Nordseeküsten-Radweg (1): Von Hamburg nach Elmshorn

Das Schlimmste hab ich hinter mir. Definitiv. Die Anreise mit der Bahn zum Ausgangspunkt der Radtour hat wirklich keine Panne ausgelassen.

Wer mit einem vollbepackten Fahrrad dem Unternehmen Deutsche Bahn ausgeliefert ist, bekommt eine Ahnung davon, wie sich ein Käfer fühlt, der auf den Rücken gefallen ist. Oder jemand mit einer Behinderung, einem Rollstuhl gar. Aufzüge? Klar, die gibt es. Hier und da. Leider sind sie außer Betrieb. „Wir bauen gerade um.“ Achso. In Hamburg-Harburg ein weiterer Akt dieses Trauerspiels: Aufzug und Rolltreppe verkehren dort nur aufwärts. Wer runter will, zur S-Bahn zum Beispiel, sieht sich mit insgesamt vier Treppen konfrontiert.

Ich hatte Glück: Ich bin nicht gehbehindert, ich sitze nicht im Rollstuhl. Ich musste lediglich meine beiden Packtaschen vom Rad nehmen, nach unten tragen und hoffen, dass ich sie dort noch vorfinde, wenn ich in Runde Zwei das Fahrrad hinterherschleppe.

Warum kann sich ein halbstaatlicher Betrieb eigentlich erlauben, seine Kundschaft auf verrotteten Bahnsteigen festzutackern?

Wie gesagt: Ich habe Glück. Geradezu unglaubliches Glück. Pünktlich zum ersten Tag meiner Tour begann der Frühling. Die erste Etappe von Hamburg-Altona nach Elmshorn durfte ich heute unter einem strahlend blauen Himmel absolvieren – geradezu wie bestellt. Zur Mittagspause winkte ich am Schulauer Fährhaus, kurz hinter Blankenese, in die Webcam am Fahnenmast und ließ mich von Siebenstein, die zuhause vor dem Rechner saß, per Handy in die richtige Position dirigieren: „Siehste mich?“ „Nein… doch, ja, jetzt! Hallo!“

Die Strecke von Wedel Richtung Haseldorf war herrlich: Immer am Elbdeich entlang, zwischen gelassen kauenden Schafen hindurch, die sich auf dem sonnenbeschienenen Asphalt den Po wärmten. Ich geriet in einen kleinen Endorphinrausch – und verpasste prompt den Abzweig. Merkte das aber erst nach sieben Kilometern. Zurück? Hm. Achwas. Vorwärts! Irgendwo würde ich schon wieder auf die Nordsee-Radroute stoßen. Ein Schaf feuerte mich an und pupste vernehmlich .

Nach einigem Zickzack hatte mich bei Uetersen die Route schließlich wieder, die übrigens gut ausgeschildert ist (man muss nur im richtigen Moment hinsehen, statt glückselig auf den schleswig-holsteinischen Horizont zu starren).

Eine Rast an der Sankt Johanneskirche in Seester (sehr idyllisch), dann erreichte ich die Krückau, ein kleines Flüsschen, das von der Elbe landeinwarts bis Elmshorn fließt. Nach 54 Tageskilometern bin ich nun am ersten Etappenziel – und habe soeben einen chinesischen Imbiss entdeckt. Hamjam.

Ich werde schlafen wie ein Lämmchen.

7 Kommentare

  1. Oh wie schön! An dem Webcam-Handy-Hör-und-Seh-Kontakt merkt man echt den technischen Wandel der letzten 6 bis 8 Jahre. Wir leben in einer janz neuen Zeit – irgendwie staune ich immer noch darüber…
    Viel Spaß auch weiterhin!

  2. schläfst du schon? Ich wünsche dir schöne Träume und morgen einen wunderschönen Tag. Ich freue mich schon auf weitere Berichte.
    Alles Liebe Gitti

  3. Wenn die Bahn Dich festgetackert hätte, hättest Du einfach einen Hilferuf an mich geschickt und ich wäre gleich gekommen und hätte Dich losgetackert!

    So so unter strahlend blauem Himmel bist Du also geradelt. Tja, hast Du Dir ja auch verdient. Wer so tapfer loszieht … Hast Du Dir sämtliche Webcams entlang der Strecke vorher rausgeschrieben, damit Du einmal täglich Siebenstein zuwinken kannst? ;o)

    Schlaf gut!

  4. Hi Mo,

    Respekt, Respekt, die ersten 54 Kilometer scheinst Du ja wie nichts weggesteckt zu haben. Freut mich, das mit dem Wetter, hoffentlich bleibt’s so. Bin schon sehr gespannt auf Deinen nächsten Bericht!

    Liebe Grüße von daheim von Nichte, Neffe und Anhang.

    GO WEST!!!!!!

  5. Dir gilt mein ganzer Respekt !!!

    Hört sich auch wirklich sehr gut an die Beschreibung.

    Ich wünsche Dir sonnig und vorallem schöne Tage, pass auf Dich auf !!!

    Grüße von Herrn S.

Kommentare sind geschlossen.