Schickt! Mich! Weg!

Fast zwei Jahre schon seit meiner letzten Tour. Höchste Zeit, sich mal wieder in den Fahrradsattel zu setzen und eine Woche durchzustrampeln – aber wohin? Die Lauenburg-Ostsee-Strecke fiel im vergangenen Jahr dem G8-Gipfel zum Opfer, aber vielleicht sollte ich die Pläne reaktivieren? Oder eine entspannte Tour am Rhein entlang, etwa Mainz – Köln? Ach, wisst ihr was: Sucht’s euch aus. Ich habe schon immer einen Anlass gesucht, hier ein bisserl Webzwonull-Citizen-Journalism-Online-Democracy reinzubringen und dieses Poll-Plugin zu testen.

Die Ausgangslage: Eine Woche Zeit, innerhalb Deutschlands, Tagesetappen 50 bis 60 Kilometer. Irgendwo am oder zum Wasser. Flach, wenn’s geht. Entspannt. Schön. Hier abstimmen – oder eigene Touren-Vorschläge in die Kommentare. Als Belohnung wartet ein Reisebericht. Dankeschön. Also, wo geht’s lang?

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Der Maler

F. betrachtet sich im Spiegel. Er begutachtet die feine, geschwungene Falte, die sich wellenförmig über seine Stirn zieht. Sie verläuft exakt parallel zu seinen Augenbrauen: Wo diese sich heben, beschreibt auch sie einen Bogen, und wo jene zu den Schläfen hin abfällt, senken sich die Brauen – als habe sie jemand auf dem Zeichenblock entworfen.

Untereinander fehlt den Augenbrauen diese Gleichförmigkeit. Die linke ist ein wenig größer als die rechte, buschiger und zu einem nicht ganz vollendeten Halbkreis gebogen, während die andere im spitzen Winkel über dem Auge verläuft. Sein Blick wandert zu seinem Mund, und er muss lächeln. Seine Lippen weisen die gleiche Asymmetrie auf. Alles findet seine Entsprechung. Eines Tages würde er Gesichter wie malen, Gesichter, die wie seines aussehen.

Heute Abend würde er ausgehen. Sicher, den Kragen seines Mantels würde er zuvor hochschlagen und einen Hut tief ins Gesicht ziehen. Die letzten 500 Meter würde er zu Fuß gehen und die Bar durch den Seiteneingang betreten. Aber er würde ausgehen. Der Krieg ist vorbei, seit neun Jahren. Dies ist Berlin. Hier gibt es viele Männer wie ihn, heißt es. Und sein Vater würde es nie erfahren.

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Doping aus dem Kopfhörer

Gewöhnlich laufe ich mit Podcast im Ohr, meist ist es eine Der-Tag-Sendung von HR2, das kommt längenmäßig ziemlich genau hin, oder drei bis vier Zeitzeichen-Geschichten von NDR Info, oder ein Funkhausgespräch von WDR 5 (wobei ich hier neulich unvermutet die Stimme meines Chefs im Ohr hatte – an meinem freien Tag.) Ich lasse mir gerne was erzählen, während ich so durch den Wald trabe – und ja, ich stelle auch ganz brav die Lautstärke so niedrig, dass ich nicht nur hinterrücks heranpreschende Radfahrer rechtzeitig höre, sondern auch noch was vom Vogelgezwitscher über mir mitbekomme. Wozu ist man schließlich draußen in der Natur?

Podcasts beim Sport haben für mich einen Vor- und einen Nachteil. Sie lenken mich wunderbar von der Müdigkeit in meinen Beinen ab. Aber sie machen mir auch keine – Beine, meine ich. Will sagen: Beim Hören von “Sein Kampf – Götz Aly rechnet mit 1968 ab” hat man vielleicht einige Aha-, aber keine Geschwindigkeitsrausch-Erlebnisse. Und mit einer Hart-aber-fair-Sendung zum Thema “Wer kann sich Altern in Würde leisten” im Ohr neigt man eher dazu, unterwegs schlaff die Schultern hängen zu lassen, statt sich an Tempo-Intervallen zu versuchen – nach dem Motto: “Ach – nützt ja eh nix mehr.”

Um mich zum gezielten Training zu motivieren, sind meine Stamm-Podcasts also ungeeignet. Ein spezieller Lauf-Podcast vielleicht? Ich habe ich es mit dem Jogmap-Trainingspodcast probiert – nicht schlecht, aber ich fühlte mich so beobachtet (“Noch ein bisschen schneller! Komm, da geht noch was! Los, anstrengen! Ja, schon besser.”)

Also doch lieber Musik, um auf Touren zu kommen? Aber was? Sting und Mercedes Sosa wärmen zwar die Seele – bei diesen sommerlichen Temperaturen ist das eher kontraproduktiv. Der ganze Jazz-Kram bringt’s nicht. Rebekka Bakken (“There are so many men, and I love all of them”)? Passt beim Laufen weder musikalisch noch textlich. Hilfe! Ich brauche Tipps. Welche Musik geht direkt vom Ohr in die Beine und verleiht auf halbem Weg dorthin Flügel? Verratet mir die effektivsten Songs auf eurer Lauf-Playlist!

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