Lichter der Stadt

Lichter der Stadt

Alle zwei Jahre ist Luminale in Frankfurt: Aus Anlass einer Messe verändern Lichtinstallationen eine Woche lang den Anblick von ausgewählten Orten und Gebäuden der Stadt.

In der Obermainanlage – seit der Neugestaltung einer der schönsten Abschnitte des Anlagenrings – haben Design-Studentinnen und -Studenten aus Stuttgart und Coburg mit Licht und Schatten gespielt. Als sie in der Woche vor der Luminale ihre Installationen aufbauten, hatten sie ein Pappschild aufgestellt: “Keine Panik. Das wird noch schön.” Und so kam es auch. Gestern, im Nieselregen, habe ich dort ein paar Fotos machen können. Update: Inzwischen sind Luminale-Bilder von weiteren Schauplätzen hinzugekommen – nach dem Klick.

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Raus ins Wäldche

Raus ins Wäldche

Wenn der Job sich im Leben allzu sehr in den Vordergrund drängt und man selbst während des wenigen verbliebenen Schlafs über Detailfragen brütet, hilft nur eins: Mailaccount stilllegen, ungelöste Probleme aus dem Kopf schlagen, raus an die Luft und ein paar Geocaches heben – diesmal im Frankfurter Stadtwald.
Start an der Schillerruh, einer unscheinbaren Lichtung nahe der Landstraße an der Stadtgrenze Neu-Isenburg – vor gut 230 Jahren macht Friedrich Schiller an dieser Stelle schlapp, als er auf der Flucht aus der Garnison nach Frankfurt war. Gerade hatte der Militärarzt, der viel lieber Dichter sein wollte, in Stuttgart seinen Arrest abgesessen für das Entfernen von der Truppe, da zieht es ihn schon wieder nach Mannheim, um dort sein neues Theaterstück an den Mann zu bringen. Zurück in den Militärdienst, das kommt für ihn nicht mehr in Frage. Also Flucht Richtung Norden. In Darmstadt wird das Geld knapp, eine Postkutsche können Schiller und sein Freund Streicher, der ihn begleitet, sich nicht leisten – also zu Fuß weiter. Kurz vor Frankfurt kann Schiller nicht mehr. Streicher erinnert sich an den Oktobertag 1782 kurz vor der Stadtgrenze:

Man machte sich also nochmals auf, um Frankfurt in einigen Stunden zu erreichen, welches aber die Mattigkeit Schillers kaum zuzulassen schien; denn er ging immer langsamer, mit jeder Minute vermehrte sich seine Blässe, und als man in ein Wäldchen gelangte, in welchem seitwärts eine Stelle ausgehauen war, erklärte er, außerstande zu sein, noch weiter zu gehen, sondern versuchen zu wollen, ob er sich nach einigen Stunden der Ruhe wenigstens so weit erhole, um heute noch die Stadt erreichen zu können. Er legte sich unter ein schattiges Gebüsch ins Gras nieder, um zu schlafen (…) Auf die schnelle Frage von S., wie gehts, wie ist Ihnen, erfolgte zu seiner Beruhigung die Antwort “Mir ist etwas besser, ich glaube, dass wir unseren Marsch wieder antreten können.” Er stand auf, durch den Schlaf so weit gestärkt, das er, anfangs zwar langsam, aber doch ohne Beschwerde fortgehen konnte. Außerhalb des Wäldchens traf man auf einige Leute, welche die Entfernung der Stadt noch auf eine kleine Stunde angaben. Diese Nachricht belebte den Mut, es wurde etwas schneller gegangen, und ganz unvermutet zeigte sich das altertümlich gebaute, merkwürdige Frankfurt, in welches man noch vor der Dämmerung eintrat.
Andreas Streicher: “Schillers Flucht aus Stuttgart und sein Aufenthalt in Mannheim von 1782-1785″

In Frankfurt bleibt Schiller vorsichtshalber erstmal inkognito, als er sich in einem Buchladen nach dem Erfolg der “Räuber” erkundigt. Erst als er vom großen Zuspruch hört, den sein Stück am Main finde, gibt er sich zu erkennen – und lässt sich dann in Frankfurt ordentlich feiern. Was er von der Stadt hält, fasst er einige Jahre später in einer Gedichtzeile zusammen: “Und es herrscht der Erde Gott, das Geld.”

Ob schon Schiller durch ein Meer von Bärlauch wanderte, als er sich Frankfurt näherte? Heutzutage ziehen ganze Heerscharen von Frankfurtern ins “Wäldche”, um Bärlauch zu pflücken, bevor es blüht. An einer Stelle scheint besonders reiche Ernte zu erwarten: Am Königsbrünnchen in der Nähe des Jakobiweihers, wo ich mit eigenen Augen mitansehen musste, wie hartgesottene Sachsenhäuser aus einer schwefelhaltigen Quelle das leicht faulig riechende Wasser schlürfen. Merkwürdig bis heute, dieses Frankfurt.

Auf diesem persönlichen Ostermarsch lief Trip Journal mit, eine nette kleine Applikation auf dem Handy, die die Route mitsamt Fotos aufzeichnet.

Trip Journal

Anschauen in Google Earth? Klick hier.

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Nur die Zeit vergeht

Nur die Zeit vergeht

Wenn alles gut gegangen ist, wenn da drüben, auf der anderen Seite, wirklich alles so ist, wie manche Menschen glauben, dann kehrst du wohl eben von einem ausgedehnten Spaziergang mit deinen Vierbeinern zurück. Wahrscheinlich habt ihr den Weg durch den Wald hinterm Haus genommen, seid an der Lichtung nach Norden abgebogen, über den Kanal gesprungen und habt eure Runde über die sturmumwehten Klippen von Dorset gedreht. Wieder zuhause angekommen, wirst du dir hundert gute Bücher nehmen und dich gemütlich auf einem Sofa niederlassen, vor dir ein Teller mit einem ganzen Stapel Reibekuchen und Apfelmus, den du langsam und still genießt, es gibt keinen Hunger, dort, wo du jetzt bist. Du wirst ein Buch in einem Atemzug lesen und danach neunundneunzig weitere, ohne aufzublicken, und du würdest dabei die Zeit vergessen, wenn sie dort, wo du jetzt bist, überhaupt noch wichtig wäre. Du lebst, aber du alterst nicht. Du läufst, aber du wirst nicht müde. Du wartest, aber du spürst keine Ungeduld. Du hast alle Zeit der Welt, buchstäblich.

Hier waren es zehn Jahre, lange genug, sollte man meinen, um sich nur noch an solche Momente zu erinnern wie jene oben auf dem Kliff, und alles andere zu vergessen. Lange genug, um die Leerstelle nicht mehr zu spüren, aber so ist es nicht. Hier vergeht die Zeit, aber alles andere bleibt: die Fehler, der Trotz und die Sehnsucht.

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Die Katholische Kirche sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt
Missbrauchsbeauftragte
für die Bistümer Berlin, München-Freising, Hamburg, Freiburg, Fulda, Münster, Essen, Hildesheim, Bonn, Limburg, Regensburg und Passau. Weitere Zuständigkeitsgebiete könnten hinzukommen.
Neben der Mitgliedschaft in der römisch-katholischen Kirche erwarten wir fundierte theologische Kenntnisse und die feste Verwurzelung im Glauben. Bewerber mit Handicap (Taubstummheit) werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt. Bewerbungen von Frauen sind möglich, werden aber nur ungern berücksichtigt.
In den genannten Bistümern werden zudem derzeit einige Lehrerstellen und Mönchszellen frei.
Bewerbungen an die Deutsche Bischofskonferenz, z.Hd. Herrn R. Zollitsch.

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Schamgrenzen

Stürmische Zeiten: Draußen biegt der Wind die Bäume, wirbelt Blätter und Papier hoch in die Luft. Ab und zu fliegen die Schlagzeilen der vergangenen Woche an meinem Fenster vorbei. (Wie wird man stürmische Atmosphäre filmisch darstellen, wenn es einst keine Zeitungen mehr gibt?) Eine Frau legt ihre Ämter nach einer Alkoholfahrt nieder und nimmt ihre eigene Integrität so ernst, dass sich die Herren in hohen Ämtern die Augen reiben. Herrje! Was, wenn das Schule macht?

Erinnert sich noch jemand an Otto Wiesheu von der CSU? Der hatte sich in den 80er Jahren mit mehr als 1,7 Promille ans Steuer gesetzt und einen Menschen getötet. Später wurde er in Bayern Staatsminister für Verkehr. In Hessen regiert noch immer ein Ministerpräsident der CDU, der die Öffentlichkeit über Schwarzgeld und gefälschte jüdische Vermächtnisse belogen hat. In Berlin verteidigt dieser Tage der Grüne Jerzy Montag die Verjährungsfrist bei sexuellem Missbrauch und findet allen Ernstes, es sei unverhältnismäßig, einen 75-jährigen für Taten zu bestrafen, die 30 oder 40 Jahre zurückliegen. Wie bitte? Geht’s noch? Tausende Opas dieser Sorte sollen hierzulande gemütlich im Lehnstuhl sitzen bleiben, ihre Enkeltöchter auf dem Schoß, weil sie doch so arm und alt und hilflos wirken und überhaupt, alles so lange her ist, quasi schon gar nicht mehr wahr?!

Zeit, die Schamgrenzen in diesem Land neu zu ziehen.

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You are not a newspaper anymore

You are not a newspaper anymore

Regina McCombs wirkte verwundert. Die Journalisten-Ausbilderin vom Poynter Institute hatte soeben einer Schar von knapp 100 deutschen Redaktionsleitern, Chefredakteuren und Online-Journalisten im Institut für praktische Journalismusforschung im bitterkalten Leipzig einen Überblick gegeben über die Crossmedia-Strategien amerikanischer Zeitungsverlage. Sie hatte einige Beispiele mitgebracht, die man hierzulande lange suchen muss:

Talking to the Taliban , eine Multimedia-Reportage der kanadischen Zeitung The Globe and Mail:

13 seconds in August: Die Star Tribune in Minneapolis (bei der McCombs Multimediaredakteurin war) lokalisierte auf einem Satellitenfoto die Menschen, die sich im Sommer 2007 beim Einsturz auf der Mississippi-Brücke aufhielten, und besuchte sie mit der Videokamera
13 seconds in August

Is it besser to buy or to rent? Eine interaktives Tool für die Immobilien-Finanzplanung:
Is it better to buy or to rent

Regina McCombs hatte berichtet, mit welcher Selbstverständlichkeit sich US-Kollegen in den neuen Medien bewegen, mit wie viel Entdeckerlust viele von ihnen die Möglichkeiten nutzen, die soziale Netzwerke, Twitter, Blogs für sie selbst und ihre Arbeit bieten (Colonel Tribune, Jason DeRusha). Wie Accounts bei Facebook jenseits der Standard-Anmutung aussehen können (Minnesota Daily). Was Apps an Mehrwert bieten können (Indystar). Welche Ideen für lokale Angebote es gibt (Tampabay, Sunlight Labs)

Und dann, nach ihrem durchaus inspirierendem Vortrag, hörte sie dies: “Aber all das kostet doch Zeit!”

Joah. Stimmt. Is so.

Man stelle sich kurz vor, dies sei keine Journalistentagung, sondern ein Chirurgenkongress. Und auf einen kurzen Abriss der modernen Technologien in der Mikrochirurgie würde der Einwand folgen: Fein, ja, aber hey: Eigentlich habe ich nicht die Zeit, mich damit zu beschäftigen.

Berufsbilder ändern sich. Alle. Vielleicht sind Blogs, Twitter, Facebook (oder welcher Dienst auch immer den nächsten Hype prägen wird) tatsächlich nicht die richtigen Plattformen für die eigene Arbeit – mag sein. Aber um das zu beurteilen, sollte man diese Werkzeuge zumindest kennen. Von gestandenen Kollegen hörte ich neulich, Web 2.0 sei ein Sumpf, in den man sich am besten gar nicht erst hinein begebe. Dabei ist das schon immer unser Job gewesen: die Spreu vom Weizen, die relevanten Informationen vom Blabla zu trennen.

Regina McCombs hatte ein paar Empfehlungen für ihre deutschen Kollegen im Gepäck:

  • Vergrößert eure Kenntnisse und Fähigkeiten. Lernt. Setzt Menschen in eure Newsrooms, die es verstehen, den richtigen Kanal zu finden und Stories medienübergreifend zu erzählen.
  • Kommuniziert ernsthaft mit euren Lesern. Dafür gibt es viele Wege. Wählt euch die passenden aus.
  • Findet eure Nische. Fragt euch: Was nutzt den Usern, besonders jenen in unserer Gegend? Befasst euch mit Geo-Kodierung, entwickelt lokalisierbare Inhalte. Sorgt dafür, dass eure interaktiven Inhalte leichter gefunden werden.
  • Stellt euch auf mobile Dienste ein. Entwickelt attraktive Angebote. Spätestens 2020 wird das der dominierende Weg ins Web sein.
  • Kümmert euch um Branding. Nicht nur für das Medienunternehmen, sondern auch für den einzelnen Journalisten.
  • Habt keine Angst vor der Feststellung: Wir sind keine Zeitung mehr. Hört auf, so zu handeln, als wärt ihr nur ein Printmedium.
  • Nehmt euch die Zeit für all das. Sonst läuft sie für euch ab.

Bookmark-Sammlung “Best Practices” – Weitere Beispiele für Multimedia-Journalismus

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