Im Kanzlerbungalow

Es ist eine der begehrtesten Führungen, die das Bonner Haus der Geschichte im Programm hat, und sie ist noch dazu kostenlos: Begleitete Rundgänge durch den Kanzlerbungalow im Bundesviertel sind oft viele Wochen im Voraus ausgebucht. Spontanbesucher bekommen dennoch eine Chance – wenn sie frühzeitig da sind und viel Geduld mitbringen. DailyMo-Leser*innen bekommen hier einen exklusiven Einblick. Folgen Sie mir!

Fünf Kanzler wohnten mit diesem exklusiven Blick auf den Rhein – doch der Preis dafür war hoch. Und damit sind nicht die 3500 Mark Monatsmiete gemeint. Bild: Monika Gemmer

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Droste in Bonn (3): Abschiede

Willkommen zum dritten und letzten Teil der kleinen Zeitreise in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, zu Orten in Bonn und Umgebung, die mit Annette von Droste-Hülshoff in Verbindung stehen. Zwischen 1825 und 1846 hält sich die Autorin aus Westfalen immer wieder bei ihren Verwandten am Rhein auf.  Sie erlebt eine junge, aufstrebende Universitätsstadt, knüpft eine ganze Reihe interessanter Kontakte in den Salons und schließt Freundschaften fürs Leben.

Münsterplatz in Bonn. Bild: Monika Gemmer

Zu den wichtigen Begegnungen am Rhein gehört jene mit Sibylle Mertens-Schaaffhausen. Die Archäologin und die Dichterin, beide Jahrgang 1797, haben viele gemeinsame Interessen. Annette von Droste erfährt im Mertensschen Salon literarische Anerkennung, amüsiert sich an ihrer Seite beim Kölner Karneval, steht ihr in Krankheitszeiten bei – und muss schließlich eine große Enttäuschung wegstecken. Weiterlesen →

Droste in Bonn (2): Belastungsproben

Weiter geht es mit der kleinen Expedition auf den Spuren der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff in und um Bonn. Im ersten Teil haben wir einen Zeitsprung ins Jahr 1825 gemacht, als die neue Universität der Stadt am Rhein einen geistig-kulturellen Aufschwung beschert. Zugleich geraten auch die Bonner Hochschullehrer ins Visier des Überwachungsstaates, der Liberale als Demagogen verfolgt.

Schaumburger Hof: In der Gaststätte am Rheinufer kehrten im 19. Jahrhundert Bonner Studenten und Professoren gerne ein. Zu den Gästen zählten Karl Simrock, Ernst Moritz Arndt, Ferdinand Freiligrath, Alexander von Humboldt, Friedrich Nietzsche – und Annette von Doste-Hülshoff, Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens, deren Sommersitz ganz in der Nähe war. Bild: Monika Gemmer

Annette von Droste erlebt diese Entwicklung in den 20er und 30er Jahren des 19. Jahrhunderts hautnah mit – sie bewegt sich in Kreisen von Professoren und Philosophen, Künstlerinnen und Kunstexpertinnen. Weiterlesen →

Droste in Bonn (1): Reisen in eine andere Welt

Aus dem rückständigen Westfalen in das aufgeschlossene, lebenslustige und politisch bewegte Rheinland: Für die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff müssen sich die Reisen nach Bonn und Köln in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angefühlt haben, als löse sich das Korsett. Wenn sie denn je eines getragen hat.

Acht Aufenthalte der Münsteranerin allein in Bonn für die Zeit zwischen 1825 und 1846 sind überliefert. Zusammengerechnet verbrachte sie ein gutes Jahr ihres Lebens in dem aufstrebenden Städtchen, das mit seiner noch jungen Universität viele Gelehrte anzog. Bei ihrem ersten Besuch zählte Bonn um die 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner, bei ihrem letzten war die Bevölkerung auf rund 17.000 angewachsen.

Wo hat Annette von Droste-Hülshoff in und um Bonn gewohnt, welche Bekanntschaften und Freundschaften, die ihren Weg als Autorin teilweise entscheidend mitprägten, hat sie in dieser Gegend geschlossen? Ich bin an den Rhein gefahren und dort auf Spurensuche gegangen.

Das alte Bonn als Modell am Münsterplatz. In diesen Gassen suche ich nach Droste-Orten. Bild: Monika Gemmer

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Bonn und ich

Mit Bonn verbindet mich ein Teil meiner Familiengeschichte: Meine Mutter wuchs im Rheinland auf, und die Besuche bei meinen Großeltern und weiteren Verwandten führten uns jahrzehntelang immer wieder hierher zurück.

Beethoven wacht auf dem Bonner Münsterplatz: Der Komponist wurde 1770 am Rhein geboren. Bild: Monika Gemmer

Die Familie meiner Mutter war in dieser Gegend tief verwurzelt: Bei einem Ausflug in die Ahnenforschung fand ich Vorfahren bis weit ins 18. Jahrhundert zurück, die in den Dörfern rund um Bonn gelebt hatten (einige, wie Kessenich und Friesdorf, sind heute Bonner Stadtteile).

Mein Vater wiederum, der aus dem Ruhrgebiet stammt, studierte in Bonn und lernte dort meine Mutter kennen. Als 85-Jähriger nahm er uns Kinder kürzlich mit auf eine Reise in seine jungen Bonner Jahre, rüttelte an der verrosteten Tür in den Mauern der Stadtbefestigung, in deren Gewölbe als Student hauste, und zeigte uns lächelnd das Universitätsgebäude, jenen Ort, wo meine Mutter sich nach ihm erkundigt hatte, weil sie ihn nach einem ersten Treffen wiedersehen wollte. (Der Kommilitone, den sie damals auf dem Universitätsflur nach ihm fragte, wurde später mein Patenonkel.)

Mein einprägsamstes Bonn-Erlebnis hatte ich Anfang der 80er Jahre, als ich zusammen meiner Mutter und 150.000 anderen Menschen auf einer der großen Friedensdemonstrationen im Bonner Hofgarten war.

Und trotz alledem bin ich mit Bonn nie warm geworden. Es blieb die fremde Stadt, in die wir fuhren, um langweilige Verwandtschaftsbesuche zu machen – oder noch langweiligere Spaziergänge. Ganz dunkel erinnere ich meinen Opa, der die Rheinpromenade entlangmarschierte, plötzlich stehenblieb, wichtig gen Süden schaute, mit seinem Stock Richtung Regierungsviertel zeigte und mit erhabener Stimme etwas von „Hammerschmidt“ sagte, von „Schürmann-Bau“ und „Langem Eugen“. Mir war das so egal.

Der „Lange Eugen“ beherbergte bis 1999 die Büros der Bundestagsabgeordneten. 2006 zogen Organisationen der Vereinten Nationen ein, heute es Zentrum des UN-Campus. Aus dem Schürmann-Bau, geplant und gebaut als Erweiterung und vom Hochwasser 1993 stark beschädigt, funkt heute die Deutsche Welle. Bild: Monika Gemmer

Gauck war dieser Tage noch ein letztes Mal da zu einem Schumann-Abend: Die Villa Hammerschmidt, bis 1994 erster, seither zweiter Wohn- und Amtssitz des Bundespräsidenten in Bonn. Seit 2011 kann man hier auch heiraten. Bild: Monika Gemmer

Das Alte Wasserwerk am Rheinufer, von 1986 bis 1992 Plenarsaal des Bundestages. Das Gebäude kann man für Veranstaltungen mieten. Dazwischen bietet die Stadt Führungen an. Bild: Monika Gemmer

Die Abgeordneten hockten im beengten Wasserwerk dicht aufeinander – die Debatten, so berichten einige Zeitzeugen, seien wohl gerade deshalb deshalb besonders friedlich verlaufen. Bild: Monika Gemmer

Dann, als war die Party vorbei und das Regierungsviertel verlassen war,  tat Bonn mir irgendwie leid. Die ehemalige Hauptstadt wirkte auf mich aus der Zeit gefallen, morbide und an manchen Stellen fast ein bisschen apokalyptisch mit ihren verwaisten Gebäudekomplexen, den kaputten Jalousien in den Fenstern, den Hecken, die niemand mehr stutzt, dem Grün, das überall den Beton überwuchert. Während die Uhren im Rest des Landes weiter tickten, gab es in Bonn Ecken, wo die Zeit stehengeblieben schien.

Doch inzwischen hat Bonn bewiesen, dass die Stadt flexibel ist. Bonn kann sich trennen! Oder, wie die Rheinländer sagen: Wat fott es, es fott.

Seit 2006 verwaist: Die frühere Botschaft der Republik Ungarn in Bonn-Bad Godesberg (Ortsteil Plitterdorf). Bild: Monika Gemmer

Am Hauptbahnhof wird derzeit die Südüberbauung abgerissen. Das unattraktive „Bonner Loch“ soll komplett neu gestaltet werden. Bild: Monika Gemmer

Das Bonn-Center, ein Geschäftshochhaus am Rande des Regierungsviertels, wird am 19. März 2017 gesprengt – unter dem strengen Blick Konrad Adenauers, dessen Büste vor dem ehemaligen Kanzleramt steht. Bild: Monika Gemmer

Hübsch hässlich: Die zwei Seiten von Bonn, hier in der Poststraße. Bild: Monika Gemmer

Auch das ist Bonn: Eine Stadt, die üppig wie nur wenige andere in Deutschland mit herausgeputzten Häusern aus der Gründerzeit ausgestattet ist. Vor allem in der Südstadt reiht sich eine Fassade an die andere, auf denen Jahreszahlen aus der Zeit um die Jahrhundertwende prangen.

Gründerzeit-Fassaden im Bonner Stadtteil Poppelsdorf. Bild: Monika Gemmer

 

Balkönchen-Parade in der Colmantstraße. Bild: Monika Gemmer

Aber nicht nur dort, auch in anderen Stadtteilen findet sich noch viel alte Bausubstanz. Zum Beispiel in Kessenich. Hier habe ich mich für ein paar Tage via AirBnB privat einquartiert und mache mit dem Fahrrad Entdeckungsausflüge in Stadt und Umgebung. Ich will Bonn endlich kennenlernen – und bei dieser Gelegenheit, regelmäßige Leserinnen wird es nicht überraschen, auch einige Droste-Orte in und um Bonn aufsuchen. In Kürze mehr dazu!

Die Breite Straße in der Bonner Nordstadt. Bild: Monika Gemmer

Blick in die Wolfstraße. Bild: Monika Gemmer

Die Ecke Breite Straße / Dorotheenstraße. Bild: Monika Gemmer

Die Angst der Föhrer vor der Versyltung

Mögen sich „Hauptstädter“ in Wyk und die Landföhrer in den elf Inseldörfern auch in vielerlei Hinsicht nicht grün sein – wenn es um die schnieke Nachbarin Sylt geht, ist man sich einig: „Die haben sich verkauft.“ Mehrfach bekommen wir diesen Satz auf Föhr zu hören, wenn es um den Wohnungsmarkt geht.

Mutmaßlich unerschwinglich: Bauernhaus bei Witsum auf Föhr. Bild: Monika Gemmer

Vor einigen Jahren konnte ich auf Sylt besichtigen, was das heißt: Mehrere tausend Menschen, die auf der Insel arbeiten, reisen morgens mit der Bahn vom Festland an und kehren abends dorthin zurück, denn fast niemand, der sein Geld in Gastronomie oder Hotelgewerbe, im Handwerk, Einzelhandel oder in sonstigen stinknormalen Berufen verdient, kann sich mehr eine Wohnung auf Sylt leisten. Gleichzeitig stehen überall Häuser leer, deren Besitzer nur ein paar Wochen im Jahr dort sind. Nur noch zehn Prozent der Immobilieneigner auf Sylt seien Einheimische, so erzählt uns ein Föhrer Busfahrer.

Längst ist die Entwicklung auch zu den Nachbarinnen Föhr und Amrum hinübergeschwappt. Aktuell wird über Immobiliensout24 auf ganz Föhr exakt eine Wohnung angeboten (9 Zimmer, 260 Quadratmeter, 2300 Euro Kaltmiete im Monat – nicht gerade das, was jetzt die Durchschnittsmieterin so suchen würde.) Der Wyker Blogger Peter warnte bereits 2014 Neuankömmlinge vor zu viel Optimismus:

Bitte nicht glauben, dass man auf Föhr, speziell in Wyk und Umgebung, was zu Mieten findet. Schaut in den entsprechenden Facebookgruppen nach, durchsucht das Internet und die lokale Presse hier (aka Inselbote am Samstag). Da ist so gut wie nie was. Wenn dann 10€/qm kalt einrechnen. Wenn einen das nicht schreckt, dann davon ausgehen, dass man eine gaaaanze Weile in einer FeWo verbringt und die eigenen Sachen in Dagebüll im Container zu liegen hat.

Ans Kaufen ist für normale Leute eh kaum zu denken. Die Immobilienpreise gehen auch auf Föhr durch die Decke. 5000 Euro pro Quadratmeter für eine Eigentumswohnung in guter Lage von Wyk – „vor ein paar Jahren noch üblich“, berichtet unser Busfahrer. Heute würden bis zu 13.000 Euro aufgerufen. Und auch in den Dörfern sei eine Immobilie selbst für Gutverdiener kaum noch zu bezahlen. „Schauen Sie sich zum Beispiel dieses Haus an“, sagt der Busfahrer und deutet auf ein kleines, sehr unscheinbares und sehr in die Jahre gekommenes Backsteingebäude am Rande des Ortes, den wir gerade passiert haben. „Dafür würde der Eigentümer 600.000 Euro kriegen. Mindestens. Das garantier ich Ihnen!“ Jedenfalls dann, wenn das Haus an einen solventen Auswärtigen gehe. EIn Verkauf an Insulaner würde allenfalls ein Drittel der Summe bringen. Verkauft sich Föhr also auch?

Geld stinkt weder auf Sylt noch auf Föhr, und hier wie dort sehen sich Erbengemeinschaften oft zum Verkauf gezwungen, weil einer ausbezahlt werden will. Dann aber nehmen die Leute halt, was sie kriegen können. Wer kann es ihnen verdenken? Auf Sylt hörten wir vor ein paar Jahren, dass einer der ersten, der nach einem Todesfall an der Haustür der Erben klingelt, der Makler sei – ein Angebot im Gepäck, das die wenigsten ablehnen würden.

Auf Föhr wird ein Haus nach dem Besitzerwechsel nicht selten weggerissen, erzählt unser Busfahrer weiter, und mehrere neue an seiner Stelle gebaut. Mit großen Ferienwohnungen drin, bodentiefen Fenstern, bei denen das ganze Jahr über die Plissees von unten bis auf Hüfthöhe zugezogen seien. Obendrauf ein Reetdach (das Reet stammt meist aus Polen oder Rumänien), denn Touristen wollen unbedingt unter Reet urlauben. Nach jedem Regenguss, wenn das nasse Dach den Mobilfunk abwürgt, sehe man sie dann verzweifelt ihre Handys aus dem Fenster halten auf der Suche nach einem Netz.

Föhr first

Wenn ja wenigstens jemand drin wohnt, und seien es auch nur Touristen. Mitunter aber stehen Häuser fast das ganze Jahr über leer. Luxusferiendomizile, für die man 500 Euro pro Tag hinblättern muss. Vor allem aber Zweitwohnsitze, die nicht vermietet werden. Wenn unser Busfahrer nach Einbruch der Dämmerung durch Witsum fährt, wo eine dieser Siedlungen steht, dann sehe er in gerade mal zwei oder drei der 20 Häuser Licht brennen.

Klingt alles so, als sei Föhr bereits auf dem besten Wege in die Versyltung. Aber man stemmt sich dagegen: Seit einigen Jahren werden Neubaugebiete exklusiv für Einheimische ausgewiesen, die teilweise verpflichtet werden, auch später nicht an Auswärtige zu verkaufen. Föhr first.

Tja. Da bleibt einem nichts, als sich von dem alten Traum vom Wohnen auf der Insel zu verabschieden. Oder vielleicht doch nicht? Der Mensch braucht schließlich Träume! Meinem hab ich auch diesmal wieder einen Besuch abgestattet:

Steht immer noch und wartet auf mich: Mein Traumhaus am Föhrer Südstrand (und Drehort für die TV-Serie „Reiff für die Insel“). Bild: Monika Gemmer