Rüschhaus und Hülshoff im Zeitraffer

Eine Ente nimmt den Wassergraben vor Burg Hülshoff wieder in Besitz, nachdem die Fontäne abgestellt wurde, und dreht wie demonstrativ ihre Runden. Flugzeuge am Himmel ziehen Bahnen wie Sternschnuppen. Wölkchen reißen aus und wehen ihrer eigenen Wege. Die untergehende Sonne lässt die Schatten der Bäume auf der Fassade des Teehäuschens wandern.

Das sind meine Lieblingsstellen in meinem* kleinen Film mit Fotos und Zeitraffer-Aufnahmen von Rüschhaus und Burg Hülshoff:

* nur echt mit dem Fussel oben links auf dem Sensor! :)

Der Flug der Zeit

Ich bin gerade mal wieder zu Besuch bei einer alten Freundin.

Burg Hülshoff

„Wo meines Fußes Spuren stehen“: Burg Hülshoff, Geburtsort der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff – und nach fast 600 Jahren seit kurzem nicht mehr in Familienbesitz.

Ein halbes Dutzend Mal wohl werde ich schon hier gewesen sein, aber noch nie habe ich den Park rund um Burg Hülshoff so einsam erlebt. Die Saison hat erst zaghaft begonnen, bis April sind Museum und Restaurant im Schlosskeller montags und dienstags  noch geschlossen. Das Tor zum Park aber steht auch an diesen Tagen auf. Wer durchschlüpft, findet sich nahezu alleine in der weitläufigen Anlage, die sich rund um die Burg schmiegt, kann die baumgesäumten Wege ohne Störung erkunden – und jede Bank ist frei. In meinem Rucksack sind, neben der Fotoausrüstung, auch etwas zu Essen und zu Trinken, zu Lesen und zu Zeichnen. Und ich muss nirgendwo pünktlich sein.

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Zu Besuch bei Bach

Keine zwei Stunden Bahnfahrt von Frankfurt entfernt steht das Geburtshaus von Johann Sebastian Bach. Viel Zeit hat er hier zwar nicht verbracht – 1695, Bach ist gerade zehn Jahre alt, wird er Vollwaise und zieht mit dem ältesten Bruder nach Ohrdruf am Thüringer Wald und von dort aus an viele weitere Orte, zuletzt nach Leipzig. Das Haus am Frauenplan in Eisenach aber, wo Bach seine Kindheit verbrachte, ist seit mehr als 100 Jahren wichtiger Anziehungspunkt für viele Besucher. Und das zu Recht.

Denn das hier eingerichtete Museum versteht es wirklich, den Komponisten und seine Musik erlebbar zu machen. Hat man sich bei einem Rundgang durchs Haus über das Leben und Arbeiten Bachs, seiner beiden Ehefrauen Maria Barbara und Anna Magdalena und seiner 20 (!) Kinder informiert, wartet im Anbau (der mit seiner moderneren Architektur einen krassen Gegensatz zum Bachhaus bildet) ein echter Genuss. In halboffenen, gemütlichen Sitzkugeln kann man sich zurückziehen wie in ein Schneckenhaus, kann über Kopfhörer Ausschnitte aus Konzerten genießen, und dabei Zeit und Raum vergessen. Ich jedenfalls schwebte hier so lange in meiner Kugel und lauschte dieser wunderbaren Musik, dass ich fast den Vortrag verpasst hätte.

Auch das gehört nämlich zum festen Programm für alle Besucher des Hauses: Historische Musikinstrumente aus der Bachzeit werden vorgestellt und angespielt: Hausorgel, Cembalo, Clavichord und Spinett. Und wie Bach als Bub bei seinem Onkel, der Organist war, die Bälge treten musste, wird im Bachhaus einer der Besucher ausgedeutet, der die Schnüre ziehen muss.

Wer dann noch nicht genug hat, betritt das „begehbare“ Musikstück und lässt sich Orgelwerke multimedial auf Panoramaleinwand buchstäblich um die Ohren hauen.

Das Städtchen Eisenach hat übrigens noch mehr zu bieten. Im Gasthaus Zum Goldenen Löwen, wo Bebel und Liebknecht 1869 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei gründeten, sitzt auch heute die SPD und hält trotzig das Erbe hoch. In der Stube auf der Wartburg, in der sich Martin Luther alias Junker Jörg versteckte und die Bibel übersetzte, kann man vergeblich nach dem Tintenfleck an der Wand suchen. In der Stadt begegnet man den Spuren der Wohltätigkeit der Heiligen Elisabeth – und den Spuren der Dreharbeiten für die Serie „Familie Dr. Kleist“, die offenbar bei Eisenach-Touristen und Eisenachern gleichermaßen beliebt scheint. Muss an der schönen Kulisse liegen.



Mein Insel-ABC

Drei Wochen Usedom gehen zu Ende – Zeit für ein ganz persönliches Fazit.

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Die schönste Ecke Usedoms

Radler, kommst du nach Neuendorf, einem beschaulichen Örtchen auf der Usedomer Halbinsel Gnitz, machst an diesem herrlichen Flecken Erde eine Rast, atmest tief ein – und schnupperst den Geruch von Benzin, dann schau dich um: In deiner unmittelbaren Nähe steht ein Hochtank. Und drüben, am Horizont, eine Handvoll Erdölpumpen. Hä?

Erdöl auf Usedom? Stimmt wirklich: Auf einer Fläche von rund fünf Quadratkilometern unter dem Gnitz sind seit Mitte der 60er Jahre 1,3 Millionen Tonnen schwarzes Gold aus mehr als 2500 Metern Tiefe zutage gefördert worden. Wir befinden uns damit auf der größten bekannten Erdöllagerstätte der neuen Bundesländer – und in einer der schönsten Ecken Usedoms.

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Wo Göring und Mielke sich breitmachten

Die ältere Dame steht, auf einen Gehstock gestützt, an der Promenade von Bansin und schaut sich um. Seit den 50er Jahren kommt sie aus Berlin hierher, um auf Usedom Urlaub zu machen. Sehr viel habe sich seitdem verändert, erzählt sie – zu viel für ihren Geschmack. „Wissense – ik bin en schlichtes Jemüt. Früher hat mir dit besser jefalln hier.“

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Über die Grenze

Auf Usedom kann man die Staatsgrenze überschreiten, ohne es zu merken – jedenfalls, wenn man beim Radeln entlang der Ostsee nicht so genau hinschaut. Drei Kilometer südöstlich von Ahlbeck markiert nur eine kleine, sandige Schneise zwischen zwei Wäldern den Übergang vom deutschen zum polnischen Teil der Insel.

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Stralsund

Zwischen den Wassern

Nach ein paar stürmischen Tagen klart der Himmel wieder auf: Sonne, ab und zu scheucht die immer noch frische Brise ein paar Schäfchenwolken daran vorbei – perfektes Wetter für eine Radtour an der Küste.

Bei Bansin erhebt sich eine Steilküste über den Strand – also hieß es erstmal klettern, bis hinauf auf den Langen Berg, die höchste Erhebung hier.

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Tornado auf Usedom