Riskantes Leben

Wer sich wiederholt sehenden Auges in Gefahr begibt, darf keinerlei solidarische Hilfe mehr erwarten, unkt vor allem die konservative Presse über den Fall Susanne Osthoff – und man wird das Gefühl nicht los, dass die Frau nicht nur für ihre unerhörte Abkehr vom christlichen Abendland abgestraft wird, sondern auch für ihre Weigerung, sich nach den Entführern auch von gewissen Medien lukrativ vermarkten zu lassen.

Legt man die gleichen Maßstäbe an das durchschnittliche Risikoverhalten eines Deutschen aus Gelsenkirchen oder Templin oder sonstwo in diesem Land an, dann müsste die Forderung wohl lauten: Wer trotz eindringlicher Warnungen weiterhin raucht oder säuft, darf keinerlei solidarische Hilfe erwarten – und muss für jegliche Behandlungskosten fortan alleine aufkommen.

Riskant leben auf Kosten der Gesellschaft – das praktizieren wir hierzulande mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass wir uns beim Fingerzeig auf andere eigentlich permanent an der Glasscheibe stoßen müssten.

3 Kommentare

  1. Klingt ein bißchen so, als wolltest du die persönliche Risikobereitschaft der Susanne Osthoff, die diese zur Hilfe für notleidende Menschen und zur Bewahrung eines bedeutenden menschlichen Kulturgutes einsetzt, gleichsetzen mit der „Risikobereitschaft“ der Säufer und Raucher, sich und womöglich andere ungeniert zu schädigen.

  2. Trefflich!
    Und dann ist sie auch noch – unbekannt – in ein *anderes* arabisches Land ausgereist, nicht ins wunderschöne verschneite Heimatstädtchen, wo der Pfarrer schonmit einer Kerze wartete. Ick wees nich, kann man so watt verstehn?

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