Podiumsdiskussion zur OB-Wahl in Frankfurt

Pünktlich zum Start des Livestreams stieg eine der Kameras aus, und wir mussten improvisieren. Sonst aber sind wir zufrieden mit unserer Übertragung des FR-Stadtgesprächs mit fünf OB-Kandidatinnen und -Kandidaten aus dem voll besetzten Großen Saal im Haus am Dom.

Bei der Diskussion ging es teils hoch her: Das Publikum hatte die Samthandschuhen zu Hause gelassen und ging die Bewerber hart an. Vor allem das Thema Wohnen und Mieten brennt den Frankfurter*innen unter den Nägeln, und das ließen sie nicht nur den amtierenden OB Peter Feldmann spüren.

Hier kann man die zwei munteren Stunden noch einmal ansehen:

Wahlhelfer zur OB-Wahl in Frankfurt

Frankfurt wählt: Am 25. Februar 2018 ist Oberbürgermeister-Wahl am Main. In der ersten Runde treten zwölf Kandidatinnen und Kandidaten an, darunter sechs, die sich partei-unabhängig um das Amt bewerben. Falls es zur Stichwahl kommt, dürfen die Frankfurter am 11. März 2018 ein weiteres Mal an die Wahlurne.

Allen zwölf Kandidaten habe ich 25 Thesen zu aktuellen Problemen der Stadtpolitik vorgelegt – und alle zwölf haben bereitwillig Position bezogen. Aus den Rückmeldungen haben wir bei der FR einen digitalen Wahlhelfer zusammengebaut: Wähler*innen können ihre eigenen Positionen mit jenen der Bewerber*innen abgleichen und herausfinden, mit wem sie am meisten übereinstimmen. Das Format ist als „Wahlomat“ von der Bundestagswahl bekannt.

Seit knapp zwei Wochen ist unser Wahlhelfer online und erfreut sich großer Beliebtheit. Das wiederum freut mich, denn es steckt viel Arbeit drin. Wollt ihr selbst mal testen, welchem Kandidaten oder welcher Kandidatin ihr nahesteht? Hier geht’s zum OB-Wahlhelfer.

Fünf Kandidatinnen und Kandidaten haben wir darüber hinaus zum Twitter-Interview eingeladen. Jeweils eine Stunde lang stellen sie sich unter dem Hashtag #FROBcheck den Fragen von Twitter-Usern. Die Twitter-Interviews stehen und fallen mit dem Engagement der Nutzer. Die Fragestunde für Nargess Eskandari-Grünberg von den Grünen hätte gerne munterer ausfallen dürfen, und auch der Kandidat, der am meisten polarisiert – Volker Stein, der auch von den rechten Bürgern für Frankfurt unterstützt wird – wurde nicht wirklich gegrillt. Mal schauen, wie es Janine Wissler (Linke), Bernadette Weyland (CDU) und Peter Feldmann (SPD) ergeht – auch sie sind unserer Einladung zum Twitter-Interview gefolgt. Alle noch ausstehenden und Zusammenfassungen der bereits gelaufenen Termine finden sich hier.

Wer den fünf genannten Kandidaten lieber von Angesicht zu Angesicht auf den Zahn fühlt, kommt am Donnerstag (8.2.2018) zu unserem FR-Stadtgespräch ins Haus am Dom.  Ab 19 Uhr sieht sich Amtssinhaber Feldmann dort seinen aussichtsreichsten Herausforderern gegenüber. Wir übertragen die Podiumsdiskussion im Livestream auf Facebook und auf FR.de.

Wie Frankfurt gewählt hat

Die Bundestagswahl ist gelaufen, der Zorn über den (erwartbaren) Einzug von Rechtsextremen ins Parlament, darunter brandgefährliche Demagogen, legt sich hoffentlich nicht so schnell. Sich an Nazis im Bundestag zu gewöhnen, als sei ihre Existenz ein Naturgesetz, ist keine Option. Dabei ist mir ganz wurscht, in welcher Partei die Rassisten sitzen. Das Geschwafel vom Schließen offener rechten Flanken lässt hier nichts Gutes erwarten. Eine Hoffnung: Falls die Grünen sich auf ihren alten Kampfgeist und ursprüngliche Positionen besinnen, könnte ihnen in einer „Jamaika“-Koalition eine wichtige Rolle zukommen. Allein – mir fehlt der Glaube …

Frankfurts Sympathie für „Jamaika“

Wie steht eigentlich Frankfurt am Main zu „Jamaika“? Inspiriert von einer Visualisierung auf Spiegel Online (die ihrerseits inspiriert wurde von The Two Americas of 2016 der New York Times) habe ich für 376 Frankfurter Wahlbezirke ausgewertet, wie stark der gemeinsame Anteil an Zweitstimmen von CDU, Grünen und FDP jeweils ausfällt. Das Ergebnis ist eine Karte, erstellt mit Carto, die anschaulich macht, wo die Sympathie für die „Jamaika“-Parteien stärker ausgeprägt ist, und wo sie ohne Mehrheit dasteht.

Stärkste Parteien in den Wahlbezirken

Eine weitere Karten-Visualisierung – ebenfalls auf Wahlbezirk-Ebene – zeigt auf einen Blick, welche Partei stärkste Kraft geworden ist (und nach dem Klick auch alle Ergebnisse des Wahlbezirks). Die Karte macht auch ein interessantes Detail sichtbar: In drei Wahlbezirken gibt es ein Zweitstimmen-Patt. In den Wahlbezirken 58001 (Wahlgebäude Helene-Lange Schule) in Höchst und 41003 (Kerschensteinerschule) in Hausen kommen CDU und SPD übereinstimmend auf jeweils 24,3 Prozent. Kurios das Patt im Innenstadt-Wahlbezirk 7001 (Julius-Leber-Schule): Hier liegt die CDU mit 19,1 Prozent der Zweitstimmen gleichauf mit – den Linken!

Alle Wahlbezirke als Diagramm

Neben den 376 dargestellten Wahlbezirken hat Frankfurt 114 Briefwahlbezirke, die bei der Kartenvisualisierung außen vor bleiben. Um auch sie verfügbar zu machen, habe ich zusätzlich ein interaktives Diagramm mit Datawrapper umgesetzt, das die Ergebnisse filterbar nach allen 490 Wahlbezirken zeigt.

Die Schwächen von Datawrapper

Erststimmen und Zweitstimmen in 45 Frankfurter Stadtteilen sowie in zehn angrenzenden Wahlkreisen im Rhein-Main-Gebiet: In der Wahlnacht und an den Tagen danach waren mehr als 120 Ergebnis-Grafiken zu erstellen. Datawrapper zeigt bei so einer Massenproduktion eine schmerzhafte Schwäche: Es gibt keine Möglichkeit, Zahlenformate (z.B. eine Stelle nach dem Komma) oder Farben (etwa der Parteienbalken) voreinzustellen – jedenfalls nicht in dem von uns genutzten Tarif Single Flat, der 29 Euro im Monat kostet. Nervig – und zeitaufwändig.

Für die Präsention der Ergebnisse in den beiden Frankfurter Wahlkreisen habe ich erneut Genially genutzt:

 

Tools und Quellen
Wahlbezirk-Geodaten auf offenedaten.frankfurt.de
Kartenvisualisierungstool Carto
Diagramm-Tool Datawrapper
Storytelling-Tool Genially
Wahlergebnisse vom Bürgeramt, Statistik und Wahlen
Tabellenkalkulation, hier: Open Office
Link: Bundestagswahl-Ergebnisse – Wie Frankfurt zu „Jamaika“ steht
Link: Bundestagswahl in Frankfurt – So hat Ihre Nachbarschaft gewählt

Lauf für mehr Zeit 2017

4507 Läuferinnen und Läufer, 122.000 Euro für die Frankfurter Aidshilfe. Das Wetter war perfekt, die Stimmung hervorragend, und Spaß hat es auch noch gemacht. Die letzten paarhundert Meter auf der Fressgass Richtung Ziel an der Alten Oper hab ich im Windschatten von Pflegekräften absolviert, die im Laufschritt zwei alte Damen im Rollstuhl über die 5-km-Strecke schoben. :) Und das Ergebnis? Gar nicht mal schlecht – für die Altersklasse!

Lauf für mehr Zeit 2017

Lauf für mehr Zeit 2017

Posted by LAUF FÜR MEHR ZEIT on Montag, 11. September 2017

Hach, Frankfurt

Ich habe Sehnsucht nach dem Land. Ich möchte in die Ferne gucken und den Horizont sehen statt der Fassaden auf der anderen Straßenseite, ich möchte nach Feierabend in der Erde wühlen oder auf meiner Terasse sitzen oder noch eine Runde in den Wald gehen. Mir geht der Lärm auf den Keks und die zugeparkten Radwege und die Huperei auf den Kreuzungen und die Aggro-Stimmung auf der Zeil. Auch die Freundinnen und Freunde reden immer öfter von Stadtflucht, und zusammen tagträumen wir beim Sauergespritzten von gemeinsamen Wohnprojekten, die, so ist das nunmal, sich keiner von uns leisten kann, jedenfalls nicht in der Stadt und auch nicht im Umland.

Und dann ist endlich Sommer. Und Frankfurt wird zum schönsten Ort der Welt. Ein Dorf, wo das Leben sich draußen abspielt, auf den Wiesen in den schattigen Parks, wo immer irgendwer Musik macht. Unter den Obstbäumen am Lohrberg, im schilfbestandenen Enkheimer Ried und am lange schon stillgelegten Alten Flugplatz in Bonames, wo die Platanen aus dem Asphalt brechen, die Frösche quaken und die Bauern Heu machen, die Kulisse der Stadt im Rücken. Wo du in den dörflichen Stadtteilen über altes Kopfsteinpflaster läufst und dich keine halbe Stunde später in den Glasfassaden des Bankenviertels spiegelst. Wo du alles, wirklich alles mit dem Fahrrad erreichen kannst. Wo das nächste Kino, die nächste Kneipe, das nächste Wasserhäuschen nie weit ist. Wo der aufgesprühte Schrei nach „Stadt für alle“ zum städtischen Inventar gehört. Wo es noch Hausbesetzer gibt. Wo die halbe Stadt abends am Mainufer hockt und Beine und Seele baumeln lässt und auf die Skyline glotzt, bis es dunkel wird.

Zwischen zwei Seufzern weiß ich genau: Ich hätte große Sehnsucht nach dieser Stadt, würde ich nicht mehr hier wohnen. Ich mag Frankfurt.

Vielleicht halte ich es doch noch eine ganze Weile hier aus. Und notfalls ist ja auch Offenbach mit dem Hafen2 nicht weit weg.

Ostpark

Verrammelte Türen am Ostbahnhof.

Günthersburgpark

Die stillgelegte Start- und Landebahn am Alten Flugplatz Bonames.

Zwischen Offenbach und Frankfurt.

Abendliches Tänzchen vor der Alten Oper.

Feierabend am Mainufer.