstörung im Bombenhagel von 1944, als eine Brache das Zentrum der Stadt bildete, sprachen mit Menschen, die sich noch an die Zeit erinnern, als das Areal zwischen dem Rathaus Römer und dem Dom als Parkplatz diente, bis es in den 1970er Jahren im damals modernen Stil des Brutalismus überbaut wurde. Als gut 40 Jahre später die Entscheidung fiel, das Technische Rathaus wieder abzureißen, gab es nur wenige in der Stadt, die ihm eine Träne nachweinten.

Stattdessen erlebte Frankfurt die erstaunliche Karriere einer Idee, über die anfangs fast alle politischen Akteure die Köpfe schüttelten. Doch offenkundig hatte sie einen Nerv getroffen. Wir schildern die hitzige Debatte um das Für und Wider der Altstadt-Rekonstruktion und den Sinneswandel der Stadtpolitker, die sich am Ende mit großer Mehrheit hinter die Pläne stellten. Am Ende waren die Kritiker in der Minderheit – und mancher von ihnen fand als Architekt schließlich sogar Gefallen an der Möglichkeit, am Nachbau einzelner Gebäude mitzuwirken.

Das Dossier zeigt auch, was in den sechs Jahre Bauzeit hinter den Zäunen passierte, wirft einen Blick auf die Rohbauten und in die Werkstätten der beteiligten Handwerksbetriebe, die vor der ungewöhnlichen Herausforderung standen, Schnitzereien und Steinmetzarbeiten nach historischen Vorbildern zu verwirklichen. Die fertig rekonstruierten Häuser hat unsere Fotografin Renate Hoyer in Szene gesetzt.  Das Dossier lebt nicht zuletzt auch von ihren herausragenden Bildern.

Es kommen Menschen zu Wort, die die Altstadt-Entstehung begleitet haben – Architekten und Vereinsvorsitzende, Befürworterinnen und Kritiker. Vor allem aber fragen wir Passanten und Besucherinnen nach ihrer Meinung und sammeln Reaktionen.

Die verwendeten Tools

Das Projekt war für mich eine gute Gelegenheit, neue Tools auszuprobieren. Pageflow, eines der beliebtesten Werkzeuge zum Erstellen von Multimedia-Reportagen (ich habe hier und dort damit gearbeitet) ist schließlich nicht die einzige Storytelling-Plattform im Angebot. Wie rasant der Markt dieser Werkzeuge gewachsen ist, zeigt ein Blick auf bleiwüsten.de. Die beiden Journalist*innen Daniela Späth und Michel Penke bloggen hier über neue Tools und Programme, mit denen sich digitale Geschichten erzählen lassen. Fast immer, wenn ich das passende Werkzeug für die Umsetzung einer Idee suche, werde ich hier fündig. Diesmal fiel meine Wahl auf PictureStory.

Storytelling mit PicturyStory

PictureStory ist keine Software mit einem Editor, sondern ein Set von Dateien, die man mit eigenen Inhalten füllt und dann via FTP auf den eigenen Webspace hochlädt. Kernstück ist ein Template, das man mit dem Web-Editor seiner Wahl auf dem eigenen Rechner bearbeitet. Ohne HTML-Kenntnisse geht hier also nichts. Dafür behält man die Hoheit über alle Dateien und kann jeden beliebigen Code einbinden. Und kostenlos ist PictureStory auch. Michel Penke beschreibt hier genauer, wie es funktioniert.

Um eine Geschichte wie die des Altstadt-Projekts zu erzählen, drängen sich Formate wie Vorher-Nachher-Vergleiche, 360-Grad-Fotos und Bilder mit markierten und klickbaren Bereichen geradezu auf. Für all diese Darstellungsformen fand ich geeignete Werkzeuge, die sich kostenlos nutzen lassen.

Vorher-Nachher-Vergleich mit Juxtapose

Auf die Angebote aus der Storytelling-Tool-Schmiede KnightLab greife ich immer wieder gerne zurück. Neben dem oben erwähnten Template PicturyStory zum Zusammenstellen und Präsentieren einer Geschichte mit Bildern und Multimedia-Elementen, Timeline JS für Zeitleisten, StoryMap für die Präsentation von Reiserouten und Soundcite zum Verknüpfen von Textlinks mit Audios gibt es mit Juxtapose JS ein tolles Tool für Vorher-Nachher-Vergleiche. Zwei Bilder (die eine identische Größe haben müssen) lassen sich stufenlos überblenden. Die Bedienung könnte einfacher nicht sein: URL der Fotos eingeben (Dropbox-Anbindung möglich), optional Bildunterschriften, Credits und die Position des Sliders bestimmen, Embed-Code holen und einbinden.

360-Grad-Panoramen mit Scene VR

Ebenfalls von Knightlab stammt  Scene VR. Das Tool macht 360-Grad-Fotos zu navigierbaren Diashows. Die Panorama-Bilder habe ich mit dem Smartphone und der App Google Street View gemacht. Die Fotos lädt man in Scene VR hoch, sortiert sie nach Belieben, fügt Bildunterschriften hinzu und bekommt auch hier am Ende einen Einbettungscode. Das Tool benötigt die Anmeldung mit einem Google-Konto – und es trackt die Nutzung mit Google Analytics!

Imagemaps mit Pictogon

Um Bereiche auf einem Bild zu markieren, klickbar zu machen und mit Infofenstern zu bestücken, wollte ich zunächst das bewährte Thinglink nutzen. Die Abo-Tarife starten bei 20 Dollar monatlich.  Es gibt auch eine Free-Version, die allerdings einen entscheidenden Haken hat: Erreicht man das Traffic-Limit, funktioniert die Imagemap dauerhaft nicht mehr. Auch in wenig frequentierten Blogs ist die Grenze irgendwann erreicht, wie ich in der Vergangenheit betrübt feststellen musste.

In Pictogon fand ich eine gute Alternative. Auch dieses Tool hat natürlich eine Bezahlversion, aber mit der kostenlosen Variante lassen sich immerhin drei Imagemaps erstellen. Hier ein Anwedungsbeispiel von Knightlab, auf dem Gebäude markiert sind:

Nein.

Ich schau zu lange schon zu. Rede zwar viel über das, was da gerade passiert, über die Nazis, de Rechtsextremen, die Menschenfeinde, die Menschenfänger, die politischen Missbrauchstäter. Über die AfD, diesen politischen Arm einer zutiefst demokratiefeindlichen Bewegung, über die unfassbare Dummheit, die sich auf den Straßen wie im Netz Bahn bricht, und für die der Hutträger aus Dresden nur symbolisch steht. Kein Arbeitstag, keine Redaktionskonferenz, keine abendliche Runde mit Freund*innen mehr, an dem all das nicht Thema ist. Aber eben nur im mehr oder weniger kleinen Kreis. Auch wenn es gut tut, die Fassungslosigkeit, die Empörung, die nackten Sorgen mit alten und neuen Freundinnen und Freunden zu teilen: Es reicht nicht mehr.

Ich war lange genug wie paralysiert, weil das doch eigentlich gar nicht sagbar ist, was die sagen, nicht hier, nicht in diesem Land mit dieser Geschichte. Müssen echt erst die Alten kommen, Konstantin Wecker mit seinen 71 und Hannes Wader mit seinen 76, um Klartext zu sprechen?

Damals hätten wir nie gedacht, dass man sich 40 Jahre später mit einer neuen Generation von hirnamputierten Faschisten wieder herumschlagen muss.

Ok, also Arsch hoch und Zähne auseinander. Es gibt genug Gelegenheiten – und zudem reichlich Klebefläche da draußen.

Das Agitationsmaterial ist eingetroffen.

Altes Land, Neues Land

Im Alten Land hat die Apfelernte begonnen – einige Tage früher als sonst. Der trockene Sommer hatte schon die Kirschen zeitiger reifen lassen, nun also folgen die ersten Äpfel. Vereinzelt sind Erntehelfer zwischen den Spalieren unterwegs und pflücken frühe Sorten wie die, die ich hier zum ersten Mal gegessen habe: Delbarestivale – sehr saftig! Einige Sorten sind ein bisschen blasser als sonst: Weil es zu wenige kalte Nächte gab, bekommen sie in diesem Jahr nicht ganz so roten Backen. Gleichwohl, die Obstbauern scheinen zufrieden, vor allem nach dem schlechten Vorjahr. 2018 wollen sie wieder die übliche Menge von rund 300.000 Tonnen vom Baum holen.

Finde ich auch.

Meine persönliche Ernte pflücke ich mir morgens von dem Apfelbäumchen in meinem kleinen Garten. Einen schnippel ich mir gleich ins Frühstücksmüsli, einen zweiten packe ich mir ein, dann setze mich aufs Rad. Denn dafür bin ich zum ersten Mal nach zehn Jahren wieder hierhergekommen: Das Alte Land zwischen Finkenwerder und Stade mit dem Fahrrad erkunden.

„Altes Land? Naja, das ist eigentlich ein Etikettenschwindel“, sagt der Altländer, mit dem ich in Jork ins Gespäch komme. Das „Herz des Alten Landes“ nennt sich die Gemeinde, und rein geografisch kommt das einigermaßen hin. Allerdings: Streng genommen liegt Jork gar nicht im Alten, sondern im Neuen Land.

Neues Land? Mein Gesprächspartner holt weit aus und zeigt auf die Umgebung: Vor 1000 Jahren stand hier zweimal am Tag alles unter Wasser. Die Unterelbe, die hier gezeitenabhängig ist, ließ regelmäßig die drei Nebenflüsse anschwellen und überschwemmte das Hinterland. Nur ein schmaler Streifen direkt am Elbstrom blieb schon damals weitgehend trocken.

Ebbe und Flut machen sich auch an der Elbe bemerkbar

Im 12. Jahrhundert holte man Experten, um die Gegend urbar zu machen. Die Holländer wussten, wie man Land trockenlegt. Sie deichten die Elbe und die Zuflüsse Schwinge, Lühe und Este ein, durchzogen das Hinterland mit einem feinen Gitter aus Kanälen (Wettern genannt – von Watering) und integrierten auch die Fleete, natürliche Wasserläufe, in dieses Entwässerungssystem. Ergebnis: Keine regelmäßigen Überschwemmungen mehr. Neues Land entstand – und erst damit brauchte jener Streifen an der Elbe einen Namen, um es von dem neugewonnenen Land zu unterscheiden. Das Alte Land war also ursprünglich nur ein Landstrich am Elbufer.

Bei Stade.

An die Holländer erinnern einige verbliebene Windmühlen und Ortsnamen wie Ladekop, Francop oder Hollern. Und die Nummerierung der drei Zonen, in die die drei Nebenflüsse das Alte Land zerschneiden. Im Westen hatten die Holländer mit ihrer Arbeit begonnen und sich dann im Laufe von 300 Jahren Richtung Hamburg vorgearbeitet. Die „Erste Meile“, die sie trockenlegten, erstreckt sich zwischen dem Fluss Schwinge (an dem auch Stade liegt) und der Lühe, die „Zweite Meile“ zwischen Lühe und Este (am Rande dieses Abschnitts findet sich heute die Hase-und-Igel-Stadt Buxtehude), und zwischen Este und der Süderelbe schließlich entstand die „Dritte Meile“ mit den Hamburger Stadtteilen Cranz, Neuenfelde und Francop.

Ach, am besten, ich illustriere das Ganze mal:

Das Alte Land erstreckt sich südlich der Elbe von Hamburg-Finkenwerder im Osten bis nach Stade im Nordwesten. Vor 1000 Jahren galt nur der schmale Landstrich direkt am Elbstrom als „Altes Land“, während das Hinterland durch Eindeichung trockengelegt und somit „Neues Land“ wurde.

Grün ist es hier – jedenfalls verglichen mit dem verbrannten Rest Deutschlands, das auf der Bahnfahrt hierher stundenlang an mir vorbeizog. Zwar hat die Trockenheit auch hier Spuren hinterlassen. Aber das Gras auf den Deichen und den Wiesen hat immerhin noch Farbe, und die wenigen Maisfelder sehen nicht so mitgenommen aus wie andernorts. Den Obstbäumen hat die Hitze offenbar gar nichts anhaben können.

Das Alte Land ist fruchtbar. Es soll nichts geben, das auf den schweren Marschböden nicht wächst. Dass die Altländer vor gut 100 Jahren begannen, sich auf Obst konzentrieren, hat mit den bitteren Erfahrungen mit Deichbrüchen zu tun. Die verheerende Sturmflut von 1962, als Ernten vernichtet und zahllose Tiere ertranken, gab den letzten Ausschlag. Seitdem spielen Ackerbau und Viehzucht hier so gut wie keine Rolle mehr.

Einige von 17 Millionen.

Beherrscht wird das Alte Land nun von 17 Millionen Obstbäumen. 90 Prozent tragen Äpfel, fünf Prozent Kirschen, den Rest teilen sich Pflaumen, Zwetschen, Birnen. Der trockene Sommer schadete ihnen nicht, und auch mit späten Frösten können die Obstbauern umgehen. Mit dem Wasser aus den Wettern beregnen sie dann die Blüten, die unter einer feinen Eisschicht geschützt bleiben. Allerdings wird dafür Süßwasser benötigt. Mit jeder Vertiefung des Stroms wächst aber die Zone, in der sich Süßwasser mit Salzwasser mischt. Auch deshalb wehren sich die Altländer vehement gegen die  nächste Elbvertiefung.

Protest am Straßenrand.

Es gibt eine ganze Reihe von Radwanderwegen im Alten Land. Ich bin die meiste Zeit auf der Obstroute  unterwegsdie in zwei Schleifen rund 80 Kilometer durchs Alte Land führt. Dabei fallen mir die roten Schilder auf, die an ausnahmslos jeder Ruhebank angebracht sind. Auf jedem steht das Kfz-Kennzeichen des Landkreises, gefolgt von einer vierstelligen Zahl, und die Notruf-Nummer 112.

Jede Notrufbank hat ihre eigene Kennung, bestehend aus Landkreis und Nummer.

Der Gedanke hinter den Notrufbänken: Alte Menschen sollen nicht zuhause bleiben müssen, weil sie sich draußen unsicher fühlen. Die Gewissheit, dass im Notfall schnell Hilfe zur Stelle ist, soll ihnen das leichter machen. Wen unterwegs die Kräfte verlassen, kann die nächste Sitzgelegenheit ansteuern, die Notrufnummer wählen und die Standort-Nummer der Bank durchgeben. Die Helfer wissen dann genau, wo sie hinmüssen. Auch andere Kreise haben dieses einfache und effektive System bereits eingeführt.

Radtour-Ziele im Alten Land: 3 Tipps

Festung Grauerort

Ok, dieses Ausflugsziel liegt genau genommen nicht mehr im Alten Land, sondern etwas nördlich davon in Stade-Bützfleth: Die Überreste der preußischen Festung Grauerort finden sich direkt an der Elbe. Das Fort wurde um 1870 herum gebaut und war gedacht zur Abwehr von Feinden, die sich Hamburg übers Wasser nähern. Geschossen wurde aus den trutzigen Mauern heraus jedoch nie.

Festung Grauerort an der Unterelbe.

Fluchtgang in der Festung Grauerort

Das teilweise verfallene Fort ist ein „Lost Place“ wie aus dem Bilderbuch. Sonntags und an Feiertagen kann man die Festung Grauerort besichtigen – auf eigene Gefahr.

Schloss Agathenburg

Zwischen Stade und Horneburg liegt das Dorf Agathenburg. 1655 ließ sich die Grafenfamilie von Königsmarck, zu Reichtum gekommen durch den Dreißigjährigen Krieg, hier einen Landsitz errichten – ein Backstein-Bau mit Turm, der am erhöhten Geestkliff steht. Das Dorf, das zuvor Lieth hieß, wurde nach der ersten Schlossherrin Gräfin Agathe von Königsmarck benannt.

Schloss Agathenburg.

Drei Generationen der Königsmarcks bewohnten Schloss Agathenburg, dann verschwand der letzte männliche Sproß unter bis heute nicht geklärten Umständen im Schloss Hannover. Man vermutet, dass er ermordet wurde. Bekannter als ihr offenbar schwerenötiger Bruder war Maria Aurora von Königsmarck, in den Augen Voltaires die „berühmteste Fau zweier Jahrhunderte“ und Ururgroßmutter einer gewissen George Sand.

Heute dient Schloss Agathenburg als Kulturzentrum, in dem Konzerte, Lesungen und Ausstellungen Raum finden. Neben der Besichtigung des Schlosses ist ein Spaziergang durch den Park sehr zu empfehlen!

Im Park von Schloss Agathenburg

Obst selbst ernten in Jork

Im Hofladen der Familie Lühs in Jork bekommt man einen Korb, einen Lageplan der Plantage und Hinweise auf die erntereifen Sorten – dann kann’s losgehen: Auf dem Herzapfelhof können Besucher*innen Bio-Äpfel (und auch Kirschen oder Pflaumen) selber ernten – und dabei auch naschen. Meine Ernte bestand aus je zwei Exemplaren der Sorten Gravensteiner, Debarestivale, Jamba und James Grieve.

Apfelernte.

Sehnsucht in die Ferne: Die Ausstellung zu Reisen der Annette von Droste-Hülshoff

Auf der steinernen Veranda vor dem Herrenhaus in Bökendorf steht das berühmteste Mitglied der Familie und nimmt die Gäste höchstpersönlich in Empfang. Das ist dem Anlass durchaus angemessen. Denn dass die Türen zum Stammsitz der Familie von Haxthausen in Ostwestfalen für Besucher*innen offenstehen, ist eine seltene Ausnahme.

Normalerweise bleibt Interessierten nur der Blick von außen auf das Anwesen am Rande des Dorfes, das heute zur Stadt Brakel gehört. Das ist jammerschade, denn der Bökerhof ist ein literaturgeschichtlich bedeutender Ort – nicht nur, weil Annette von Droste etliche Male aus dem Münsterland hierher reiste, um die Verwandtschaft mütterlicherseits zu besuchen. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts scharten die Tanten und Onkel der Dichterin auf dem Bökerhof einen Kreis von Romantikern um sich.

Neben Annette von Droste und deren Schwester Jenny gehörten die Sprachwissenschaftler Jakob und Wilhelm Grimm dazu, die die Kontakte nach Ostwestfalen und zu den Droste-Schwestern auch zur Zuarbeit für ihre Märchensammlungen nutzten. Ihrem Bruder Ludwig Emil, dem Maler, verdanken wir Porträts der Bökerhof-Runde. Weitere Gäste waren der Dichter Heinrich Straube, der Schriftsteller Clemens Brentano, die Dichterin Luise Hensel sowie der Germanist und Verfasser der späteren deutschen Nationalhymne, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der später Bibliothekar in der Fürstenbibliothek des nicht weit entfernten Schlosses Corvey wurde.

Der Bökerhof 2018. Foto: Monika Gemmer

In zwei der Räume, in denen all diese Leute ein- und ausgingen, betrieb die Bökerhof-Gesellschaft seit 1995 ein kleines Literaturmuseum. Vor sechs Jahren jedoch mussten die Ehrenamtlichen aufgeben – das Publikumsinteresse war mau. Zuletzt sollen gerade mal 140 Besucher pro Jahr das nur an Sonntagen geöffnete Museum besichtigt haben. Seit 2012 ist es geschlossen, und die Mieter in den Wohnungen des zweigeschossigen Herrenhauses, das nach wie vor in Familienbesitz ist, sind wieder unter sich.

Eine Wanderausstellung, die im Frühsommer 2018 in Brakel Station macht, ermöglicht der Öffentlichkeit nun für kurze Zeit wieder den Blick ins Innere des Gebäudes. „Sehnsucht in die Ferne – Reisen mit Annette von Droste-Hülshoff“ heißt die Schau. Zusammengenommen neun Jahre ihres Lebens war die Dichterin unterwegs. Das ist ziemlich viel für eine Zeit, in der jede Reise im besten Fall beschwerlich, oft aber  auch gefährlich war, auch wenn sie „nur“ vom Münsterland nach Ostwestfalen führte – eine Strecke, die man heute mit dem Auto in zwei Stunden zurücklegen kann. Annette von Droste brauchte dafür drei Tage.

Wenn sie dann endlich aus der Kutsche klettern konnte und erleichtert die Eingangshalle des Bökerhofs betrat, wurde sie von zahlreichen Mitgliedern der großen Familie von Haxthausen in Empfang genommen. Ganz ähnlich fühlt sich das für Gäste der Gegenwart an.

Die Eingangshalle des Bökerhof: Am Kamin, hier zu sehen zwischen Annettes Mutter Therese und ihrem Onkel und ihrer Tante, Werner und Betty von Haxthausen, hatten es sich einst auch die Brüder Grimm gemütlich gemacht. Links im Bild: Annettes Freundin Elise Rüdiger und ihr Bruder Werner. Foto: Monika Gemmer

Von der Eingangshalle führt eine Treppe nach oben, wo Annette – vermutlich im ersten Stock auf der rechten Seite des Hauses – ihr Gästezimmer hatte. Für heutige Besucher ist der Weg jedoch tabu. Foto: Monika Gemmer

Fürs Ausruhen blieb allerdings wenig Zeit. Annette Großvater und dessen zweite Frau hatten so viele Kinder, dass bis heute von der „großen Generation“ der Haxthausens die Rede ist. Und so war der Besuch bei diesen Verwandten für Annette und ihre Mutter Therese (einzige Tochter aus erster Ehe ihres Vaters, die deutlich später geborenen neun Schwestern und acht Brüder waren also Stiefgeschwister) alles andere als eine Erholungsreise. Auf etlichen umliegenden Gütern und Burgen, in Klostern und Stiften warteten 85 Onkel, Tanten, Cousinen und Vettern samt Anhang darauf, dass die Dichterin ihre Aufwartung machte. In einem Brief nannte Droste das einmal despektierlich „Visiten“, die aneinanderhängen „wie Kälbergekröse“. Ich musste das erst mal googeln: Gekröse meint Innereien.

Droste im Paderborner Land (1): Die Intrige im Bökerhof

Die lieben Verwandten! Auch sie und ihre Ansprüche machten das Reisen oder, genauer gesagt, die Aufenthalte in der Ferne furchtbar anstrengend. Kein Wunder, dass Annette von Droste sich immer nur schwer aufraffen konnte, von Burg Hülshoff bei Münster und später vom benachbarten Rüschhaus aus loszufahren. Sie tat es trotzdem, besuchte neben Ostwestfalen auch Angehörige im Sauerland und am Rhein sowie in der Schweiz und am Bodensee, nachdem ihre Schwester dorthin geheiratet hatte. Auch eine Reise nach Holland ist verbrieft.

Die Ausstellung in Brakel ist auf zwei Schauplätze verteilt. In der Alten Waage im Stadtzentrum sind die Reiserouten nachgezeichnet, ebenso die Verkehrsmittel, die Annette von Droste nutzte: Kutsche, Eisenbahn und Schiff. Foto: Monika Gemmer

Andererseits: Es waren diese Verwandtschaftsbesuche, die die Dichterin aus ihrer Zurückgezogenheit zwangen und sie fremde Landschaften erleben, neue Kontakte schließen ließen. Und im Grunde ihres Herzens sehnte sie sich danach. Dem Freund und Mentor Sprickmann gegenüber bekannte die damals 22-Jährige: „Mein Plagedämon hat einen romantischen und geckenhaften Namen, er heißt ,Sehnsucht in die Ferne‘.“

Familienbesuche waren nicht nur gestattet, sondern auch gefordert. Doch abenteuerliche Reisen in ferne Länder, das waren Hirngespinste, die Annette von Droste sich abschminken konnte. Eine geplante Fahrt mit einer Kölner Freundin nach Italien beispielsweise scheiterte am Veto der Mutter. Ihre Tochter könne „ohne Vormund und Geschäftsführer gar nicht in der Welt bestehen“, beschied sie. Dabei gab es für alleinreisende Frauen zu jener Zeit durchaus bereits Vorbilder. Johanna Schopenhauer, mit deren Tochter Adele Annette befreundet war, lebte sogar von ihren Reisebeschreibungen.

Wohl kaum eines ihrer Gedichte beschreibt die unerfüllte Sehnsucht der Annette von Droste nach der Ferne so eindrücklich wie das 1816 entstandene „Unruhe“:

Ich will hier ein wenig ruhn am Strande.
Sonnenstrahlen spielen auf dem Meere.
Seh ich doch der Wimpel weiße Heere.
Viele Schiffe ziehn zum fernen Lande.

Oh, ich möchte wie ein Vogel fliehen!
Mit den hellen Wimpeln möcht ich ziehen!
Weit, o weit, wo noch kein Fußtritt schallte,
Keines Menschen Stimme wiederhallte,
Noch kein Schiff durchschnitt die flüchtige Bahn!

Und noch weiter, endlos, ewig neu
Mich durch fremde Schöpfungen, voll Lust,
Hinzuschwingen fessellos und frei!
Oh, das pocht, das glüht in meiner Brust!
Rastlos treibts mich um im engen Leben.
Freiheit heißt der Seele banges Streben,
Und im Busen tönts Unendlichkeit!

Fesseln will man mich am eignen Herde!
Meine Sehnsucht nennt man Wahn und Traum.
Und mein Herz, dies kleine Klümpchen Erde,
Hat doch für die ganze Schöpfung Raum!

Doch stille, still, mein töricht Herz!
Willst vergebens du dich sehnen?
Aus lauter Vergeblichkeit hadernde Tränen
Ewig vergießen in fruchtlosem Schmerz?
Sei ruhig, Herz, und lerne dich bescheiden.

So will ich heim vom feuchten Strande kehren.
Hier zu weilen, tut nicht wohl.
Meine Träume drücken schwer mich nieder.
Und die alte Unruh kehret wieder.
Ich muss heim vom feuchten Strande kehren.
Wandrer auf den Wogen, fahret wohl!

Fesseln will man uns am eignen Herde!
Unsre Sehnsucht nennt man Wahn und Traum
Und das Herz, dies kleine Klümpchen Erde
Hat doch für die ganze Schöpfung Raum!

Reiseliteratur aus der Familienbibliothek. Foto: Monika Gemmer

Mochte im Herzen der Droste, diesem kleinen Klümpchen Erde, auch Platz für die ganze Welt sein, mochte sie noch so sehr träumen von ihren „Lieblingsgegenden“ wie Spanien, Italien, China, Amerika, Afrika: Die Tapete im „Italienischen Zimmer“ neben dem Gartensaal im Rüschhaus, die Szenen von Neapel zeigte, musste reichen.

Ostwestfalen, Sauerland, Rheinland, Bodensee, Holland: Den tatsächlich bereisten Zielen widmet die Ausstellung jeweils ein begehbares Buch.

Begehbare Bücher als Ausstellungskulissen beschreiben die Gegenden, in die Droste reiste. Foto: Monika Gemmer

Im Inneren der Bücher wird vom Reiseziel erzählt – mit Beschreibungen, Zitaten, Originaltexten zum Anhören über das ausstellungseigene Droste-Wlan, und Exponaten wie Fahrplänen, Reisedokumenten oder mitgereistes Inventar. Foto: Monika Gemmer

Einige der eingebetteten Exponate sind zum ersten Mal öffentlich zu sehen. Es sind Dinge, die Annette von Droste so wichtig waren, dass sie sie mitnahm auf ihre Reisen.

Unverzichtbar: Die Brille. Wie kurzsichtig Annette von Droste-Hülshoff tatsächlich war, darüber ist sich die Nachwelt nicht ganz einig. Ihre Sehschwäche soll irgendwo zwischen -10 und -15 Dioptrien gelegen haben. Ob diese Brille die Kurzsichtigkeit wirklich annähernd ausgleichen konnte? Die kurzsichtige Bloggerin hat ihre Zweifel. Foto: Monika Gemmer

Zum Glück verfügte Droste auch über ein Fernrohr. Mit diesem hielt sie zum Beispiel auf einer in einem Gedicht verewigten „Bank unter den Eichen“ Ausschau nach ihrem Freund und Vertrauten Levin Schücking. Foto: Monika Gemmer

Stets dabei: Die Handtasche der Dichterin. Annette von Droste-Gesellschaft, Foto: Monika Gemmer

Annette von Droste reiste natürlich nicht ohne ihr Handwerkszeug. Hier das Tintenfass. Foto: Monika Gemmer

Annette von Droste war leidenschaftliche Sammlerin von Steinen, Fossilien, Muscheln und Münzen. Aufbewahrt hat sie ihre Schätze in Kästchen wie diesem. Einige nahm sie auch mit auf Reisen. Foto: Monika Gemmer

Kleidung und alles andere wurden in Reisetruhen verstaut. Ganz zuunterst packte die Dichterin ihre Manuskripte, an denen sie auch während ihrer Abwesenheit arbeitete. Foto: Monika Gemmer

Die Familienkutsche mag komfortabler gewesen sein als die öffentlichen Postkutschen, so richtig bequem sieht das Sitzkissen aus einer der Kutschen von Burg Hülshoff aber nicht aus – jedenfalls nicht, wenn man mehrere tage darauf zubringen muss. Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung, Foto: Monika Gemmer

Die Fahrten an den Rhein und den Bodensee wurden leichter, als die ersten Dampfschiffe in Betrieb gegangen waren und die Eisenbahnstrecken ausgebaut wurden. Annette von Droste zeigte keine Berührungsängste mit der neuen Technologie. Ihre Reisezeit nach Meersburg zu Schwester und Schwager verkürzte sich damit um die Hälfte – von 200 auf 100 Stunden. Strapaziös blieb sie gleichwohl.

Für meine Droste-Website nach100jahren.de hatte ich Annettes Schilderung der mitunter halsbrecherischen Fahrt von Münster an den Bodensee vor ein paar Jahren mal als Video aufbereitet:

 

Fazit: Liebevoll gemachte Ausstellung mit Höhepunkten – und einer verpassten Chance

Die Präsentation der Reiseziele als begehbare Bücher, aus deren Seiten wie in Aufklapp-Bilderbüchern Landschaften und Häuser als Popups herausschauen, eignen sich sehr gut, um Besucher*innen ins Sauerland, an den Bodensee oder nach Holland zu versetzen. Für Fans gehören die erstmals gezeigten Exponate zu den Höhepunkten der Schau, und die Originaltexte als Audios, die sich mit dem eigenen Smartphone übers ausstellungseigene Droste-Wlan starten lassen, bringen Interaktivität und multimediale Elemente ins Spiel. Jede*r kann sich hier ein Vermittlungsformat nach eigenem Gusto wählen. Mancher Besucher allerdings rümpft auch die Nase, lehnt das Angebot mit einem überheblich klingenden „Danke, aber ich kann noch lesen“ ab und hat doch gar nicht verstanden, dass es hier um zusätzliche Inhalte geht.

Mitmach-Elemente wie die Postkarten mit Droste-Texten, die sich in einer Souvenirmappe sammeln lassen (leider war bei unserem Besuch keine einzige mehr vorhanden) und ein Droste-Reisespiel (für 1 Euro zu erstehen) machen die Schau rund.

Der Ausstellungskatalog ist weit mehr als das. „Sehnsucht in die Ferne – Reisen und Landschaften der Annette von Droste-Hülshoff“ versammelt Essays und wissenschaftliche Texte über die massiven politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen der Droste-Zeit, über die Kultur des Reisens und die Bedingungen, unter denen Menschen damals unterwegs waren. Zudem werden Reiseberichte der Dichterin in ihren Briefen und Schilderungen von Landschaften in ihren Werken beleuchtet. Daneben gibt es literarische Texte zum Thema Reisen und Annette, verfasst von Autorinnen wie Cornelia Funke, Judith Kuckart und vielen anderen. Auch unabhängig von der Ausstellung eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

Virtuelle Welt statt virtueller Realität

Und dann gibt es noch die VR-Installation, mit der ich – zu meinem eigenen Verdruss – wenig anfangen konnte. Unter der Virtual-Reality-Brille hört man das durch Musik begleitete Droste-Gedicht „Im Grase“* und sieht dazu eine Farbanimation, die man mit eigenen Bewegungen beeinflussen kann. Wer sich ein Bild machen möchte: Auf der Website der Münsteraner Design-Agentur BOK+Gärtner kann man sich das auch ohne VR-Brille ansehen. Musik und Rezitation sind hier zu hören.

Die VR-Station in der Droste-Ausstellung. Foto: Monika Gemmer

Die Animation bildet eine virtuelle Welt ab, nicht aber eine virtuelle Realität. Das Gedicht aber versetzt uns in eine durchaus reale Umgebung: „Süßer Taumel im Gras“, heißt es darin, „von des Krautes Arome umhaucht …“ Nur zu gerne hätte ich mich im Gras liegend wiedergefunden, die Halme direkt neben dem Gesicht, hätte über mir am Himmel „des ziehenden Vogels Lied“ gehört, im Augenwinkel „des schillernden Käfers Blitz, wenn den Sonnenpfad er durcheilt“, bevor der „farbig schillernde Saum“ vor mir sichtbar wird. In der VR-Anwendung beherrschen die bewegten prismatischen Farben aber das ganze Gedicht. Schon gut gemacht, aber: Eine verpasste Chance.

Trotzdem: Ich mag ich die Idee. Eine Ausstellung über das Unterwegssein, über Orte und Landschaften mit VR-Technologie anzureichern, das passt wunderbar. Annette von Droste-Hülshoff hätte es bestimmt gefallen. Gegenden, die man nicht selbst bereisen kann, vom heimischen Sessel aus mit der VR-Brille bereisen, und das ganz ohne die Strapa zen einer langen Fahrt – danach hätte sie sich wohl die Finger geleckt.

Die Ausstellung: Termine und Orte

Die Wanderausstellung „Sehnsucht in die Ferne“ über die Reisen der Annette von Droste-Hülshoff reist selbst – und zwar zu Orten, die die Dichterin besucht hat. Im Jahr 2017 war sie in Büren und auf Burg Hülshoff zu sehen, noch bis 1. Juli 2018 macht sie in Brakel Station, von 2. September 2018 bis 27. Januar 2019 öffnet sie in Meersburg am Bodensee, und vom 10. August 2019 bis 24. November 2019 ist Paderborn die bislang letzte Station – vorläufig, denn weitere Ausstellungsorte sind in Vorbereitung. Weitere Infos gibt es u.a. hier.

PS:

* Ich muss das noch anfügen, denn der letzte Absatz des Gedichts „Im Grase“ gehört mit zu den schönsten Zeilen, die Droste geschrieben hat:

Dennoch, Himmel, immer mir nur
Dieses Eine nur: für das Lied
Jedes freien Vogels im Blau
Eine Seele, die mit ihm zieht,
Nur für jeden kärglichen Strahl
Meinen farbig schillernden Saum,
Jeder warmen Hand meinen Druck,
Und für jedes Glück meinen Traum.