27. Januar

Weil das Erinnern umso wichtiger wird, je lauter die schreien, die all das am liebsten vergessen (machen) wollen.

Konzentrationslager Buchenwald

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Fotos: Monika Gemmer

Kurz geknipst

Ehemaliges Spa-Projekt am Westhafen

An der Spa-Ruine im Westhafen scheint sich tatsächlich was zu tun – im Inneren des Rohbaus, der seit Jahren halbfertig in 1a-Lage am Mainufer vor sich hingammelt, wird sichtbar gewerkelt. Schade, dass die Frankfurter nix haben werden von den Boardinghaus-Suiten, die ein Investor aus Qatar da nun baut.
(via Facebook)

Trotz allem: Was schön war 2016

Hoffnung

Was für ein Jahr. Viel zu viele schlechte Nachrichten. Kriege und Krisen auf der ganzen Welt, die unzählige Menschen aus ihrer Heimat vertreiben, in eine Ungewissheit hinein, die sich unsereins gar nicht vorstellen kann. Offene Feindseligkeit gegen alle, die anders sind. Hass, der immer ungehemmter zur Schau getragen wird. Eine Partei, die Rassismus zum Programm macht. Andere Parteien, die dem nicht etwa entschlossen entgegentreten, sondern kalkuliert mit Ressentiments spielen – das wird 2017 furchtbar schiefgehen.

Mein 87-jähriger Vater, der mit knapp 16 Jahren durch glückliche Umstände und eine kluge Mutter gerade noch so dem Einsatz im „Volkssturm“ entkam, ist erstmals seit dem Ende des Nazi-Diktatur wieder zutiefst besorgt, wie er mir neulich sagte. „80 Jahre nach der verheerenden politischen Entwicklung für Deutschland und die Welt scheint sich die Geschichte zu wiederholen.“ Wie vielen alten Menschen, die die Hitlerzeit erlebt haben, mögen in diesem Jahr ähnliche Gedanken durch den Kopf gegangen sein?

Nein, ein gutes Jahr war es wirklich nicht. So viele sind gestorben, namenlos für uns, unter Häusertrümmern in Aleppo, unter Wellblechdächern in Eritrea, im Meer, die Küste des reichsten Kontinents schon fast vor Augen.  Und so viele aus Kultur und Politik, die wir mit Namen kannten. Es war ein Jahr der Nachrufe und der Abschiede, am Ende auch von einem  Menschen aus dem engsten Freundeskreis. 2016 – ich werde dich nicht vermissen.

Aber ich bin dir trotzdem dankbar. Für das, was mir nicht widerfahren ist. Und für die anderen Geschenke, die du mir gemacht hast.

Was schön war

  • Die Momente einer Freundschaft, die seit 40 Jahren trägt – durch die leichten und, wie in diesem Jahr, durch die schweren Zeiten.
  • Die Ausgelassenheit, mit der ich auf gleich zwei Hochzeiten tanzen durfte.
  • Der Frieden, der sich auf meine Seele legte, als ich hier saß – allein mit meinen Gedanken.
  • Das kindliche Staunen, mit dem ich im Trockendock der Meyerwerft beim Bau eines Ozeanriesen zusehen durfte.
  • Die Erleichterung, als nach der fiesen Zahnbehandlung endlich der Schmerz nachließ.
  • Der heimliche Stolz, als ich in Münster den Droste-Experten des Landes traf – und merkte, dass er mich schon seit längerem als Droste-Expertin betrachtet.
  • Meinen Neffen 18 werden, Abi machen und voller Neugier und Optimismus ins Leben starten sehen.
  • Die Freude, als mir die Chefredaktion den Posten als stellvertretende Ressortleiterin anbot.
  • Die Entdeckung der Gleitsichtkontaktlinse.

Was mag 2017 wohl für mich bereit halten?

Ein paar Geschenke sind schon verpackt …

Was schön wird

  • Am Abend des 21. Februar 2017 werde ich auf der Insel am Biike-Feuer stehen und (hoffentlich) Punsch trinken.
  • Im Sommer feiere ich meinen 50. Geburtstag und habe dabei, so hoffe ich, die ganze Familie um mich herum.
  • Und gegen Ende des Jahres stehe am Nordkap (und trage hoffentlich warme Unterwäsche!).

Mach’s gut, 2016. Aber du, 2017: Mach’s besser.

#Zusammen

In mehreren Städten in Deutschland lässt sich der Weihnachtsmarktbesuch heute mit einer Botschaft verbinden, denn von Hamburg bis München wird der Versuch unternommen, sich etwas von der klaren Haltung der Norweger nach den Breivik-Morden abzugucken und ein Zeichen zu setzen.

Wir wissen nicht, warum es zu dieser schrecklichen Tat kam, aber wir wissen, dass sie Hass und Misstrauen säen und uns als Menschen, als Gesellschaft, auseinandertreiben soll.
Unseren Hass bekommt ihr nicht.

Frankfurt am Main #Zusammen findet um 18 Uhr an der Hauptwache am Brockbau-Brunnen auf der Zeil statt.

Ein Droste-Spaziergang durch Münster

Es wird mal wieder Zeit für Droste-Content. :)

So freundlich kann die Spinnlenor dreinblicken: Skulptur aus einem Droste-Gedicht. Bild: Monika Gemmer

So freundlich kann die Spinnlenor dreinblicken: Skulptur aus einem Droste-Gedicht. Bild: Monika Gemmer

Im Münsterland kann man der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff ja eigentlich nicht entgehen: Burg Hülshoff samt Park und der nicht weit entfernt liegende Witwensitz Rüschhaus stehen für Besucher*innen offen, ein Rad- und Wanderweg verbindet beide Wohnorte – künftig womöglich als Lyrikweg ausgebaut. Ihre Büste steht an der Kreuzschanze, einer Parkanlage an der Promenade. Münster hat eine Annette-Allee, die parallel zum Aa-See verläuft, ein Annette-Gymnasium und ein Droste-Zimmer im Stadtmuseum.

Einige Droste-Orte aber sind weniger bekannt. Zu ihnen führt mein kleiner Spaziergang durch die Innenstadt: Wohnorte von Freundinnen und Freunden, der Standort des Familien-Stadthauses und später der Münsteraner Mietswohnung, die Straße, in der sich damals die Leihbibliothek befand (deren Bestand Annette für nicht sonderlich brauchbar hielt). Die Ruhe- und Gedenkstätten von Droste-Vertrauten fand ich in einem Park, der früher ein Friedhof war.

Etwas außerhalb des Zentrum gibt es weitere Droste-Orte, die einen Ausflug wert sind. Auch sie habe ich unten näher beschrieben.

Die Stationen

1 Krummer Timpen

Die Adelsfamilie verschanzte sich nicht draußen auf dem Land, sondern verbrachte immer wieder Zeit in Münster. Man fuhr in die Stadt, um Besorgungen zu machen, um im Winter den morastigen Wegen rund um die Burg und das Rüschhaus zu entgehen, vor allem aber, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und Besuche bei Freundinnen, Freunden, Bekannten zu machen. Annettes Vater Clemens August von Droste-Hülshoff hatte das Haus am KrummenTimpen/Ecke Bäckergasse 1798 geerbt. Die Familie nutzte es bis 1818 als Stadthaus, dann verkaufte der Vater es. Schräg gegenüber wohnte der Droste-Freund Anton M. Sprickmann.

Überhaupt rede ich von dem Briefwechsel zwischen Münster und Berlin, als wenn ich nur den Bedienten aus unserm Hause im Krummen Timpen in Ihre gegenüber liegende Wohnung schicken dürfte.

Annette von Droste an Anton M. Sprickmann, Oktober 1818

  • Before-Stadthaus
    After-Stadthaus
    Droste-StadthausStadthausHeutige Ansicht

Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

2 Pferdegasse 5
In der Pferdegasse 5 war wohl die Theissingsche Buchhandlung und Leihbibliothek, die auch Annette von Droste nutzte. Zumeist ließ sie sich die Bücher aber ins Rüschhaus mitbringen.

3 Rothenburg 28/29
Das war die Münsteraner Adresse von Elise Rüdiger, einer engen Freundin Annettes. Bei ihr traf sich sonntags die „Heckenschriftsteller-Gesellschaft“, ein literarischer Zirkel. Wenn Annette von Droste sich in Münster aufhielt, nahm sie sporadisch daran teil. Das Haus steht nicht mehr, an seiner Stelle ist heute das LWL-Museum für Kunst- und Kulturgeschichte zu finden.

Aus einem Fenster dieses Hauses beobachtete Annette von Droste am 11. Dezember 1837 besorgt den Aufruhr auf den Straßen Münsters, der sich an der Verhaftung des Erzbischofs von Köln entzündet hatte.

Dort, wo heute das LWL-Museum für Kunst- und Kulturgeschichte steht (dessen Besuch sehr empfehlenswert ist), wohnte Elise Rüdiger, eine der engsten Freundinnen Annettes von Droste und Gastgeberin eines literarischen Zirkels, an dem sich auch die Dichterin beteiligte. Bild: Monika Gemmer

Dort, wo heute das LWL-Museum für Kunst- und Kulturgeschichte steht (dessen Besuch sehr empfehlenswert ist), wohnte Elise Rüdiger, eine der engsten Freundinnen Annettes von Droste und Gastgeberin eines literarischen Zirkels, an dem sich auch die Dichterin beteiligte. Bild: Monika Gemmer

4 Rothenburg 32
Hier wohnte um 1840 die Geheimrätin Karoline Lombard, eine weitere Freundin der Droste. Im Nachbarhaus rechts daneben, der Nummer 33, wurde 1835 Hermann Landois geboren. Der spätere Gründer des Zoos in Münster war um 1845 als Zehnjähriger einmal zu Besuch bei Therese und Annette von Droste im Rüschhaus.

5 Salzstraße / Prinzipalmarkt
Luise von Bornstedt, eine Bekannte der Droste, wohnte im Eckhaus Salzstraße/Prinzipalmarkt.

6 Salzstraße
Ab 1837 nutzt die Familie Droste im Winter eine Mietwohnung in der Salzstraße beim Schneider Engelbert Ahlers. In der Salzstraße Nr. 57 hatte zu Annettes Zeiten der Verlag Aschendorff seinen Sitz , in dem sie 1838 ihren ersten Gedichtband veröffentlichte.

Heutiges Gebäude am früheren Standort des Verlags Aschendorff in der Salzstraße 57. Bild: Monika Gemmer

Heutiges Gebäude am früheren Standort des Verlags Aschendorff in der Salzstraße 57. Bild: Monika Gemmer

7 Stadtmuseum
Hier bietet sich ein Schlenker zum Stadtmuseum Münster an, wo die Geschichte der Stadt, darunter die Ereignisse zur Droste-Zeit, anschaulich erzählt wird. Im (leider ein wenig lieblos eingerichteten) „Droste-Zimmer“ kann man sich Gedichte, Kompositionen und Briefauszüge anhören.

8 Alter Steinweg
Nach dem Verkauf des Hauses am Krummen Timpen miete die Familie Droste ab 1818 eine Wohnung am Alten Steinweg 16. Das Haus gehörte dem Postmeister Hermann Joseph von Hamm.

9 Promenade
Der ehemalige Befestigungsring rund um die Innenstadt, heute als „Fahrradautobahn“ bekannt, war schon zu Zeiten der Droste zurückgebaut und diente als Spazierfläche. Die Lindenallee, die ab 1770 entstand, plante derselbe Architekt, der auch das Rüschhaus bauen ließ: Johann Conrad Schlaun. Auf der Promenade war für Annettes Geschmack zu viel Menschengewimmel. Sie schrieb einmal an Schlüter: „…vor Ihrem Mauritztore, wo die halbe Stadt promeniert, allen Staub lebendig und alle Vögel stumm macht…“

Hörster Friedhof: Gedenkstein für Clemens Maria Franz von Bönninghausen. Bei dem Homöopathen war Annette von Droste in Behandlung. Bild: Monika Gemmer

Hörster Friedhof: Gedenkstein für Clemens Maria Franz von Bönninghausen. Bei dem Homöopathen war Annette von Droste in Behandlung. Bild: Monika Gemmer

10 Hörster Friedhof
Auf dem ehemaligen Hörster Friedhof, heute eine Grünanlage, befanden sich die Grabstätten von Christoph B. Schlüter (Mentor), Clemens von Bönninghausen (Homöopath) und Johann Hermann Hüffer (Herausgeber des ersten Gedichtbandes). Hüffers Grabstein findet sich im Süden des Areals. Der Grabstein von C.B. Schlüter und die Gedenkstele für C. von Bönninghausen auf der nördlichen Seite.

Hörster Friedhof: Grab von Christoph B. Schlüter, literarisch-philosophischer Gesprächspartner der Droste, der auch ihre erste Gedichtausgabe von 1838 betreute. Bild: Monika Gemmer

Hörster Friedhof: Grab von Christoph B. Schlüter, literarisch-philosophischer Gesprächspartner der Droste, der auch ihre erste Gedichtausgabe von 1838 betreute. Bild: Monika Gemmer

11 Hörsterstraße 54
Hier wohnte Levin Schücking – nicht nur zu Lebzeiten Annettes, sondern auch in späteren Jahren, wenn er sich in Münster und nicht auf seinem Gut in Sassenberg aufhielt.

Hier wohnte Levin Schücking - nicht nur zu Lebzeiten Annettes, sondern auch in späteren Jahren, wenn er sich in Münster und nicht auf seinem Gut in Sassenberg aufhielt. Bild: Monika Gemmer

Hier wohnte Levin Schücking – nicht nur zu Lebzeiten Annettes, sondern auch in späteren Jahren, wenn er sich in Münster und nicht auf seinem Gut in Sassenberg aufhielt. Bild: Monika Gemmer

12 Alter Fischmarkt
In dieser Straße wohnte Christoph Bernhard Schlüter, der die erste Gedichtausgabe der Droste betreute und eine Zeitlang wichtiger literarischer Ansprechpartner war. Später zog er in den Alten Steinweg 11. Sein Haus dort steht nicht mehr.

13 Überwasserkirche

In die Kirche nordwestlich des Doms (jenseits der Aa, daher der Name Überwasser) kam die Familie Droste-Hülshoff gewöhnlich am Karfreitag.

Die Lambertikirche in Münster. Bild: Monika Gemmer

Die Überwasserkirche in Münster. Bild: Monika Gemmer

Bonusausflüge

Praktisch: Mit der Buslinie 16 lassen sich zwei Orte etwas außerhalb des Zentrum ansteuern, die im Leben der Dichterin eine Rolle gespielt haben.

Gartenwirtschaft Lohmann

Zusammen mit ihrem Mentor Anton Mathias Sprickmann suchte Annette von Droste die Gartenwirtschaft Lohmann, damals vor den Toren der Stadt gelegen, auf.

In die damaligen Gartewirtschaft Lohman, zu Droste-Zeiten vor den Toren der Stadt gelegen, kehrte die Dichterin zusammen mit ihrem Bekannten Anton Sprickmann gerne ein. Heute heißt das Lokal Sandruper Baum. Bild: Monika Gemmer

In die damaligen Gartewirtschaft Lohman, zu Droste-Zeiten vor den Toren der Stadt gelegen, kehrte die Dichterin zusammen mit ihrem Bekannten Anton Sprickmann gerne ein. Heute heißt das Lokal Sandruper Baum. Bild: Monika Gemmer

Die Gaststätte gibt es noch, sie heißt heute Sandruper Baum und liegt an der Sprakeler Straße 90. Erreichbar ist sie mit der Buslinie 16, Ausstieg an der Station Schlusenweg.

… meine Augen fallen zu, und doch kann ich mich kaum von diesem Blatte trennen, Ihr liebes Bild aber will ich mit mir nehmen, und einen freundlichen, teuren Traum daraus bilden, wie wir wieder zusammen in Lohmanns Garten in der Laube sitzen, wo ich jetzt so oft vorbei fahre und sehe niemand darin, was mir freilich noch zehnmal lieber ist, als wenn stattdessen aus der lieben grünen Hütte ganz unbekannte oder gleichgültige Gesichter herausguckten.

Annette von Droste an Sprickmannn, Oktober 1818

Schloss Wilkinghege

Das Anwesen hatten Annettes Bruder Werner und seine Familie kurzzeitig gepachtet, bevor dieser 1826 nach dem unerwarteten Tod des Vaters Burg Hülshoff als Alleinerbe übernahm. Heute ist es ein Hotel. Die Buslinie 16 hält an der Station Wilkinghege.

Schloss Wilkinghege. Bild: Monika Gemmer

Schloss Wilkinghege. Bild: Monika Gemmer

Roxel

Erstmal musste ich die richtige Aussprache lernen: Meine Zimmerwirtin korrigierte mich unauffällig, als ich „Rocksel“ sagte, und wiederholte: „Roksel“, mit Betonung auf dem O. Hier also, in den heutigen Münsteraner Stadtteil im Westen, findet sich ein weiteres Ausflugsziel für Droste-Freundinnen.

Die Kirche Sankt Pantaleon in Münster-Roxel: Annette von Drote vertrat hier den Organisten. Bild: Monika Gemmer

Die Kirche Sankt Pantaleon in Münster-Roxel: Annette von Drote vertrat hier den Organisten. Bild: Monika Gemmer

Annettes Vaterhaus gehörte zur Kirchgemeinde von Roxel. Die Familie kam zu Gottesdiensten immer wieder in die Roxeler Kirche St. Pantaleon, 1813 vertrat Annette dort sogar den Organisten. Ihr Vater war 1806 von den Franzosen zum Bürgermeister von Roxel ernannt worden – das Amt hatte er acht Jahre inne. Auf dem Marktplatz erinnern Skulpturen an die Dichterin: Sie stellen den Fiedler Knauf, den Heidemann und die Spinnlenor dar, Gestalten aus dem Gedicht „Der Knabe im Moor“. Die Adresse: St. Pantaleon, Pantaleonstraße 2.

Protagonisten aus dem "Knaben im Moor": Fiedler Knauf, Heidemann und Spinnlenor. Bild: Monika Gemmer

Protagonisten aus dem „Knaben im Moor“: Fiedler Knauf, Heidemann und Spinnlenor. Bild: Monika Gemmer

Droste-Stadtrundgang durch Münster

Beschreibung, Karte und Bilder Droste-Stadtrundgang durch Münster als PDF.

Karte und Droste-Orte mit Anfahrtsbeschreibung finden sich auch in der kostenlosen Web-App „Droste to go“.

Annie Leibovitz‘ Frauenporträts in Frankfurt

Unter der Honsellbrücke bilden sich derzeit an den Wochenenden lange Schlangen: Viele wollen die Fotografien von Annie Leibovitz sehen. „Women: New Portraits“ ist eine Wanderausstellung, die an nur zehn Orten der Welt Station macht, davon nur eine in Deutschland – in den Hallen des Kunstvereins Familie Montez in den Brückenbögen im Frankfurter Ostend. Der Eintritt ist frei.

"Women: New Portraits" von Annie Leibovitz sind noch bis 6. November in den Bögen der Honsellbrücke im Frankfurter Ostend zu sehen.

„Women: New Portraits“ von Annie Leibovitz sind noch bis 6. November in den Bögen der Honsellbrücke im Frankfurter Ostend zu sehen.

Die neuen Fotografien setzen ein Projekt fort, das die heute 67-jährige US-amerikanische Fotografin 1999 begonnen hat. Im Laufe ihres bewegten Berufslebens hat Annie Leibovitz viele Frauen vor die Kamera bekommen: Politikerinnen wie Hillary Clinton, Geschäftsfrauen wie Sheryl Sandberg, Künstlerinnen wie Patti Smith, Forscherinnen wie Jane Goodall, Schauspielerinnen wie Meryl Streep, Aktivistinnen wie Malala Yousafzai.

In einem Interview hat sie einmal gesagt, dass ihr meist nur eine Viertelstunde bleibt für ein Fotoporträt – wenn das zutrifft, sind ihre Bilder umso gründlicher vorbereitet, denn Annie Leibovitz inszeniert Menschen in einer Weise, bei der kein Detail dem Zufall überlassen scheint. Malala, die ein Attentat der Taliban überlebte und seither umso lauter für das Recht der Mädchen auf Bildung streitet, steht mit gefalteten Händen in einem Klassenzimmer, das wirkt, als seien die Schulkinder gerade erst herausgestürmt. Adele lehnt mit geschlossenen Augen an einem Klavier, eine Hand auf den Tasten. Elizabeth II. steht, zur Seite blickend, in einem Saal des Palastes, sie selbst und alles Inventar sieht aus wie gemalt. Die Tennisprofis Venus und Serena Williams legen schützend ihre durchtranierten Arme umeinander. Die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ist in einem klassischen Porträt festgehalten, ebenso die Primatologin Jane Goddall. Das Foto von der Frauenrechtlerin und Anwältin Andrea Medina Rosas erweckt den Eindruck, als habe Annie Leibovitz sie nach Feierabend auf dem Heimweg abgepasst.

Auch ältere Bilder sind zu sehen, so das Coverfoto von John Lennon, der sich nackt an die bekleidete Yoko Ono schmiegt, entstanden wenige Stunden vor seiner Ermordung, und natürlich eine Aufnahme von Susan Sontag, der Lebensgefährtin von Annie Leibovitz – entstanden zu Lebzeiten der Publizistin. Für das Veröffentlichen von Fotos, die Leibovitz von ihrer sterbenskranken und schließlich toten Freundin gemacht hat, ist sie von unter anderem von Susan Sontags Sohn heftig angegriffen worden.

Im ersten Ausstellungsraum liegen Bildbände aus, es gibt Sitzgelegenheiten, um in Ruhe darin zu blättern. Der zweite Raum präsentiert die Fotos digital auf großen Bildschirmen und ausgedruckt an einer Stellwand. Wenn man sie mit dem am Eingang erhältlichen Flyer in der Hand abschreitet, bekommt man biografische Informationen zu Annie Leibovitz‘ Protagonistinnen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 6. November 2016 in Frankfurt zu sehen.

Durchs Frankfurter Städel des 19. Jahrhunderts laufen

Das Städel Museum von 1878. Bild: Städel Museum

Das Städel Museum von 1878. Bild: Städel Museum

Ich stehe vorm Eingang des Städel Museums am Schaumainkai, und der Boden unter meinen Füßen verschwindet. Der gepflasterte Fußweg, die beidseits auf die Treppen des Portals zuläuft, ist weg. Auch die Skyline auf der anderen Seite des Mains ist nicht mehr da. Das Museum selbst wirkt äußerlich unverändert, Dürer und Holbein stehen an ihrem gewohnten Platz und empfangen die Besucherin des Jahres 1878 als Statuen links und rechts über dem Eingang – ganz so wie heute.

Die VR-Brille drückt ein wenig – das liegt daran, dass ich darunter meine normale Brille trage. Was ich sehe, ist aber so realistisch, dass ich das umgeschnallte Ding auf meinem Kopf schnell vergesse. Ich befinde mich im Jahr 1878, der Museumsneubau am Ufer ist soeben eröffnet worden. Ich trete ein, um mir das Haus so anzuschauen, wie es zur Einweihung aussah, und die Gemäldegalerie jener Zeit exakt so vorzufinden, wie sie damals konzipiert war.
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