Brennende Pinsel: Munchs Schrei und van Goghs Weizenfeld

Der Schrei, Buntstiftfassung von 2015, unbekannte Künstlerin. ;)

Der Schrei, Buntstiftfassung von 2015, unbekannte Künstlerin. ;)

Eine Fassung von Edvard Munchs „Schrei“ hängt gerade im Van-Gogh-Museum in Amsterdam und damit nur vier Zugstunden von mir entfernt. Die Sonderschau „Munch – Van Gogh“ bringt zwei Verzweifelte zusammen, die zwar aus einer Generation stammen und sich in Paris in denselben Kreisen bewegen, sich jedoch nie persönlich begegnen. Hier Vincent van Gogh, der Sonnenblumen, Hauswände, sogar sein Bett in ein lebensbejahendes Gelb taucht, und der dann kurz vor seinem Freitod mit 37 Jahren diesen unheimlichen schwarz-blauen Himmel voller Raben über das sattgelbe, von ins Nichts führenden Wegen durchzogene Weizenfeld spannt. Dort Edvard Munch, der Hypochonder, dem der Tod früh die engsten Angehörigen wegreißt. Wieder und wieder malt er das Abschiednehmen, das Sterben, malt Menschen, die von tiefer Traurigkeit gebeugt sind, und Gesichter wie Totenmasken. Über 80-jährig schläft er am Ende friedlich und bereits zu Lebzeiten berühmt in seinem Bett ein. Man bekommt sie schwerlich unter einen Hut, diese beiden Maler. Vielleicht so: Beide vermochten es auf ihre ganz eigene Weise, Gefühle so auf die Leinwand zu bringen, dass sie Betrachtern bis heute unter die Haut gehen. Weiterlesen →

Seite an Seite mit den großen Pötten: Radtour am Nord-Ostsee-Kanal

Pötte gucken ohne Ende: Mit dem Rad am Nord-Ostsee-Kanal von Brunsbüttel nach Kiel.

Pötte gucken ohne Ende: Mit dem Rad am Nord-Ostsee-Kanal von der Elbmündung an die Kieler Förde. Bild: Monika Gemmer

Mit dem Fahrrad von einem Meer zum anderen, auf der Strecke, die auch mehr als 30.000 Schiffe Jahr für Jahr nehmen: Ich will den Nord-Ostsee-Kanal entlangradeln, von West nach Ost, von Brunsbüttel nach Kiel. Es gibt eine 325 Kilometer lange NOK-Route mit vielen Schlenkern ins Hinterland, aber ich will vor allem eins: Schiffe sehen und der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt folgen. Deshalb nehme ich die „Express-Route“, die fast immer direkt am Ufer entlangführt. Zwei Tage lang reise ich Seite an Seite mit den großen Pötten. Ich lerne viel über Schleusen und Containerschifffahrt, entdecke die verwunschenen Reste des alten Eiderkanals, Vorgänger des „NOK“. Ich begegne einem echten Traumschiff und erlebe einen absoluten Tiefpunkt – an der tiefsten Landstelle Deutschlands.

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Mutter Flint

Margarethe Flint steht in Bronze am Alten Hafen von Stade.

Margarethe Flint steht in Bronze am Alten Hafen von Stade.

Margarethe Pape wird 1861 im Alten Land geboren – arm, und das wird sie bis zu ihrem Lebensende bleiben. In Stade bringt sie sich und ihr uneheliches Kind als Schneiderin durch.

Sie wird drei Mal heiraten und insgesamt sechs Kinder bekommen, die fast alle im Armenhaus aufwachsen. Ihre Männer sterben ihr weg. Mit ihrem dritten Mann Ludwig Flint eröffnet sie ein Fischgeschäft in Stade und kutschiert Fische in einem Kinderwagen, in die sie eine Zinkwanne eingesetzt hatte, zum Verkauf auf den Pferdemarkt – immer von einem Tross Katzen verfolgt.

Noch bis ins hohe Alter von 87 Jahren steht Margarethe Flint mit ihren Fischen auf den Gassen der Altstadt. Jungs ärgern sie, rufen ihr „Mutter Flint mit’m Stint“ nach. Als sie mit 90 Jahren stirbt, scheint den Stadern etwas zu fehlen. So untrennbar gehörte sie zum Stadtbild, dass die Stader „Mutter Flint“ am Alten Hafen ein Denkmal gesetzt haben.

Heute macht jede Stadtbesichtigung Station an dem Denkmal, und weil ich mich an diesem Morgen im Cafe direkt daneben in der Sonne niedergelassen habe, erlebe ich gleich mehrere hautnah. Drei Gruppen werden von Stadtführerinnen begleitet – sie alle erzählen mit viel Empathie Anekdoten über Margarethe Flint (aus dem Gehörten kann ich diesen Artikel aufschreiben). Eine steuert sogar die Geschichte von ihrer betagten Nachbarin bei, die „Mutter Flint“ als kleines Mädchen noch gekannt habe. Nur bei einer Gruppe ist das anders. Sie wird von einem Mann geführt, und die Gäste, die das Pech haben, von ihm die Stadt gelotst zu werden, erfahren lediglich das Folgende über die Frau: „War ’ne Fischverkäuferin hier in Stade. Ein ganz armes Schweinchen. So einen Hut wie hat sie übrigens nie getragen.“ Und im Weitergehen wiederholt er noch einmal: „Ein ganz armes Schweinchen.“

Moselradweg von Trier nach Koblenz

Ist das Moselromantik oder was? Blick auf den Weinort Burg nördlich von Traben-Trarbach.

Ist das Moselromantik oder was? Blick auf den Weinort Burg nördlich von Traben-Trarbach.

Premium-Radroute! Beliebtester Radweg Deutschlands! 1a-Genussradeln für Groß und Klein zwischen Wasser und Weinbergen! Beschreibungen des Moselradwegs strotzen nur so von Superlativen. Wir haben uns selbst ein Bild gemacht und festgestellt: Der Moselradweg ist an vielen Stellen tatsächlich superschön, an manchen eher so mittelschön und hier und da  fast gar nicht schön. Aber das ist wirklich selten. Alles in allem wird der Moselradweg seinem guten Ruf vielerorts gerecht – wo genau (und wo nicht), das erzählt dieser persönliche Reisebericht. Weiterlesen →

Auf den Zwischendecks

Mit der Hoffnung auf ein besseres Leben gehen viele von ihnen an Bord des Schiffes. Als es sinkt, mitten auf dem Meer, kämpfen sie verzweifelt ums Überleben – doch für die meisten gibt es keine Rettung. Sie ertrinken oder erfrieren im kalten Wasser. Vergessen werden sie nicht: Die Welt nimmt an ihrem Tod Anteil. Noch 100 Jahre später wird sie das tun.

Oh, Sie dachten womöglich, es ginge hier um die Menschen, die in diesen Tagen auf das Mittelmeer wagen, weil sie in Europa auf eine Chance zum Überleben hoffen, und vor den Toren dieser Festung, in der wir uns eingerichtet haben, den Tod finden? Nein. Es geht um die Opfer des Untergangs der Titanic. In Speyer ist derzeit eine Ausstellung zu sehen, die sich dem Mythos Titanic, den Schicksalen der Passagiere und den Funden widmet, die in den letzten Jahren aus knapp 4000 Metern Tiefe vom Grund des Atlantiks geborgen worden sind. Wir wissen viel über die rund 1500 Frauen, Männer und Kinder, die der berühmte Ozeanriese mit ins Grab zog. Die meisten waren Auswanderer – einige hatten ihr Glück in einem anderen Land bereits gemacht, andere wollten es gerade versuchen. Weiterlesen →

Rüschhaus und Hülshoff im Zeitraffer

Eine Ente nimmt den Wassergraben vor Burg Hülshoff wieder in Besitz, nachdem die Fontäne abgestellt wurde, und dreht wie demonstrativ ihre Runden. Flugzeuge am Himmel ziehen Bahnen wie Sternschnuppen. Wölkchen reißen aus und wehen ihrer eigenen Wege. Die untergehende Sonne lässt die Schatten der Bäume auf der Fassade des Teehäuschens wandern.

Das sind meine Lieblingsstellen in meinem* kleinen Film mit Fotos und Zeitraffer-Aufnahmen von Rüschhaus und Burg Hülshoff:

* nur echt mit dem Fussel oben links auf dem Sensor! :)

Der Flug der Zeit

Ich bin gerade mal wieder zu Besuch bei einer alten Freundin.

Burg Hülshoff

„Wo meines Fußes Spuren stehen“: Burg Hülshoff, Geburtsort der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff – und nach fast 600 Jahren seit kurzem nicht mehr in Familienbesitz.

Ein halbes Dutzend Mal wohl werde ich schon hier gewesen sein, aber noch nie habe ich den Park rund um Burg Hülshoff so einsam erlebt. Die Saison hat erst zaghaft begonnen, bis April sind Museum und Restaurant im Schlosskeller montags und dienstags  noch geschlossen. Das Tor zum Park aber steht auch an diesen Tagen auf. Wer durchschlüpft, findet sich nahezu alleine in der weitläufigen Anlage, die sich rund um die Burg schmiegt, kann die baumgesäumten Wege ohne Störung erkunden – und jede Bank ist frei. In meinem Rucksack sind, neben der Fotoausrüstung, auch etwas zu Essen und zu Trinken, zu Lesen und zu Zeichnen. Und ich muss nirgendwo pünktlich sein. Weiterlesen →

Die weltweit erste Droste-App ist da!

App-Icon für den Home-Bildschirm

Das Multimedia-eBook über Annette von Droste-Hülshoff hat eine kleine Schwester bekommen: Meine Smartphone-App für alle Freundinnen und Freunde der Dichterin führt zu ausgewählten Droste-Orten in Westfalen. Mit „Droste to go“ habe ich mir selbst ein Geschenk gemacht. In Kürze werde ich wieder einmal nach Münster aufbrechen – und dafür wollte ich die gesammelten Infos, Bilder und Routen unterwegs schnell griffbereit haben. Da dachte ich mir: Statt das ganze Zeugs nur in irgendeine Cloud zu legen, könnte ich doch gleich eine App daraus machen.  Dann haben wir alle was davon. :)

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