Wahre Größe
Als wir den Hund im Spätsommer 1988 zum ersten Mal sahen, waren wir entsetzt. Der lange Körper mit dem struppigen, staubfarbenen Fell stand auf vier spindeldürren Beinchen, der Schwanz drehte sich über ihrem Hinterteil kreisförmig in die Höhe, und aus dem weißen Gesicht schauten uns zwei riesige schwarze Augen an. Vor allem aber war sie so schrecklich… klein!
D. und ich, wir waren andere Kaliber gewohnt: Anka, Laika und auch Benny waren groß und kräftig gewesen – Hunde eben. Nun also dieses… diese… Chica. So hatte die in Spanien lebende Deutsche das Findelkind der Einfachheit halber gerufen, bevor sie ein neues Zuhause für sie suchte. Und wir, D. und ich, wir hatten am Telefon zugesagt, den Hund aufzunehmen. Ohne ihn je gesehen zu haben. Selber schuld.
Also, sie ist… ziemlich klein.
Nunja, sie ist ja auch noch ganz jung. Ein Jahr oder so.
Das heißt wohl, sie wächst nicht mehr?
Vermutlich nicht.
Wir seufzten und taten das einzig Mögliche: Wir breiteten die Arme aus und schlossen das merkwürdige Tier bedingungslos in unsere Herzen.
MehrGewissheit
Einer der verschütteten Bergleute, die im US-amerikanischen Tallmansville starben, hat seinen Angehörigen auf einem Blatt Papier ein großes Geschenk hinterlassen:
Es war nicht schlimm. Ich bin einfach eingeschlafen.
Kein Weg nach Rom
Ich spöttele ja gerne über meine katholische Vergangenheit. Die Wahrheit ist: Sie hat tiefe Wurzeln geschlagen. Auch gut fünfzehn Jahre, nachdem ich vor einem lustlosen Beamten meinen Austritt aus der katholischen Kirche erklärt habe, regt sich noch Leben in diesem verschütteten Winkel meines Wesens. Als Christin habe ich mich immer gefühlt – der Katholizismus aber ist bei mir offenbar so etwas wie in Bernstein eingeschlossene Dinosaurier-DNA.
MehrJohannes Paul Superstar
Als die erlösende Nachricht kam, öffneten wir ein Fenster zur Altstadt und ließen das Glockengeläut der nahen Kathedrale ins Zimmer. Am Tag danach enstand dort dieses Bild.
MehrGefühlt
Das Rätselhafte am Älterwerden ist die Tatsache, dass man es nur bei anderen bemerkt und selten bei sich selbst – von wenigen Momenten abgesehen. In der Selbstwahrnehmung scheint man immer – naja, so etwa gefühlte 20 zu bleiben. Zum Glück trügt das Gefühl, denn letztlich war das Leben damals eine einzige Eskapade. Obwohl…
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