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	<title>The Daily Mo &#187; Love Content</title>
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		<title>Alte Liebe an neuem Ort</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Oct 2007 19:22:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Love Content]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebe Freunde und Freundinnen des Briefwechsels von Levin Schücking und Luise von Gall: Die alte Liebe hat einen neuen Platz gefunden &#8211; hier.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Freunde und Freundinnen des Briefwechsels von Levin Schücking und Luise von Gall: Die alte Liebe hat einen neuen Platz gefunden &#8211; <a href="http://www.nach100jahren.de/schuecking-gall/">hier</a>.</p>
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		<title>Alte Liebe XI</title>
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		<pubDate>Sun, 19 Aug 2007 19:15:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Love Content]]></category>

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		<description><![CDATA[Levin Schücking ist kein unbeschriebenes Blatt, er hat diverse Liebesbeziehungen hinter sich; auch Luise ist das nicht verborgen geblieben. Ihr wurde offenbar zugetragen, dass Levin mit einer gewissen Annette von Droste-Hülshoff befreundet sei - eine Liaison?  Luise bringt das Thema geschickt zur Sprache.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/04/alte-liebe/">Worum es geht.</a><br />
<a href="http://www.dailymo.de/2007/08/15/alte-liebe-x/">Was zuvor geschah.</a></p>
<p>Levin Schücking ist kein unbeschriebenes Blatt. Dass der angehende Journalist und Dichter diverse Liebesbeziehungen hinter sich hat, wird  auch Luise nicht verborgen geblieben sein. Ihr wurde offenbar auch zugetragen, dass Levin mit einer gewissen Annette von Droste-Hülshoff befreundet sei &#8211; eine Liaison? In ihrem Brief vom 16. November 1843 bringt Luise das Thema geschickt zur Sprache.<br />
<span id="more-1017"></span></p>
<blockquote><p>Ich schwärme in neuerer Zeit sehr für eine Dichterin, die, glaube ich, eine Freundin von Ihnen ist, Annette Droste. Von einer <em>Frau</em> habe ich noch nie so gute Gedichte gelesen. Wir sind gewöhnlich matt und larmoyant, wir deutschen Frauen, wenn wir in gebundener Rede sprechen, aber wie kräftig, kurz und originell weiß sich die Droste auszudrücken. </p></blockquote>
<p>Levin beeilt sich, die Beziehung zu der älteren Freundin in einem möglichst harmlosen Licht erscheinen zu lassen, wenn er am 11. Dezember 1843 antwortet:</p>
<blockquote><p>Dass Sie die Gedichte der Droste so schön finden, freut mich außerordentlich. Die Droste war eine Freundin meiner Mutter, und ich habe an ihr eine Mutter wiedergefunden: Es gibt kein innigeres und wohltuenderes Verhältnis wie das zwischen ihr und mir, wie es kein angenehmeres Leben für mich gegeben, wenn ich bei ihr auf ihrem einsamen Waldschlösslein mich habe verwöhnen lassen wie ein rechtes Muttersöhnchen, das sich die Weinsaucen, die Apfelpfannkuchen u.s.w. selber am großen Küchenfeuer zusammen kochte und während des die Fülle der schönsten Gespenstergeschichten erzählen ließ.  Eine Gedichtsammlung von ihr, die nächstens erscheinen wird, kann nicht verfehlen, großes Aufsehen zu machen. Kennen Sie den &#8220;Graf von Thal&#8221; von ihr in Wolfs poetischem Hausschatz? </p>
<p>Sie brauchen deshalb nicht eifersüchtig zu werden, meine teure Braut, wenn ich Ihnen dessen auch wert scheinen sollte. Die Droste wird stark in den Vierzigern sein, und sieht noch älter aus, weil sie kränklich ist: Da kann man jemanden wohl sehr lieb haben, aber eifersüchtig braucht man doch nicht darauf zu sein. Sie hat eine ganz frappante Ähnlichkeit mit mir, die wirklich bei einer Mutter und ihrem Sohne nicht größer sein könnte, äußerlich und innerlich, nur hat sie unendlich mehr originelle Poesie als ich in sich. Sie ist eine ganz eigentümliche, in jeder Beziehung originelle und tief gediegene Erscheinung. Nur hat eine ganz verkehrte, ganz aristokratische Erziehung alle ihre Talente an der Entwicklung gehindert. Ich muss Ihnen noch viel, sehr viel von meinem guten Mütterchen erzählen, wenn wir mal ruhig zusammen plaudern können.</p></blockquote>
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		<title>Alte Liebe X</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Aug 2007 12:05:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Love Content]]></category>

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		<description><![CDATA[Langsam, so scheint es, spürt Levin, dass die Liebelei auf Distanz für ihn zur ernsthaften Angelegenheit wird. Immer öfter mischen sich unter den galanten Plauderton Beschwörungen ihrer Gemeinsamkeiten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/04/alte-liebe/">Worum es geht.</a><br />
<a href="http://www.dailymo.de/2007/08/06/alte-liebe-ix/">Was zuvor geschah.</a></p>
<p>Langsam, so scheint es, spürt Levin, dass die Liebelei auf Distanz für ihn zur ernsthaften Angelegenheit wird. Immer öfter mischen sich unter den galanten Plauderton gegenüber Luise Beschwörungen ihrer Gemeinsamkeiten. <span id="more-1016"></span>Am  15. November 1843 schreibt er ihr:</p>
<blockquote><p>Des Meeres und der Liebe Wellen. Meine Seele schlägt Wellen, wie der aufgeregte See, und der Sturm der hineingeblasen, ist Ihr Brief, meine Sehnsucht. </p>
<p>Wenn Menschen &#8220;to a better order of beings&#8221; gehören, wie Yorik von Eliza erzählt, so ist, glaub&#8217; ich, der sicherste Weg, dass sie sich teuer werden, sich ineinander verlieren und zum Beisichsein im anderen gelangen, wie Hegel die Liebe definiert, wenn sie sich, wie wir, nicht gesehen haben, aber vertrauensvoll in langen Briefen alles sagen, was just in ihnen aufdämmert, aufblitzt und aufweht. Denn die Unendlichkeit in jedes Menschen Brust ist so groß, und die Unendlichkeit ist so hinreißend, so mächtig über uns, weil wir uns ihre Kinder fühlen und nun zur Mutter hin möchten -, dass wir, wo sie vor uns aufgeht, von ihr gefesselt werden und ewig ihr gehören möchten.</p>
<p>So, denk ich, müssen wir bei der völligen Rückhaltlosigkeit unserer Geständnisse, Gedanken-Mitteilungen und Plaudereien uns unendlich lieb und teuer werden; und bei mir ist das auf dem besten Wege, denn schon sind mir (ich darf es kaum gestehen, denn was müssten Sie sich für schlechte Begriffe von der Treue machen, mit welcher ich an älteren Freunden hänge?) Ihre Briefe, Luise, die <em>liebsten</em>, die als grüne Blätter des Lebens in den dürren Wald meiner Einsamkeit fallen.</p>
<p>Da schreib&#8217; ich Ihnen, ich hasste das &#8220;zu Markte Tragen des Gefühls&#8221;. Das ist doch nichts als Verständigkeit, richtiges Gefühl und Takt. Sie sind auch derselben Ansicht, denn am Ende Ihres Briefes kommt eine Stelle darüber vor, die aber auch ganz merkwürdig treffend mein eignes Gefühl ausdrückt, grade, als wenn ich sie selber geschrieben hätte: da wo Sie von der Stille der tiefen Liebe und von ihrer zu großen Heiligkeit reden, um den Augen der Welt gezeigt zu werden. Und dennoch &#8211; wie werde ich bestraft für meine Worte? Bloß deshalb enthalten Sie mir Ihr für mich geschriebenes Märchen vor? Loise, gesetzt auch, ich hätte ein Vergehen begangen, stände Strafe und Schuld im Verhältnis? </p>
<p>Dann wollen Sie sich scheiden lassen, bloß weil ich Ihnen durch das Beispiel des alten Herrn habe ausdrücken wollen, wie wert mir Ihre Briefe sind, und Sie sind mir bitterböse, <em>dreimal</em> unterstrichen <em>bitterböse</em> deshalb &#8211; und endlich kommt der schwerste Schlag von allen: Sie fragen, ich habe Sie tief gekränkt, weil ich Ihnen auf eine ganz kindlich ergebene Weise erlaube, mir mit dem Pantoffel auf den Kopf zu schlagen! Sie behaupten dagegen, Sie könnten niemanden malträtieren und während Sie das sagen, malträtieren Sie mich auf das Grausamste. Oder ist nicht das malträtieren, wenn man dem höchsten Himmel nah&#8217;, zurückgewiesen wird, ab, fort, weg, hinaus, ins harte Leben, wo keine Weinsaucen blühen!</p>
<p>Hören Sie, Luise, in allem Ernst! Es herrscht eine große Übereinstimmung der Gefühle in uns und Ihre Ansichten sind die meinen, ich will Ihnen nur gestehen, dass ich ebenso wie Sie von der Opposition bin, ebenso innerlich protestiere. Das kann ich Ihnen aber hier nicht auseinandersetzen, wie es mit Aristokratie und Katholizismus zusammenhängt. Aber ich halte das für eine gute und eben nicht ganz häufige Eigenschaft, die mir angeboren ist, klar und ungetrübt alle Dinge ansehen, beurteilen und ihr Wahres für mich behalten und annehmen zu können, auch von Seiten, welche sich zu widersprechen scheinen. Der Mensch erreicht nicht eher die Harmonie seines Innern mit der gegebenen Welt und die Versöhnung seiner eigenen anfänglichen Geteiltheit, welche seine Lebensaufgabe ist, als bis er den Eintrachtspunkt gefunden, worin alles Zwieträchtige unter einen Hut kommt. <em>Assez</em>, damit Sie mir nicht zuviel Schriftgelehrsamkeit vorwerfen. </p>
<p>Ferner kann ich, eben so wie Sie, Tadel, auch den unumwundensten und entschiedensten ertragen: Ich bin ziemlich daran gewöhnt und hasse nichts mehr als ästhetische Zirkel, wo man eine Art Versicherungskompagnie auf gegenseitiges Lob geschlossen hat. Ebenso bin ich aber auch gerade heraus: Ich tadle scharf, gerade in&#8217;s Gesicht, und hinter dem Rücken der Leute lobe ich ihre Sachen gewöhnlich weit mehr, als in ihrer Anwesenheit. Ich erwarte von meinen Freunden nämlich das gleiche und von dem, was von diesen kommt,  nehm&#8217; ich nichts übel. In dieser Beziehung können Sie sich ganz auf mich verlassen und mir immerhin Ihre Novelle schicken, worum ich recht herzlich bitte: Dass ich scharf bin, dürfen Sie aber nicht vergessen!</p>
<p>Ferner bin ich sehr aufrichtig auch in anderen Beziehungen, und wenn mich dies zuweilen auch ungalant machen kann, so, denke ich, verzeiht man es der aufrichtigen und ehrlichen Weise, worin ich meine Naivitäten debütiere, deren ungalante Seite mir erst hernach vermöge des uns Deutschen eigentümlichen &#8220;Esprit escalier&#8221; einfällt. &#8230; Lassen Sie uns deshalb Frieden schließen &#8211; Sie sollen mich auch nie malträtieren brauchen &#8211;  aber ob nicht etwas Wahres darin lag, in der Behauptung von der Notwendigkeit des Malträtierens, darüber fragen Sie einmal Ihre eigene Erfahrung. Ich setze dabei eine gewisse Schwäche, Lenkbedürftigkeit u. s. w. voraus und die finden sich in der Tat bei den meisten Menschen, wie Sie das zugleich am meisten erstreben, was sich ihnen entzieht und umgekehrt mit dem Fuchs in der Fabel grade die zu höchst hängenden Trauben für die süßesten halten: dagegen das, was sie leicht erhalten und ganz sicher haben, eher geneigt sind zu vernachlässigen.</p>
<p>Wenn ich mich aber mit diesen Philistern in eine Kategorie stellte, so war das ebenso sehr Scherz wie Ihre Behauptung, ich habe Sie tief gekränkt, es ist. Ja, freilich; denn hätten Sie mir sonst einen so liebenswürdigen langen Brief geschrieben! </p>
<p>Aus dem gerechten Drange, mich zu revanchieren, weil Sie mir mein Märchen vorenthalten, sende ich Ihnen jetzt auch Ihr Gedicht nicht, eines nämlich, das idi für Sie gemacht habe und worin Eiche und Linde sich besprechen &#8230;  Gestern habe ich endlich das Morgenblatt erhalten, worin die Fortsetzung Ihrer &#8220;Maske&#8221; enthalten ist. Wie gern wäre ich in Ihrer Nähe jetzt bloß, um Ihnen für so manche köstliche Bemerkung die Hand und für manche noch schönere Ihre Stirn zu küssen, hinter der sich solche tiefsinnige und frappante Gedanken bergen. Das nichtige Treiben der vornehmen Männerwelt haben Sie prächtig begriffen &#8230;</p>
<p>Aber darf ich einen Rat hinzufügen? Lassen Sie nie des femmes auteurs Ihre Lieblingslektüre werden: nicht einmal die Sand, obwohl die am ersten, vor allem nicht die Hahn. Für schriflstellernde Männer ist die Sand lehrreich im höchsten Grade: für Frauen ist es am meisten Shakespeare. Die Frauen können nie so die Welt kennenlernen wie wir, darum müssen sie es aus dem Spiegel der Welt: das ist nur Shakespeare. Aus Ihrer Novelle habe ich eine für mich angenehme Hoffnung geschöpft: die nämlich, dass Sie den Humor liebgewinnen können. Den meisten Damen geht der Sinn dafür ab; sie können ihn nicht vom Spaße unterscheiden; sie haben kein Organ dafür; er lässt sie kalt. Nun bin ich ein großer Anhänger humoristischer Auffassungen, und es täte mir leid, mit den Schriften, worin ich diese versuchte, immer bei Ihnen durchzufallen.</p>
<p>Meine Sehnsucht, weshalb bekomme ich Ihr Bild nicht? Ist es nicht grausam, dass Sie es mir und meinen flehentlichen Bitten abschlagen, da ich doch Ihnen alles gäbe, was Sie von mir verlangten, meine Seele selber, wenn Sie sie wollten, Ihnen in Baumwolle gepackt nach Darmstadt schickte mit der Aufschrift &#8220;Drucksachen&#8221; oder &#8220;Sachen ohne Wert&#8221;. Nein, das ist ein schlechter Spaß; meine Seele ist wohl was wert; es ist bei Gott eine gute Seele, und schon deshalb, weil Sie darin wohnen, muss sie in Ehren gehalten werden. Hören Sie, Luise, sie nimmt nie etwas übel, ist geduldig wie ein Lamm, kann nie heftig werden, verliert nie ihre Ruhe und Fassung und verlangt nie malträtiert zu werden: vor allen Dingen aber ist sie immer ganz Ihr Eigentum.</p>
<p>Es ist mir höchst beunruhigend, Sie immer noch nicht aus der Nervenfiebergefahr zu wissen. Ich habe meine Mutter an Nervenfieber verloren und bin desto besorgter und ängstlicher dabei. Man kann von den Nachtigallen freilich nicht verlangen, dass sie in Sturm und Winterkälte Darmstadts Tannenhaine beleben. Aber täglich dreimal um den ganzen Park hinter dem Schauspielhaus können Sie doch wandeln, und ich will Sie da im Geiste um die Nachmittagsstunde über die trockenen Kiespfade einher schreiten sehen, in Kassawaika, schwarzem Kleide und Hut, und wenn Sie an dem alten Jägerhaus (oder was es vorstellt &#8211;  ich weiß nur noch, daß an der Seite eine Treppe ist), vorbeikommen, sollen Sie an mich denken; nur da und zu Hause, denn sonst taugt Darmstadt nicht als Rahmen für mich, es steht mir nicht, und ich möchte um alles nicht, Ihnen auf der Straße in Darmstadt begegnen.</p>
<p>Nun gute, gute Nacht, meine Sehnsucht, ich muss noch ein Stück an meinem Roman schreiben, der mir in den Fingern brennt, weil ich just an der Stelle angekommen bin, wo Sie auftauchen. Sie stehen auf dem Balkone eines alten Schlosses am Meer; die Sonne hat den Westen purpurn gefärbt und ein Sturm die Wogen aufgewühlt; so mit flatternden weißen Gewändern zeichnen Sie sich wunderbar schön am Abendhimmel ab, für einen fernen Wanderer eine Erscheinung wie ein märchenhaftes Bild, eine weiße Frau des Baues, die mit dem erker- und türmereichen Schloss verwebt ist, wie eine tiefsinnige und poetische Sage, die lebendig geworden. </p></blockquote>
<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/08/19/alte-liebe-xi/">Fortsetzung folgt &#8230;</a></p>
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		<title>Alte Liebe IX</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Aug 2007 11:41:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Love Content]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 13. November 1842 antwortet Luise. Dabei macht sie sich einen Spaß daraus, jedes von Levin geäußerte Wort auf die Goldwaage zu legen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/04/alte-liebe/">Worum es geht.</a><br />
<a href="http://www.dailymo.de/2007/07/31/alte-liebe-viii/">Was zuvor geschah.</a></p>
<p>Am 13. November 1842 antwortet Luise. Dabei macht sie sich einen Spaß daraus, jedes von Levin geäußerte Wort auf die Goldwaage zu legen &#8230;</p>
<p><span id="more-1015"></span></p>
<blockquote><p>Auf mich selbst in Ihrem Roman bin ich sehr begierig. Es ist mir schon einige Male diese Ehre widerfahren, und obgleich die Dichter warme Freunde von mir waren und es mir triumphierend vorlasen, so habe ich doch jedesmal gefunden, dass es fürchterliche Grimassen waren. Man hatte mich genial schildern wollen, und es war barock geworden. &#8230;</p>
<p>Sind  Sie  auch heftig, lieber Freund? Ich fürchte mich ungemein vor heftigen Menschen. Ich selbst bin es noch nie geworden; das ist aber kein Verdienst; mein Vater verlor auch nie die Fassung, und ihm soll ich ja so sehr gleichen. Ich verliere aber eigentlich die Fassung;  das  heißt, bei Gelegenheiten, wo andere Menschen zornig werden,  werde ich blass,  zittere, und die Tränen stürzen mir unaufhaltsam aus den Augen, so bald ich sprechen will. Drum schweige ich lieber; denn ich weine nicht gern bei Menschen. &#8230;</p>
<p>Ich habe auch ein Märchen für <em>Sie</em> geschrieben, das bekommen Sie aber nun nicht, denn Sie würden es am Ende &#8220;überspannt&#8221; finden und es ein &#8220;zu Markte Tragen des Gefühls&#8221; nennen.  &#8230; Sie sind eigentlich ein merkwürdiger Mann, Levin! Erst freien Sie um mich, weil Sie sich eine ungesehene Braut wünschen, und nun mokieren Sie sich über das ätherische Vis-a-vis! Ich bin eigentlich das natürlichste, einfachste Geschöpf der Welt, aber ich möchte <em>die</em> sehen, die an meiner Stelle ganz nüchtern bliebe! Wenn es wahr ist, dass die Liebe blind sein muss &#8211; dann ist die unsere die erste der Welt, denn so <em>blind</em> ist wohl keine. <em>Moi je n&#8217;y vois rien, absolument rien &#8211;  et vous, Monsieur?</em></p>
<p>Finden Sie auch, dass in unserem Wesen eine unendliche Ähnlichkeit ist? Nur natürlich sind Sie ein &#8220;Schriftgelehrter&#8221; und ich! Aber ich meine unsere Neigungen, unsern Geschmack! So zum Beispiel erklären Sie sich für eine Eiche, liebster Freund, das bin ich ja schon längst! Soll ich mich Ihnen zu Liebe zur Linde transformieren? Ich will es versuchen und meinen eichenhaften Charakter ganz aufgeben und durch und durch &#8220;linde&#8221; werden.</p>
<p>Wissen Sie, dass ich mich noch nicht entschließen kann, Ihnen mein Bild zu schicken, und bloß weil meine Verwandten finden, dass es hässlicher ist als ich. Es ist eigentlich eine dumme Eitelkeit von mir; denn Stirn, Augen und Nase sind sehr ähnlich; die Haltung, die Figur, selbst mein gebogener Nacken, den Herr Schramm &#8220;antik&#8221; findet, andere Leute meinen aber, ich halte mich nachlässig und es sei ein &#8220;krummer Buckel&#8221;. Aber seit Herr Schramm mich versichert hat, alle antiken hielten sich so, gebe ich mir auch keine Mühe mehr, obgleich dies in einigen Jahren ein sehr zweideutiges Kompliment für mich sein würde &#8211; <em>l&#8217;antique! </em><br />
&#8230;<br />
Nun muss ich Ihnen aber doch auch sagen, dass ich Ihnen eigentlich bitterböse bin. Warum! Weil Sie gesagt, wenn Sie einmal bei mir wären, würde es Ihnen gehen wie dem alten Herrn, der wieder geschieden sein wollte. Abscheulicher Mann! Sie sollen mich nicht zu sehen bekommen! Also so wenig trauen Sie meiner persönlichen Liebenswürdigkeit zu? Das ist schön! Jetzt will ich, um Sie zu ärgern, alle meine häuslichen Tugenden aufzählen, da Sie nie deren froh werden sollen. Ich kann stricken, ich kann nähen, ich kann sogar eine &#8220;Weinsauce&#8221; kochen, das ist aber alles nicht für Sie, ungalanter Mann! Sie sollen ewig singen:</p>
<p>Es steht mir gar so fern<br />
Es weilt so hoch, es blinkt so schön,<br />
Wie droben jener Stern.</p>
<p>Also mein Bild bekommen Sie noch nicht, weil Sie so ungalant sind und &#8211; weil Herr Schramm mir einen so hässlichen Mund gezeichnet hat, mit herabgezogenen Enden, was ihm ein fatiguiertes, dedaigneuses Ansehn gibt. Das macht auch das ganze Gesicht älter; wenn man mich erkennen will, muss man ein Blatt Papier bis unter die Nase legen &#8211;  es wäre vielleicht auch recht gut, wenn das Original zuweilen ein Blatt vor den Mund nähme &#8230;</p>
<p>Wissen Sie, dass Sie mich in Ihrem Briefe tief gekränkt haben und mir jede frohe Hoffnung auf eine lange Dauer unserer schönen  Zuneigung genommen  haben? Sie  sagen, man müsse  Sie,  und  überhaupt jedermann  malträtieren, dessen Liebe man erhalten wolle &#8211; das sei das Geheimnis. Du guter Gott! Was ist das für eine russische Ansicht! Dort prügeln die Männer die Frauen,  damit sie ihnen ergeben bleiben.  Es ist kein Scherz,  auch keine  Koketterie, wenn ich sage, ich kann niemand malträtieren, denn ich bin nicht launig, das ist meine einzige gute Eigenschaft! &#8230;</p>
<p>Nun muss ich Ihnen noch von etwas sagen, womit ich eigentlich gerne meinen Brief angefangen hätte, wenn ich darüber etwas Gutes zu sagen wüsste, etwas Trostreiches. Ich meine, was Ihre gerechten Klagen betrifft! Weiß der Himmel, welch inniges, treues Mitgefühl ich dafür im Herzen trage, und dennoch ist mir bange, dass Sie sich wieder wie ein Pfeil in das Leben hinausschießen, aufs Ungewisse, in das Blaue hinein!  Ich bin nicht von  den Frauen,  die durchaus verlangen, dass ein Mann ein Amt haben müsse (ich meine nicht <em>ihr</em> Mann, <em>ne vous moquez pas!</em>), um etwas in der Welt zu gelten; aber eine gewisse geregelte Beschäftigung, sei sie auch noch so klein, ist doch gut. &#8230;</p>
<p>Das kann ich Sie aber versichern, dass von all den lieben Briefen, die ich erhalten, niemand einen so langen wie Sie zur Antwort erhält. Niemand! Überhaupt habe ich in meinem Leben noch nicht mehr als einen bogenlangen Brief geschrieben, aber freilich &#8211;  ich habe auch noch keinen Bräutigam gehabt. Doch nun ist es genug; meine Finger sind ganz lahm! Ade, Ade<br />
Luise </p></blockquote>
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		<title>Alte Liebe VIII</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Jul 2007 18:13:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Love Content]]></category>

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		<description><![CDATA[Diesmal geht es mit der Antwort von Luise nicht so schnell. Levin wird ungeduldig,  am 10. November 1842 schreibt er ihr erneut - in einem verbindlicheren Tonfall.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/04/alte-liebe/">Worum es geht.</a><br />
<a href="http://www.dailymo.de/2007/07/30/alte-liebe-vii/">Was bisher geschah.</a></p>
<p>Diesmal geht es mit der Antwort von Luise nicht so schnell. Levin wird ungeduldig,  am 10. November 1842 schreibt er ihr erneut &#8211; in einem verbindlicheren Tonfall.<br />
<span id="more-1014"></span></p>
<blockquote><p>Hoch- und Wohlgebornes Fräulein! Liebe Luise! Es kann erst acht Tage sein, dass ich Ihnen schrieb, meine Sehnsucht. Und doch mein&#8217; ich, ich müsste schon eine Antwort haben und begreif es nicht, wie so langsam die Zeit ihren grauen ennuyanten Faden abspinnt, bis diese kommt. &#8230;</p>
<p>Im Ernst: Da Sie meine Braut sind &#8211; hören Sie, das ist ein wunderschönes Wort; es ist das poetischste Wort unserer Sprache, es hat etwas Süßes,  Duftiges,  Inniges -,  wenn man in der trübsten Seelenstimmung dies Wort ausspricht, muss man mit dem Leben ausgesöhnt werden, und all das Versöhnende, das der liebe Gott einem in diese trübselige Welt mitgegeben hat, die mancherlei vollen und tiefen Molltöne, welche, von dem eisenharten Resonanzboden, dem Leben, abklingend, durch unsere Seele ziehen, stehen verkörpert in eine schöne schutzengelhafte Lichtgestalt vor uns, wenn man das Wort: Braut ausspricht. Sie sind meine Braut, Luise. Wenn ich traurig bin, will ich mir es vorsagen, bis ich wieder über alle Dächer springen möchte &#8230;</p>
<p>Gott sei mit Ihnen, mein liebes und gutes Fräulein. Ich bin unruhig, dass ich noch keinen Brief von Ihnen habe; ich weiß, es ist kindisch und doch kann ich&#8217;s nicht ändern. Aber es ist auch unerträglich &#8211; wollte Gott, Sie geständen es selber -, Sie in Darmstadt zu wissen und hier in Ellingen sitzen zu müssen.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/08/06/alte-liebe-ix/">Fortsetzung &#8230;</a></p>
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		<title>Alte Liebe VII</title>
		<link>http://www.dailymo.de/2007/07/30/alte-liebe-vii/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=alte-liebe-vii</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Jul 2007 07:05:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Love Content]]></category>

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		<description><![CDATA[Luise will mehr über Levin wissen. In seinem Brief vom 1. November 1843 kommt er der Aufforderung nach und beschreibt seine Charaktereigenschaften. Auch die unangenehmen Umstände seiner Erziehertätigkeit in Ellingen sind wieder Thema. Und dann ist da der immer dringlichere Wunsch, die ferne Angebete wenigstens bildlich vor sich zu sehen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/04/alte-liebe/">Worum es geht.</a><br />
<a href="http://www.dailymo.de/2007/07/24/alte-liebe-vi/">Was zuvor geschah.</a></p>
<p>Luise will mehr über Levin wissen. In seinem Brief vom 1. November 1842 kommt er der Aufforderung nach und beschreibt seine Charaktereigenschaften. Auch die unangenehmen Umstände seiner Erziehertätigkeit in Ellingen sind wieder Thema. Und dann ist da der immer dringlicher werdende Wunsch, die ferne Angebete wenigstens bildlich vor sich zu sehen &#8230;<br />
<span id="more-1013"></span></p>
<blockquote><p>(Ich) bitte &#8230; Sie innigst und flehentlich, mir Ihr Porträt zu schicken. Wollen Sie es nicht? Oh, seien Sie so gut; wenn Sie befehlen, bringt es Ihnen die umgehende Post wieder!</p>
<p>Nun soll ich Ihnen, wie Sie mir schreiben, viel von mir selbst erzählen. Ich bin weder so klug, noch so sehr Dichter, noch so gut, wie ich es als Sohn einer solchen Mutter sein müsste. Einst war ich so gut, glaube ich, als Knabe; aber das Unglück, der Mangel an passender Stellung zur Entwicklung eines Charakters, da ich auf Gymnasien und Universitäten immer mit Durchschnittsmenschen habe umgehen müssen, überhaupt das Leben, in welches ein Poet gehört, wie ein gebildeter Mensch auf einen Viehmarkt, haben mir viel wieder genommen. </p>
<p>Ich bin stolz, aristokratisch verschlossen, sehr bequem, aber gemütlich, wenn ich näher bekannt geworden. Dabei habe ich Anlage, ein Tyrann zu werden, und eine Frau muss mich wenigstens alle 24 Stunden einmal tüchtig mit dem Pantoffel auf den Kopf schlagen, wenn ich liebenswürdig bleiben soll. Überhaupt will der Mensch etwas malträtiert sein, und darin liegt das Geheimnis, sich lange jemandes Liebe zu erhalten. Haben Sie genug oder soll ich weiter beichten? &#8230; Also Ihr Bild bekomme ich? Ich schicke Ihnen dann meines auch. &#8230;</p>
<p>Ich schreibe jetzt einen Roman, darin sollen Sie die Heldin werden.  &#8230; Ich werde jetzt wieder fleißig, so gut ich&#8217;s kann, da ich fast nie ungestört bin und mein Zimmer mit meinen Prinzen teile. Dass ich, seit je daran gewöhnt, ungestört für mich in den stillen Räumen des Gedankens zu wohnen, dies ertrage, das ist mir ein Unerklärliches. Außerdem ist meine Stellung sehr unangenehm: ein Familienleben existiert nicht hier im Hause, und wenn es existierte, so würde niemand auf den Gedanken kommen, dass der Erzieher der Söhne dahin gehöre. Der Fürst ist ein Mann voll Anlagen, aber roh, Renommist, Materialist und allem, was ihn an Geist mahnen könnte, entschieden abgeneigt. Da er seine Beamten sehr schnöde behandelt und sich auf der anderen Seite mit ihnen gemein macht, auch, wie es den Anschein hat,  dies Betragen nachgrade gegen mich zeigen wird, der ihm wahrscheinlich als Beobachter seiner Schwächen sehr unbequem ist, so werde ich vielleicht einmal brechen müssen. Für den Winter schleppt er uns alle, seine erwachsene  Tochter sogar, zu seiner Mätresse nach Mondsee. Und die Fürstin hat kaum die Augen geschlossen!  &#8230; Sie sehen, wenn Sie noch meine völlige Einsamkeit dazu rechnen, ich bin hier nicht auf Rosen gebettet, so wenig wie nur irgend ein Kaiser von Mexiko. </p>
<p>Nun leben Sie wohl Luise, wenn Sie diese Zeilen gelesen haben, so spielen Sie mir ein Lied in lauter Molltönen vor; meine Seele dürstet nach Musik. Ich habe Sie herzlich lieb, Luise, weiß Gott! Wenn wir zusammen wären, ging&#8217;s uns wahrscheinlich allen beiden besser und an dem dunklen Nachthimmel unserer Melancholie würden wir gewiss die schönsten Raketen aus dem Brilliantfeuer der Heiterkeit aufleuchten lassen. </p></blockquote>
<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/31/alte-liebe-viii/">Fortsetzung &#8230;</a></p>
<p>Der Briefwechsel von Levin Schücking und Luise von Gall &#8211; jetzt auch gebündelt <a href="http://www.dailymo.de/eine-liebe-aus-dem-19-jahrhundert/">auf einer eigenen Seite!</a> </p>
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		<title>Alte Liebe VI</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jul 2007 08:52:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Love Content]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Job als Erzieher im Fürstenhaus Wrede wird Levin zunehmend unerträglicher, die Sehnsucht nach Luise immer größer. Der Tod der  (zu Lebzeiten betrogenen) Ehefrau des Fürsten trägt zu seinem Stimmungstief zusätzlich bei.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/04/alte-liebe/">Worum es geht.</a><br />
<a href="http://www.dailymo.de/2007/07/17/alte-liebe-v/">Was zuvor geschah.</a></p>
<p>Der Job als Erzieher im Fürstenhaus Wrede wird Levin zunehmend unerträglicher, die Sehnsucht nach Luise immer größer. Der Tod der  (zu Lebzeiten betrogenen) Ehefrau des Fürsten trägt zu seinem Stimmungstief zusätzlich bei. Anfang November 1842 schreibt er an Luise:<br />
<span id="more-1001"></span></p>
<blockquote><p>Der Sturm heult an mein Fenster, die Brände im Ofen sprühen knisternde Funken, unter meinen Füßen liegt eine tote Fürstin, das Leben der kalten, zugigen, meilenlangen Korridore ist ausgestorben &#8211; ist das nicht eine Situation für einen Poeten, <em>comme vous daignez me nommer</em>, der über Sturm und Tod hinaus seine Gedanken schweifen lassen will zu seinem treuen (?) Schatz. Mokieren Sie sich nicht über dies Wort; der Schatz ist, wo man sein Kostbarstes niederlegt, und uns armen Söhnen der Minerva sind die Gedanken das Kostbarste; die goldenen Stufen des Throns, auf welchen wir unser Gefühl setzen. Und wenn ich Ihnen nun meine Gedanken anvertraue und mein Gefühl Ihnen zu bewahren gebe, sind Sie dann nicht mein Schatz? &#8230;</p>
<p>Sie machen mir das Leben hier sauer, und ich halt&#8217; es bald nicht mehr aus, die Sohlen brennen mir unter den Füßen. Ich möchte gar zu gern nach Darmstadt, um mich bei dem Fräulein von Gall als ein durchreisender Poet, Herr Meyer oder Herr Müller oder Herr Schultze melden zu lassen, der das Handwerk bei ihr grüßen wolle, dann allgemach das Gespräch auf einen gewissen Schriftsteller Levin Schücking zu bringen und ihn wegen seiner exklusiven hochmütigen Literaturaristokratie, wegen seines katholischen Bigottismus, wegen seines Verkommenseins in der Romantik und dem Mittelalter, wegen seiner totalen Unfähigkeit für das Schiboleth der modernen Welt, freie Presse und freche Stände zu schwärmen, so herunterzumachen, dass ich das innigste Vergnügen hätte, wenn Ihre edlen Züge einen rechtschaffnen inneren Ärger über alle vagabundierenden Literaten ausdrückten. </p>
<p>In der Tat, ich sähe Sie gar zu gern &#8211; obwohl ich dann freilich nicht die Freude Ihrer Briefe mehr hätte, wenn ich da wäre, wo ich mich jetzt hinsehne, und es uns dann gehen könnte, wie jenem alten Paare, das endlich, nachdem der alte Herr jahrelang alle Abende um 6 Uhr zum Tee zu ihr gegangen war, sich heiratete und nun &#8211; sich wieder scheiden ließ, weil er jetzt nicht mehr wusste, wo er seine Abende zubringen sollte. </p>
<p>Ich finde mich veranlasst, weil ich oben darauf kam, Ihnen mein Glaubensbekenntnis herzusetzen: Ich glaube an Gott, Schutzengel, Ewigkeit, Vorsehung und Gespenster.<br />
Ich halte die Regierungsform für die Beste, wo der Regent unumschränkt wie der Sultan, aber &#8211;  ein Weiser ist. Da aber das nicht bei unseren Regenten der Fall ist, im Gegenteil es nichts Wahreres gibt, als was Axel Oxenstierna seinem Sohne sagte: &#8220;Mein Sohn, du glaubst nicht, von wie wenig Klugheit die Welt regiert wird,&#8221; so glaube ich, daß eine Verfassung dem Könige die Hände binden muss, nach &#8230;</p></blockquote>
<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/30/alte-liebe-vii/">Fortsetzung &#8230;</a></p>
<p>Der Briefwechsel von Levin Schücking und Luise von Gall &#8211; jetzt auch gebündelt <a href="http://www.dailymo.de/eine-liebe-aus-dem-19-jahrhundert/">auf einer eigenen Seite!</a> </p>
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		<title>Alte Liebe V</title>
		<link>http://www.dailymo.de/2007/07/17/alte-liebe-v/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=alte-liebe-v</link>
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		<pubDate>Tue, 17 Jul 2007 08:52:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Love Content]]></category>

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		<description><![CDATA[Luise  hat die Koketterie Levins schnell durchschaut. Sie dreht den Spieß um, schreibt am 17. Oktober 1842 über ein Porträt, das sie ihrem Verehrer zu schicken gedachte - und teilt ihm mit, dass sie es sich dann doch anders überlegt habe. Aber sie denkt auch über ein erstes Treffen nach ... ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/04/alte-liebe/">Worum es geht.</a><br />
<a href="http://www.dailymo.de/2007/07/14/alte-liebe-iv/">Was zuvor geschah.</a></p>
<p>Luise  hat die Koketterie Levins schnell durchschaut. Sie dreht den Spieß um, schreibt am 17. Oktober 1842 über ein Porträt, das sie ihrem Verehrer zu schicken gedachte &#8211; und teilt ihm mit, dass sie es sich dann doch anders überlegt habe. Aber sie denkt auch über ein erstes Treffen nach &#8230; </p>
<blockquote><p>Ein Lebenszeichen (!)*</p>
<p>Eben bekomme ich Ihren Brief, und gleich setze ich mich hin, um Ihnen zu danken! <span id="more-1000"></span> Was soll das heißen, dass Sie sagen, Sie hätten mir eigentlich jetzt nicht schreiben sollen, weil ich durch meine Cousine zu sehr in Anspruch genommen sei! Das ist Koketterie von Ihnen, lieber Freund, denn Sie müssen wissen, wie mich Ihre Worte freuen, Sie müssen fühlen, dass unsere Korrespondenz einen großen Reiz für mich hat &#8211; sonst ist alles nichts!</p>
<p>Sie haben mir nicht gut erklärt, was wir sind, mir ist es aber jetzt eingefallen; es ist zwar &#8220;eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu&#8221; &#8211;  wir sind Tanne und Palmbaum! Wir träumen von einander! <em>Sie</em> sind der Fichtenbaum, den es schläfert, ich aber bin die Palme, die einsam und schweigend trauert! </p>
<p>Ich erinnere mich, dass, als ich zuerst das Gedicht las, es ist schon viele Jahre, ich Tränen in meinen Augen fühlte, und ich war doch damals ein glückliches Kind, ohne Schmerzen, von Liebe umgeben! Jetzt, seitdem meine Mutter tot ist, sind mir viele Menschen gut; aber niemand liebt mich; ich bin niemand zu seinem Glück notwendig und das ist doch nur Liebe. Aber es ist eine gerechte Strafe vielleicht, denn früher schlug ich die Welt und alles, was sie bietet, zu gering an. Ich sagte damals, was soll ich mich um andre Menschen kümmern, so wie meine Mutter liebt mich doch niemand, kann mich niemand lieben! Wie freut es mich, dass ich Ihnen von dieser Heiligen reden kann, dass Sie mit mir fühlen und empfinden, was eine liebende Mutter ist! </p>
<p>Selbst als Kind habe ich wenig mich mit anderen herumgetrieben. Bis zu meinem neunzehnten Jahre war meine Mutter meine ausschließliche Gesellschaft, meine Lehrerin, meine Freundin. Da wurde ich erst in die Welt eingeführt; ich passte aber eigentlich schon nicht mehr hinein, denn ich war ein selbständiges Wesen, sagte, was ich dachte und glaubte, jedermann sei so. Ich bin auch so geblieben, denn meine Mutter tadelte mich nicht und nur ihr Tadel hatte &#8220;Wert für mich. </p>
<p>Kürzlich sagte eine Dame, die mich kennen lernte: &#8220;Im Anfange kam mir Luise Gall ganz sonderbar und eigen vor, und nun kann ich nicht begreifen, dass nicht alle Menschen so sind, denn sie ist ganz natürlich.&#8221; Werden Sie mir es als Eitelkeit auslegen, dass ich Ihnen dies schreibe? Ich hoffe nicht; denn natürlich zu sein, ist ja kein Verdienst und höchstens das meiner Mutter, dass sie mich so lange dem geschminkten Treiben der Welt fern hielt und nur ihr edles reines Frauengemüt mich erkennen ließ. Meine Mutter war unendlich viel mehr, als ich bin, aber es erfüllt mich mit Stolz zu sagen, dass ich mich Ihrer nicht unwürdig fühle. Auch sie war Dichterin wie die Ihrige, doch nur für ihre Lieben. Ihr ganzes Leben war eine Kette von Unglück. Drei jüngere Brüder verlor sie auf grässliche Art; der eine ertrank, der andere kam auf der Jagd um; und meinen Vater verlor sie einige Wochen vor meiner Geburt durch einen Sturz mit dem Pferde! Ich war nun ihr Alles, ihr Einziges, Erstes und Letztes! </p>
<p>Ich bin durch Liebe verwöhnt, recht sehr verwöhnt worden, und mich friert, wenn ich meine Blicke um mich werfe. Ich möchte immer und ewig nur in meinem Innern die heilige Erinnerung an die Liebe, die ich besaß, pflegen und hegen. Ein Glück hat mir der Himmel verliehen, eine große angeborne Heiterkeit. Als meine Mutter noch lebte, wachte ich den Morgen immer mit einem Gefühle der Glückseligkeit auf, dass mir war, als müsse ich laut jubeln, wie eine Lerche. Und wenn ich sang und meine helle Stimme recht ausströmen ließ, dann war mir wohl im Gefühle unendlicher Lust! Das ist nun vorüber &#8211;  wenn ich allein bin, bin ich jetzt immer traurig, so wie ich noch vor anderthalb Jahren dann immer fröhlich war. Aber es bedarf nur eines Menschen, eines Vogels, einer Blume, einer Gegend, um Freude und Teilnahme in mir zu wecken. Der beste Wecker aber ist ein Brief.</p>
<p>Verzeihen Sie, oder vielmehr entschuldigen Sie, dass ich so viel von mir erzählt, aber Sie wissen ja gar nichts, als Freiligraths schlechte Spaße, und nach denen sollen Sie sich kein Bild von mir machen. Ich habe ihn schon beschuldigt, daß er Ihnen die Phantasie in Betreff meiner verdorben. </p>
<p>Sie fragen mich, welcher Glückliche mein Bild erhält. Gar keiner. Freiligrath und seine Frau fanden es wundervoll, ähnlich, herrlich! Hier meine Verwandten finden aber, daß es älter und hässlicher sei als ich, mich schockiert ein <em>dedaigneuser</em> Zug um den Mund, den ich nicht habe, den aber Ida F[reiligrath] auch nicht finden will. Erst wollte ich das Bild lithographieren lassen und auch Ihnen einen Abdruck schicken, aber nun mag ich nicht, obgleich ich Ihnen vielleicht grade dies Bild senden sollte, damit nachher die Wirklichkeit Sie nicht unangenehm überrasche. Sie sehen, dass mir viel an Ihrer Gnade liegt. </p>
<p>Aber im Ernste, Ihre Freundschaft ist meinem gänzlich verwaisten Leben eine Freude, ein Gewinn, wofür ich Ihnen mit ganzer Seele danke. Dabei der poetische, romantische Reiz des Ungewöhnlichen. Wissen Sie, mein Freund, dass Sie prächtige Briefe schreiben? <em>So</em> kann ich&#8217;s nicht, ich kann nur schreiben, wie ich spreche, und meine Briefe haben nur für den Wert, an den sie gerichtet sind, weil sie den Stempel der Wahrheit tragen; die Ihrigen aber sind Gedichte! Gedichte &#8211;  ja das ist schön, dass Sie mir Gedichte schicken wollen. Aber eines muss dabei sein, von dem Sie mir sagen, dass Sie bei dem Niederschreiben an mich gedacht haben. Es braucht nicht an mich gerichtet zu sein, so tyrannisch bin ich nicht &#8211; aber ich möchte wissen, in welche Farben mein Bild sich in Ihrem Dichterherzen kleidet.</p>
<p>Ich habe schon öfter Gedichte bekommen voll schöner Worte, aber die haben mich nicht gefreut, es waren lauter kleine geputzte Puppen, die in schwerfälligen Schritten vorbei marschierten und bei dem Weggehn sich tief verneigten.</p>
<p>Aber ich möchte ein Gedicht lesen, von dem niemand weiß, dass ich darinnen lebe, und das ein warmes lebendiges Wort zu mir spräche, so wie ich seit Jahresfrist keines zu hören bekommen! </p>
<p>Sie protestieren feierlich gegen den Titel <em>sans peur et sans reproche</em>. Tun Sie das nicht, Sie sollen solch ein Ritter sein. Schlickum hat mir zwar erzählt, dass Sie sich vor Gespenstern fürchten, das glaube ich aber nicht, weil ich nicht will!</p>
<p>Freiligrath ist vis-a-vis von jeder Geistergeschichte ein Hase, aber das darf mein Ritter nicht sein: Der muss einen Geist in sich fühlen, der allen Geistern überlegen ist. Ist nicht der Geist der Liebe ein mächtiger Geist? Wissen Sie auch, warum mein Ritter so mutig und furchtlos sein muss? Weil ich selbst gar keine Courage habe und von ihm geschützt sein will. Aber für mich würden Sie auch einem Gespenst Trotz bieten, denn ein edler Charakter vermag für andere, was er für sich selber nie vermocht. </p>
<p>Ich habe mir ausgedacht, wie unser erstes Zusammentreffen stattfinden muss. So oder gar nicht. Nämlich bei einem großen Fest &#8211; ich darf nur wissen, dass Levin, Sie, dass Luise gegenwärtig ist. Dann müssen Sie mich unter allen erkennen und ausfinden: Ich habe Sie dann schon längst erkannt, davon bin ich überzeugt! Aber ob <em>Sie</em> mich finden, das ist die große Frage. Ja, groß; denn es gibt viel große Frauen mit dunklen Haaren und schwarzen Kleidern, obgleich ich schon mehrmals nach Beschreibungen erkannt wurde. </p>
<p>Ich sollte Ihnen doch mein Bild schicken, wenn es auch älter aussieht  &#8211; in sieben Jahren gleicht es mir dann grade!        </p>
<p>Mit meiner Cousine geht es besser, aber ich gehe doch nicht nach Wien; denn erst seitdem ich ihr erklärt, dass ich sie nicht verlassen wolle, hat die Krankheit nachgelassen. Ich sah, dass sie in fortwährender Aufregung war und fürchtete, ich möchte sie heimlich verlassen. Sie weinte vor Freude, und mein Opfer war mir dann vergolten; denn ein großes Opfer war es, Darmstadt und Wien! Vielleicht gehe ich nun nächstes Frühjahr; den Winter bleibe ich auf jeden Fall hier. Sie schelten mich (dass doch die Männer so gerne zanken!), dass ich Ihnen meine Adresse nicht geschickt: Sie wussten meinen Namen und Aufenthaltsort, wozu mehr in einem Neste wie Darmstadt?</p>
<p>Von Hauff** habe ich vorgestern einen höchst komischen Brief erhalten. Hackländer hatte mir nämlich erzählt, dss er, Hauff nämlich, mich für eine alte Dame gehalten, nun aber bei dem Empfange meiner ungarischen Reise gesehen, dass er sich geirrt und zu ihm gekommen, triumphierend, mein Manuskript in der Hand, rufend, &#8220;Gott sei dank, sie ist jung.&#8221; Aber dennoch mir nicht antwortete, ich schrieb ihm nochmals und am Schlusse meines Briefes machte ich den harmlosen Spaß, ich höre, er habe mich für eine alte Dame gehalten. An meiner Ungeduld könne er aber sehen, dass ich noch jung sei. Nun sollten Sie lesen, wie pedantisch er mir schreibt: &#8220;Geschlecht und Alter seiner Mitarbeiter müssten ihm gleichgültig sein.&#8221; Hat man je Ähnliches gesehen. Er glaubte wohl, ich wollte ihn bestechen, du lieber Gott, so groß ist meine Jugend nicht mehr. </p>
<p>Raten Sie mir, was soll ich mit dem Manne anfangen? Sie sind mein Bräutigam, ich werde jetzt alle meine Sorgen auf Ihre Schultern wälzen. Denken Sie sich nur nicht, weil ich eben von meinem Schreiben gesprochen, einen Blaustrumpf in meiner Person. Ich lege unendlich wenig Wert darauf; ich schreibe nur, weil ich nichts anderes zu tun habe; denn meine Toilette nimmt mich nicht in Anspruch. Singen kann man nicht den ganzen Tag, und vom Zeichnen tun mir die Augen weh. Ich lese und schreibe, aber wenn heute jemand zu mir sagte: &#8220;Tue mir den Gefallen und schreibe kein Wort mehr,&#8221; und dieser Jemand wäre wirklich jemand, so würde ich es <em>sans regrets</em> tun. &#8230;</p>
<p>Wie wahr ist das, was Sie von den Momenten sagen. Die Freude ist nur wie eine schöne Musik, die verklingt, der Kummer aber wie ein Gemälde bleibend, man schaut es immer wieder von neuem an. Aber seien Sie nicht undankbar; ist denn die Erinnerung eines schönen Augenblickes nicht auch ein Glück! Wozu wären Sie denn so ein Dichter, wenn Sie nicht die Erinnerung zur Gegenwart umscharfen könnten &#8211;  das ist ja Ihr Metier. </p>
<p>Sie haben mir Ihr Bild versprochen, und nun sind Sie ganz stille davon. Aber ähnlich muss es sein, sehr ähnlich, so ähnlich wie Freiligraths, sonst würde es zur trennenden Barriere zwischen uns; denn ihm würde meine Freundschaft zuströmen, und wenn Sie dann kämen und anders wären, wenn auch viel schöner, so hätte ich nichts mehr für Sie übrig. Denn ich bin ausschließend, mit ganzer Seele oder gar nicht. &#8230;</p>
<p>Wie verschieden sind unsere Wünsche! Obgleich die Tageszeit dieselbe ist, so möchten Sie am Kaminfeuer mit mir plaudern, während ich mit Ihnen spazieren gehen möchte. Ihre Wünsche sind aber jedenfalls &#8220;zeitgemäßer&#8221;, denn der Winter ist vor der Türe und wir müssten jetzt beide bei unserer Promenade erfrieren. Aber ich denke nicht an den Winter, nicht an die Jahreszeiten. Vielleicht treffen wir uns auch erst dort, wo ewiger Frühling ist!</p>
<p>* danach muss ich ein langes Leben haben. </p></blockquote>
<p>** Hermann Hauff redigierte das Cotta&#8217;sche &#8220;Morgenblatt&#8221;.  Es handelt sich um den Artikel: &#8220;Acht Wochen in Ungarn&#8221;.     </p>
<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/24/alte-liebe-vi/">Fortsetzung &#8230;</a></p>
<p>Der Briefwechsel von Levin Schücking und Luise von Gall &#8211; jetzt auch gebündelt <a href="http://www.dailymo.de/eine-liebe-aus-dem-19-jahrhundert/">auf einer eigenen Seite!</a> </p>
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		<item>
		<title>Alte Liebe IV</title>
		<link>http://www.dailymo.de/2007/07/14/alte-liebe-iv/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=alte-liebe-iv</link>
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		<pubDate>Sat, 14 Jul 2007 13:13:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Love Content]]></category>

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		<description><![CDATA[Oha: Luise hat wohl ein wenig zu schwärmerisch von dem gemeinsamen Freund Freiligrath geschrieben - in seinem Brief vom 14. Oktober 1842 macht Levin daraufhin aus seiner Eifersucht keinen Hehl, wenn auch mit einem Augenzwinkern. Vor allem aber ist er besorgt, dass Luise sich bei der Krankenpflege anstecken könnte ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/04/alte-liebe/">Worum es geht.</a></p>
<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/06/alte-liebe-iii/">Was bisher geschah.</a></p>
<p>Oha: Luise hat wohl ein wenig zu schwärmerisch von dem gemeinsamen Freund Freiligrath geschrieben &#8211; in seinem Brief vom 14. Oktober 1842 macht Levin daraufhin aus seiner Eifersucht keinen Hehl, wenn auch mit einem Augenzwinkern. Vor allem aber ist er besorgt, dass Luise sich bei der Krankenpflege anstecken könnte &#8230;</p>
<p><span id="more-996"></span></p>
<blockquote><p>Edle Dame!<br />
Sie haben gewiss schon gefühlt und zwar öfter, als es härteren Männerherzen aufgeht, wie das Leben eigentlich nichts hat als Momente, um deretwillen es allein der Mühe wert ist, eine unendliche Zahl langweiliger Tage durchlebt zu haben. Es ist ein grauer Himmel &#8211;  aber es sind Sterne daran. Und diese Momente, diese Sterne sind hinreißend, entzückend, den Menschen außer sich reißend in eine Wonne und Lust, welche tieftrauriger Natur, einen bodenlos betrübt machen kann. Es ist die Trauer, dass ein solches hinreißendes Gefühl nur aufblitzt, daß es nicht alle fühlen, dass es so schnell vorüber geht. Dass der Tod doch das Ende von allem ist &#8211; der Tod ist der Vater der Poesie.</p>
<p>Aber welch seltsamen Briefanfang mach&#8217; ich da? Sie werden Ihren Augen nicht trauen: ich bin auf den Tod gekommen und wollte Ihnen nur sagen, dass es einer jener schönen Augenblicke war, als ich aufgeregt von einem lustigen Ritt durch die frische Luft eines verschleierten Herbstmorgens, Ihren lieben Brief vorfand und verschlang. Nebenbei: alle Menschen und am meisten die Schriftsteller sind zu bedauern, welche die Poesie des Reitens nicht kennen. </p>
<p>Eigentlich sollt&#8217; ich Ihnen jetzt noch nicht antworten: Entweder trifft dieser Brief Sie, wenn das Nervenfieber Ihrer Cousine sich gebrochen hat, und Sie sind dann in einer so freudigen Stimmung, dass diese Zeilen nichts hinzufügen können: ich bin aber eitel genug, das, wenn auch nicht vorauszusetzen, doch zu wünschen. Oder, was der Himmel nicht wolle, die Krisis hat sich zum Unheilvollen gewendet, und dann komm&#8217; ich völlig <em>mal a propos</em>.</p>
<p>Ich möchte aber so gern mit Ihnen eins plaudern: Das ist eigentlich ein Hauptreiz, dass wir nichts von einander wissen und deshalb uns so unendlich viel mitteilen und erzählen können. Was könnt&#8217; ich Ihnen nicht alles vorplaudern, wenn wir zusammen säßen, einem flackernden Kaminfeuer gegenüber an einem stürmischen Herbstabende, die Früchte des Nussbaumes und die härteren Nüsse der Lebensrätsel knackend! Sie müssen wissen, dass das meine Passion ist; das heißt das Kaminfeuer, nicht das Nüsseknacken. Die fröhlichsten Stunden meines Lebens waren die, wo ich als Knabe zu Hause in einem einsamen waldumschlossenen Jagdschloss (Clemenswerth) am Kaminfeuer in Walter Scotts Romantik schwelgte, während meine Mutter an ihrem Sekretär saß und an ihren Gedichten oder ihre Korrespondenz schrieb. Was könnt&#8217; ich Ihnen nicht alles von der erzählen! Sie war eine Frau, wie es nicht viele gegeben hat und als Dichterin von großer Bedeutung.  Es freut mich außerordentlich, dass Sie der Ihren eine so treue Trauer widmen. Es gibt kein Verhältnis auf der Erde, das nur entfernt auf die Weihe von Heiligkeit Anspruch machen könnte, wie das zu einer lieben Mutter. </p>
<p>Es hat mich ebenso gefreut, daß Sie so vertraut mit mir über Ihre jetzige Krankenpflegerinlage plaudern und klagen, um so mehr, da der Trost so nahe liegt: Ihre Gefangenschaft ist vorübergehend. Und wenn Sie Ihre Einsamkeit neben die meine stellen, so wissen Sie nicht, wie ich Sie beneide, den Sommer in St. Goar haben zubringen zu können, und überhaupt bei Menschen zu sein, die ich hier, ein Diogenes, vergeblich mit der Laterne suche. Freilich kann ich so gut wie irgend jemand den Umgang entbehren und habe es auch leider fast immer tun müssen, da man so selten andre Menschen findet, als die Sorte, von der 60 auf ein Dutzend gehen; aber ich finde, dass die Einsamkeit, wie sie die Lust am Träumen nährt, die am Produzieren tötet, und das tut mir leid.</p>
<p>Sie begreifen die Eifersucht nicht? Mir ist das unbegreiflich; wissen Sie wohl, dass ich auf alle Welt eifersüchtug wäre, selbst es jetzt schon auf meinen Freund Freiligrath bin? Was haben Sie <em>sein</em> Lächeln so bezaubernd zu finden? Nur Leute, die sich überschätzen und keine Phantsie haben, sind nicht eifersüchtig; obwohl ich auf der anderen Seite gestehen muss, dass allen edlen Frauennaturen von allem die Wandelbarkeit und Flatterhaftigkeit das Allerfernste, Unmöglichste ist. Eine edle Frau kann dahin kommen, zu vergiften, aber nicht dahin, treulos zu werden. Aber was hilft&#8217;s: Es ist uns Männernangeboren, eifersüchtig zu werden. &#8230;</p>
<p>Wissen Sie, dass ich wirklich in Angst bin, das Nervenfieber könnte Sie anstecken und meinem kurzen Glückstraum ein Ende machen? Eine Zeile Ihrer Hand, einem Lebenszeichen von Ihnen harre ich aufs Besorgteste entgegen.</p>
<p>Was wir sind? Jedenfalls ein paar guter Kinder, die eine innige Freundschaft durch ein anmutigesm, neckrisches Spiel heitrer machen: vielleicht. Aber wie kann ich das ruhig und sicher aussprechen, ohne meine hohe Herrin zu beleidigen, um deren Hand durch langen treuen Dienst geworben werden muss?</p>
<p>Hören Sie, ich will&#8217;s Ihnen ins Ohr sagen: Vielleicht sind wir einst, ich ein gemütlicher alter Herr, der zwar nicht gern von den Lorbeern, auf denen er hinterm Ofen ruht, aufsteht, aber doch mit einer für seine Jahre ganz erträglichen Galanterie seiner kleinen Frau die Hand küsst &#8211; es sei denn, sie setze ihm zu Mittag gebackene Hähnl vor, was ihn in eine höchst unliebenswüprige Launer versetzt, indem es ihn an 7 ängstlich verwartete Jahre erinnert, während welcher er sich im Traume häufig in diese Wiener dürre und unschmackhafte Speise verwandelt sah.</p>
<p>Wissen Sie, dass Sie mir höchst damenhaft nicht Ihre Adresse gegeben haben? Ich hoffe, Ihre Erscheinung ist dem gesamten guten Darmstadt denkwürdig genug, dass auch das Geschlecht der Briefträger sich eine Gelegenheit nicht nehmen lassen wird, wo es in die Nähe derselben kommen darf. Dies ist ein dummes Kompliment. Verzeihen Sie es der Innigkeit, womit ich Ihnen noch einmal Lebewohl zurufe.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/17/alte-liebe-v/">Fortsetzung &#8230;</a></p>
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		<title>Alte Liebe III</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jul 2007 07:15:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Love Content]]></category>

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		<description><![CDATA[Das selbstbewusste Auftreten ihres Verehrers scheint Luise von Gall zu imponieren. Es vergeht nicht viel mehr als eine Woche, bis sie Levin Schücking antwortet. Doch das Geplänkel wird getrübt: Luise muss eine sterbende Verwandte pflegen ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/04/alte-liebe/">Worum es geht.</a></p>
<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/06/alte-liebe-ii/">Was bisher geschah.</a></p>
<p>Das selbstbewusste Auftreten ihres Verehrers scheint Luise von Gall zu imponieren. Es vergeht nicht viel mehr als eine Woche, bis sie Levin Schücking antwortet. Doch das Geplänkel wird getrübt: Luise muss eine sterbende Verwandte pflegen &#8230;</p>
<p><span id="more-995"></span></p>
<blockquote><p>Mein Ritter!<br />
Anders kann ich Sie nicht nennen, denn so erscheinen Sie mir, umgeben von dem Zauber jener romantischen Zeit! Wie fröhlich empfing ich Ihren poetischen Brief bei offnem Fenster; vorüberziehend der stolze Rhein, Freiligrath mit seinem Lächeln vor mir und ein Maler, der mich zeichnete  &#8211;  und die letzte Hand an ein gelungenes Bild legte &#8211; , dabei in meiner Seele die Aussicht auf eine schöne Reise &#8230;  Das ist nun alles dahin! Ich sitze in einer Krankenstube; hinter dem Schirme liegt meine Cousine am Nervenfieber tödlich danieder, und ihr fliegender Atem im Fieberschlummer ist das einzige, was ich vernehme. &#8230;</p>
<p>Sie finden es vielleicht sonderbar, mein Herr Levin, dass ich von diesen Dingen mit Ihnen rede, aber von anderem kann ich nicht sprechen; und ich möchte Ihnen doch gerne etwas sagen und auch erklären, warum ich vielleicht, ja wahrscheinlich nicht nach Wien gehe, obgleich schon alle meine Anordnungen getroffen und meine liebsten Freunde mich dort erwarten. In diesem Falle käme ich auch über Nürnberg. Aber es ist besser, wir sehen uns noch nicht. Sie sind mir ein lieber Freund, ja, was noch mehr ist, mein erwählter Ritter, ich denke oft an Sie und immer mit heller Freude, ich weiß auch, daß ich in Ihren Augen etwas bin. </p>
<p>Würde dies aber fortwähren, wenn wir uns gesehen? Der Zauber des Romantischen wäre dahin, und ob ein anderer Zauber ihn ersetzen würde, ist eine große Frage. Behalten wir also unser sicheres Gut, mein lieber Freund! Sie sagen mir unendlich viel schöne Dinge, und obgleich ich sonst Komplimente verabscheue, so freuen mich diese, denn sie sind gewiss ehrlich gemeint, da sie an ein Ideal gerichtet sind, das sie selbst mit allem ausstatten können! Es sind keine Schmeicheleien, da Sie mich nie gesehen. </p>
<p>Aber über eines muss ich Sie doch belehren. Ich trage keine fliegenden Locken. Mein dunkelbraunes langes Haar ist glatt gescheitelt. Ich bin überhaupt einfach und schlicht, sogar in meinem Anzug. Wenn Sie an mich denken, so sehen Sie mich im schwarzen Kleide, denn andres trage ich nicht seit dem Tode meiner über alles geliebten Mutter. </p>
<p>Ich möchte Ihnen so gerne etwas Fröhliches, Erheiterndes sagen, aber in dieser Umgebung ist das nicht möglich.  &#8230; Sie klagen über Einsamkeit und Gefangenschaft. Einsamer und gefangener wie ich kann niemand sein, ich habe auf Erden nur eine Freundin, und die ist in Ungarn; Sie sehen, mir geht es noch schlimmer wie Ihnen. Wundern Sie sich nicht, dass ich Ida Freiligrath nicht als meine Freundin nenne, sie ist es zwar, aber nur soviel als die Liebe zu ihrem Manne es ihr grade erlaubt. Mit einer Frau, die ihren Mann liebt, ist außerdem gar nichts anzufangen, sie hört auf, sie selbst zu sein, sie ist nur noch ein Spiegel, ein Echo; aber das gereicht ihr zum Ruhme  &#8211;  verstehen Sie mich recht. Mit den Männern geht es nicht so. Die sind vielseitigere Naturen. Sie können zugleich Gatte, Courmacher und Freund sein! &#8230;</p>
<p>Darüber fällt mir ein, dass ich Ihnen auch viel Schönes über Ihre &#8220;Poetischen Frauen&#8221; sagen will,  die mir eine ungemein anziehende Lektüre waren. Sie haben eine wunderbare Kenntnis von Frauencharakteren, nur ist mir im ganzen Ihre poetische Frau zu weich; zum Beispiel: Sie lassen sie aus Mitleid heiraten. Das glaube ich von keiner wahrhaft poetischen Frau, sie stirbt aus Mitleid, aber heiraten &#8211;  die Hand gilt uns Frauen höher als das Leben -, das heißt, wenn wir das sind, was wir sein sollen. </p>
<p>Sie lachen mich aus, weil ich so schnell meine Hand versagt. Sie werden sagen, entweder sei meine Behauptung oder mein Herz falsch; beides ist aber wahr. &#8230;</p>
<p>Leben Sie wohl, schreiben Sie mir bald, damit ich nicht vorher auch am Nervenfieber sterbe. Farewell! Farewell!</p></blockquote>
<p><a href="http://www.dailymo.de/2007/07/14/alte-liebe-iv/">Fortsetzung&#8230;</a></p>
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