Die Hoheit zurückerobern

Die NSA wird uns auch künftig überwachen, wo sie nur kann. Die Bundesregierung wird auch in Zukunft nichts tun, um uns davor zu schützen. Im Gegenteil: Der BND betrachtet die Snowden-Enthüllungen als Machbarkeitsstudie – und will Geld, um all die schönen Technologien anwenden zu können. Und wir? Wir werden unsere Wohnungstüren noch bereitwilliger öffnen für das Internet der Dinge. Für fernüberwachte Rauchmelder und Smart Meter, die unsere Verbrauchsdaten digital an unseren Energieversorger übermitteln – inklusive der Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer. Und wenn er endlich da ist, der vernetzte Kühlschrank, auf den wir schon so lange warten, dann werden wir uns noch wünschen, er würde einfach nur unsere digitale Einkaufsliste verwalten – und nicht auch unsere Essgewohnheiten in die Welt twittern.

Ist das eine Kapitulation? Nö. Zunächst einmal ist es nicht mehr als die Erkenntnis, dass sich die Digitalisierung trotz Risiken und Nebenwirkungen fortsetzen wird – viel zu viele gute Gründe gibt es dafür. Da genügt ein Blick auf das saftige Grün meiner Pflanzen, die sehr viel besser gepflegt werden, seit mein Wlan-Pflanzensitter mir eine Pushnachricht aufs Smartphone schickt, wenn die Erde zu trocken oder Temperatur und Lichtverhältnisse ungünstig sind. Und auf das selbstfahrende Auto, das mich vor meiner Tür absetzt und dann eigenständig raus aus der Stadt kutschiert, freue ich mich jedesmal, wenn ich wieder mal Runde um Runde auf der Suche nach einem Parkplatz drehe.

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Das Jahr des Schulterzuckens

Privatsphäre? War einmal. Foto: Denis Junker / fotolia.com

Privatsphäre? War einmal. Foto: Denis Junker / fotolia.com

“Kein Geheimdienst würde so ungeniert auf Bilderjagd gehen. Bereits heute besitzt der Suchmaschinen-Konzern Google genauere Personenprofile als jede Regierung dieser Welt.” Ob Ilse Aigner dieser Satz heute peinlich ist?  Nein, vermutlich nicht. Sie würde die Schultern zucken und sagen: Jo mei. Damals ging es ja auch gegen Großkonzerne wie Google und Facebook. Damals ging es um Hausfassaden. UM HAUSFASSADEN.

2013 geht zuende als das Jahr, in dem unsere Regierungen – ob Schwarz-Gelb oder Schwarz-Rot – uns deutlicher denn je gesagt haben: Findet euch ab mit eurer Totalüberwachung. Datenschutz, informationelle Selbstbestimung, Freiheit der Gedanken – alles nicht mehr so wichtig. Die Kanzlerin hat uns deutlich gezeigt, dass sie unsere Privatsphäre nicht vor fremden Geheimdiensten schützen wird. Wir haben sie trotzdem wieder ins Amt gewählt. Nun führt sie zusammen mit ihrem neuen Partner SPD die  Vorratsdatenspeicherung wieder ein. Im Koalitionsvertrag steht ansonsten etwas von einem neuen IT-Sicherheitsgesetz, einer europäische Cybersicherheitsstrategie und Europa als “Vertrauensraum” – gerade so, als läge es nur an fehlenden Gesetzen, dass wir flächendeckend ausspioniert werden. Und als würden sich die Geheimdienste, wenn diese Gesetzeslücken nur geschlossen werden, daran halten.

“Wir wollen eine bessere parlamentarische Kontrolle der Nachrichtendienste”, dieser vage Satz im Koalitionsvertrag ist ein Offenbarungseid. Ihr habt keine Kontrolle mehr. Und nicht die leiseste Idee, was ihr dagegen tun könntet. Ihr habt kapituliert und eines der wichtigsten Bürgerrechte preisgegeben. Geht ja nicht gegen Google und Facebook, diesmal. Hausfassaden lasst ihr verpixeln, Menschen lasst ihr abhören. Das Unerträglichste dabei ist euer Schulterzucken.

Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein, remember?

Nennt mich meinetwegen naiv. Aber das Ausmaß der staatlichen Schnüffeleien, denen wir scheinbar hilflos ausgesetzt sind, hat mich umgehauen. Dabei kennen wir vermutlich noch nicht einmal die ganze Schweinerei. Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hat den Vorhang nur ein kleines Stück beiseite gezogen. Das, was da zum Vorschein kommt, reicht aus, um noch den letzten Rest Glauben an die eigenen Grundrechte zu verlieren. Informationelle Selbstbestimmung? Staatliches Ausspähen von persönlichen Daten nur mit richterlicher Anordnung? Grundrecht auf Vertraulichkeit? Die Geheimdienstler dieser Welt biegen sich vor Lachen.

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Die 1768er sind an allem Schuld!

Ich liebe das NDR-Zeitzeichen, das jeden Tag in einer Viertelstunde ein kleines Stück Geschichte erzählt. Heute liebe ich das NDR-Zeitzeichen ganz besonders – denn die 1.-April-Ausgabe ist eine herrliche Persiflage. Wir schreiben den 1. April 1788, und Madame D’Anne Willencourt begrüßt ihre Gäste in ihrem Talk-Salon in Versailles, darunter den Wirtschaftsminister ihrer Majestät, Comte Phillippe Bourbon de Rosleville und den berühmten Ökonomen Rien de la Sens. Zur allgemeinen Erheiterung der hochwohlgeborenen Runde ist auch ein gewisser Georges Danton eingeladen, der absurde Stichwörter wie Mitbestimmung, Gleichheit, Freiheit und Bürderlichkeit einwirft. Man parliert über die “Kuchenaffäre”, jene angebliche Äußerung Marie Antoinettes zum Hunger des Volkes, über die Alternativlosigkeit der Feudalwirtschaft, die Neiddebatte des Pöbels und ein von Comte Rosleville leicht überarbeitetes Traktat zur Armut (das zu dem Schluss kommt, dass es sie in ganz Frankreich überhaupt gar nicht gibt).

Die “68er” wie Jean-Jacques Rousseau und Konsorten, so fasst Madame Willencourt am Ende zusammen, sind eh an allem Schuld. “Und nächste Woche lautet dann mein Thema: Dampfmaschinen und vollmechanische Webstühle – warum solch neumodischer Schnickschnack vollkommen überschätzt wird.”

Unbedingt hörenswert. Hier der Link zum Podcast bei iTunes.

Das Leistungsschutzrecht verwirrt selbst seine Befürworter

Es kam, wie es kommen musste: Eine schwarz-gelbe Mehrheit im Bundestag löste heute ihr Wahlversprechen an die mächtigsten Medienkonzerne des Landes ein und verabschiedete ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Dass im Axel-Springer-Verlag heute die Sektkorken knallen, ist dennoch unwahrscheinlich. Denn das, was das Parlament da mit 293 Ja- zu 243 Nein-Stimmen (und bei drei Enthaltungen) passieren ließ, wird den Presseverlagen die erhofften zusätzlichen Einnahmen nicht bescheren. Auf die dürfen sich stattdessen die Abmahnanwälte des Landes freuen. Google, den ursprünglichen Adressaten des Gesetzes, wird es nicht kratzen. Seitdem wenige Tage vor der Verabschiedung ein entscheidender Halbsatz in den Gesetzestext geriet, der das Zitieren von „einzelnen Wörtern und kleinsten Textausschnitten“ ausdrücklich erlaubt, kann sich der Konzern zurücklehnen. Oder doch nicht?

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Good morning, America

Um 5:20 Uhr konnte ich beruhigt einschlafen.*

Obamas Rede nach der Wahl, erstellt mit Wordle

Obamas Rede nach der Wahl, erstellt mit Wordle

Romneys Rede nach der Wahl, erstellt mit Wordle

Romneys Rede nach der Wahl, erstellt mit Wordle

* Bis die Handwerker klingelten.

Good luck, US!

Es wird eine lange Nacht. Aber wann kommen eigentlich welche Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahl? Für FR-online.de habe ich einen Fahrplan durch die Nacht der US-Wahl erstellt. Und um die Zeit zwischen zwei Bundesstaat-Ergebnissen totzuschlagen, bietet sich mein Quiz zu den amerikanischen Präsidenten an. :)
Was die Teams um Obama und Romney im Netz treiben, hat meine Kollegin Tanja Morschhäuser hier sehr ausführlich unter die Lupe genommen. Die 512 Wege ins Weiße Haus (und welchem der Kandidaten mehr dieser Wege offen stehen), bildet die diese interaktive Grafik der New York Times sehr schön ab.
Bei der Washington Post kann man sich online einen Button erstellen, um der Welt mitzuteilen, wen man gewählt hat – und warum. Obama hat bislang weitaus mehr Buttons bekommen und unter anderem die Swing Staes Florida, Virginia und Iowa gewonnen. Als Wahlgrund gefällt mir übrigens “Weil er große Ohren hat” am besten.
Google weiß übrigens schon, wer die Wahl gewinnt. Ok, ok: Google weiß, wer in welchem Bundesstaat am häufigsten gesucht wurde.
Beim Wählen zugucken kann man den US-Amerikanern bei Instagraming the election der New York Times. NBC News hat Instagram-Fotos auf einer Karte verortet. Twitter sammelt Tweets zur Wahl hier.

Ich schlüpf mal in meine USA-Socken. Viel Glück, Amerika.

PS: Die Republikaner feiern in Boston – ausgerechnet. Ich prangere das an.

TV-Duelle amerikanischer Präsidentschaftskandidaten

Die Tabelle hinter der Zeitleiste

Die Tabelle hinter der Zeitleiste

Für FR und Berliner Zeitung habe ich mit dem Werkzeug Timeline JS eine Zeitleiste mit Video-Auschnitten aus TV-Duellen der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten zusammengestellt – von Kennedy gegen Nixon bis Obama gegen McCain. Auch hier liegt eine Tabelle zugrunde, in der alle relevanten Daten eingetragen sind, inklsuive der Links zu den Youtube-Videos.

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Die besten (und die schlechtesten) Orte der Welt für Frauen

Es ist Frauentag! In diesem Jahr habe ich für die FR eine Karte erstellt, auf denen einige der besten (und einige der schlechtesten) Orte weltweit markiert sind: Wo haben Frauen die größte Aussicht auf gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit? Wo sind die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Journalistinnen, Politikerinnen, für Mütter und Ehefrauen am besten? Und in welchem Land ist die Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen am größten?

Basis für die auf eine Google Map übertragenen Angaben ist der Global Gender Gap Report von 2011, in dem auch die erstaunliche Tatsache nachzulesen ist, dass Lesotho in Sachen Gleichberechtigung weiter ist als Deutschland.


Die besten (und schlechtesten) Orte für Frauen auf einer größeren Karte anzeigen

Nun also doch: Transparenz!

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