Zeitreise auf der Zeitleiste

Zeitreise - © styleuneed - Fotolia.com

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Auf der Suche nach Werkzeugen, mit denen sich schöne Zeitleisten erstellen lassen, fand ich neulich Timeline JS. Im Hintergrund werkelt eine bei Google Drive gespeicherte Tabelle, die alle notwendigen Daten enthält – Titel und Beschreibung, Start- und Enddatum, Links zu Multimedia-Inhalten wie Videos (Youtube, Vimeo, Dailymotion), Fotos (Flickr), Audios (Soundcloud), Karten (Google Maps), Tweets und Wikipedia-Artikel, sowie Extrafelder für Credits. Bei den Schriftarten hat man die Auswahl aus einer ganze Reihe von Sets.

Für Websites, die mit WordPress laufen, gibt es ein passendes Plugin, das – wenn alles funktioniert – das Hantieren mit der Tabelle erspart. Wie ich das verstehe, erlaubt das Plugin allerdings nur das Anlegen einer einzigen Zeitleiste. Und ich kann mir nicht helfen: Ich finde es übersichtlicher, alle Daten in einer ordentlichen Tabelle vor Augen zu haben, als für jeden Eintrag auf der Zeitleiste im WordPress-Backend einen eigenen Artikel erstellen zu müssen. Aber das ist sicher Geschmackssache.

Um das Tool zu testen, habe ich einen Multimedia-Reisebericht zweitverwertet, der drüben bei Nach 100 Jahren zum Einsatz kommt. So wird aus der Zeitleiste eine Zeitreise, in der man blättern kann:

Eine lineare Zeitleiste wie diese funktioniert am besten, wenn es darum geht, eine Geschichte chronologisch zu erzählen – einen Lebenslauf zum Beispiel, ein singuläres Ereignis, über das man minutiös berichtet, oder eine Reise. Zwar wird unter der Zeitleiste ein verschiebbarer Überblick die Ereignisse eingeblendet, so dass man auch zwischen den Einträgen springen kann; sie ist aber eher eine Ergänzung und liefert nicht viele Informationen.

Ich finde ja, Zeitleisten brauchen Platz, um ihre ganze Wirkung zu entfalten. In das starre Spaltenkorsett einer Website gequetscht, wirken sie – naja, weniger attraktiv, als sie sein können. Ein Beispiel: So sieht die Vollansicht einer Zeitleiste zu den TV-Duellen der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten aus, die ich für Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung produziert habe. Und so wirkt dieselbe Zeitleiste, wenn man sie in die Website einbettet.

Alles in allem scheint mir Timeline JS ein sehr schickes und relativ einfaches Instrument für diese Art des Erzählens im Web. Die damit erstellten Zeitleisten sind flash-frei, werden somit auch auf mobilen Apple-Geräten angezeigt. Wer sich besser auskennt als ich, kann seine Zeitleiste auch direkt in JSON erstellen, dem Format, auf dem Timeline JS basiert. Für die Zukunft ist auch eine Anbindung an Storify geplant.

Bislang hatte ich Zeitleisten ganz gern mit Dipity erstellt – hier trägt man die einzelnen Ereignisse direkt auf der Plattform des Dienstes ein. Aber wie oben schon erwähnt: Ich finde die Handhabung mit einer Tabelle angenehmer – auch, weil sie mir mehr Kontrolle über das Ergebnis gibt. Änderungen an den Daten lassen sich einfach in einem Dokument vornehmen, und auch Umbrüche in den Texten beispielsweise kann man hier per HTML definieren. Dipity ist zudem nur in einer eingeschränkten Basisversion kostenfrei.

Zum Vergleich noch mal eine Dipity-Zeitleiste zur Geschichte der Stadt Frankfurt, die ich vor längerer Zeit für Frankfurt Story erstellt hatte:

Frankfurt Story auf Dipity.