Der Mord an “Charlie Hebdo” – und was er mit uns macht

Im Frankfurter Caricatur Museum gibt es in diesen Tagen den "Je suis Charlie"-Button zur Eintrittskarte dazu.

Im Frankfurter Caricatura Museum gibt es am Freitag den “Je suis Charlie”-Button zur Eintrittskarte dazu.

Fassungslosigkeit, Entsetzen und Trauer gehören in diesen Tagen, nach den Morden an zwölf Menschen bei und vor dem Satireblatt Charlie Hebdo in Paris, wohl zu den vorherrschenden Gefühlen in allen Redaktionen auf diesem Globus. Auch bei uns ist das so. Es ist anders als sonst, wenn ein Terroranschlag oder ein großes Unglück Redaktionen in eine Art professionellen Ausnahmezustand versetzt, der dazu zwingt, alle Planungen über den Haufen zu werfen und alle Kraft allein auf ein Ereignis zu konzentrieren. Es geht näher. Klar: Es sind quasi Kolleginnen und Kollegen, die in Paris für die Meinungsfreiheit starben. Empfinden wir deshalb mehr Mitgefühl? Vielleicht. Aber da ist noch etwas anderes: Das Gefühl der Bedrohung nimmt zu – auch, weil es längst Alltag geworden ist, Redaktionen aus dem Schutz der Anonymität aufs Übelste zu beschimpfen und namentlich genannten Menschen öffentlich den Tod zu wünschen. Man muss heute nicht mal über besonders heikle Themen schreiben, um zur Zielscheibe eines völlig entfesselten Mobs zu werden.

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Die Crowdspondents haben geliefert!

Die Crowdspondents haben geliefert!

Beutel, Lunchbox, Kaffeehumpen für unterwegs – und die Helgoland-Fähre: Mitbringsel der Crowdspondents von ihrer Reportage-Reise (das ‘innen’ habe ich den ‘Reportern’ spendiert.)

Rechtzeitig im alten Jahr erreicht mich ein Päckchen: Lisa Altmeier und Steffi Fetz von Crowdspondent haben ihr Versprechen eingelöst und mich beschenkt! Wie viele andere hatte auch ich die beiden Journalistinnen bei ihrer Reportage-Reise durch Deutschland diesen Sommer unterstützt, und dafür brachten sie mir von dieser Tour etwas mit – treffsicher aus dem hohen Norden, genauer gesagt: Von Helgoland.

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Journalismus. Nur besser.

Constantin Seibts Blog Deadline zu lesen, das lohnt sich für schreibende Journalistinnen und Journalisten eh immer. Ihn mal persönlich auf der re:publica in Berlin zu hören ist fast genauso gut. Eine Zusammenfassung in Tweets.

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Verifizieren von Social-Media-Inhalten

Als im Mai im Londoner Stadtteil Woolwich ein britischer Soldat ermordet wurde, hatte ich Redaktionsdienst. Bald nach den ersten Meldungen kursierte ein Video im Netz, auf dem ein Mann die Tat rechtfertigte, ein Messer in der blutigen Hand. Ich schaute mir den Film mehrmals an, schrieb auch in unserem Artikel darüber, zitierte die Äußerungen mit aller Vorsicht. Aber ich verzichtete darauf, den Clip einzubetten. Ich fand, dass wir nicht unbedingt dazu beitragen mussten, dieses verstörende Video weiter verbreiten. Zudem wusste nicht, ob das Video tatsächlich im Zusammenhang mit der fraglichen Tat steht oder vielleicht doch ein Fake ist. Das Verifizieren von Material aus dem Netz ist nicht ganz einfach, aber es wird – gerade für Journalisten – immer wichtiger. Es gibt bewährte Vorgehensweisen und inzwischen auch eine ganze Reihe von Tools, die dabei helfen können.

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dapd-Belegschaft sagt Auf Wiedersehen

dapd Panorama-Ressort
Gern hätten wir weitergemacht, man hat uns nicht gelassen.
Auch wenn es nicht unerwartet kam: Es konnten einem echt die Tränen kommen, als sich die dapd-Redaktionen und -Landesdienste gestern eine nach der anderen verabschiedeten.

ZDF berichtet brandaktuell über FR

Wow. Das ZDF schafft es, einen Beitrag über die aktuelle Situation der Frankfurter Rundschau mit einem Bild anzumoderieren, das den früheren Sitz der Zeitung am Mainufer zeigt – ein Gebäude, aus dem die FR schon vor nahezu vier (!) Jahren ausgezogen ist. Die Innenaufnahmen aus dem Newsroom sind zwar im jetzigen Domizil gedreht, aber ebenfalls bereits mehrere Jahre alt. Dabei war das ZDF-Team doch heute vor Ort – und hat bei dieser Gelegenheit eine meiner Lieblingskolleginnen interviewt.

Aus der Seele

Angelika Beuter Journalistin der Westfälischen Rundschau, Bloggerin
Ich bin unerschütterlich optimistisch. Aber so zwischen all der Betriebsamkeit, die ich mir selbst verordne hier zu Hause, kriecht manchmal die nackte Panik heraus. Was soll ich nur tun? Ich kann doch nichts anderes als Zeitungmachen. Ich habe nie etwas anderes gemacht. Ich wollte nie etwas anderes tun.

Absprung

Droste-eBook – zweite Auflage!

Screenshot aus dem eBook: Das (interaktive) Wohnzimmer der Annette von Droste


Screenshot aus dem eBook: Das (interaktive) Wohnzimmer der Annette von Droste

Wow. Hätte ich mein Droste-Buch gedruckt, in einer Startauflage von, sagen wir, 1000 Stück, dann wäre es bereits so gut wie vergriffen! Fast so viele Downloads verzeichnet die Statistik seit der Veröffentlichung im Mai 2012. Nicht schlecht für ein Buch, das sich um eine Dichterin aus dem 19. Jahrhundert dreht, finde ich. Zeit für eine Neuauflage!

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Warum man Väter lieben muss

Ich bin ein FReund

Diese Sympathie-Anzeige für die FR ist mir besonders sympathisch.

Übrigens: Meine FR-Kollegin und Socia-Media-Expertin Tanja Morschhäuser hat eine Twibbon-Kampagne für die FR gestartet; mit der Facebook- und Twitter-Nutzer ihre Sympathie für die Frankfurter Rundschau bekunden können.

Die neue Frankfurter Rundschau darf keine Tageszeitung mehr sein

Ich spinne einfach mal drauf los.

Die neue Frankfurter Rundschau ist ein lebendes Medienprodukt. Sie “erscheint” nicht mehr in einem festen Rhythmus, sie ist einfach da. Es gibt sie, stets aktuell, im Web und als App, und es gibt sie, als zeitlosere Version mit reinen Hintergrund-Informationen, einmal pro Woche (vielleicht am Wochenende) auf Papier. Man kann sie einzeln kaufen und im Baukastensystem abonnieren: Zugriff auf ein einzelnes Format, Kombinationen oder Vollzugriff auf alle Formate. Im Web ist sie bis zu einem bestimmten Umfang kostenlos verfügbar.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit für Leser, bestimmte journalistische Projekte – zu Beispiel investigative Geschichten – gezielt und zweckgebunden mitzufinanzieren.

Für die neue FR schreiben, filmen, foto-, audio- und kartografieren Journalistinnen und Journalisten, die ihre Aufgabe nicht darin erschöpft sehen, eine fertige Geschichte abzuliefern und sich dann der nächsten zuzuwenden. Die ihre Fragen an Interviewpartner nicht im stillen Kämmerlein stellen, um deren Antworten dann an die Leserinnen und Leser weiterzureichen. Für die “dran bleiben” nicht nur heißt, Nachdreher zu verfassen, sondern auch Reaktionen, Fragen, Kritik, Anregungen, bislang unbeachtete Aspekte zu dem, was sie bereits geschrieben haben, aufzugreifen. Die einen Text nicht mehr per se als abgeschlossen betrachten, bloß weil er erstmals publiziert worden ist.

Für die neue FR arbeiten Journalistinnen und Journalisten, die kommunizieren – in alle Richtungen. Die keinen Unterschied machen zwischen einem Fan oder einen Follower und dem Chef des Einzelhandelsverbandes – und die sich die Zeit nehmen, mit beiden zu reden. Die sich im Social Web ebenso selbstverständlich bewegen wie auf Pressekonferenzen. Die große Datenmengen ebenso übersetzen können verschwurbelte Politikerreden. Nicht zuletzt: Die sich nicht scheuen, ihre Arbeit transparent zu machen – und offen darüber berichten, wie sie berichten (oder auch, wie man sie am Berichten hindern will).

Nur eins darf sie nicht mehr sein: Tageszeitung. Ein Schnappschuss vom Zustand der Welt hält sich heute einfach keine 24 Stunden mehr. Ich bin immer noch überzeugt, dass Journalismus ein Produkt ist, für dass es genug Käufer gäbe – aber wer will es haben, wenn wir es in ein nicht mehr zeitgemäßes Format pressen?

Unbezahlbar? Vielleicht doch: Die neue FR wird gemacht von einer kleinen, aber schlagkräftigen Truppe aus Experten für Crossmedia-Journalismus, Technik und Vermarktern, die im Digital-Geschäft versiert sind. Eine Crowdfunding-Aktion bringt sie zum Fliegen. Eine Genossenschaft hält sie in der Luft. Könnte das klappen?

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