Droste in Bonn (3): Abschiede

Willkommen zum dritten und letzten Teil der kleinen Zeitreise in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, zu Orten in Bonn und Umgebung, die mit Annette von Droste-Hülshoff in Verbindung stehen. Zwischen 1825 und 1846 hält sich die Autorin aus Westfalen immer wieder bei ihren Verwandten am Rhein auf.  Sie erlebt eine junge, aufstrebende Universitätsstadt, knüpft eine ganze Reihe interessanter Kontakte in den Salons und schließt Freundschaften fürs Leben.

Münsterplatz in Bonn. Bild: Monika Gemmer

Zu den wichtigen Begegnungen am Rhein gehört jene mit Sibylle Mertens-Schaaffhausen. Die Archäologin und die Dichterin, beide Jahrgang 1797, haben viele gemeinsame Interessen. Annette von Droste erfährt im Mertensschen Salon literarische Anerkennung, amüsiert sich an ihrer Seite beim Kölner Karneval, steht ihr in Krankheitszeiten bei – und muss schließlich eine große Enttäuschung wegstecken.

Vom 20. Juli bis Anfang August 1835 ist Annette von Droste zum vierten Male in Bonn, diesmal auf der Durchreise nach Eppishausen in der Schweiz, wo Schwester Jenny und Schwager Joseph von Laßberg zu dieser Zeit leben. Erneut wohnt sie bei bei ihrem Onkel Moritz, dem Halbbruder ihrer Mutter, und Tante Sophie am Bonner Vierecksplatz.

Es gibt einen konkreten Anlass für den Zwischenstopp: Die Dichterin will sich die Abschriften ihrer Versepen „Das Hospiz auf dem Großen Sankt Bernhard“ und „Des Arztes Vermächtnis“ zurückholen, die sie im Jahr zuvor an  Sibylle Mertens geschickt hat, verbunden mit der Bitte, die Werke mit Blick auf eine mögliche Veröffentlichung begutachten zu lassen. Die Freundin hat auch gleich zugesagt, sich darum kümmern zu wollen. Aber dann meldet sie sich nicht mehr. Funkstille. Monatelang wartet Annette zuhause im Rüschhaus bei Münster vergeblich auf Post vom Rhein.

Sibylle Mertens-Schaaffhausen. Zeichnung von Ludwig Krevel, um 1834.

Im Februar 1835 will sie endlich Klarheit. Annette von Droste setzt sich an ihren Schreibtisch und schreibt Sibylle einen Brief, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt.

Von früherhin ließe sich allerdings manches sagen, und müsste sogar gesagt werden, aber für dieses Mal wird’s nicht gehen, mein Kopf läuft mit mir um. Nur so viel, ich war Dir böse und bin es nicht mehr, denn ich habe mich entschlossen, jenes, was mich kränkte, und zu verschiedenen Zeiten oft und sehr gekränkt hat, in Zukunft als etwas Unabänderliches zu tragen. Ich meine Deine Unfähigkeit, persönliche Mühe für Freunde zu übernehmen, selbst wenn der Erfolg für jene von Wichtigkeit und die Mühe gering wäre.

Du kannst wohl nicht zweifeln, dass für dieses Mal von meinen Gedichten die Rede ist, die ich so mühsam für dich abschrieb, und dafür nichts verlangte, als dass du sie mir mit Adelen und D’Alton kritisch durch sehn mögest, da ich befürchte, dass durch all zu vieles Streichen manches unzusammenhängend geworden, dem aber durch Einschieben des Gestrichenen leicht zu helfen, auch sonst, fürchtete ich, sei manches zu gewagt et cet. Du magst das Weitere in den zwei zu jener Zeit geschriebenen Briefen nachsehen, heute darf ich kein überflüssiges Wort schreiben. Ferner um Anweisung bat ich, an wen ich mich wohl wegen des Verlags zu wenden, und auf welche Weise. Hättest du nur nicht so enthusiastisch, so überaus dienstwillig geantwortet, und hätte ich dir nur nicht so fest geglaubt und mit so ängstlicher Spannung von einem Posttage zum andern geharrt, es würde mich weniger geärgert haben, dass so gar nichts geschehn ist, ich würde nicht so allen Mut und Lust verloren haben, je wieder etwas unternehmen. Doch passons la dessus!

Dieses heftige Eingreifen und schnelle Fahrenlassen ist eine stehende Eigenschaft bei Dir, aber nur des Kopfes, vielmehr der Phantasie, keineswegs des Herzens, deshalb kann ich sie Dir übersehen und Dich lieben wie zuvor.

Trotz klarer Worte versucht sie, an die alten Bande anzuknüpfen. Sie berichtet von der geplanten Reise zu  Schwester und Schwager in der Schweiz und kündigt ihren Zwischenstopp in Bonn an.

Wahrscheinlich reisen wir nächsten Frühling (Mai) hin, d. h. die Mutter und ich, dann geht’s über Bonn und auf einige Stunden nach Plittersdorf. Das ist mir aber zu wenig. Du musst es möglich machen, auf einige Tage nach Bonn zu kommen, denn so lange, denke ich, wird Mama sich wohl von ihrem Bruder halten lassen. Ich will’s nur bekennen, so wenig Du es verdienst, dass ich mich recht herzlich, Dich wiederzusehn, sehne.

Wieder keine Reaktion.

Es wird wohl eine Mischung aus Wut und Hoffnung gewesen sein, mit der Annette im Juli 1835 schließlich an die Tür des Bonner Hauses klopft, in dem die Freundin seit wenigen Jahren wohnt.

Wilhelmstraße

Das Ehepaar Mertens-Schaaffhausen hat seinen Lebensmittelpunkt 1832 von Köln nach Bonn verlegt. Sommers ist man ja ohnehin schon in der Nähe der Stadt, auf dem Auerhof in Plittersdorf. In der Bonner Wilhelmstraße, damals so eine Art Neubaugebiet, lassen Sibylle und Louis sich eine repräsentative Villa errichten.

Im Obergeschoss bringt die Altertumsexpertin ihre umfangreiche Sammlung von Münzen und Gemmen unter, den Salon im Erdgeschoss öffnet sie wie zuvor schon in Köln für Gesellschaften, Konzerte und Lesungen.

Das Bild zeigt den Wilhelmsplatz und die von dort abgehende Wilhelmstraße um 1835, also zur Zeit, als Annette von Droste hier vorstellig wurde. Von hier aus gesehen stand die Mertens-Villa hat auf der rechten Seite der Wilhelmstraße. Bild: Stadtarchiv Bonn

Annette von Droste-Hülshoff trifft Sibylle Mertens in der Wilhelmstraße nicht an. Die Freundin ist wortlos nach Italien abgereist, ursprünglich des Klimas und ihrer Gesundheit wegen, später wird sie ganz dort leben wollen. Annette ist stinksauer. Noch Monate später, im Spätherbst 1835 und noch in der Schweiz weilend, später macht sie sich in einem Brief an ihren Münsteraner Mentor Christoph Bernhard Schlüter Luft:

Was fand ich in Bonn? Nichts! Nämlich die Frau Mertens abgereist nach Italien, wo sie ein rundes Jahr zu bleiben gedenkt; mein Manuskript unsichtbar geworden; entweder mitgenommen oder verliehen oder verlegt; weder ihr Mann, noch ihre Töchter, noch ihre Freunde meinten andres, als dass es seit wenigstens einem halben Jahre wieder in meine Händen sei.

Was Annette von Droste nicht weiß: Sibylle Mertens hat das erbetene Gutachten bei Eduard d’Alton durchaus eingeholt. Allerdings war der Kunstkritiker alles andere als begeistert über das, was die Westfälin zu Papier gebracht hat. Über „Des Arztes Vermächtnis“ urteilt er:

Es ist eine Folge höchst malerischer und interessanter Szenen, weniger aber ein befriedigendes, wohltuendes Ganzes.

Und beim Epos „Das Hospiz auf dem Großen Sankt Bernhard“ wittert er gar Nachahmung.

Bemerken muss ich hier auch, dass, bei großer Fertigkeit im Reimen, eine mitunter seltsame Härte der Sprache und des Versbaus, fast an gewisse steife Übersetzungen der Gedichte Scotts erinnert, so dass man auf den Gedanken gerät, unsere Freundin habe ihr Vorbild nur in Übersetzungen vor Augen gehabt und studiert.

Hier liegt der Grund für Sibylles Verhalten: Sie bringt es schlicht nicht über sich, das harsche Urteil an die hoffnungsfrohe Dichterin zu übermitteln – zumal sie selbst die Erfolgsaussichten einer Buchveröffentlichung kritisch sieht, wie sie später schreibt:

Die Droste besitzt wirklich poetisches Talent, Phantasie, Darstellung und große technische Fertigkeit. Mich hatte früher manches Erzeugnis ihres Geistes höchlich erfreut; es waren die Gaben einer Dilettantin, und so gewannen sie von dem Unbeabsichtigten schon einen lieblichen Reiz; nun wollte sie als Dichterin auftreten, drucken lassen, und in meinen Augen stellten sich also für Lob und Tadel ganz andere Bedingungen heraus.

Ich dachte mich in die Stelle des Publikums hinein, fast gewaltsam, weil ich die Droste als Freundin liebte, und musste nun hier und dort, wo ich sonst applaudiert hatte, verstummen. Sie aber begriff das nimmermehr: und so ging ein inniges Verhältnis fast auseinander, weil ich die allerliebsten Verse meiner Freundin weniger geeignet fand für den Druck und die Öffentlichkeit, als für die Schreibtafel und das Ohr eines befreundeten Kreises.

Leider verlor ich nicht nur das Vertrauen der Freundin, sondern mein Urteil bewährte sich noch als richtiges. Annettens Buch ging unbeachtet vorüber, aber seitdem es erschienen ist, macht man an ihren poetischen Erzeugnissen weit höhere Ansprüche als früher, und somit ist sie nicht nur in den Augen des Publikums unbedeutend als Dichterin, sondern der engere Kreis ihrer Bekannten findet sie nicht mehr auf ihrer früheren Höhe.

Annette von Droste aber ahnt nichts von diesen Beweggründen, als sie im Juli 1835 in der Bonner Wilhelmstraße ankommt und dort weder die Freundin noch die Verse vorfindet. Gut 180 Jahre später spaziere ich die Straße entlang, die von der Innenstadt aus Richtung Nordosten verläuft, und will schauen, ob ein Überrest der Villa, dem Schauplatz dieser Enttäuschung, die Zeit überdauert hat.

Blick vom Wilhelmsplatz in die Wilhelmsstraße heute. Bild: Monika Gemmer

Bekannt ist, dass Sibylle Mertens nach dem Tod ihres Mannes (er stirbt 1842) neben dem Auerhof auch das Stadthaus verkaufen muss, um die Erbansprüche ihrer Kinder und Schwiegerkinder zu befriedigen. Die nämlich zerren sie vor den Kadi – auch eine späte Rache für die empfundene Vernachlässigung, vor allem aber Strafe für Sibylles Lebensweise.

In der ehemaligen Mertens-Villa richtet die Bonner Universität ein Institut ein: Einem zum 100-jährigen Hochschul-Jubiläum erschienenen Buch1 ist der Hinweis zu entnehmen, dass die Hochschule das Anwesen im Jahr 1866 zunächst mietet und im Jahr darauf kauft, um darin die Pathologie unterzubringen. Diese Nutzung  wird auch in einer 1935 erschienenen Mertens-Biografie2 erwähnt, die ich in der Bonner Stadtbibliothek gefunden habe.

Über das weitere Schicksal der Villa gibt ein Band aus der Reihe „150 Jahre Rheinische Friedrich Wilhelms Universität zu Bonn“3 Auskunft: Demnach zieht im Jahr 1890 die Pathologie aus und die Pharmakologie ein. 1903 wird das Gebäude Sitz der Medizinischen Poliklinik.

1944 treffen Bomben das Haus, es wird zerstört.

Zwischen 1955 und 1965 baut man die Poliklinik wieder auf. Die Adresse bleibt die alte: Wilhelmstraße 33.

An der Nr. 33 angekommen, stehe ich stehe ich vor einem langgestreckten Gebäude. Eine Poliklinik ist hier nicht mehr zu finden: Sie wurde vor mehr als zehn Jahren geschlossen. Nach langem Leerstand hat das Gebäude nun eine neue Bestimmung gefunden – eine, die der engagierten Bürgerin und Demokratin Sibylle Mertens vielleicht gefallen hätte. Sie ist Unterkunft für geflüchtete Menschen.

Die ehemalige Poliklinik in der Wilhelmstraße steht an der Stelle, wo sich früher die Mertens-Villa befand. Bild: Monika Gemmer

Nur wenige Straßen weiter, in einem verwinkelten Antiquariat in der Wolfstraße, finde ich ein Buch mit einem Lageplan, der den Standort der früheren Mertens-Villa bestätigt. Dieter Körschner, der in einem Beitrag für eine Festschrift über das Landgericht4 die Geschichte der Wilhelmstraße aufgeschrieben hat, erwähnt den Kauf eines der Grundstücke durch die Familie Mertens.

Der „Sitationsplan“ von 1830 verzeichnet das Grundstück der Familie Mertens. Bild: Stadtarchiv Bonn

Dieser Chronik ist übrigens auch zu entnehmen, dass Louis Mertens die Stadtoberen damals unter Druck gesetzt und ihr das Areal aus den Rippen geleiert hat, ohne den eigentlich fälligen „Kaufschilling“ von mehreren hundert Talern zu zahlen. Der damalige Bonner Oberbürgermeister fand schließlich,

… dass es für die Stadt nützlicher ist, auf diesen nicht bedeutenden Kaufschilling zu verzichten, als diese Gelegenheit vorbeigehen zu lassen, für den Ausbau der Straße einen wohlhabenden Mann zu gewinnen. Der Verlust von 200 Talern wird hinreichend durch den Vorteil aufgewogen, dass die Stadt ein schönes großes Haus mehr erhält, denen es nach seiner Vollendung an bemittelten Bewohnern nicht fehlen wird, und wodurch der erste Zweck der Anlage der neuen großen Wallstraße so wesentlich befördert wird.

Sibylle bewohnt das Haus nach dem Tod ihres Mann nicht mehr regelmäßig. Sie verbringt viel Zeit in Italien, teilweise zusammen mit Adele, deren Mutter Johanna im Jahr 1838 gestorben ist. Beide Frauen sind nun frei von Verpflichtungen. Ihre Beziehung hat in den zurückliegenden Jahren viele Höhen, Tiefen und auch Trennungen durchlaufen. Nun wollen sie ihren Lebensabend gemeinsam verbringen.

Doch dazu kommt es nicht mehr.

Eine letzte Station auf meiner Spurensuche in Bonn steht noch aus.

Alter Friedhof

Als der Alte Friedhof in Bonn im Jahr 1715 angelegt wurde, lag er außerhalb der Stadt. Jetzt ist er mittendrin und bildet einen grünen, vom Straßenverkehr umbrausten Flecken. Hinter seinen Mauern lässt sich sich die Geräuschkulisse ringsum schnell vergessen. Ich mag Friedhöfe, und dieser gehört zu den besonderen Orten dieser Art. Berliner Bildhauer schmückten die Gräber reich mit Kunstwerken aus, und der alte Baumbestand unterstreicht den Parkcharakter des Friedhofs.

Der Alte Friedhof in Bonn besteht seit mehr als 300 Jahren. Bild: Monika Gemmer

Viele bekannte Persönlichkeiten haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Ihr Sohn ist auch der wohl berühmteste Sohn Bonns: Hier ruht Maria Magdalena Beethoven. Bild: Monika Gemmer

Charlotte Schiller und ihr Sohn Ernst sind in Bonn beerdigt, Ehemann und Vater Friedrich Schiller ruht in Weimar. Bild: Monika Gemmer

Christoph Dahlmann war Historiker und Abgeordneter der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche – und ist Namensgeber der Straße, in der ich in Frankfurt wohne. Bild: Monika Gemmer

Eines der aufwändigen Grabdenkmäler auf dem Alten Bonner Friedhof ist das von Clara Wieck und ihrem Mann Robert Schumann. Bild: Monika Gemmer

Die Ärztin und Gründerin der Deutschen Krebshilfe Mildred Scheel starb 1985. Bild: Monika Gemmer

Beim Rundgang lese ich auf den Grabmälern Namen, die mir auf meiner Spurensuche begegnet sind: August Wilhelm Schlegel, Ernst Moritz Arndt, Karl Simrock. Pauline von Droste-Hülshoff und ihr Mann Clemens.

Eher schlicht: Grabstätte des Historikers und Freiheitskämpfers Ernst Moritz Arndt. Bild: Monika Gemmer

Pauline von Droste-Hülshoff, die angeheiratete Cousine der Dichterin, überlebte ihren Mann Clemens um fast 40 Jahre. Sie starb 1871. Clemens, ursprünglich in Wiesbaden beerdigt, ruht inzwischen ebenfalls in Bonn. Bild: Monika Gemmer

Und schließlich stehe ich vor dem Grab von Adele Schopenhauer.

Der Grabstein von Adele Schopenhauer auf dem Alten Friedhof in Bonn Bild: Monika Gemmer

Adele Schopenhauer ist seit Jahren krebskrank. Kein Arzt vermag ihr zu helfen, hilflos schickt man sie zu sinnlosen Kuren nach Karlsbad. Sibylle ist gerade in Rom, als sie die Nachricht bekommt, dass sich Adeles Gesundheitszustand dramatisch verschlechtert hat. Sie macht sich sofort auf den beschwerlichen Weg über die Alpen, durchquert das von Kriegen und Aufständen erschütterte Europa, sucht und findet Adele, holt sie in ihr Bonner Haus in der Wilhelmstraße. Dort steht sie ihr bei bis zum Schluss. Am 25. August 1849 erlöst der Tod Adele Schopenhauer von ihren qualvollen Schmerzen. Sibylle trägt sie auf dem nahen Friedhof zu Grabe.

Das Grabmal, das sie ihr errrichtet, hat die Zeit überdauert.

In der Grabstätte Adele Schopenhauers findet später auch Sibylles Tochter Auguste ihre letzte Ruhe. Bild: Monika Gemmer

„Hier ruht Luise Adelaide Lavinia Schopenhauer nach einem Leben von 52 Jahren ausgezeichnet von Herz, Geist, Talent, beste Tochter, zärtlich und treu ihren Freunden ertrug sie mit edelster Seelenwürde Wechselfälle des Schicksals, und lange schmerzhafte Krankheit mit heiterer Geduld. Sie fand das Ende ihrer Leiden am 25. Aug. 1849. Das Grabmal errichtete die untröstliche Freundin Sibylle Mertens-Schaaffhausen.“ Bild: Monika Gemmer

Annette von Droste-Hülshoff ist bereits ein Jahr zuvor in Meersburg gestorben. Sie und Sibylle hatten sich zuvor wieder angenähert, doch die alte Verbundenheit aus der gemeinsamen Zeit am Rhein ließ sich nicht wiederherstellen.

Sibylle Mertens verlässt Bonn nach Adeles Tod endgültig und zieht nach Italien. Sie stirbt am 22. Oktober 1857 in Rom.

Droste in Bonn (1): Reisen in eine andere Welt

Droste in Bonn (2): Belastungsproben

2 Kommentare

  1. Vielen Dank auch für diesen dritten und wieder sehr spannenden, aber auch berührenden dritten Teil dieser Serie über Annette von Droste-Hülshoff in Bonn. Ich habe viel dazu gelernt.

    Schon irgendwie tragisch, dass es ausgerechnet ein erbetener Freundschaftsdienst war, der die Freundschaft zwischen Annette und Sibylle so tiefgreifend erschüttert und für immer verändert hat. Ich habe mich unwillkürlich gefragt, was wäre passiert, wenn Sibylle den Mut zu offenen Worten gefasst hätte. Hätte das genauso zu einem Bruch und einer dauerhaften Erschütterung der Freundschaft geführt oder nicht. Es bleibt aber natürlich Spekulation, genaues wird man nie wissen.

    Danke, dass Du diese Serie gebloggt hast. Wäre das nicht auch mal Stoff für einen großen Artikel im Feuilleton einer der großen Zeitungen? Ich finde ja schon! :-)

  2. Hi Liisa, erneut danke für deinen Kommentar!

    Tja, was wäre wenn … wer weiß, ob es einen Unterschied gemacht hätte. Annette wäre sicher auch sehr verletzt gewesen, hätte Sibylle sie offen damit konfrontiert, wie sie und der um das Gutachten gebetene Kritiker ihre Werke einschätzen.

    Sie und Sibylle haben sich wiedergesehen, Sibylle hat Annette 1843 im Rüschhaus besucht, und die beiden haben ihre Freundschaft erneuert. Die Briefe Annettes sind überschwänglich:

    Alte Billa, wie froh bin ich, dass jetzt alles zwischen uns wieder rein und fest ist, ich habe Deine Liebe so schwer und bitter verloren gegeben, soll ich mich denn jetzt nicht freuen? Indessen ist uns doch eine schöne unwiederbringliche Zeit darüber verlorengegangen, und dergleichen darf nicht wiederkommen. Es kömmt auch nicht, diese Überzeugung trage ich in mir, und Du gewiss auch. (…) Wahrlich, Billa, unser Verständigen miteinander, das Wiedereintreten des alten innerlich belebenden Verhältnisses hat mir so wohl getan, dass ich ihm allein die bessere Wendung meiner Krankheit zu verdanken glaube.

    Dann aber muss zwischen Juli und August 1843 etwas vorgefallen sein. Der Kontakt bricht plötzlich ab, und diesmal für immer. Annette verbringt mehrere Tage damit, Sibylles Briefe zu verbrennen. Was wohl passiert ist? Womöglich ist doch noch etwas offen ausgesprochen worden? Niemand weiß es.

    Fürs Feuilleton der FR hab ich im letzten Jahr einen größeren Text über AvD geschrieben, und der nächste ist schon verabredet. Meine lieben Kolleg*innen dort grinsen schon, wenn ich mit der Droste um die Ecke komme, sie kennen ja mein Faible und sind immer sehr aufgeschlossen. ;)

    Liebe Grüße!

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