Der Mord an „Charlie Hebdo“ – und was er mit uns macht

Im Frankfurter Caricatur Museum gibt es in diesen Tagen den "Je suis Charlie"-Button zur Eintrittskarte dazu.

Im Frankfurter Caricatura Museum gibt es am Freitag den „Je suis Charlie“-Button zur Eintrittskarte dazu.

Fassungslosigkeit, Entsetzen und Trauer gehören in diesen Tagen, nach den Morden an zwölf Menschen bei und vor dem Satireblatt Charlie Hebdo in Paris, wohl zu den vorherrschenden Gefühlen in allen Redaktionen auf diesem Globus. Auch bei uns ist das so. Es ist anders als sonst, wenn ein Terroranschlag oder ein großes Unglück Redaktionen in eine Art professionellen Ausnahmezustand versetzt, der dazu zwingt, alle Planungen über den Haufen zu werfen und alle Kraft allein auf ein Ereignis zu konzentrieren. Es geht näher. Klar: Es sind quasi Kolleginnen und Kollegen, die in Paris für die Meinungsfreiheit starben. Empfinden wir deshalb mehr Mitgefühl? Vielleicht. Aber da ist noch etwas anderes: Das Gefühl der Bedrohung nimmt zu – auch, weil es längst Alltag geworden ist, Redaktionen aus dem Schutz der Anonymität aufs Übelste zu beschimpfen und namentlich genannten Menschen öffentlich den Tod zu wünschen. Man muss heute nicht mal über besonders heikle Themen schreiben, um zur Zielscheibe eines völlig entfesselten Mobs zu werden. Weiterlesen →

Alles vom Billigsten

Bahnhofsviertel bei Nacht

Kreuzung Elbe- und Niddastraße. Foto: Arne Hückelheim, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Jungs trauen sich offenbar nur im Rudel rein. Jedenfalls tauchen sie auf den Monitoren, die uns einen Blick in die Flure über uns gewähren, meist zu mehreren auf. Wir stehen in einer Art Hausmeister-Büro, gelegen im Erdgeschoss eines Bordells im Frankfurter Bahnhofsviertel, und sehen mittels Überwachungskameras ein paar Kerlen mit tiefhängenden Jeans und Baseballkappe zu, wie sie über uns von Stockwerk zu Stockwerk, von Zimmer zu Zimmer laufen (daher die Bezeichnung „Laufhaus“). Sie glotzen, feixen, gehen weiter. Später werden sie sich vor ihren Kumpels mit ihrem Puffbesuch dick tun. Aber eigentlich sind sie nur hier, um die Prostituierten zu begaffen, die spärlich bekleidet auf Barhockern sitzen oder an der geöffneten Tür ihres Zimmers lehnen. Das Geschäft läuft offensichtlich schleppend. Es ist noch früh am Abend. Nachts ist hier ein bisschen mehr los – und mittags, wenn man ringsherum in den Büros, Agenturen und Banken pausiert. „Einblick in das älteste Gewerbe der Welt“ verspricht die vierstündige Führung durch das Frankfurter Rotlichtviertel – Gespräche mit Gewerbetreibenden inklusive. Weiterlesen →

Zu Gast bei Erdferkel & Co

Greifstachler

Greifstachler sind Linkswickler. Hätten Sie’s gewusst?

In der Futterküche des Grzimek-Hauses wird schon eifrig geschnippelt, als wir an die Glastür klopfen. „Ah, die Tagesgäste“, begrüßt uns Astrid. Die nächsten zwei Stunden dürfen wir ihr und den anderen Tierpflegerinnen im Frankfurter Zoo über die Schulter schauen und beim Füttern mit anpacken. Für unseren ersten „Tag im Zoo“ haben wir uns das abwechslungsreichste Revier ausgesucht: 40 ziemlich unterschiedliche Tierarten leben im Grzimek-Haus. Viele haben nur eins gemeinsam: Sie sind nachtaktiv. Weiterlesen →

Und es hat „Boooom“ gemacht

Das frühe Aufstehen am Sonntagmorgen hat sich gelohnt: Von meinem Standort aus, etwa 250 Meter südlich des Frankfurter AfE-Turms, konnte ich seine Sprengung gut mitverfolgen. Und auch, wenn man weiß, was passiert: Der Wumms, mit dem der Koloss in die Knie ging, war sehr sehr beeindruckend. Hier mein wackliges Video – mit dem Sturz des Turms in Zeitlupe und einer zwischenzeitlichen Wiederauferstehung. Man kann gut erkennen, wie unmittelbar nach dem ersten Knall vom Dach aus die Wasserbehälter in die Luft schießen, die mit gesprengt wurden. Und hören, wie ein Ex-Student neben mir den Fall des Uni-Turms, nunja, recht prosaisch bejubelt …

Am Tag danach pilgern die Frankfurter zu den Trümmern, gucken, staunen, reiben sich die Augen. 40 Jahre lang haben sich viele über dieses furchtbare Bauwerk geärgert – und nun ist es einfach weg, buchstäblich von einer Sekunde zur anderen. Was bleibt, ist ein gut zehn Meter hoher Schuttberg. Bagger graben sich durch das Gelände, tragen die Erdwälle ab, die die 55.000 Tonnen Beton aufgefangen und die Nachbarschaft geschützt haben. In ein paar Monate will die Abbruchfirma eine „geputzte Platte“ übergeben.

Dächer, Schilder, Ampeln, Bänke, Bäume, Rasen, Wege – die ganze Senckenberganlage ist von einer dünnen, hellen Staubschicht bedeckt.

Am Rande wühlen ein paar Leute in einem Schutthaufen herum, wohl auf der Suche nach Andenken. Auf der anderen Seite des Zauns stützt sich ein Bauarbeiter auf den Stiel seiner Schaufel und beobachtet die Szene. Er scheint so was zu denken wie: „Steine aus ’nem Kieswerk in Maintal für die Vitrine? Wer’s braucht.“

Hier ein paar Bilder von den Überresten des Turms und der Gegend ringsherum.

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Mein Frieden mit der Mainzer Landstraße

Blick aus unserem Konferenzraum auf die Mainzer Landstraße

Blick aus unserem Konferenzraum auf die Mainzer Landstraße

Seit einigen Monaten muss ich mich an einen neuen Arbeitsweg gewöhnen. Die Frankfurter Rundschau ist nach ihrem Kauf umgezogen, aus dem beliebten Ebbelwei-Viertel in Sachsenhausen rüber auf die nördliche Mainseite, ins Gallus, das ehemalige Industrieviertel westlich der Innenstadt. Dort sitzen wir nun an der Mainzer Landstraße in der Nähe der Galluswarte. Wer Frankfurt kennt, weiß: Dieser Ortswechsel tut schon ein bisschen weh.

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22.000 Schritte durch Rom

Bild: BeBo86, Wikipedia, Lizenz: CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en)

Forum Romanum – das politische und religiöse Zentrum des antiken Rom. Bild: BeBo86, CC BY-SA 3.0

Der Generalstreik am Tag zuvor, von dem wir hinter den dicken Mauern des Vatikan nichts spürten, wird an diesem Tag abgelöst von einer großen Demonstration gegen die Sparpolitik. Die Lage ist unübersichtlich: Das Internet behauptet, viele Straßen seien gesperrt, manche Sehenswürdigkeiten würden heute früher schließen oder gar nicht erst öffnen. Aber stimmt das auch? Unsere Gastgeberin Elena winkt ab, empfiehlt uns den Bus ins Zentrum – „da sehen Sie mehr von der Stadt“ – und wünscht uns viel Spaß. Weiterlesen →