Wege



Aufregend, diese Mitte des Lebens. Wenn man sich nicht darauf beschränkt, wehmütig der Vergangenheit oder verlorenen Freundschaften oder nicht ergriffenen Gelegenheiten nachzutrauern. Ein frischer Erfahrungswert: Mit 40 steht dir die Welt zwar nicht in jeder, aber doch in mancher Hinsicht noch offener als mit 20. Leichte Abstriche bei der Gewebefestigkeit muss man in Kauf nehmen, ok.

Ein Weg von vielenJedenfalls: Die Menschen, mit denen du damals um die Häuser gezogen, durch fremde Länder getrampt und Volkszählungen boykottiert hast, die sind nicht einfach verschwunden. Die gibt es noch. Sie sind irgendwo da draußen, sie haben wie du viel versucht und oft geirrt, sie arbeiten in einem Beruf, den sie lieben oder mit dem sie sich arrangiert haben oder den sie gerade hinschmeißen, um etwas Neues anzufangen, sie kümmern sich um ihre Kinder und haben ein Zuhause gebaut, vielleicht sind sie krank geworden und mussten lernen, wie dünn die Linie sein kann, auf der das Leben balanciert. Mit Sicherheit haben sie, seit ihr euch das letzte Mal gesehen habt, ungefähr ebensoviele selige und bedrückende Momente erlebt wie du, und wer weiß, vielleicht haben sie sogar ab und zu an dich gedacht und an die Sache damals mit dem Rotwein auf dem Olympiaturm nach einer durchgefahrenen Nacht oder an einen der vielen anderen, unvergesslichen Augenblicke.

Es ist so leicht, sie zu finden. Eine Kleinigkeit, sich ins Auto zu setzen, um sich wiederzusehen. Und inzwischen gibt es so unendlich viel zu erzählen, dass eine durchgemachte Nacht nicht reicht. (Vorausgesetzt, man hält so eine Nacht noch durch – mit 40 …)
Der Soundtrack zum Beitrag: James Blunt, 1973

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