Open Data, open mind

Mein Lieblingsplakat: Die re:publica, wie sie 1948 ausgesehen hätte

Mein Lieblingsplakat: Die re:publica, wie sie 1948 ausgesehen hätte

Open Data war eines der großen Themen auf der Netzkonferenz re:publica – perfekt für mich, denn ich sauge derzeit alles auf, was mit Datenjournalismus zu tun hat. Kleinere Datenvisualisierungen bringe ich immer mal wieder in meinem online-journalistischen Alltag unter, und gerade neulich konnte ich von Christina Elmer (früher stern.de, jetzt Spiegel online) eine Menge über Datenjournalismus lernen. Aber zu einem richtig großen Projekt fehlt es meist an Zeit, Mitstreitern und Budget.

Auf der re:publica waren tolle Beispiele für Datenjournalismus zu sehen. Immer wenn ich anschließend den Saal verließ, hätte ich am liebsten ein Transparent hochgehalten: “Jaaaa! Genau so geht’s! Lasst es mich machen!”

Über Johannes Kleske und seine Gedanken über Maschinen, die uns ersetzen, habe ich hier schon geschrieben. Für mich einer der besten Vorträge auf der re:publica, daher hier nochmal erwähnt. 

Interessante Einblicke in den Stand der Entwicklung des vernetzten Autos, vor allem aber in die offene Denke an der Spitze von Daimler bot das Interview mit Dieter Zetsche. Sein bei Twitter meistzitierter Satz: Wenn es Veränderung gibt, ist es gut, Teil der Veränderung zu sein. 

Zu Sessions mit Tanja und Johnny Haeusler gehe ich schon aus Prinzip, da ist es (fast) egal, worüber sie reden. Diesmal wollten die beiden eigentlich über ihr Buch “Netzgemüse – Aufzucht und Pflege der Generation Internet” reden. Diesen Plan warfen sie über Bord – um stattdessen eine leidenschaftliche Klage gegen die Unfreiheit zu führen, in der Kinder und Jugendliche hierzulande & heutzutage aufwachsen. Die zwei dürfen das. Und sie können das.

Sehr unterhaltsam, vor allem dank Daniel Fiene und seinem “blind date”: Das digitale Quartett mal analog – inklusive Tweets auf Papier!

Äußerst inspirierend: Street fighting data science und “Datenbefreiung selbstgemacht” (hier mehr dazu). Seitdem ich Benedikt Köhler und Jörg Blumtritt zugehört habe, will ich Street fighting data scientist werden!!

Bei diesem Vortrag blieb so ziemlich allen das Lachen im Halse stecken: Thomas Wiegold und Sascha Stoltenow führten uns in den Krieg – und zeigten, wie militärische Konflikte im Zeitalter von Social Web geführt werden. Ein Video vom Einsatz in Afghanistan, mit der Helmkamera aufgenommen; wacklige Flipkamera-Bilder, die Realität vorgaukeln, aber womöglich nur inszeniert sind – die Grenzen zwischen Authentizität und Propaganda verschwimmen. Teilweise starker Tobak, aber sehr wichtig, davon brauchen wir bei der re:publica mehr.

Darf in dieser Liste nicht fehlen: Anne Wizorek, die Frau, die den Brüderle-Sexismus zum Anlass nahm, den Hashtag #aufschrei in die Welt zu setzen, erzählte, was das Ganze gebracht hat. Jetzt noch einen Grimme Online Award für diese Initiative, das wär’s. Schade, dass ich dieses Jahr nicht in der Jury bin. ;)

Den krönenden Abschluss bilden ein Video-Interview mit dem chinesischen Künstler Ai Weiwei und die große Verabschiedung, bei der in guter Tradition Bohemian Rhapsody angestimmt wird. Klar, dass das Video hier ohne Musik auskommen muss – Gema halt.

Die re:publica 2013 in drei eBooks gibt es hier.