Durchs Frankfurter Städel des 19. Jahrhunderts laufen

Das Städel Museum von 1878. Bild: Städel Museum

Das Städel Museum von 1878. Bild: Städel Museum

Ich stehe vorm Eingang des Städel Museums am Schaumainkai, und der Boden unter meinen Füßen verschwindet. Der gepflasterte Fußweg, die beidseits auf die Treppen des Portals zuläuft, ist weg. Auch die Skyline auf der anderen Seite des Mains ist nicht mehr da. Das Museum selbst wirkt äußerlich unverändert, Dürer und Holbein stehen an ihrem gewohnten Platz und empfangen die Besucherin des Jahres 1878 als Statuen links und rechts über dem Eingang – ganz so wie heute.

Die VR-Brille drückt ein wenig – das liegt daran, dass ich darunter meine normale Brille trage. Was ich sehe, ist aber so realistisch, dass ich das umgeschnallte Ding auf meinem Kopf schnell vergesse. Ich befinde mich im Jahr 1878, der Museumsneubau am Ufer ist soeben eröffnet worden. Ich trete ein, um mir das Haus so anzuschauen, wie es zur Einweihung aussah, und die Gemäldegalerie jener Zeit exakt so vorzufinden, wie sie damals konzipiert war.
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Frankfurt bei Nacht fotografieren

Nachts am Main, mit dem Blick nach Osten. Bild: Monika Gemmer

Nachts am Main, mit dem Blick nach Osten. Bild: Monika Gemmer

Frankfurt bei Nacht: Fast immer, wenn ich im Dunkeln in der Stadt unterwegs bin, will ich diesen Anblick festhalten, und meistens habe ich nur das Handy dabei – entsprechend geraten die Fotos. Aber auch mit der „richtigen“ Kamera gelingt es mir oft nicht, die Skyline, den Main oder Gebäude wie die Alte Oper so festzuhalten, wie sie in der Blauen Stunde direkt nach Sonnenuntergang oder in der nächtlichen Beleuchtung wirken.

Um die Sache mit der Langzeitbelichtung zu lernen, war ich mit einem Fototrainer, einer Canon EOS 70D und einem Stativ dreieinhalb Stunden lang im abendlichen Frankfurt unterwegs. Was ich von diesem Kurs mitgenommen habe und welche Bilder dabei herauskamen, fasst dieser Beitrag zusammen.

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Orlando

Weit weg vom Alltag, unter einer alles in warmes Licht tauchenden südlichen Sonne und einem Himmel, blankgefegt wie ein Bürgersteig in einer deutschen Kleinstadt an einem Samstagnachmittag, wollte ich die Morde von Orlando am liebsten ganz weit wegschieben. Nicht drüber nachdenken, was dort passierte. Nicht an mich heranlassen, wer da abgeschlachtet wurde und warum. Was es mit mir zu tun hat. Mir einreden, dass es keine Rolle spiele, ob es Besucherinnen und Besucher eines Rockkonzerts, eines Marktes, einer Touristenattraktion, eines Stadions oder eines Treffpunkts für Lesben, Schwule, Transgender trifft. Tagelang versicherte ich mir selbst, dass es falsch wäre, nur deshalb besonders berührt zu sein, weil es meinesgleichen getroffen hat. Darf man das? Und außerdem: Waren die anderen Opfer denn nicht auch meinesgleichen?

Hat nicht geklappt. Weiterlesen →

GOA16: Diese Angebote haben wir nominiert

Der Grimme-Online-Award-Jahrgang 2016 ist ein starker – fast so stark wie 2007! :) In der aktuellen GOA-Saison durfte ich als Mitglied der Nominierungskommission zwei Monate lang mit sechs Mitstreiter*innen nach digitalen Perlen tauchen, den Fang anschließend drei Tage lang gründlich begutachten, schließlich die besten Stücke herausfischen und sie, begleitet mit allen guten Wünschen, ins Finale schicken.

Die Nominierungskommission zum Grimme Online Award 2016: Vorne v.l.: Brigitte Baetz (freie Medienjournalistin), Monika Gemmer (Frankfurter Rundschau), Christian Nuernbergk (LMU München) Mitte v.l.: Friederike Sobiech (Redakteurin und Designerin), Darja Lena Martens ("Blinde Kuh"), Sebastian Brauns (Journalist) Hinten: Henning Grote (User Experience Konzepter). Foto: Vera Lisakowski

Die Nominierungskommission zum Grimme Online Award 2016: Links von mir Brigitte Baetz (freie Medienjournalistin), rechts Christian Nuernbergk (LMU München). Mitte v.l.: Friederike Sobiech (Redakteurin und Designerin), Darja Lena Martens („Blinde Kuh“), Sebastian Brauns (Journalist). Hinten: Henning Grote (User Experience Konzepter). Foto: Vera Lisakowski

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Wie Burg Hülshoff wachgeküsst werden soll

Es könnte sich einiges ändern auf Burg Hülshoff, dem Wasserschloss westlich von Münster und Geburtsort von Annette von Droste-Hülshoff. Die Stiftung, der das Anwesen gehört, will es zum Droste-Kulturzentrum ausbauen.

Burg Hülshoff: Vorburg (links) und Haupthaus (rechts). Bild: Monika Gemmer

Burg Hülshoff: Vorburg (l.) und Haupthaus (r.). Bild: Monika Gemmer

Im vergangenen Dezember verstarb die letzte Eigentümerin, Jutta Freifrau von Droste zu Hülshoff, Enkelin eines Neffen der Dichterin. Schon 2012 hatte sie das Anwesen mit allen drum und dran in eine Stiftung eingebracht – auf dass Burg und Andenken bewahrt und gefördert werden und der Dichterinnenort auch künftig der Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Diesem Schritt ist zu verdanken, dass das Gräften umgebenen Wasserschloss nicht als Golfhotel oder in einer ähnlich abwegigen Nutzung endet.

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Datawrapper baut die Kartenfunktion aus

Die Anbieter von Datawrapper haben das Modul zum Erstellen von Karten zu einem richtig guten Feature ausgebaut, das Werkzeug macht damit einen großen Sprung nach vorn. 250 Karten, von der Weltkarte über Kontinente und Staaten bis zu Bundesländern und Landkreisen (deutschlandweit und auf Länderebene) stehen zur Verfügung. Nach der Auswahl der Karte imporiert man die vorbereitete Datenabelle, passt die Darstellung an (Farbskala, Beschriftung, Legende und Tooltips) – schon ist die fertige Karte publizierfähig. Dieses Video zeigt, wie’s geht.

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Frankfurt-Wahl: Ergebnisse in Grafiken und Karten

Neulich vertrat ein Gast in unserer Redaktionskonferenz die These, das Wahlsystem mit der Möglichkeit des Kumulierens und Panaschierens würde den Parteien links der Mitte eher schaden. Begründung: Deren Wähler seien eher zu teilen bereit und dazu, ihre Stimmen auch über Parteigrenzen hinweg zu vergeben, was die eigentlich favorisierte Partei eher schwächt.

Nun: Das Ergebnis der Kommunalwahl liegt vor, und weil die Stimmen in Frankfurt in zwei Schritten ausgezählt wurden – erst die Stimmzettel mit den Listenkreuzen, dann jene mit kumulierten bzw. panaschierten Stimmen – gab es ein Zwischenergebnis, das sich mit dem vorläufigen Endergebnis vergleichen lässt.

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