Abgetaucht in Stralsund

Gorch Fock

Gorch Fock

Huch – die Gorch Fock, hier, im Hafen von Stralsund? Müsste die nicht in Kiel liegen? Und wie sieht die überhaupt aus?!

Kein Zweifel: Der weiße Dreimaster heißt Gorch Fock. Genauer: Gorch Fock I. Er ist älter als das berühmt(-berüchtigte) Schulschiff, gebaut 1933, und sieht auch so aus. Das liegt vor allem daran, dass die erste Gorch Fock einige Jahre unter der Wasseroberfläche verbracht hat. 1945 sollte sie den Russen nicht in die Hände fallen, deshalb versenkte die Wehrmacht sie vor Stralsund. Der Plan hat super geklappt: Da der Strelasund nicht sonderlich tief ist, schauten die Mastspitzen aus dem Wasser, und nach zwei Jahren haben die Sowjets sich die Kriegsbeute doch noch geholt, das Schiff gehoben, instand gesetzt, in Towarischtsch (“Freund”) umbenannt und viele Jahrzehnte als Ausbildungsegler für die sowjetische Handelsmarine genutzt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion blieb das Schiff zunächst in seinem ukrainischen Heimathafen – bis ein paar deutsche Windjammer-Verrückte den alten Kahn im Jahr 2003 kauften und nach Hause brachten – nach Stralsund.

Hier liegt sie nun, die Gorch Fock, wird nach und nach wieder hergerichtet und zeigt doch überall noch Spuren ihrer bewegten Vergangenheit.

Im Ozeaneum

Im Ozeaneum

In ihrer Nachbarschaft steht das “Museum des Jahres 2010” – und dieser Titel ist wahrlich verdient, denn das Ozeaneum ist ein Museum der Extraklasse. Man kann gut und gern einen ganzen Tag hier verbringen: In Ausstellungen über die Weltmeere und ihre Entstehung, über die großen Strömungen und wie sie das Klima beeinflussen, über die Erforschung der Meere und das Wohl und Wehe der industriellen Fischerei. Leider führt das auch dazu, dass mich, wenn ich künftig in mein geliebtes Krabbenbrötchen beiße, etwas zurückbeißen wird – mein Gewissen nämlich. Denn beim Fang von Nordseekrabben geht fast die Zehnfache Menge an Beifang mit ins Netz. Weiß ich jetzt. Leider.

Die Aquarien sind gigantisch – es gibt ein Ostsee- und ein Nordsee-Aquarium mit etlichen Wasserbecken, in denen sich Meeresbewohner jedweder Art und Größe tummeln. Man kann buchstäblich eintauchen in ganz unterschiedliche Unterwasser-Lebensräume, vom Hafenbecken über das Boddengewässer und die Flussmündung bis zur Brandungsküste, zur Tiefsee und zum offenen Atlantik.

Hier eine kleine Fischkunde:

Am Ende warten dann die Wale. In einer riesigen Halle hängen lebensgroße Modelle von Orca, Buckel-, Blau- und Pottwal an der Decke. Unten kann man sich rücklings auf eine Liege legen, Walgesängen lauschen und sich fühlen wie eine Makrele am Meeresgrund. Höchst meditativ. Ich schwöre, meine Liegen-Nachbarin ist eingeschlafen.

Ich geh derweil aufs Wasser, an Bord der MS Hanseblick, und lasse mich unter der 75 Millionen 125 Millionen Euro teuren Rügenbrücke hindurch am Seehafen vorbei zur Volkswerft schippern, wo gerade an dem Scandline-Fährschiff Berlin gebaut wird. Es wird Zeit, tschüss zu sagen – der Ostsee, den Schiffen, den Möwen, der salzigen Luft und dem rauen Wind. All das hat mich eine Woche lang wohlwollend begleitet. Ich sag danke.

Stralsund gucken:

2 Kommentare

  1. Kreiiiiiisch: Ünd die Flünder ist das Breitgequätschte. Lach ……………………….. Ich hab´s gehört !!!!!

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