Radtour auf dem Berliner Mauerweg – Tag 2
Rund 40 Kilometer vom Südosten in den Südwesten Berlins – im Zickzack über idyllische Wege an der Stadtkante entlang, von Lichterfelde-Süd und Kleinmachnow über Babelsberg bis zur Glienicker Brücke und rüber nach Potsdam. Am Teltowkanal blühen die Kirschbäume, wo Jahrzehnte zuvor “Grenzverletzer” ihr Leben lassen mussten. Und beim Anblick des ehemaligen Grenzkontrollpunkts Dreilinden kommt eine unangenehme Erinnerung an die DDR hoch.
MehrRadtour auf dem Berliner Mauerweg – Tag 1
160 Kilometer rund um das alte West-Berlin, immer an der früheren Sektorengrenze entlang: Die Radtour auf den Spuren der deutsch-deutschen Teilung führt über damals brutal entzwei geschnittene Straßenzüge, durch Waldschneisen, die als Todesstreifen dienten, über einst verrammelte und heute verbindende Brücken, vorbei an Kanälen und Seen, in denen Menschen auf der Flucht im Wasser versanken, getroffen von Schüssen der DDR-Grenzer. 50 Opfern des Schießbefehls bin ich auf dem Berliner Mauerweg begegnet.
MehrOpen Data, open mind
Das Buch muss weg!
Nein, natürlich nicht das Buch an sich. Nur das gedruckte. Damit Platz geschaffen wird für das neue, das digitale Buch. Das Buch ist nicht als Gesamtkonzept gescheitert. Nur als physisches Produkt muss es abgeschafft werden, damit wir eine neue Evolutionsstufe erreichen – genau so, wie die Erfindung der beweglichen Letter die Kopisten in den Klöstern überflüssig machte. Das sagt Ralf Stockmann von der Staatsbibliothek Berlin, u.a. zuständig für die Digitalisierung gemeinfreier Werke. Ein Bücherretter, der Bücher abschaffen will! Wo gibt’s denn sowas? Auf der re:publica natürlich. MehrVon Menschen und Maschinen
Man reibt sich verwundert die Augen: Während die FAZ Themenseiten zu “Vollbeschäftigung” macht, ist die Arbeitswelt, wie die meisten von uns sie kennen, von Zeitverträgen, Jobverlust, unbezahlten Praktika, von Niedriglöhnen, Leih- und Zeitarbeit geprägt. Die wichtigsten Jobs sind unterirdisch bezahlt, die Bestbezahlten verdienen Summen, die wir nur mühsam gleich beim ersten Versuch mit der richtigen Anzahl von Nullen notieren könnten. Und all das ist noch gar nichts gegen die Lage in anderen europäischen Ländern, wo die Heere der Arbeitslosen immer größer werden, wo eine ganze Generation an die Armut und die Perspektivlosigkeit verloren zu gehen droht.Und was machen wir? Wir reden darüber, ob Maschinen nicht noch mehr von unserer Arbeit übernehmen können, heute auf der re:publica in Berlin, mit Johannes Kleske (Twitter). Und siehe da: Es ist gut und wichtig, darüber zu reden. Denn es gibt bei dieser Diskussion nicht nur Entweder – Oder.
MehrKurz zitiert
Auch wenn es nicht unerwartet kam: Es konnten einem echt die Tränen kommen, als sich die dapd-Redaktionen und -Landesdienste gestern eine nach der anderen verabschiedeten.
Die 1768er sind an allem Schuld!
Ich liebe das NDR-Zeitzeichen, das jeden Tag in einer Viertelstunde ein kleines Stück Geschichte erzählt. Heute liebe ich das NDR-Zeitzeichen ganz besonders – denn die 1.-April-Ausgabe ist eine herrliche Persiflage. Wir schreiben den 1. April 1788, und Madame D’Anne Willencourt begrüßt ihre Gäste in ihrem Talk-Salon in Versailles, darunter den Wirtschaftsminister ihrer Majestät, Comte Phillippe Bourbon de Rosleville und den berühmten Ökonomen Rien de la Sens. Zur allgemeinen Erheiterung der hochwohlgeborenen Runde ist auch ein gewisser Georges Danton eingeladen, der absurde Stichwörter wie Mitbestimmung, Gleichheit, Freiheit und Bürderlichkeit einwirft. Man parliert über die “Kuchenaffäre”, jene angebliche Äußerung Marie Antoinettes zum Hunger des Volkes, über die Alternativlosigkeit der Feudalwirtschaft, die Neiddebatte des Pöbels und ein von Comte Rosleville leicht überarbeitetes Traktat zur Armut (das zu dem Schluss kommt, dass es sie in ganz Frankreich überhaupt gar nicht gibt).
Die “68er” wie Jean-Jacques Rousseau und Konsorten, so fasst Madame Willencourt am Ende zusammen, sind eh an allem Schuld. “Und nächste Woche lautet dann mein Thema: Dampfmaschinen und vollmechanische Webstühle – warum solch neumodischer Schnickschnack vollkommen überschätzt wird.”
Unbedingt hörenswert. Hier der Link zum Podcast bei iTunes.
So ist das Leben
Vor einigen Tagen musste ich an einen Ort zurückkehren, an dem ich dreizehneinhalb Jahre nicht war: Ein Krankenbesuch in einer Klinik in Wiesbaden, eben jener Klinik, in der ich damals monatelang ein- und ausging, in der ich von einer tödlichen Diagnose erfuhr, in der ich verzweifelt den Neurochirurgen um eine Chance für meine Mutter anbettelte. Und die ich am Ende ohne Hoffnung verlassen musste, bleischwer beladen mit den Fakten aus einem letzten, endgültigen Gespräch.
Nun stehe ich also wieder vor dieser Tür – überrascht und überrumpelt, denn ich hätte bis zu dieser Sekunde nicht gedacht, dass mir dieser Gang nach all der Zeit so schwerfallen würde. Ich hole tief Luft, spüre eine helfende Hand und schaffe es irgendwie, nicht schreiend davonzulaufen. Der Gang durchs Foyer fällt mir schwer, mit einem Kloß im Hals und wie ferngelenkt steuere ich die Aufzüge an – alles noch am alten Platz. Auf der Station, einer anderen als damals, fällt die Anspannung schlagartig ab. Denn diesmal ist alles ist gut, die Ärzte konnten helfen, die Operation kam rechtzeitig.
Im Grunde meint es das Leben gut mit mir – auch (und gerade) dann, wenn es mich daran erinnert, wie zerbrechlich es ist.

































