Gutes neues Jahr!
Um Weihnachten herum hat ein/e Unbekannte/r im Frankfurter Nordend Geschenke verteilt – auf Zetteln, zum Mitnehmen. Auch an der Eingangstür meiner Friseurin hing eines Morgens dieses Blatt Papier: “Take what you need” stand handschriftlich darauf, und darunter eine Reihe von Eigenschaften zum Abreißen. Als ich des Weges kam, waren noch Weisheit, Stärke und Courage zu haben.Schon ein paar Tage zuvor sprach Bertolt Brecht aus dem Zitate-Adventskalender zu mir: “Umwälzungen finden in Sackgassen statt.” In diesem Sinne: Auf ins Jahr 2013!
Diagramme im Handumdrehen
Datawrapper ist ein Open-Source-Projekt der Akademie für berufliche Bildung der Zeitungsverlage, kurz ABZV. Ich hatte auf der re:publica 2011 erstmals von dem Werkzeug gehört, Anfang 2012 ging die Beta online, im November 2012 erschien die Version 1.0. Mit Datawrapper haben wir Online-Redaktionen nun wirklich keine Ausrede mehr, warum wir aus all den Zahlen und Statistiken, die uns fast täglich auf den Tisch resp. den Bildschirm kommen, nicht mal eben schnell eine ansprechende Grafik zum Einbetten erstellen.
Die Web-Oberfläche von Datawrapper ist sehr übersichtlich und führt Nutzer Schritt für Schritt bis zur fertigen Grafik. Die Daten werden entweder als .csv-Datei hochgeladen oder direkt aus einer Tabelle in das Datenfeld kopiert. Datawrapper stellt sie im nächsten Schritt als Tabelle dar und bietet Optionen unter anderem für das Zahlenformat, aber auch (wichtig!) ein Feld für die Quelle und einen Link dorthin.
Im nächsten Schritt werden die Daten visualisiert. Dabei hat man die Wahl zwischen Balken-, Linien-, Kreis- oder Donut-Diagramm. Wenn man noch keine genaue Vorstellung hat, probiert man einfach mal alles durch – es zeigt sich schnell, welches Chart geeignet ist, um aus den Daten eine informative und verständliche Infografik zu machen.
MehrZum Beispiel …
Oh: Meine Storify-Sammlung zur Affäre Wulff taucht als Beispiel in der Präsentation “Journalismus-Trends im Digitalen Zeitalter” von Bernd Oswald auf. Schön.
Kurz geknipst
Jüdische Frankfurter – und was aus ihnen wurde

Stolpersteine auf dem Weg zu meiner Arbeit: Hermann und Paula Eschwege wohnten in der Wittelsbacher Allee. Ihre Geschichte beim Klick aufs Bild.
Wohl fast jeder, der mit offenen Augen durch Deutschlands Straßen geht, ist schon einmal über einen dieser messingfarbenen Pflastersteine für Opfer des Nationalsozialismus gestolpert: “Hier wohnte” steht darauf eingraviert, gefolgt von einem Namen, dem Geburtsdatum, dem Ziel der Deportation und, soweit bekannt, dem Todesdatum. Bis zum Jahresende werden 38.000 davon verlegt sein, die meisten in Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern Europas – eine mit Preisen bedachte Initiative des Künstlers Gunter Demnig.
Aus Frankfurt am Main wurden etwa 12.000 Menschen deportiert, die meisten in den Jahren 1941 bis 1945. An 700 von ihnen erinnert jeweils ein Stolperstein, eingelassen in das Pflaster vor dem letzten Wohnhaus. Doch können diese Zahlen wirklich einen Eindruck davon vermitteln, wie viele Frauen, Männer und Kinder in dieser Zeit gewaltsam aus ihrem Leben und aus der Mitte einer Stadtgesellschaft gerissen wurden? Die Opfer der Nazis lebten nicht irgendwo abgeschirmt, sondern waren Nachbarinnen und Nachbarn, im Westend, in Bockenheim, im Gallus, in Sachsenhausen, im Nordend, in Eschersheim, im Ostend, in Höchst. Wohin wurden sie verschleppt, nachdem die Nazi-Schergen sie im Morgengrauen aus ihren Wohnungen geholt und zu Sammelstellen wie der Großmarkthalle getrieben hatten? Wie viele Menschen deportierte die Gestapo nach Theresienstadt, nach Lodz, Kaunas, nach Auschwitz, Majdanek und in andere Ghettos und Konzentrationslager? Wem gelang die Flucht? Wie viele nahmen sich das Leben?
MehrIm Glashaus
Die Aussicht, im Zuge der energetischen Sanierung unseres Hauses den Balkon einzubüßen, fand ich wenig berauschend. Doch da halfen kein Protest und kein Gejammer: Der Mini-Freisitz müsse verglast werden, beteuerte der Bauleiter und verwies auf eine Kältebrücke.Nach drei leidvollen Monaten mit viel Lärm und Dreck ist unser Haus nun wieder da: das Gerüst abgebaut, Fassade gedämmt, Fenster und Dach neu, der Balkon verglast (mit der Möglichkeit, die Fenster zu öffnen) – und siehe da: Es ist wunderbar, auch im Winter “draußen” sitzen zu können!
Und so sieht das aus:
MehrWarum man Väter lieben muss
Übrigens: Meine FR-Kollegin und Socia-Media-Expertin Tanja Morschhäuser hat eine Twibbon-Kampagne für die FR gestartet; mit der Facebook- und Twitter-Nutzer ihre Sympathie für die Frankfurter Rundschau bekunden können.
Mind the doors!
Da ist noch ein Mitbringsel aus London. Kurz, bevor ich den Aufnahmeknopf drückte, hatte dieser U-Bahn-Fahrer seinen Fahrgästen mitgeteilt, dass er so ziemlich pünktlich in der Station Canary Wharf ankommen würde, wo die regionalen Anschlusszüge noch fahren; und sollten wir unseren trotzdem verpassen, mögen wir doch bitte jemand anderen dafür verantwortlich machen – alles in einem ausgewiesen britisch-freundlichen Ton. Dieses Highlight blieb der Nachwelt leider nicht erhalten. Aber hörenswert ist auch seine ausgesprochene Sorge um unsere körperliche Unversehrtheit:
Ganze Imperien vergehen!
Gerade, als ich beim 25-jährigen Abitreffen in eine pathetische Trauerrede für eine gewisse von der Insolvenz bedrohte Traditionszeitung verfalle, sagt mein Gegenüber: “Ach weißt du – nichts hält ewig, auch wenn es noch so lange Bestand hatte. Mir kannst du’s glauben.”
Ich fixiere ihn über den Rand meines Glases hinweg und frage: “Sag mal, was machst du noch gleich beruflich?”
“Ich bin Archäologe.”
Viele Stunden später, als meine alte Freundin K. und ich aus dem Restaurant in die Nacht laufen, ist es heimlich, still und leise Winter geworden. Einen Augenblick lang bleiben wir perplex stehen und schauen fasziniert auf die Schneelandschaft. Dann tapsen wir los und machen fröhlich wie kleine Kinder die ersten Spuren in das unberührte Weiß.












