Zu Besuch bei Bach

Keine zwei Stunden Bahnfahrt von Frankfurt entfernt steht das Geburtshaus von Johann Sebastian Bach. Viel Zeit hat er hier zwar nicht verbracht – 1695, Bach ist gerade zehn Jahre alt, wird er Vollwaise und zieht mit dem ältesten Bruder nach Ohrdruf am Thüringer Wald und von dort aus an viele weitere Orte, zuletzt nach Leipzig. Das Haus am Frauenplan in Eisenach aber, wo Bach seine Kindheit verbrachte, ist seit mehr als 100 Jahren wichtiger Anziehungspunkt für viele Besucher. Und das zu Recht.

Denn das hier eingerichtete Museum versteht es wirklich, den Komponisten und seine Musik erlebbar zu machen. Hat man sich bei einem Rundgang durchs Haus über das Leben und Arbeiten Bachs, seiner beiden Ehefrauen Maria Barbara und Anna Magdalena und seiner 20 (!) Kinder informiert, wartet im Anbau (der mit seiner moderneren Architektur einen krassen Gegensatz zum Bachhaus bildet) ein echter Genuss. In halboffenen, gemütlichen Sitzkugeln kann man sich zurückziehen wie in ein Schneckenhaus, kann über Kopfhörer Ausschnitte aus Konzerten genießen, und dabei Zeit und Raum vergessen. Ich jedenfalls schwebte hier so lange in meiner Kugel und lauschte dieser wunderbaren Musik, dass ich fast den Vortrag verpasst hätte.

Auch das gehört nämlich zum festen Programm für alle Besucher des Hauses: Historische Musikinstrumente aus der Bachzeit werden vorgestellt und angespielt: Hausorgel, Cembalo, Clavichord und Spinett. Und wie Bach als Bub bei seinem Onkel, der Organist war, die Bälge treten musste, wird im Bachhaus einer der Besucher ausgedeutet, der die Schnüre ziehen muss.

Wer dann noch nicht genug hat, betritt das “begehbare” Musikstück und lässt sich Orgelwerke multimedial auf Panoramaleinwand buchstäblich um die Ohren hauen.

Das Städtchen Eisenach hat übrigens noch mehr zu bieten. Im Gasthaus Zum Goldenen Löwen, wo Bebel und Liebknecht 1869 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei gründeten, sitzt auch heute die SPD und hält trotzig das Erbe hoch. In der Stube auf der Wartburg, in der sich Martin Luther alias Junker Jörg versteckte und die Bibel übersetzte, kann man vergeblich nach dem Tintenfleck an der Wand suchen. In der Stadt begegnet man den Spuren der Wohltätigkeit der Heiligen Elisabeth – und den Spuren der Dreharbeiten für die Serie “Familie Dr. Kleist”, die offenbar bei Eisenach-Touristen und Eisenachern gleichermaßen beliebt scheint. Muss an der schönen Kulisse liegen.




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