Tschüss, 2010

Anfangs warst du kühl, in der Mitte ziemlich nass und zum Ende hin lausig kalt. Du hast mir lustige Tage beschert und ernste, neue Orte gezeigt, alte Erinnerungen geweckt. Du hast mir ein paar Kilo Lebendgewicht genommen (und inzwischen zurückgegeben), hast mich getrietzt, herausgefordert und bewegt, hast mir eine Menge Aufgaben gestellt. 2010, du warst echt anstrengend! Ich glaube, du hast mich weit mehr als nur das eine Lebensjahr gekostet, das ich dir schuldig war. Nun biste selbst am Ende. Wir werden uns nicht wiedersehen. Aber ich denk manchmal an dich, bestimmt.

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Der gehört so

Habe gerade einen gutaussehenden Stiefel aus dem Regal im Schuhladen genommen, um ihn näher zu betrachten, als unvermittelt eine unbekannte Frau hinzutritt, mit dem Finger in Richtung Stiefel fuchtelt und laut vernehmlich “Igidd!” ruft. Ich so: “Wie bitte?” Sie so: “Doa hot doch tatsäschlisch jemand en oalde Schuh oafach ins Regal geschdellt. ” Ich so: — (*starre konsterniert den von mir gewählten Stiefel an*) Sie so (zur Verkäuferin): “Gucke Sie mol, ein gedrachener Schuh!” Verkäuferin so (*nimmt mir wortlos den Stiefel aus der Hand, dreht und wendet ihn*) “Noa, der gehärt sou. Der muss sou aussäje.” Und zu mir: “Wollese ma noischluppe?” Ich entscheide mich spontan dagegen und für ein anderes Modell.

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Petra ist da

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Im Kern

Eigentlich wollte ich das Buch gar nicht lesen. Ich konnte nie so recht etwas anfangen mit Christoph Schlingensief. Seine Aktionen fand ich oft eher verstörend, vermutlich eben, weil sie irgendwie entlarvend waren – diese Ausländer-raus-Sache mit den Asylbewerbern im Container kann ich mir bis heute nicht ansehen, ich würd’ mich nur aufregen. Und die Operninszenierungen sind vermutlich einfach zu kompliziert für mich.

Vor ein paar Tagen habe ich das Buch dann doch mitgenommen, als ich nach dem Weihnachtsmarktbesuch noch im Buchladen auf der Neuen Kräme war: “So schön wie hier kann’s im Himmel gar nicht sein”, Christoph Schlingensiefs Krebstagebuch. Eine Diagnose, eine Krankheit, ein Schlag wie aus dem Nichts, und das Leben ist von einem auf den andern Moment auf den Kopf gestellt. Leben im Ausnahmezustand. Warum lese ich sowas? Kenne ich das nicht?

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