Glos’sche Schule*

Der Gastautor beauftragt seine Sekretärin, im Sekretariat der Chefredaktion anzufragen, ob sein Text denn auch auf der Internetseite des Zeitungsverlags abrufbar ist. Die Chefredaktion leitet die Frage an die Online-Redaktion weiter – mit der Bitte um Beantwortung.

Und keine der beteiligten Personen kommt auf die Idee, einen Blick auf die Startseite zu werfen, wo der fragliche Text prominent platziert ist. (Das ist fast noch besser als die ausgedruckten Mails, die der Bote regelmäßig per Hauspost abliefert.) Kurz – ganz kurz nur – spielt die Online-Redaktion mit dem Gedanken, ihre Antwort auf ein “Ja” zu beschränken und in umgekehrter Reihenfolge zurücksenden zu lassen.

* “Ich hab Gott sei Dank Leute, die für mich das Internet bedienen”
(Wirtschaftsminister Michel Glos)

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Mondfinsternis

Mondfinsternis

Mondfinsternis Mondfinsternis Mondfinsternis

Die Wolkendecke war rechtzeitig aufgerissen, der Mond trat pünktlich in den Kernschatten der Erde ein – alles schien nach Plan zu laufen. Doch dann bemerkten wir, dass es auf dem Mond zu Ausschweifungen kam:

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Wie verroht …

Wie verroht …

… bin ich eigentlich, wenn ich beim Einkauf im Supermarkt hier zunächst etwas anderes lese?

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Zurück in die Zukunft

Entschuldigung, wenn hier derzeit wenig los ist. Ich vergrabe mich gerade in Details über Straßenbau und Postwesen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im ländlichen Westfalen. Ich sach nur: Rückständigkeit, dein Name ist Paderborn! Zwischendurch suche ich nach ollen Sachen; am Wochenende unterlag ich knapp bei der Versteigerung eines Halbjahrsgangsbandes des Westfälischen Merkur, Januar bis Juni 1838, trauerte drei Tage und stellte dann erleichtert fest: Das, was ich suchte, war gar nicht drin, sondern erschien erst im August desselben Jahres. Glück gehabt!

Ich weiß gar nicht, warum ich so lange keinen Fuß mehr in die Frankfurter Uniblibliothek gesetzt habe: Das verjüngt ungemein! Ich brauche dann noch Ihren Studentenausweis, meinte der freundliche Herr an der Anmeldung – und guckte prüfend (!), als ich antwortete, mein Studium sei zwölf Jahre her. Und was sich da alles verändert hat! Ok, das taschenprüfende Faktotum am Eingang zum Lesesaal scheint noch ein Restbestand von damals, aber sonst… jede Menge PC-Arbeitsplätze und Internetzugänge auf mehreren Etagen, eine loungige Cafeteria in der Halle, endlich reichlich abschließbare Spinde im Keller, und sogar der verknitterte Zettelkatalog ist digitalisiert. Überhaupt: Recherche im Bestand, Bestellung der Bücher – geht alles online. Nur zum Abholen muss man noch an die “Theke” (das hieß damals auch schon so). Und der Ausweis, den ich schließlich auch ohne Studentinnenstatus bekam, ist auch nicht mehr von Pappe.

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Dokumentation einer Wahnsinnstat

Dokumentation einer Wahnsinnstat

…aber ich steh dazu.

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Die lieben Verwandten

Die lieben Verwandten

Neuseeland hat es getan, nun diskutiert auch Spanien auf Initiative der Regierung, ob es sich dem Projekt Großer Menschenaffe anschließt. In Medien wird das Ganze verkürzt abgehandelt unter der Schlagzeile: Menschenrechte für Menschenaffen?

Gorillas, Schimpansen, Orang-Utans und Bonobos, so die Idee der Initiative Great Ape Project des umstrittenen Philosophen Peter Singer , seien Menschen so ähnlich, dass ihnen die gleichen Grundrechte (Leben, Freiheit, körperliche Unversehrtheit) zugestanden werden sollten. Sie würden Gefühle zeigen, Werkzeuge benutzen, sie lebten in Beziehungen, hätten eine Wahrnehmung für die Vergangenheit und würden Pläne für die Zukunft machen. Wichtigstes Argument: Sie sind genetisch mit uns verwandt.

Manche Tiere sind eben gleicher – das wusste schon George Orwell. Und das ist es auch, was mich an der Initiative irritiert: Dass die genannten Kriterien eine Grundlage bilden sollen, um der einen Art mehr Rechte zuzubilligen als einer anderen. Dass sich das Ausmaß des Respekts vor einem Lebewesen an dessen Genen orientieren soll – und am Grad der Ähnlichkeit mit uns Menschen. Und dass wir Menschen wiederum uns das Recht nehmen, aus der unglaublichen Vielfalt der Schöpfung einige wenige Arten auszuwählen, denen wir ein Stückchen unserer Krone abgeben, während wir alle anderen weiterhin einsperren, ausbeuten, verletzen, quälen und töten, weil es uns von Nutzen ist. Oder weil uns einfach danach ist.

Vielleicht bemisst sich Menschsein auch an der bewussten Achtung vor dem Leben. Dann ist es aber im Grunde doch egal, ob dieses Leben einem Menschenaffen gehört oder der Fliege an der Wand.

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