“Ist das Journalismus oder kann das weg?”

Heute einen Geburtstag begangen und einigen Vorträgen bei Frankfurter Tag des Onlinejournalismus gelauscht. Hier eine Zusammenfassung mit Mut zur Lücke. ;)

Was ich auch diesmal wieder nicht verstehe

… das ist, wo genau sich in dem Satz “Die anderen machen’s doch auch” das Argument versteckt.

“Der Name (des Kopiloten) ist ohnehin auf dem Markt, dann können wir ihn jetzt auch nennen” scheint mir dabei noch die ehrlichste Formulierung. Denn nur darum geht es: Den Markt abschöpfen. Alles rausholen, was geht. Ein größtmögliches Stück vom Kuchen abschneiden. All das andere Gerede von “Trauerarbeit”, “Aufklärung”, “Auftrag”, “Leserinteresse”, “Dienst an der Wahrheit”, “das Unfassbare fassbar machen”,  ist nicht als das: Gerede, das verdecken soll, dass es ums eigene Geschäftsmodell geht.

Und leider hat sich Grenze zwischen Boulevard und Nicht-Boulevard dabei wieder ein Stück weiter verschoben.

Es gibt aber auch lesenswerte Texte zur Berichterstattung rund um Flug 4U9525:

Ganz Frankfurt unter Rauchschwaden. Ganz Frankfurt? Nein.

Frankfurt am Mittag des 18.3.2015; Blickrichtung: Westen. Bild: www.mainhattan-webcam.de, Hi.Res.Cam GmbH/dpa

Frankfurt am Mittag des 18.3.2015; Blickrichtung: Westen. Bild: dpa

Eines der Bilder aus Frankfurt, das gestern auf Twitter eine größere Runde machte, ist der Blick aus einiger Höhe über den Main auf die Skyline. Quasi die ganze Stadt  scheint in dunklen Rauch gehüllt. Komisch: Unten auf den Straßen hat man das gar nicht so massiv erlebt.

Wir haben uns in der  Redaktion das Foto, das die dpa verbreitet hat, genauer betrachtet und es mit einem anderen Bild von Reuters verglichen, das dasselbe Motiv aus der Gegenperspektive zeigt. Wir kamen zu dem Schluss, dass es irreführend ist.

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Der Mord an “Charlie Hebdo” – und was er mit uns macht

Im Frankfurter Caricatur Museum gibt es in diesen Tagen den "Je suis Charlie"-Button zur Eintrittskarte dazu.

Im Frankfurter Caricatura Museum gibt es am Freitag den “Je suis Charlie”-Button zur Eintrittskarte dazu.

Fassungslosigkeit, Entsetzen und Trauer gehören in diesen Tagen, nach den Morden an zwölf Menschen bei und vor dem Satireblatt Charlie Hebdo in Paris, wohl zu den vorherrschenden Gefühlen in allen Redaktionen auf diesem Globus. Auch bei uns ist das so. Es ist anders als sonst, wenn ein Terroranschlag oder ein großes Unglück Redaktionen in eine Art professionellen Ausnahmezustand versetzt, der dazu zwingt, alle Planungen über den Haufen zu werfen und alle Kraft allein auf ein Ereignis zu konzentrieren. Es geht näher. Klar: Es sind quasi Kolleginnen und Kollegen, die in Paris für die Meinungsfreiheit starben. Empfinden wir deshalb mehr Mitgefühl? Vielleicht. Aber da ist noch etwas anderes: Das Gefühl der Bedrohung nimmt zu – auch, weil es längst Alltag geworden ist, Redaktionen aus dem Schutz der Anonymität aufs Übelste zu beschimpfen und namentlich genannten Menschen öffentlich den Tod zu wünschen. Man muss heute nicht mal über besonders heikle Themen schreiben, um zur Zielscheibe eines völlig entfesselten Mobs zu werden.

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Die Crowdspondents haben geliefert!

Die Crowdspondents haben geliefert!

Beutel, Lunchbox, Kaffeehumpen für unterwegs – und die Helgoland-Fähre: Mitbringsel der Crowdspondents von ihrer Reportage-Reise (das ‘innen’ habe ich den ‘Reportern’ spendiert.)

Rechtzeitig im alten Jahr erreicht mich ein Päckchen: Lisa Altmeier und Steffi Fetz von Crowdspondent haben ihr Versprechen eingelöst und mich beschenkt! Wie viele andere hatte auch ich die beiden Journalistinnen bei ihrer Reportage-Reise durch Deutschland diesen Sommer unterstützt, und dafür brachten sie mir von dieser Tour etwas mit – treffsicher aus dem hohen Norden, genauer gesagt: Von Helgoland.

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Journalismus. Nur besser.

Constantin Seibts Blog Deadline zu lesen, das lohnt sich für schreibende Journalistinnen und Journalisten eh immer. Ihn mal persönlich auf der re:publica in Berlin zu hören ist fast genauso gut. Eine Zusammenfassung in Tweets.

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Verifizieren von Social-Media-Inhalten

Als im Mai im Londoner Stadtteil Woolwich ein britischer Soldat ermordet wurde, hatte ich Redaktionsdienst. Bald nach den ersten Meldungen kursierte ein Video im Netz, auf dem ein Mann die Tat rechtfertigte, ein Messer in der blutigen Hand. Ich schaute mir den Film mehrmals an, schrieb auch in unserem Artikel darüber, zitierte die Äußerungen mit aller Vorsicht. Aber ich verzichtete darauf, den Clip einzubetten. Ich fand, dass wir nicht unbedingt dazu beitragen mussten, dieses verstörende Video weiter verbreiten. Zudem wusste nicht, ob das Video tatsächlich im Zusammenhang mit der fraglichen Tat steht oder vielleicht doch ein Fake ist. Das Verifizieren von Material aus dem Netz ist nicht ganz einfach, aber es wird – gerade für Journalisten – immer wichtiger. Es gibt bewährte Vorgehensweisen und inzwischen auch eine ganze Reihe von Tools, die dabei helfen können.

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dapd-Belegschaft sagt Auf Wiedersehen

dapd Panorama-Ressort
Gern hätten wir weitergemacht, man hat uns nicht gelassen.
Auch wenn es nicht unerwartet kam: Es konnten einem echt die Tränen kommen, als sich die dapd-Redaktionen und -Landesdienste gestern eine nach der anderen verabschiedeten.

ZDF berichtet brandaktuell über FR

Wow. Das ZDF schafft es, einen Beitrag über die aktuelle Situation der Frankfurter Rundschau mit einem Bild anzumoderieren, das den früheren Sitz der Zeitung am Mainufer zeigt – ein Gebäude, aus dem die FR schon vor nahezu vier (!) Jahren ausgezogen ist. Die Innenaufnahmen aus dem Newsroom sind zwar im jetzigen Domizil gedreht, aber ebenfalls bereits mehrere Jahre alt. Dabei war das ZDF-Team doch heute vor Ort – und hat bei dieser Gelegenheit eine meiner Lieblingskolleginnen interviewt.

Aus der Seele

Angelika Beuter Journalistin der Westfälischen Rundschau, Bloggerin
Ich bin unerschütterlich optimistisch. Aber so zwischen all der Betriebsamkeit, die ich mir selbst verordne hier zu Hause, kriecht manchmal die nackte Panik heraus. Was soll ich nur tun? Ich kann doch nichts anderes als Zeitungmachen. Ich habe nie etwas anderes gemacht. Ich wollte nie etwas anderes tun.

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