Die Crowdspondents haben geliefert!

Die Crowdspondents haben geliefert!

Beutel, Lunchbox, Kaffeehumpen für unterwegs – und die Helgoland-Fähre: Mitbringsel der Crowdspondents von ihrer Reportage-Reise (das ‚innen‘ habe ich den ‚Reportern‘ spendiert.)

Rechtzeitig im alten Jahr erreicht mich ein Päckchen: Lisa Altmeier und Steffi Fetz von Crowdspondent haben ihr Versprechen eingelöst und mich beschenkt! Wie viele andere hatte auch ich die beiden Journalistinnen bei ihrer Reportage-Reise durch Deutschland diesen Sommer unterstützt, und dafür brachten sie mir von dieser Tour etwas mit – treffsicher aus dem hohen Norden, genauer gesagt: Von Helgoland. Weiterlesen →

Die neue Frankfurter Rundschau darf keine Tageszeitung mehr sein

Ich spinne einfach mal drauf los.

Die neue Frankfurter Rundschau ist ein lebendes Medienprodukt. Sie „erscheint“ nicht mehr in einem festen Rhythmus, sie ist einfach da. Es gibt sie, stets aktuell, im Web und als App, und es gibt sie, als zeitlosere Version mit reinen Hintergrund-Informationen, einmal pro Woche (vielleicht am Wochenende) auf Papier. Man kann sie einzeln kaufen und im Baukastensystem abonnieren: Zugriff auf ein einzelnes Format, Kombinationen oder Vollzugriff auf alle Formate. Im Web ist sie bis zu einem bestimmten Umfang kostenlos verfügbar.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit für Leser, bestimmte journalistische Projekte – zu Beispiel investigative Geschichten – gezielt und zweckgebunden mitzufinanzieren.

Für die neue FR schreiben, filmen, foto-, audio- und kartografieren Journalistinnen und Journalisten, die ihre Aufgabe nicht darin erschöpft sehen, eine fertige Geschichte abzuliefern und sich dann der nächsten zuzuwenden. Die ihre Fragen an Interviewpartner nicht im stillen Kämmerlein stellen, um deren Antworten dann an die Leserinnen und Leser weiterzureichen. Für die „dran bleiben“ nicht nur heißt, Nachdreher zu verfassen, sondern auch Reaktionen, Fragen, Kritik, Anregungen, bislang unbeachtete Aspekte zu dem, was sie bereits geschrieben haben, aufzugreifen. Die einen Text nicht mehr per se als abgeschlossen betrachten, bloß weil er erstmals publiziert worden ist.

Für die neue FR arbeiten Journalistinnen und Journalisten, die kommunizieren – in alle Richtungen. Die keinen Unterschied machen zwischen einem Fan oder einen Follower und dem Chef des Einzelhandelsverbandes – und die sich die Zeit nehmen, mit beiden zu reden. Die sich im Social Web ebenso selbstverständlich bewegen wie auf Pressekonferenzen. Die große Datenmengen ebenso übersetzen können verschwurbelte Politikerreden. Nicht zuletzt: Die sich nicht scheuen, ihre Arbeit transparent zu machen – und offen darüber berichten, wie sie berichten (oder auch, wie man sie am Berichten hindern will).

Nur eins darf sie nicht mehr sein: Tageszeitung. Ein Schnappschuss vom Zustand der Welt hält sich heute einfach keine 24 Stunden mehr. Ich bin immer noch überzeugt, dass Journalismus ein Produkt ist, für dass es genug Käufer gäbe – aber wer will es haben, wenn wir es in ein nicht mehr zeitgemäßes Format pressen?

Unbezahlbar? Vielleicht doch: Die neue FR wird gemacht von einer kleinen, aber schlagkräftigen Truppe aus Experten für Crossmedia-Journalismus, Technik und Vermarktern, die im Digital-Geschäft versiert sind. Eine Crowdfunding-Aktion bringt sie zum Fliegen. Eine Genossenschaft hält sie in der Luft. Könnte das klappen?

Notizen zum Datenjournalismus

Im Hamburg drängelten sich dieser Tage rund 100 Menschen – die meisten Journalistinnen und Journalisten, aber auch jede Menge Programmierer/innen, und viele waren wohl irgendwie beides – bei Gruner+Jahr bei einer Tagung des Netzwerks Recherche, um etwas über Datenjournalismus zu erfahren. Hier ein paar Notizen, Videos, Links und Tweets.

Erkenntnis Nr. 1: Das Thema Datenjournalismus nimmt auch in Deutschland Fahrt auf. Journalisten werden in absehbarer Zeit nicht mehr über die Runden kommen ohne Grundkenntnisse über das Beschaffen, Nutzbarmachen, Auswerten und Visualisieren von Daten. Das scheint auch Verlagen und anderen Medienunternehmen zu dämmern.

Erkenntnis Nr. 2: Teamwork gewinnt an Bedeutung. Es braucht Journalisten, Programmierer und Gestalter – allesamt mit Spezialkenntnissen, aber auch der Fähigkeit, die anderen Bereiche „mitzudenken“.

Erkenntnis Nr. 3: Ohne Excel geht goar nix.

Weiterlesen →

Ich krieg’n App.

Sagte irgendwann letzte Woche einer aus unserem iPad-Team und meinte sowas wie Plaque, Pickel oder „so’n Hals“. Gute Güte, was da alles schiefgehen kann, wenn man versucht, eine Tageszeitung zu einem digitalen Magazin zu machen.

Trotzdem gibt es die Frankfurter Rundschau jetzt dreifach: Auf Papier, online und als App auf dem iPad. Irgendwie passt das: Nach meinen Anfängen im Print habe ich neun Jahre fr-online.de gemacht – nun ist Zeit für was Neues, und die Gunst der Stunde hat mir einen Platz in dem Team beschert, das täglich das digitale Magazin erstellt. eMagazine geht mir noch nicht gut von den Lippen, muss ja auch nicht. Digitales Magazin ist mir sympathischer, oder meinetwegen App. Im Newroom nennt man uns auch die Äppler oder (i)Paddler.
Weiterlesen →

You are not a newspaper anymore

Regina McCombs wirkte verwundert. Die Journalisten-Ausbilderin vom Poynter Institute hatte soeben einer Schar von knapp 100 deutschen Redaktionsleitern, Chefredakteuren und Online-Journalisten im Institut für praktische Journalismusforschung im bitterkalten Leipzig einen Überblick gegeben über die Crossmedia-Strategien amerikanischer Zeitungsverlage. Sie hatte einige Beispiele mitgebracht, die man hierzulande lange suchen muss:

Talking to the Taliban , eine Multimedia-Reportage der kanadischen Zeitung The Globe and Mail:

13 seconds in August: Die Star Tribune in Minneapolis (bei der McCombs Multimediaredakteurin war) lokalisierte auf einem Satellitenfoto die Menschen, die sich im Sommer 2007 beim Einsturz auf der Mississippi-Brücke aufhielten, und besuchte sie mit der Videokamera
13 seconds in August

Is it besser to buy or to rent? Eine interaktives Tool für die Immobilien-Finanzplanung:
Is it better to buy or to rent

Regina McCombs hatte berichtet, mit welcher Selbstverständlichkeit sich US-Kollegen in den neuen Medien bewegen, mit wie viel Entdeckerlust viele von ihnen die Möglichkeiten nutzen, die soziale Netzwerke, Twitter, Blogs für sie selbst und ihre Arbeit bieten (Colonel Tribune, Jason DeRusha). Wie Accounts bei Facebook jenseits der Standard-Anmutung aussehen können (Minnesota Daily). Was Apps an Mehrwert bieten können (Indystar). Welche Ideen für lokale Angebote es gibt (Tampabay, Sunlight Labs)

Und dann, nach ihrem durchaus inspirierendem Vortrag, hörte sie dies: „Aber all das kostet doch Zeit!“

Joah. Stimmt. Is so.

Man stelle sich kurz vor, dies sei keine Journalistentagung, sondern ein Chirurgenkongress. Und auf einen kurzen Abriss der modernen Technologien in der Mikrochirurgie würde der Einwand folgen: Fein, ja, aber hey: Eigentlich habe ich nicht die Zeit, mich damit zu beschäftigen.

Berufsbilder ändern sich. Alle. Vielleicht sind Blogs, Twitter, Facebook (oder welcher Dienst auch immer den nächsten Hype prägen wird) tatsächlich nicht die richtigen Plattformen für die eigene Arbeit – mag sein. Aber um das zu beurteilen, sollte man diese Werkzeuge zumindest kennen. Von gestandenen Kollegen hörte ich neulich, Web 2.0 sei ein Sumpf, in den man sich am besten gar nicht erst hinein begebe. Dabei ist das schon immer unser Job gewesen: die Spreu vom Weizen, die relevanten Informationen vom Blabla zu trennen.

Regina McCombs hatte ein paar Empfehlungen für ihre deutschen Kollegen im Gepäck:

  • Vergrößert eure Kenntnisse und Fähigkeiten. Lernt. Setzt Menschen in eure Newsrooms, die es verstehen, den richtigen Kanal zu finden und Stories medienübergreifend zu erzählen.
  • Kommuniziert ernsthaft mit euren Lesern. Dafür gibt es viele Wege. Wählt euch die passenden aus.
  • Findet eure Nische. Fragt euch: Was nutzt den Usern, besonders jenen in unserer Gegend? Befasst euch mit Geo-Kodierung, entwickelt lokalisierbare Inhalte. Sorgt dafür, dass eure interaktiven Inhalte leichter gefunden werden.
  • Stellt euch auf mobile Dienste ein. Entwickelt attraktive Angebote. Spätestens 2020 wird das der dominierende Weg ins Web sein.
  • Kümmert euch um Branding. Nicht nur für das Medienunternehmen, sondern auch für den einzelnen Journalisten.
  • Habt keine Angst vor der Feststellung: Wir sind keine Zeitung mehr. Hört auf, so zu handeln, als wärt ihr nur ein Printmedium.
  • Nehmt euch die Zeit für all das. Sonst läuft sie für euch ab.

Bookmark-Sammlung „Best Practices“ – Weitere Beispiele für Multimedia-Journalismus