re-publica, Tag 3: Demokratisierung und Gedöns

So. Konferenz vorbei (für mich bereits am Freitagmittag, es folgte eine laaaaange Bahnfahrt ohne Internet, sehr erholsam), alle relevanten Passwörter sind geändert, der Hintern erholt sich langsam von den unbequemen Stühlen und ich bleibe vorläufig noch eine Zusammenfassung über eine Veranstaltung zum Thema Datenschutz schuldig und, hm, mal sehen, ein Fazit oder sowas. Übermorgen oder irgendwann.

Ein Gedanke schlüpfte mit durch die Tür, als ich am Berliner Hauptbahnhof in den ICE kletterte, oder vielmehr eine Frage, die irgendjemand gleich am ersten Tag in die Runde geworfen hatte:
Wenn es so ist, dass eine Handvoll A-Blogger das Bild von der Blogosphäre nach innen wie nach außen prägen, während der überwältigenden Mehrheit von wenig besuchten und unbedarft schreibenden Feld-, Wald- und Wiesen-Bloggern so gut wie keine Relevanz beigemessen wird – was bleibt dann eigentlich von all dem Freiheits- und Demokratisierungspathos, mit dem wir unser Tun (gerade auch auf solchen Konferenzen) so gerne umschreiben?

4 Kommentare

  1. Die Stadt-Land-Fluss-Blogger repräsentieren die Demokratie, wie sie halt ist. Der Rest ist PR. Sorry, RP. Res Publica ist schon der richtige Name. Da war das damals schon aufgeteilt in Patrone und Klientel…. ;-)

  2. Als Angehöriger der „überwältigenden Mehrheit“ würde ich sagen, die meisten Themen, die dort diskutiert wurden, betreffen mich gar nicht so direkt. Werbung? Konkurrenz zu Printmedien? Freiheits- und Demokratisierungspathos? Ich blogge, weil (und so lange) es mir Spass macht.

    Trotzdem Danke für Deine Berichterstattung. Es war auf jeden Fall ein sehr informativer Einblick.

  3. Ich tippe mal, auf die Frage hin, wo bei Zentralisierung der Aufmerksamkeit die Demokratie bleibt, dass es dann sehr stark von den A-Bloggern abhängt. Ach, und natürlich auch vom Thema.

    In Blogistan bin ich praktisch nichts (übrigens ist das ganz gut so), aber in der Welt der Politblogs, genauer gesagt, in speziellen Untermillieus, ist das wieder ganz anders. Und da bin ich übrigens heilfroh, pseudonym zu sein – und nicht privat angreifbar.

    Nochn paar Stichpunkte, unausgegorene:
    1. Gegenseitige Selbstreferenzialität vs. Offenheit unter A-Bloggern
    2. A-Blogger jeweils als Fantreff – jeder A-Blog bringt seine „Fankurve“ und prägt (ein Stück weit) seinen eigenen Diskurs
    3. Verwechslung der Blogcharts mit den relevanten Diskursen
    4. A-Bloggen als Exhibitionismus
    5. Re:publica etwas zu stark auf Blogscout-Könige konzentriert. Immerhin gibt es auch viel frequentierte Hass-Blogger (z.B. PI, politic*ally inc*orrect), und Zeugs abseits der Blogscoutpfade.
    6. Frauen nehmen sich beim Bloggen nicht so wichtig, sind weniger aggressiv, weniger streitsüchtig und kleinlich, neigen weniger zur Rudelbildung, machen weniger „Lärm“ und trommeln weniger laut.

    Da fällt mir ein: „Frauen und Bloggen“: Das könnte ein Thema sein.

    Ist Punkt 2. stimmig und relevant, könnte man auch sagen, in Sachen Demokratie, dass es ja durchaus einen (gelegentlichen) Einfluss der Fans auf den A-Blogger bzw. die A-Bloggerin gibt. Der kommentierende Longtail hat durchaus eine Stimme.

    Ops, nun isses ein langer Kommentar geworden. Hoffe, er ärgert Dich nicht.

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