Angebissen

Vielleicht war das auch ein wenig der Nähe dieser beiden Ereignisse geschuldet, dass sich viele Texte über den Rücktritt von Steve Jobs lasen wie Nachrufe: Nach dem großartigen, unvergleichlichen Loriot verlieren wir nun auch noch den Apple-Gott! Aber Steve Jobs ist nicht gestorben, hoffentlich ist ihm noch ein langes Leben vergönnt, auch wenn sein Abschied vonm Chefposten anderes befürchten lässt.

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Ein Leben im Flug

Ein Leben im Flug

Hach. Sie werden ja so schnell erwachsen, die Kleinen. Gerade erst aus dem Ei geschlüpft und schon auf dem Weg zur Selbstständigkeit. Seit ein paar Wochen schaue ich zwei Mauerseglern täglich beim Erwachsenwerden zu. Das Nest, in dem Ramba und Zamba ausgebrütet wurden, steht in Basel, und der Livestream unter spyren.ch liefert Bewegtbilder in guter Qualität.

Inzwischen zählen die beiden 27 Tage Lebensalter, haben bereits die ersten Flugübungen hinter sich und sind, wenn mich nicht alles täuscht, in die letzte Phase vor dem Abflug getreten: Abmagern bis zum optimalen Fluggewicht.

Ginger und Fred, die Eltern, sind im Nest kaum noch zu sehen. Vermutlich haben sie sich zu den anderen Mauerseglern gesellt, die jeden Abend ihre Screaming Partys feiern und sich in den Himmel hoch schrauben – um dort zu schlafen.

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I had a dream

Als sich der amerikanische Präsident zur Wiederwahl stellte, verfiel ich – als seine engste Beraterin – auf eine Idee. Ich engagierte eine Maus, die das Talent hatte, die amerikanische Nationalhymne zu singen, ließ ihr ein Miniaturmikrofon bauen und sorgte dafür, dass sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit bei Wahlkampffterminen ihren Auftritt hatte. Die Maus erwies sich als Wunderwaffe, die Menschen waren begeistert. Das singende Tierchen war unbezahlbar. Einmal, als der Präsident Besuch von der Queen hatte, änderte die Maus spontan das Programm und sang aus voller Inbrunst “God save the Queen”. Als der letzte Ton verklungen war, starrten alle Anwesenden die Königin an. Die hatte ihren Blick starr auf das Mäuschen gerichtet – und Tränen standen in ihren Augen.

Der Präsident wurde wiedergewählt.

(Manche Träume muss man einfach irgendwo festhalten, bevor sie sich im anbrechenden neuen Tag verflüchtigen.)

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Als Mutter Goethe ihr Herz verlor

Als Mutter Goethe ihr Herz verlor

Für Skandale war nicht nur Johann Wolfgang Goethe gut. Noch bevor der Sohn im fernen Weimar seine wilde Ehe mit Christiane Vulpius begann, stürzte sich seine Mutter Katharina Elisabeth in Frankfurt in eine Liaison mit einem sehr viel jüngeren Mann. Mochte die Frankfurter Gesellschaft noch so die Nase rümpfen – um Frau Aja, wie Goethes Mutter von dessen Freunden genannt wurde und sie selbst viele ihrer Briefe unterschrieb, war es geschehen, als sie den jungen Mann das erste Mal erblickte. Altersunterschied hin oder her.

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Seuchengefahr

Unter allen schlechten Nachrichten aus Haiti ist immer wieder auch eine, die bei erfahrenen Katastrophenhelfern Kopfschütteln auslöst: Von Toten, die nicht schnellstens unter die Erde kommen, gehe Seuchengefahr aus. Richard Munz bringen Fehlinformationen wie diese nach eigenem Bekunden “fast zur Verzweiflung”. Munz ist Notfallchirurg und war in vielen Katastrophengebieten im Einsatz. Statt ob der Lernresistenz der Medien zu verzweifeln, meldete er sich bei der FR: “Entgegen den jetzigen stereotypen Meldungen gibt es kein Leichengift und Leichen nach Naturkatastrophen stellen also auch keinerlei Seuchengefahr dar”. Die gehe vielmehr von den Lebenden aus – von ihren Ausscheidungen, die, wenn Toiletten fehlen, das Trinkwasser verseuchen können.

Die Hektik, mit der Tote nach Katastrophen in Massengräbern beerdigt werden, habe vor allem eins zur Folge: Sie bringe Leid über Familien, die nicht wissen, wo sie ihre Angehörigen betrauern können. Seuchengefahr werde durch solchen Aktionismus nicht gebannt. “Ich werde auf jeden Fall versuchen, diese Botschaft in Haiti in jedes Mikrofon zu schreien, das mir entgegengehalten wird.”

Mit der Mär vom Leichengift räumt auch das Bestatterblog auf.

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Kopfzerbrechen in Weimar

Kopfzerbrechen in Weimar

Vor längerer Zeit berichtete ich an dieser Stelle über den Schädel Friedrich Schillers – ein begehrtes Relikt, so begehrt, dass sich seit nunmehr gut 180 Jahren immer wieder Menschen bereit finden, zwischen vermoderten Knochen zu wühlen, um den großen deutschen Dichter zu identifizieren. Zwei Schädel konkurrieren seither um das Privileg, einstmals Schillers Hirn beherbergt zu haben.

Inzwischen ist das Rätsel gelöst. Aber: An seine Stelle trat ein neues Geheimnis. Es steht zu vermuten, dass wir es mit einem postmortalen Verbrechen zu tun haben. Und ich habe einen fürchterlichen Verdacht, der, wenn er zutrifft, die Welt der Weimarer Klassik nachhaltig verstören wird …

Doch von Anfang an: Schiller, der im Jahr 1805 mit 45 Jahren in Weimar starb, war bei Nacht in einer Gemeinschaftsgruft bestattet worden. Bei mehreren Suchaktionen im 19. und 20. Jahrhundert fanden sich unter den rund 60 in Frage kommenden Toten, die das Kassengewölbe mit Schiller teilten, neben einem einigermaßen passenden Körperskelett zwei Totenköpfe, von denen ihre Finder steif und fest behaupteten, “ihrer” sei der Schillersche. Sicherheitshalber wurden beide Schädel – nach einigen Umwegen – in der Fürstengruft auf dem Historischen Friedhof zu Weimar neben den sterblichen Überresten Goethes aufbewahrt.

Zum 250. Geburtstag Friedrich Schillers im Jahr 2009 sollte das Rätsel nun endlich gelöst werden – schließlich hat man heute andere Möglichkeiten als weiland die Schädelforscher des 19. Jahrhunderts. Die Klassik Stiftung Weimar und der MDR (der das populäre Projekt filmisch dokumentierte) ließen also beide Schädel und das Skelett von Anthropologen und Molekularbiologen untersuchen. Das Ergebnis überraschte.

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