Zeitreise

Altenberger Dom

Altenberger Dom

Da stehe ich an einem sonnigen Frühlingsabend im Tal der Dhünn im Bergischen Land, sehe einen Reiher auf einer saftigen Wiese herumstaksen und weiß plötzlich: Hier bin ich gerade richtig. Dieses Gefühl, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Nicht in Gedanken woanders, schon wieder oder immer noch, sondern wunschlos, versenkt an Ort und Stelle wie ein sauber eingeschlagener Nagel in frischem Holz. Eben bin ich aus dem Dom, wo ich Kerzen angezündet habe, in die Abendsonne herausgetreten, und hier draußen hat dieses wunderbare “Alles-ist-gut”-Gefühl auf mich gewartet.

Ein paar Schritte vor mir geht mein Vater. Die Hände hinterm Rücken verschränkt, ein wenig gebeugt, aber immer noch mit entschlossenen Schritten. Vor 56 Jahren, im Mai 1958, hat er hier meine Mutter geheiratet: Im Altenberger Dom, eine Simultankirche, die sie sich ausgesucht hatten, weil er evangelisch und sie katholisch war.

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29. April 2004

Misses Large

Misses Large.

Ein guter Hund stirbt nie -
er bleibt immer gegenwärtig.
Er wandert neben Dir an kühlen Herbsttagen,
wenn der Frost über die Felder streift
und der Winter näher kommt,
sein Kopf liegt zärtlich in Deiner Hand
wie in alten Zeiten.
Mary Carolyn Davies

29. April 2004

Spuren

Am Goting-Kliff

Am Goting-Kliff

“Geh, wohin dein Herz dich trägt” von Susanna Tamaro wollte ich schon ganz lange lesen, in meinem Kurzurlaub habe ich es endlich getan. Es gehört zu den vielen Büchern, die ich von meiner Mutter geerbt habe. Wenn ich eines davon aus dem Regal nehme, hoffe ich immer ein wenig, dass vielleicht ein Zettel aus den Seiten herausfällt. Oder dass ich darin angestrichene Passagen finde. Irgendetwas, das wie eine späte Botschaft wirkt. Und zugleich fürchte ich mich davor. Auf dem Schmutztitel eines Buchs über alternative Krebsbehandlung, das ich ihr geschenkt hatte, entdeckte ich nach ihrem Tod in schon krakeliger Handschrift die Worte “Ich habe Angst”.

Heute vor 14 Jahren ist alle Angst verschwunden. Ich aber blättere immer noch suchend in den Büchern.

Ziemlich beste Freunde

Kommunikationskette

Bienensterben -> Fleischkonsum -> Veggie-Day -> Plastikflaschen im Meer -> Plastikflaschen im Supermarkt -> Weichmacher -> Knebelverträge für an Kaufhäuser angeschlossene Bäckereien -> Lebensmittel im Müll -> unsinnige Hygienevorschriften -> Kriminalisierung des Containerns -> Sperrmüllabfuhr war früher besser geregelt.

(Friseurtermin im Nordend)

So ist das Leben

Vor einigen Tagen musste ich an einen Ort zurückkehren, an dem ich dreizehneinhalb Jahre nicht war: Ein Krankenbesuch in einer Klinik in Wiesbaden, eben jener Klinik, in der ich damals monatelang ein- und ausging, in der ich von einer tödlichen Diagnose erfuhr, in der ich verzweifelt den Neurochirurgen um eine Chance für meine Mutter anbettelte. Und die ich am Ende ohne Hoffnung verlassen musste, bleischwer beladen mit den Fakten aus einem letzten, endgültigen Gespräch.

Nun stehe ich also wieder vor dieser Tür – überrascht und überrumpelt, denn ich hätte bis zu dieser Sekunde nicht gedacht, dass mir dieser Gang nach all der Zeit so schwerfallen würde. Ich hole tief Luft, spüre eine helfende Hand und schaffe es irgendwie, nicht schreiend davonzulaufen. Der Gang durchs Foyer fällt mir schwer, mit einem Kloß im Hals und wie ferngelenkt steuere ich die Aufzüge an – alles noch am alten Platz. Auf der Station, einer anderen als damals, fällt die Anspannung schlagartig ab. Denn diesmal ist alles ist gut, die Ärzte konnten helfen, die Operation kam rechtzeitig.

Im Grunde meint es das Leben gut mit mir – auch (und gerade) dann, wenn es mich daran erinnert, wie zerbrechlich es ist.

Abschied

Im Newsroom ist es still geworden. Wir haben einen jungen Kollegen und Freund verloren, der wie kaum ein anderer an die Zukunft dieser Zeitung und noch mehr an die Zukunft des Journalismus geglaubt hat. Geradezu ansteckend war dieser Optimismus. Nun sitzen wir da, starren auf einen unbesetzten Schreibtisch und warten immer noch, dass er gleich zur Tür reinkommt.

Abschied von Felix Helbig

Alt werden …

Diese Woche im Literaturkalender: Caroline von Wolzogen, Autorin und Schwägerin Friedrich Schillers

Diese Woche im Literaturkalender: Caroline von Wolzogen, Autorin und Schwägerin Friedrich Schillers, über das Alter

… ist nichts für Sissis. Der Satz fällt in dem Kinofilm “Quartett”, wo er Bette Davis zugeschrieben wird. Hierzulande kennt man ihn in der Version “Alt werden ist nichts für Feiglinge”. Blacky Fuchsberger hatte seine Autobiografie so überschrieben und sich dabei, so sagt er selbst, eines Zitats von Mae West bedient. Wo auch immer sein Ursprung liegt: Der Satz ist so universell und wahr, dass er wohl von jedem Menschen auf diesem Planeten stammen könnte, der in ein fortgeschrittenes Stadium seines irdischen Daseins getreten ist. Also auch von mir. ;)

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Ganze Imperien vergehen!

Gerade, als ich beim 25-jährigen Abitreffen in eine pathetische Trauerrede für eine gewisse von der Insolvenz bedrohte Traditionszeitung verfalle, sagt mein Gegenüber: “Ach weißt du – nichts hält ewig, auch wenn es noch so lange Bestand hatte. Mir kannst du’s glauben.”
Ich fixiere ihn über den Rand meines Glases hinweg und frage: “Sag mal, was machst du noch gleich beruflich?”
“Ich bin Archäologe.”

Viele Stunden später, als meine alte Freundin K. und ich aus dem Restaurant in die Nacht laufen, ist es heimlich, still und leise Winter geworden. Einen Augenblick lang bleiben wir perplex stehen und schauen fasziniert auf die Schneelandschaft. Dann tapsen wir los und machen fröhlich wie kleine Kinder die ersten Spuren in das unberührte Weiß.

Rückkehr nach Symondsbury

Das kleine Dorf Symondsbury liegt ein paar Kilometer von der südenglischen Küste entfernt nahe Bridport in der Grafschaft Dorset. Ringsherum schlägt die Landschaft saftig-grüne, von Hecken gestreifte Wellen. An einem Herbsttag vor 60 Jahren kam meine Mutter mit klopfendem Herzen und einem Köfferchen hier an, um als Au-Pair in Symondsbury Manor für die Familie von Lord und Lady Colfox zu arbeiten. Sir Philip Colfox hatte Symondsbury Manor (in dem im 19. Jahrhundert unter anderem der Schriftsteller Thomas Hardy verkehrte) 1922 gekauft; sein Sohn John und dessen Familie stellten meine Mutter ein. Das war Anfang der 50er Jahre, und gerade im Süden Englands, wo deutsche Bomberpiloten viel zerstört hatten, muss die Erinnerung an Nazi-Deutschland noch gegenwärtig gewesen sein.

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