Ablage B
Ort der Handlung: Die Produktionsfirma TV21 GmbH, die eine der peinlichsten Luftnummern in der deutschen Talkshows-Geschichte – Sabine Christiansen – als das Flaggschiff unter ihren Produktionen bezeichnet (da möchte man die Kutter gar nicht erst zu sehen bekommen…). Praktikant Horst T. (Name geändert) schickt sich am späten Montagvormittag an, die Unterlagen der vorangegangenen Sendung zu entsorgen.
- Hey, was machst du denn mit den Texten?
- Wegschmeißen. Sendung ist doch vorbei.
- Bist du zu retten? Die kann man doch noch gebrauchen! Her damit – daraus machen wir so’n Internet-Tagebuch-Dings, so’n – na, wie heißt das – Blog! Der Sabine-Christiansen-Blog!
Hat sich diese kleine Szene wirklich so zugetragen? Wir wissen es nicht. Für die Kurztexte aber, mit denen die Gäste in der Blubberrunde angekündigt werden, gibt es tatsächlich ein Leben nach der Sendung. Sie werden als Sabine Christiansen Blog zweitverwertet.
Der Untertitel verspricht übrigens: Sehen, was dahinter steckt. Liebe Christiansen-Blogger, ein gehaltenes Versprechen sieht aber anders aus! So zum Beispiel – ich darf mal kurz?

Nestbeschmutzung
So sieht sah das aus (Artikel online nicht mehr verfügbar), wenn die Frankfurter Rundschau über Weblogs schreibt: Gut abgehangene Anekdötchen ohne jeden Neuigkeitswert, mehrere sachliche Fehler (darunter zwei, die von Lernresistenz zeugen), Formulierungen, die die Frage aufwerfen könnten, ob dieses ganze Blogdings überhaupt verstanden wird, und als Dreingabe noch einen falsch geschriebenen Namen – da kommt’s dann scheinbar auch nicht mehr drauf an.
Wer im Dunkeln singt, sollte wenigstens die Töne treffen.
Update: In der morgigen Ausgabe (FR vom 1.11.) wird es eine Berichtigung zu den fehlerhaften Statistiken geben. Die konnten die Kollegen gleich abschreiben – exakt dieser Sachverhalt hatte bereits vor wenigen Wochen an gleicher Stelle richtiggestellt werden müssen.
MehrAlt-Kanzler endlagern
Das Praktische am Amt des Bundeskanzlers ist ja, dass man es im Grunde nicht mehr verlieren kann. Einmal aus der Regierung ausgeschieden, werden aus Kanzlern Alt-Kanzler. Ganz automatisch, ohne mühsame Bewerbungen, Vorstellungsgespräche, Auswahlverfahren oder dergleichen. Ex-Kanzler sind Alt-Kanzler, und das bis zum Lebensende – selbst, wenn sie das Gesetz brechen, mehrbändige Erinnerungsschwarten zu Papier bringen oder vor laufender Kamera Kette rauchen.
Das Volk wird sie einfach nicht mehr los.
Ich plädiere deshalb für eine Alt-Kanzler-Entsorgungsreform. Ehemalige Regierungschefs sind aus dem Amt des Alt-Kanzlers sowie aus sämtlichen Bücherregalen, Talkshows und sonstigen Formen des öffentlichen Lebens spätestens dann zu entfernen, wenn sie im offenkundigen Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte in einem Werbespot für die Bildzeitung auftreten. Das Gesetz sollte umgehend in Kraft treten.
MehrHeute, in der Redaktionsbesprechung
“Also, das Video, ich weiß nicht… sollen wir das wirklich online stellen?”
“Wir können ja behaupten, es sei ein Leser-Video.”
Die Rede war übrigens von diesen blaustichigen wackligen Bewegtbildern, die ich vom Überflug der Dornier 24 heute Mittag über Frankfurt mitgebracht hatte. Für eine gemeinschaftliche Fotostrecke hat’s auch gereicht.
MehrFR-Blog: Reset
So heiß, wie es im FR-Blog ein Jahr lang immer wieder hergegangen war, so still war es zuletzt darum geworden. Irgendwann rührten zu viele Köche in diesem Blogbrei, nicht immer taten sie es mit einem fröhlichen Liedchen auf den Lippen. Auch die Idee, die FR-Volontäre gemeinsam unter dem Namen einer Kunstfigur bloggen zu lassen, war vermutlich nicht die allerbeste. Kurzum: Auch bei der Rundschau musste man erkennen, dass verordnetes Bloggen über Gott und die Welt irgendwie doof nicht das Wahre ist.
Trotzdem (oder gerade deshalb?): Das FR-Blog bekam innerhalb kürzester Zeit eine Fangemeinde, die zu einem großen Teil wenig bis nichts mit der Blogosphäre am Hut hatte. Manchmal war das ganz wohltuend. Offensichtlich fühlte sich vornehmlich eine Klientel angesprochen, die an politischen Diskussionen mehr Interesse hatte als an spezifischen Bloggerthemen, an Nabelschau oder WebZwoNull-Fachsimpelei – ebenso verhielt es sich übrigens bei den bloggenden Redakteuren. Insofern lag das FR-Blog herrlich “daneben” – vermutlich ein Grund für seinen zeitweiligen Erfolg, und den hatte es, bei durchschnittlich 18 Kommentaren pro Beitrag, zweifellos.
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