Verdachtsmomente
Die S-Bahn muss aufgrund polizeilicher Anordnung geräumt werden. Bitte steigen Sie alle aus.
Langsam, ganz langsam schleicht sich so etwas wie Gewöhnung ein. Man verlässt die Bahn, ruft beim Arbeitgeber an, um die Verspätung mitzuteilen, plaudert mit den anderen Wartenden am Bahnsteig, fragt sich scherzend, ob es wirklich so sinnvoll ist, eine S-Bahn wegen des Verdachts auf eine Kofferbombe zu räumen und sie dann am überfüllten Bahnsteig stehenzulassen, und lacht dabei ein wenig unsicher.
Wir tun nur so routiniert. In Wahrheit schauen wir uns immer öfter um. Betrachten herrenlose Gepäckstücke besitzerinnen- besitzerlose Gepäckstückinnen und Gepäckstücke (der Grund auch für diese Räumung) mit wachsender Unruhe. Beobachten aus den Augenwinkeln heimlich unsere Mitreisenden. Vermutlich werden wir bald wieder aufs Auto umsteigen und, erleichtert am Steuer eine Zigarette rauchend, über die Landstraße rasen. Sicher ist sicher.
Bis dahin bekommen wir Rat vom Boulevard, der aus jedem (Fehl-)Alarm Auflage saugt. Wie kann ich einen Verdächtigen erkennen? … Schwitzende Personen, Reisende mit schwerem Gepäck, Schwangere, Personen mit Sonnenbrillen und Mützen.
MehrKlare Worte
Botschaft an die Medien: Das einzige, wovor die Presse mich verschonen soll, sind die ewigen Verleumdungen meiner selbst, die Fehlinterpretationen, die Besserwisserei und der mangelnde Respekt mir gegenüber.
Natascha Kampusch, Brief an die Öffentlichkeit
Irans Angst vor Bloggern
“Wir sollten uns gratulieren: Wir haben das westliche Phänomen des Bloggens so iranisch gemacht, dass sogar Ahmadinedschad, der radikalste antiwestliche Politiker, es unterstützt.” Hossein Derakhshan beobachtet mit großem Interesse, dass sich der iranische Präsident jetzt auch als Blogger versucht. Von Kanada aus schreibt der in Teheran geborene Journalist Derakhshan in seinem Weblog kritisch über die Situation in seinem Heimatland. Seine Website wird, wie die vieler anderer Blogger, im Iran zensiert.
Derakhshan macht sich keine Illusionen über die Motive des Präsidenten, sich des Mediums zu bedienen. Dennoch sieht er darin “eine Garantie, dass die Regierung sogar unter Ahmadinedschad das Internet nicht als Ganzes abschaltet.” Solange ein Populist an der Macht sei, würden wenigstens die Blogdienste vermutlich nicht vom Netz genommen.
MehrLebensverlängernde Maßnahme
Das Unternehmen, das mich lebensversichert, erschreckte mich kürzlich mit der Nachricht: Ihre Tochter wird 101! Tochter? Hab ich da was nicht mitbekommen? Und vor allem: Einhunderteins?
Landauf, landab stimmen private Rentenversichererer das Lied von der Generation der Hundertjährigen an. Die Melodie ist immer die gleiche: Die Lebenserwartung steigt in schwindelnde Höhen – private Vorsorge ist also erste Bürgerpflicht. Am besten bei uns. Hier unser Angebot…
Nebeneffekt: Wenn die Lebenserwartung steigt, sinkt für die Versicherer der monatlich auszuzahlende Betrag – die angesparte Summe muss ja, rein rechnerisch, für eine längere Zeit reichen.
Das Statistische Bundesamt gab für 2004 geborene Mädchen eine Lebenserwartung von 81,55 an, für Jungen des gleichen Jahrgangs 75, 89. Ich fragte deshalb bei meinem Lebensversicherer,wie er darauf kommt, dass meine fiktive Tochter zwanzig Jahre älter werden wird als der Durchschnitt. Die Antwort: Versicherungsunternehmen orientieren sich nicht an der tatsächlichen Lebenserwartung, sondern an der aktuellen Sterbetafel für Rentenversicherungen der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Der künftige medizinische Fortschritt und die Lebensumstände der Zukunft werden dabei gleich mit eingerechnet, die Sterblichkeit dagegen bewusst niedriger angesetzt.
Dass Versicherer sich mit dieser Kalkulation selbst absichern, ist nachvollziehbar. Dass sie mit denselben unrealistischen Zahlen Versicherungen verkaufen, ist Bauernfängerei.
MehrGespenstisch
Bei der Lektüre dieses Artikels über die Reaktion britischer Medienunternehmen auf Blogs und andere Entwicklungen im Internet musste ich mich mehrfach vergewissern, ob ich nicht in eine entlegene Ecke des Archivs geraten war. Aber nein: August 2006, steht drüber.
MehrVerhaftet zum Demonstrieren
Im Anschluss findet ihr eine Liste von Weblogs, die ein Zeichen gegen die von Politicallyincorrect und seinen Redakteuren betriebene Form des Rassismus, seiner Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit, seiner verfassungsfeindlichen Artikel und Hetzerei setzen und zur Zivilcourage auffordern möchten,
schreibt Bluejax hier – und das, ich bezweifle es nicht, sicher guten Willens.
In der nachfolgende Liste taucht auch mein kleines Blog auf – mit einem Link zu diesem Beitrag, in dem ich in erster Linie über Persönlichkeitsrechte schreibe. Ob ich mich einem friedlichen Protest gegen Intoleranz, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit usw. anschließen möchte, hat mich niemand gefragt. Seit vielen Jahren schon suche ich mir meine Beteiligungen an Aktionen jedweder Art ganz alleine aus. Kann ich das bitte auch in Zukunft so halten? Danke.
Selbst auf die Gefahr hin, Pickel zu kriegen.
Da gehste einmal in Klein-Bloggersdorf über die Straße, ohne groß zu gucken – und schon wickeln sie dich in Transparente ein. Tz.
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