Unterm Mikroskop

In einem herzerfrischend unaufgeregten Artikel (ist ja bekanntlich keine Selbstverständlichkeit) widmet sich Psychologie Heute in seinem August-Heft dem Medium Weblog. Nicola Döring erklärt in dem online leider nicht verfügbaren Text zunächst ausführlich und unter Vermeidung der üblichen Fettnäpfchen, was Weblogs sind – und macht sich dann auf die Suche nach dem Warum – schließlich ist sie von Hause aus Psychologin und Sozialwissenschaftlerin.

Dr. Döring findet im wesentlichen sechs Gründe fürs Bloggen, die allesamt wenig überraschend sind (aber warum sollten sie auch?): Ein Weblog habe Archiv-, Reflexions-, Ventil-, Sozial-, Öffentlichkeits- und Kreativfunktion. Da dürfte für nahezu alle Gemüter unter uns mindestens ein, eher aber fünf bis sechs gute Motive dabei sein, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Zum Glück.

Döring erwähnt, dass sich in punkto Ventilfunktion bei manchem Blogger (und erst recht manchem Blogleser und Blogkommentator) pathologisches Verhalten manifestieren kann, unterm Strich findet sie aber viel Positives am Bloggen. In Zeiten, in denen überall Medienkompetenz gefordert wird, kann das immense autodidaktische Engagement in der Blogosphäre nicht genug gewürdigt werden. Sie lobt, dass vor allem viele Teenager sich über Blogs aktiv neue Medien aneignen und mit sprachlichen und bildnerischen Darstellungsformen auseinandersetzen, und bricht eine Lanze auch für unsere soziale Kompetenz: Wenn Bloggerinnen und Blogger pauschal als einsame Internetsüchtige pathologisiert werden, die „bloggen, anstatt zu leben“, dann ist das nichts anderes als die Wiederholung eines Klischees, das die Internetforschung eindeutig widerlegt hat: Intensive Onlinekommunikation ist in der Regel kein Ersatz, sondern eine Ergänzung und oft auch Bereicherung herkömmlicher Kommunikations- und Ausdrucksformen.

Insgesamt hat Nicola Döring gut recherchiert, in einem Punkt aber irrt sie: In dem Satz Nicht zufällig wird das bekannte und vielseitige deutschsprachige Blog www.dailymo.de von einer Journalistin verfasst ist exakt ein sachlicher Fehler enthalten. Wenn ich mich auch gebauchpinselt fühle. Geb ich zu.

2 Kommentare

  1. hm.. es ist nicht deutsch? nicht vielseitig? doch nur zufall? die journalistin lässt schreiben? ich komm nicht drauf.. ;)

  2. Nicola Döring über Blogs und deren therapeutischer

    „Du machst bitte was?“ ist eine Reaktion, die dem euphorischen Blogger schon mal entgegenschlägt. Statt Medienrevolution eher ein Sprung in der Schüssel?

    Die nette Kollegin, die gerade den Kaffee aus meiner neuen Kaffeemaschine für gut…

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