Droste im Paderborner Land (2): Mordfall Soistmann Berend – die Vorlage der „Judenbuche“

Vor wenigen Jahren geriet die ostwestfälische Kreisstadt Höxter in die Schlagzeilen. In einem Mietshaus im Ortsteil Bosseborn (das die Boulevardpresse, als sei alles noch nicht grausig genug, das „Horrorhaus von Höxter“ nennt) sollen ein Mann und seine frühere Ehefrau mehrere Frauen festgehalten und schwer misshandelt haben. Zwei der Opfer starben. Der Prozess läuft noch.

Es ist nicht der erste lokale Kriminalfall, der weit über die Region hinaus von sich reden macht. Unweit von Bosseborn geschah gut 230 Jahre zuvor ein Mord, der in die Literaturgeschichte eingehen sollte: Ein jüdischer Händler wird erschlagen, der mutmaßliche Täter flieht, kehrt 23 Jahre später zurück – und erhängt sich an eben jenem Baum, an dem die Mordtat geschehen war, der „Judenbuche“. Weiterlesen →

Droste im Paderborner Land (1): Die Intrige im Bökerhof

Drei Orte in Deutschland sind eng mit Annette von Droste-Hülshoff verknüpft: Das Münsterland, wo sie geboren wurde, der Bodensee, wo sie starb – und das Paderborner Land, die Heimat ihrer Mutter. Auf der persönlichen Landkarte meiner Droste-Reisen war die Gegend rund um Brakel zwischen Paderborn und Höxter in Ostwestfalen, wo Annette jede Menge Verwandtschaft hatte, bislang ein weißer Fleck.

2018 ist ein guter Zeitpunkt, um das zu ändern – und ins Jahr 1820 zurückzureisen. Weiterlesen →

Droste in Bonn (3): Abschiede

Willkommen zum dritten und letzten Teil der kleinen Zeitreise in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, zu Orten in Bonn und Umgebung, die mit Annette von Droste-Hülshoff in Verbindung stehen. Zwischen 1825 und 1846 hält sich die Autorin aus Westfalen immer wieder bei ihren Verwandten am Rhein auf.  Sie erlebt eine junge, aufstrebende Universitätsstadt, knüpft eine ganze Reihe interessanter Kontakte in den Salons und schließt Freundschaften fürs Leben.

Münsterplatz in Bonn. Bild: Monika Gemmer

Zu den wichtigen Begegnungen am Rhein gehört jene mit Sibylle Mertens-Schaaffhausen. Die Archäologin und die Dichterin, beide Jahrgang 1797, haben viele gemeinsame Interessen. Annette von Droste erfährt im Mertensschen Salon literarische Anerkennung, amüsiert sich an ihrer Seite beim Kölner Karneval, steht ihr in Krankheitszeiten bei – und muss schließlich eine große Enttäuschung wegstecken. Weiterlesen →

Droste in Bonn (2): Belastungsproben

Weiter geht es mit der kleinen Expedition auf den Spuren der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff in und um Bonn. Im ersten Teil haben wir einen Zeitsprung ins Jahr 1825 gemacht, als die neue Universität der Stadt am Rhein einen geistig-kulturellen Aufschwung beschert. Zugleich geraten auch die Bonner Hochschullehrer ins Visier des Überwachungsstaates, der Liberale als Demagogen verfolgt.

Schaumburger Hof: In der Gaststätte am Rheinufer kehrten im 19. Jahrhundert Bonner Studenten und Professoren gerne ein. Zu den Gästen zählten Karl Simrock, Ernst Moritz Arndt, Ferdinand Freiligrath, Alexander von Humboldt, Friedrich Nietzsche – und Annette von Doste-Hülshoff, Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens, deren Sommersitz ganz in der Nähe war. Bild: Monika Gemmer

Annette von Droste erlebt diese Entwicklung in den 20er und 30er Jahren des 19. Jahrhunderts hautnah mit – sie bewegt sich in Kreisen von Professoren und Philosophen, Künstlerinnen und Kunstexpertinnen. Weiterlesen →

Droste in Bonn (1): Reisen in eine andere Welt

Aus dem rückständigen Westfalen in das aufgeschlossene, lebenslustige und politisch bewegte Rheinland: Für die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff müssen sich die Reisen nach Bonn und Köln in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angefühlt haben, als löse sich das Korsett. Wenn sie denn je eines getragen hat.

Acht Aufenthalte der Münsteranerin allein in Bonn für die Zeit zwischen 1825 und 1846 sind überliefert. Zusammengerechnet verbrachte sie ein gutes Jahr ihres Lebens in dem aufstrebenden Städtchen, das mit seiner noch jungen Universität viele Gelehrte anzog. Bei ihrem ersten Besuch zählte Bonn um die 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner, bei ihrem letzten war die Bevölkerung auf rund 17.000 angewachsen.

Wo hat Annette von Droste-Hülshoff in und um Bonn gewohnt, welche Bekanntschaften und Freundschaften, die ihren Weg als Autorin teilweise entscheidend mitprägten, hat sie in dieser Gegend geschlossen? Ich bin an den Rhein gefahren und dort auf Spurensuche gegangen.

Das alte Bonn als Modell am Münsterplatz. In diesen Gassen suche ich nach Droste-Orten. Bild: Monika Gemmer

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Burg Hülshoff: Grünes Licht für den Ausbau

Beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) knallten vermutlich die Sektkorken, als der Brief aus Berlin eintraf: Für den Ausbau von Burg Hülshoff, dem Geburtsort der Dichterin westlich von Münster, schießt das Bundesbauministerium satte 4,6 Millionen Euro zu – und fördert das Projekt, über das ich hier ausführlich schrieb, damit fast in vollem Umfang.

Die Entscheidung, die Ministerin Barbara Hendricks heute offiziell bekanntgab, dürfte bei der Droste-Stiftung und deren federführendem Mitglied LWL große Erleichterung ausgelöst haben. Denn das, was die Stiftung an eigenen Geldern hat, reicht zwar, um den Betrieb von Burg Hülshoff und dem späteren Wohn- und Schreibort Rüschhaus wenige Kilometer aufrechtzuerhalten. Mehr aber auch nicht.

Burg Hülshoff auf einer Darstellung von Alexander Duncker aus dem 19.Jahrhundert und einem Foto, das ich 2015 gemacht habe – jeweils rechts ein Teil der Vorburg, die nun ausgebaut werden soll.

„Wir freuen uns sehr, weil jetzt der Ausbau losgehen kann“, kommentiert Barbara Rüschoff-Thale, die Vorstandsvorsitzende der Droste-Stiftung und Kulturdezernentin des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, den positiven Förderbescheid. Vor rund einem Jahr hatte ich mich mit ihr,  LWL-Direktor Matthias Löb sowie dem Geschäftsführer der Droste-Gesellschaft, Jochen Grywatsch, auf Burg Hülshoff getroffen.

Die drei zeigten mir die Räumlichkeiten, führten mich auf abenteuerlich anmutenden alten Holztreppen hinauf ins Dach der Vorburg, wo die Dohlen hausen, und erläuterten mir, was genau sie vorhaben mit dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude. Herzstück der Pläne ist ein Droste-Kulturzentrum: Die Vorburg wird Veranstaltungsstätte mit Platz für Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Workshops. Auch im Haupthaus, der eigentlichen Burg, soll sich einiges ändern. Das Museum wird modernisiert, und bislang der Öffentlichkeit verschlossene Räume sollen zugänglich gemacht werden.

Ende des Dornröschenschlafs

Demnächst also werden die Handwerker anrücken und mit Baulärm und emsigem Treiben den Dornröschenschlaf, in dem die Wasserburg zu liegen scheint, beenden. Man muss das nicht bedauern. Dieser Ort hat sich schon zu Lebzeiten seiner berühmten Bewohnerin immer wieder verändert. Ja, Annette von Droste schätzte die Beschaulichkeit, sie war tief verwurzelt im westfälischen Boden, sie hing am Althergebrachten – aber sie war auch offen für Veränderung und suchte ständig Wege, junge Künstlerinnen und Künstler zu fördern. Man darf annehmen, dass es ihr gefallen würde, wenn hier, an dem Ort, an dem sie ein Vierteljahrhundert lang lebte, schrieb und Verse in altem Gemäuer versteckte, nun eine Stätte für Literatur, Kunst und kulturelle Debatte entsteht. Um das Jahr 2020 herum könnte das Droste-Kulturzentrum in Vollbetrieb gehen. Dann wäre es dann fast genau 200 Jahre her, seit der frühe Tod des Vaters die junge Dichterin zum Auszug aus der idyllisch gelegenen Wasserburg zwang.

Zu hoffen ist, dass der Charakter des Ortes gewahrt bleibt. Wie ich die Akteure des Projekts einschätze, so werden sie dafür Sorge tragen. Ich bin sehr gespannt. Und werde ab und zu ins Münsterland reisen, um mir die Entwicklung vor Ort anzuschauen.