Kurz geknipst
Das Leistungsschutzrecht verwirrt selbst seine Befürworter
Es kam, wie es kommen musste: Eine schwarz-gelbe Mehrheit im Bundestag löste heute ihr Wahlversprechen an die mächtigsten Medienkonzerne des Landes ein und verabschiedete ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Dass im Axel-Springer-Verlag heute die Sektkorken knallen, ist dennoch unwahrscheinlich. Denn das, was das Parlament da mit 293 Ja- zu 243 Nein-Stimmen (und bei drei Enthaltungen) passieren ließ, wird den Presseverlagen die erhofften zusätzlichen Einnahmen nicht bescheren. Auf die dürfen sich stattdessen die Abmahnanwälte des Landes freuen. Google, den ursprünglichen Adressaten des Gesetzes, wird es nicht kratzen. Seitdem wenige Tage vor der Verabschiedung ein entscheidender Halbsatz in den Gesetzestext geriet, der das Zitieren von „einzelnen Wörtern und kleinsten Textausschnitten“ ausdrücklich erlaubt, kann sich der Konzern zurücklehnen. Oder doch nicht?
MehrAbschied
Im Newsroom ist es still geworden. Wir haben einen jungen Kollegen und Freund verloren, der wie kaum ein anderer an die Zukunft dieser Zeitung und noch mehr an die Zukunft des Journalismus geglaubt hat. Geradezu ansteckend war dieser Optimismus. Nun sitzen wir da, starren auf einen unbesetzten Schreibtisch und warten immer noch, dass er gleich zur Tür reinkommt.
Alt werden …

Diese Woche im Literaturkalender: Caroline von Wolzogen, Autorin und Schwägerin Friedrich Schillers, über das Alter
Freie Deutsche Patriarchen
Die FDP macht es einem momentan wirklich schwer zu entscheiden, welcher ihrer Spitzenpolitiker der widerlichste ist. Die ganze versammelte Anwärterschaft auf diesen Titel demonstrierte gerade auf dem Neujahrsempfang den Schulterschluss: Diese einvernehmliche Kumpelhaftigkeit, mit der sie den Täter in ihre Mitte nehmen – die Vorwürfe zurückzuweisen, das haben weder Brüderle selbst noch seine Parteifreunde nötig. Im Gegenteil. Wir wissen ja, wie du wirklich bist, hört man sie rufen, und es klingt wie “Wir kennen ja unseren Rainer, so ist er halt, *zwinker zwinker*”. Und ich fürchte, mit dieser Haltung stehen sie nicht alleine da. Da draußen gibt’s noch viel mehr, die meinen, Frauen sollten sich mal nicht so anstellen, und alles in allem sei dieser vieltausendfache #Aufschrei doch wohl ziemlich übertrieben.
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ZDF berichtet brandaktuell über FR
Wow. Das ZDF schafft es, einen Beitrag über die aktuelle Situation der Frankfurter Rundschau mit einem Bild anzumoderieren, das den früheren Sitz der Zeitung am Mainufer zeigt – ein Gebäude, aus dem die FR schon vor nahezu vier (!) Jahren ausgezogen ist. Die Innenaufnahmen aus dem Newsroom sind zwar im jetzigen Domizil gedreht, aber ebenfalls bereits mehrere Jahre alt. Dabei war das ZDF-Team doch heute vor Ort – und hat bei dieser Gelegenheit eine meiner Lieblingskolleginnen interviewt.
Hannah Arendt – die Anti-Ikone
Sie raucht wie ein Schlot, spricht ein Englisch mit sehr deutschem Akzent, führt ein offenes Haus und ein geselliges Leben im New Yorker Exil. Sie scheut keine politische Auseinandersetzung, und wenn dabei Freundschaften auf der Strecke bleiben, wirkt das wie ein Kollateralschaden: nicht schön, aber eben unvermeidbar. Tief im Inneren aber leidet sie darunter. Barbara Sukowa ist als Hannah Arendt einfach großartig, und der Kinofilm ist rundum zu empfehlen.
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