Klartext in Oslo

Die Rede von Shirin Ebadi anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises – in deutscher Übersetzung:

Im Namen Gottes, des Schöpfers und des Weisen
Eure Majestät, Eure königliche Hoheiten, sehr geehrte Mitglieder des norwegischen Nobelkomitees, Eure Exzellenzen, meine Damen und Herren!
Ich fühle mich äußerst geehrt, dass ich heute meine Stimme erheben darf von diesem hoch angesehenen Forum aus zu den Völkern der Erde. Diese große Ehre ist mir durch das norwegische Nobelkomitee zuteil geworden. Ich verneige mich vor dem Geist Alfred Nobels und huldige allen, die seinem Weg in Wahrheit folgen.

In diesem Jahr wurde der Friedensnobelpreis einer Frau aus Iran verliehen, aus einer islamischen Nation im Nahen Osten.

Ohne Zweifel wird die Wahl meiner Person eine Inspiration für die vielen Frauen sein, die für die Durchsetzung ihrer Rechte kämpfen. Nicht nur in Iran, sondern in der ganzen Region. Sie kämpfen für Rechte, die ihnen im Lauf der Geschichte entrissen wurden. Der Friedensnobelpreis wird den iranischen Frauen und vielen darüber hinaus den Glauben an sich selbst geben. Frauen sind die Hälfte der Weltbevölkerung. Frauen zu übersehen und sie auszuschließen von einer aktiven Teilnahme an dem politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben: Das bedeutet in Wirklichkeit, die ganze Bevölkerung der Hälfte ihrer Möglichkeiten zu berauben. Die patriarchalische Kultur und die Diskriminierung der Frauen, besonders in islamischen Ländern, wird nicht auf ewig andauern können.

Verehrte Mitglieder des norwegischen Nobelkomitees!
Ihnen wird bewusst sein: Die Ehre und die Freude über diesen Preis werden einen positiven und weit reichenden Einfluss haben auf die aufrichtigen humanitären Bemühungen der iranischen Bevölkerung der Region. Diese großartige Segnung wird jeden freiheitsliebenden und friedenssuchenden Menschen umfassen, ob Frau oder Mann.
Die Sorgen der Menschenrechtsaktivisten werden noch größer, wenn sie sehen, dass nicht nur die ihnen bekannten Gegner gegen die Menschenrechte verstoßen – unter dem Vorwand, sie seien unvereinbar mit ihrer Kultur –, sondern dass die Menschenrechte auch in westlichen Demokratien verletzt werden. Also von Ländern, die selbst zu den ursprünglichen Unterzeichnern der Charta der Vereinten Nationen und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gehören. In diesem Rahmen werden Hunderte von Menschen, die bei militärischen Konflikten verhaftet worden sind, Monate lang in Guantanamo festgehalten, ohne von den Rechten Gebrauch machen zu können, die ihnen gemäß dem internationalen Genfer Abkommen, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und dem internationalen Übereinkommen der Vereinten Nationen über zivile und politische Rechte zustehen.

Millionen von Bürger der zivilisierten Welt beschäftigt außerdem eine Frage seit einigen Jahren, vor allem während der letzten Monate, und auch weiterhin: Wie kann es sein, dass gewisse Entscheidungen und Resolutionen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen bindend sind, während andere Resolutionen des Sicherheitsrates es nicht sind? Warum werden seit den letzten 35 Jahren Dutzende von Resolutionen der Vereinten Nationen über die Besetzung palästinensischer Gebiete durch den Staat Israel nicht sofort durchgesetzt, während dagegen in den letzten zwölf Jahren der Staat und die Bevölkerung in Irak Angriffen, militärischen Überfällen, wirtschaftlichen Sanktionen und schließlich einer militärischen Besetzung ausgesetzt wurden – das erste Mal auf Empfehlung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen?

Meine Damen und Herren!
Erlauben Sie mir, etwas über mein Land, meine Region, meine Kultur und meinen Glauben zu sagen. Ich bin Iranerin, Abkömmling von Cyrus dem Großen. Das ist der gleiche Herrscher, der vor 2500 Jahren auf der Höhe seiner Macht verkündete, „… er werde nicht über das Volk regieren, wenn das Volk es nicht wünscht. Und (er) versprach, keinen Menschen zu zwingen, seine Religion und seinen Glauben zu ändern. Er garantierte Freiheit für alle.“ Die Charta von Cyrus dem Großen ist eines der wichtigsten Dokumente zum Verständnis der Geschichte der Menschenrechte.

Ich danke dem norwegischen Nobelkomitee für die Ehre, die mir zuteil wird, und für den Segen, den diese Ehrung für die friedliebende Bevölkerung meines Landes darstellt.

Der heutige Tag ist gleichzeitig der 55. Jahrestag der Menschenrechtsdeklaration. Einer Erklärung, die gleich am Anfang die angeborene Würde des Menschen anerkennt – und gleiche unveräußerliche Grundrechte für alle vorsieht. Sie ist eine Garantie für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden. Und sie verspricht eine Welt, in der die Menschen genießen, dass die Gedanken und die Meinungen frei sein werden. Eine Welt, in der die Menschen vor Furcht und Armut gehütet und geschützt sein sollen.

Leider entfernt sich die Menschheit mehr und mehr von dieser idealen Welt, die die Verfasser der Erklärung der Menschenrechte vor sich sahen. Der diesjährige Bericht über das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zeigt, wie schon in den vergangenen Jahren, dass Unheil naht. Im Jahre 2002 lebten fast 1,2 Milliarden Menschen in abgrundtiefer Armut, mit einem Einkommen von weniger als einem Dollar pro Tag. Mehr als 50 Länder wurden von Kriegen oder Naturkatastrophen betroffen. Aids hat bis jetzt 22 Millionen Menschen das Leben gekostet und 13 Millionen Kinder zu Waisen gemacht.

Gleichzeitig haben in den vergangenen zwei Jahren einige Staaten die universellen Prinzipien und Gesetze der Menschenrechte verletzt – unter dem Vorwand der Ereignisse des 11. September und der Bekämpfung des internationalen Terrorismus. Alle Staaten müssen sicherstellen, bei jeder Maßnahme zur Bekämpfung des Terrorismus, dass sie alle ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen befolgen, besonders internationale Menschenrechte und humanitäre Gesetze einhalten. Das verlangen die Resolution 57/219 der UN-Generalversammlung vom 18. Dezember 2002, die Resolution 1456 des UN-Sicherheitsrates vom 20. Januar 2003 und die Resolution 2003/68 der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen vom 25. April 2003. Nichtsdestoweniger wurden unter dem Deckmantel der Bekämpfung des Terrorismus Regeln legitimiert, die Menschenrechte und grundlegende Freiheiten beeinträchtigen. Die Schaffung von besonderen Organen und außerordentlichen Gerichtshöfen, die ein gerechtes Urteil erschweren und zeitweise unmöglich machen, wurde gerechtfertigt.

Ich bin Muslimin. Nach dem Koran soll der Prophet des Islam gesagt haben: „Du sollst in deinem Glauben bleiben und ich in meiner Religion.“ Dieses gleiche göttliche Buch sieht die Aufgabe der Propheten darin, alle Menschen aufzufordern, Gerechtigkeit zu üben. Seit der Einführung des Islam wurden die Zivilisation und die Kultur des Iran durchtränkt und erfüllt von Menschenliebe, von Ehrfurcht vor dem Leben, den Ansichten und dem Glauben anderer Menschen, der Verbreitung von Toleranz und Kompromiss und der Vermeidung von Gewalt, Blutvergießen und Krieg. Verkünder dieser humanitären Kultur sind die Leuchten der iranischen, vor allem der gnostischen Literatur, von Hafiz, Mawlavi (im Westen besser als Rumi bekannt) und Attar bis Saadi, Sanaei, Naser Khosrow und Nezami. Ihre Botschaft kommt in diesem Gedicht von Saadi deutlich zum Ausdruck:

„Die Söhne Adams sind Glieder des gleichen Körpers, da sie alle aus dem gleichen Stoff geschaffen wurden.
Wenn das Schicksal eines der Glieder trifft, bleiben die anderen Glieder nicht unberührt.“

Seit über 100 Jahren kämpft das iranische Volk gegen Konflikte, die zwischen Tradition und Moderne entstehen. Einige Menschen haben alte Traditionen wiederbelebt und versuchen die Welt mit den Augen der Vorfahren zu sehen; die Probleme und Schwierigkeiten der heutigen Welt mit Hilfe der Werte der Alten zu bewältigen. Viele andere aber versuchen, Schritt zu halten mit der Entwicklung der restlichen Welt und nicht hinter der Karawane der Zivilisation, der Entwicklung und des Fortschritts zurückzubleiben. Gleichzeitig aber respektieren sie ihre geschichtliche und kulturelle Vergangenheit, ihre Religion und ihren Glauben. Die Menschen in Iran haben besonders in den letzten Jahren gezeigt, dass sie die Teilnahme an dem öffentlichen Leben als ihr Recht betrachten und dass sie selbst über ihr Schicksal bestimmen möchten.

Diesen Konflikt zwischen Altem und Neuem beobachtet man nicht nur in Iran, sondern in vielen islamischen Staaten. Einige Muslime haben despotische Regierungen gerechtfertigt und tun es noch heute unter dem Vorwand, dass Demokratie und Menschenrechte unvereinbar seien mit den Lehren des Islam und der traditionellen Struktur der islamischen Gesellschaft. Und tatsächlich ist es nicht so leicht, mit traditionellen, patriarchalischen Methoden und mit Paternalismus ein Volk zu regieren, das sich seiner Rechte bewusst ist.

Der Islam ist eine Religion, deren erstes Gebot an den Propheten mit den Worten beginnt: „Sprich!“ Der Koran hält die Feder und das, was sie schreibt, hoch in Ehren. Ein solches Gebot, eine solche Botschaft, kann nicht unvereinbar sein mit Wissen und Einsicht, mit Weisheit, Meinungsfreiheit, Redefreiheit und kultureller Vielfalt.

Auch das Elend der Frauen-Diskriminierung in islamischen Staaten, sei es nun im Zivilrecht oder hinsichtlich sozialer, politischer und kultureller Gerechtigkeit, hat seine Wurzeln nicht im Islam, sondern in der patriarchalischen und männerdominierten Kultur, die in diesen Gesellschaften vorherrscht. Diese Kultur toleriert weder Freiheit noch Demokratie, ebenso wenig wie sie an gleiche Rechte für Männer und Frauen glaubt und an die Befreiung der Frauen von der Dominanz der Männer (der Väter, Ehemänner, Brüder ..). Denn das würde die historische und traditionelle Stellung der Herrscher und Hüter dieser Kultur bedrohen.

Denen, die den Gedanken eines Kampfes der Kulturen aufgebracht haben oder die Krieg und militärische Intervention in dieser Region vorgeschrieben haben und soziale, kulturelle, wirtschaftliche und politische Zurückgebliebenheit des Südens als Vorwand benutzt haben im Versuch, ihre Handlungen und Meinungen zu rechtfertigen, denen muss man sagen: Wenn man die internationalen Gesetze über die Menschenrechte einschließlich des Selbstbestimmungsrechts der Nationen als universell betrachten soll und wenn man an die Überlegenheit der parlamentarischen Demokratie über alle anderen politischen Systeme glaubt, dann kann man nicht selbstsüchtig und überheblich nur an die eigene Sicherheit und Bequemlichkeit denken. Im Interesse der künftigen Entwicklung und der internationalen Beziehungen müssen die Vereinten Nationen neue Methoden und Ideen fördern, die auch den Ländern im Süden ermöglichen, Menschenrechte und Demokratie zu genießen – unter Beibehaltung ihrer politischen Unabhängigkeit und ihrer territorialen Integrität.

Die Entscheidung des Nobelkomitees, mir den Friedenspreis für das Jahr 2003 zu verleihen – als erster Frau aus Iran und als erster Frau aus einem islamischen Land –, diese Entscheidung inspiriert mich. Mir und Millionen anderer Iraner und Bürger islamischer Staaten flößt sie die Hoffnung ein, dass wir bei unseren Bestrebungen, unseren Anstrengungen und unserem Ringen um die Verwirklichung der Menschenrechte und der Errichtung der Demokratie in unseren Ländern auf die Unterstützung und auf die Solidarität der internationalen zivilisierten Gesellschaft zählen können. Dieser Preis gehört dem iranischen Volk. Er gehört der Bevölkerung der islamischen Staaten und den Bewohnern des Südens für die Einführung von Menschenrechten und Demokratie.

Meine Damen und Herren,
in der Einleitung zu meiner Rede sprach ich von den Menschenrechten als Garantie für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden. Wenn die Menschenrechte ihren Weg in die Gesetzbücher der Staaten nicht finden oder von den Staaten nicht ernst genommen werden, dann bleibt den Menschen keine andere Möglichkeit, als zum „Widerstand gegen Tyrannei und Unterdrückung“ aufzurufen, so wie es in der Präambel zu der Erklärung der Menschenrechte geschrieben steht. Ein Mensch, dem alle Würde geraubt wird, ein Mensch, der verhungert, ein Mensch, dem die Menschenrechte versagt werden, ein Mensch, der von Hungersnot, Krieg und Krankheit gezeichnet ist, ein Mensch, der erniedrigt und ausgeplündert wird, ein solcher Mensch ist nicht in der Lage, die Rechte zurückzuerobern, die er oder sie verloren hat.

Wenn sich das 21. Jahrhundert wünscht, den Kreislauf von Gewalt, Terrorhandlungen und Kriegen zu durchbrechen und wenn es eine Wiederholung der Erfahrungen des 20. Jahrhunderts vermeiden will – das das Jahrhundert war mit den meisten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit –, dann gibt es keinen anderen Weg als den zu verstehen und dafür zu sorgen, dass die ganze Menschheit, unabhängig von Rasse, Geschlecht, Nationalität oder sozialer Stellung, in den Genuss aller Menschenrechte kommt.

In Erwartung dieses Tages, in großer Dankbarkeit
Shirin Ebadi

Quelle: Nobelpreis-Komitee; Übersetzung: ARD

Mehr dazu:
Interview mit Shirin Ebadi
Die Begründung der Preisverleihung im Wortlaut
Kommentare in iranischen Blogs

6 Kommentare

  1. Danke für die deutsche Übersetzung hier. Ich hatte die englische gelesen, wollte sie aber gern in deutsch nochmal lesen, kam aber bisher nicht dazu, danach im Internet zu suchen… bis, ja bis ich hier überraschend fündig wurde. :)

  2. Mir gefällt daran, dass Ebadi in beide Richtungen austeilt. Auch, wenn sie keine harschen Worte benutzt, lässt sie doch keinen Zweifel daran, dass die Menschenrechte sowohl in der islamischen als auch in der westlichen Welt fortwährend verletzt werden. Hier unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung; dort, indem Religion und real existierende Armut als Gründe für einen (von einer begüterten Elite ausgerufenen) „Kampf der Kulturen“ herhalten müssen.
    Ganz allgemein beeindruckt mich, dass diese Frau sich nicht scheut, sich zwischen die Stühle zu setzen. Sie prangert ganz konkret die Verletzung von UNO-Resolutionen durch die USA an (ein Fehlverhalten, für das nach offizieller Lesart der Irak mit Krieg bestraft wurde), und sie kritisiert zugleich einige islamische Länder offen als despotisch.
    Ebadi sucht die Wurzel des fanatischen und gewalttätigen Islamismus nicht in der Religion selbst. Ihre Rede zeigt, wie versöhnlich sie dem Islam gegenüber steht. Zu versöhnlich offenbar für die Gegner der Ayatollahs, denen ihre Haltung zu lasch ist.
    Wenn man hört, dass sie das Kopftuch im Iran trägt, weil es Gesetz ist und sie als Juristin das Gesetz achten will, sie aber im Ausland die Freiheit genießt, darauf zu verzichten, dann kann man solche Vorwürfe durchaus verstehen. Bei mir löst sowas auch Widerspruch aus: Ebadi unterwirft sich selbst dieser patriarchalen Gesellschaft, die sie doch so offen angreift!?
    Ich verstehe ihren Ansatz so, dass Veränderungen von innen heraus, aus der Mitte des Systems kommen müssen, und nicht von außen übergestülpt werden dürfen. Klar, dass eine solche Haltung den einen zu weit, den anderen nicht weit genug geht. Aber vielleicht ist der Platz zwischen den Stühlen wirklich der, an dem man am weitesten kommt?

  3. Ich sehe, Du empfindest die Rede ähnlich wie ich. Was den Punkt: „Sie trägt im Iran das Kopftuch, außerhalb nicht“, so kann ich ihre Argumentation eigentlich sehr gut nachvollziehen. Sie argumentiert ja juristisch (wobei auch klar ist, daß gerade sie als Richterin bzw. Anwältin sich in der Regel nicht gegen die eigenen Gesetze stellen wird und kann) und nicht religiös, was das Kopftuch angeht. Vergleichbar z.B. wenn ich nach Skandinavien fahre und dort ist es Gesetz, daß man auch tagsüber mit Licht autofahren muß, dann tu ich das da selbstverständlich. Wenn ich wieder in einem anderen Land bin, wo das nicht Gesetz ist, mach ich das auch nicht. Das ist im Grunde dasselbe, was sie macht und das leuchtet mir ein.

  4. Hm. Es stimmt zwar, dass Ebadi juristisch argumentiert, aber es ist schon ein Unterschied, ob ein Gesetz diskriminierenden Charakter hat – sprich, nicht für alle im Land gleichermaßen gilt, sondern nur für eine Bevölkerungsgruppe. Mal so gefragt: Würdest du dich in Skandinavien an das Lichteinschalten halten, wenn diese Vorschrift nur für – sagen wir – Autos vom Typ Corsa gelten würde? Oder nur für Frauen, während Männer ohne Licht fahren dürften?
    Gerade das gesetzliche Gebot, Kopftuch zu tragen, ist ja ein nicht unwesentlicher Aspekt der Unterdrückung in islamischen Ländern, die Ebadi selbst despotisch nennt.

  5. *g* Ich schätze, ja, ich würde auch dann mit Licht fahren. Aber ich verstehe was Du meinst. Andererseits hat es ja auch in Europa Fälle gegeben, die nur für ein Geschlecht galten. Man denke z.B. an das Wahlrecht. Männer durften bzw. mußten wählen, Frauen waren ausgeschlossen. Klar, dagegen wurde auch gekämpft um Gleichberechtigung zu erzielen, aber solange die Gesetze waren, wie sie waren, haben sich die Frauen auch dran gehalten. Ähnliche Beispiele, z.B. die Gesetze zum Wehrdienst: Männer ja, Frauen nein… oder ungleiche Bezahlung von Leistung für Männer und Frauen, etc. Worauf ich hinaus will ist, daß es vergleichbares auch in europäischen Ländern gab bzw. gibt. Und hier wie dort gab und gibt es Menschen, die gegen eine solche Ungleichbehandlung aufstehen. Einige tun das „radikal“ indem sie sich verweigern, andere versuchen es so wie Ebadi „von innen heraus“ wie Du schreibst. Es ist ja klar, daß unter den Bedingungen im Iran o.ä. Ländern, Radikalität im Versuch etwas zu verändern nicht weit führen würde.

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