Radtour auf dem Berliner Mauerweg – Tag 1
160 Kilometer rund um das alte West-Berlin, immer an der früheren Sektorengrenze entlang: Die Radtour auf den Spuren der deutsch-deutschen Teilung führt über damals brutal entzwei geschnittene Straßenzüge, durch Waldschneisen, die als Todesstreifen dienten, über einst verrammelte und heute verbindende Brücken, vorbei an Kanälen und Seen, in denen Menschen auf der Flucht im Wasser versanken, getroffen von Schüssen der DDR-Grenzer. 50 Opfern des Schießbefehls bin ich auf dem Berliner Mauerweg begegnet.
Mehr5. Etappe: Barth – Stralsund
Oha. Dunkelgraue Wolkenberge türmen sich am Himmel, und als ich aus der Tür trete, beginnt es zu regnen. Hm. Von Barth aus geht auch eine Bahn nach Stralsund … Die Versuchung ist seeehr groß. Dann aber erinnere ich mich an die Regenhose, die ich seit 200 Kilometern mitschleppe. Jetzt hat ihre Stunde geschlagen.
4. Etappe: Graal-Müritz – Darß – Barth
Drei Inseln an einem Tag! Ok, drei ehemalige Inseln, die im Laufe der Jahrhunderte zu einer Halbinsel zusammengewachsen sind: Fischland, Darß und Zingst. Bislang hatte ich immer das ganze Inseldreieck einfach nur den Darß genannt.
Mehr3. Etappe: Kühlungsborn – Graal-Müritz
Am Morgen habe ich die Promenade von Kühlungsborn fast für mich allein – die meisten Urlauber scheinen noch am Frühstückstisch zu sitzen. Etwas wehmütig verlasse ich das Seebad, das ohne den Trubel richtig sympathisch wirkt, in Richtung Westen.
Mehr2. Etappe: Wismar – Kühlungsborn
Der Tag beginnt mit einer guten Nachricht: Mein Fahrrad ist noch da! Am Vorabend hatte ich die Wahl zwischen einem Radständer an der Straße und einem überdachten Abstellplatz hinterm Haus, wo ich das Rad zwar ab-, aber nicht anschließen konnte. Ist gut gegangen. So sind sie, die Wismarer.
1. Etappe: Travemünde – Wismar
Mein Herbergsvater sollte Recht behalten. “Schöne Strecke, fahre ich im Winter öfter”, schwärmt er, nachdem ich ihm von meiner heute geplanten Tour erzählt habe: “Freuen Sie sich drauf!”
Das tu ich, und wie. Die Fähre zur Halbinsel Priwall bringt mein Rad und mich auf die andere Seite der Travemündung. Drüben nehme ich eine kleine Straße direkt am Wasser entlang, vorbei an der Viermastbark Passat und am Yachthafen, wo ein paar Frühaufsteher ihre Segelboote klar machen für einen Tag auf dem Wasser. Die Sonne scheint, der Wind rüttelt schon an den Masten – bestes Segelwetter, schätze ich.
MehrGemischte Bilanz
“Und, wohin geht es heute?”, fragt mich ein anderer Radreisender am Morgen vor dem Gasthof in Lohr am Main, wo ich soeben die Taschen ans Rad schnalle. Es ist kalt geworden über Nacht. Ich zieh den Reißverschluss der dünnen Jacke ganz hoch, überlege nur kurz und antworte dann entschieden: “Nach Frankfurt.” “An einem Stück?”, fragt er ein wenig ungläubig, und ich sag: “Ja!”
Und zwar mit der Regionalbahn, die Frankfurt via Hanau in einer guten Stunde erreicht. Dort bin ich vor drei Tagen losgefahren, den Untermain entlang, über Aschaffenburg und Klingenberg nach Miltenberg, dann ein Stück am Mittelmain über Wertheim und Marktheidenfeld bis nach Lohr. Rund 180 Kilometer in eher ungemütlichem, teilweise regnerischen Wetter, zuletzt begleitet von Gegenwind, liegen hinter mir. Viele schöne Momente – und einige, auf die ich gerne verzichtet hätte. Die ganze Tour auf einen Blick nach dem Klick.
MehrLohr am Main
… ist ebenfalls einen Ausflug wert: Kuscheliges Fachwerkstädtchen mit krummen Gassen und Häusern, einem Schloss und darin ein liebevoll gestaltetes Spessartmuseum, das die Geschichte einer unwirtlichen, armen Waldregion voller Räuber erzählt (das echte Wirtshaus und Lilo Pulver kommen selbstverständlich auch drin vor). Und man erfährt von der unglaublichen Geschichte, wie aus einer Stammtischidee – Schneewittchen als gebürtige Lohrerin, die im Lohrer Schloss geboren wurde – ein tourismusfördernder Coup wurde.
MehrMein Mainradweg
Alles fließt
Kurz hinter Aschaffenburg fang ich an zu singen und weiß: Nun bin ich wirklich unterwegs. Es ist Montag, der Himmel ist bewölkt, Regen angesagt – ich hab freie Bahn auf dem Radweg. Hat man einmal die Ausfallstraßen unterquert (es scheint wirklich keine Stadt zu geben, die nicht hässlich ausfranst an ihren Rändern), stört kaum ein Mensch mehr die Ruhe – ok, mit Ausnahme von mir. Als ich die mittelalterliche Richtstätte passiere, stelle ich meinen Singsang kurz ein – und bemerke, dass mein Vorderrad an irgendetwas schleift, ein leichter Achter, glaube ich.
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