Date mit Hanne

Date mit Hanne

Siebenstein und ich spielen gerne Blind Date. Unbekannt ist bei unserer Variante nicht die Person, sondern das Ausflugsziel. Wir wechseln uns immer ab mit der Geheimniskrämerei – eine denkt sich was aus, die andere muss blindlings folgen und sich überraschen lassen. Nützliche Tipps gibt es allenfalls für Kleidung und Schuhwerk.
Heute hieß es, ich solle ich mich robust anziehen.
Was ich (noch) nicht wusste: Ich hatte ein Date mit Hanne, der drallen Blonden von nebenan.

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Wir sehen nicht so aus, aber wir fühlen so

Herman van Veen? B.’ s Mitbewohner schüttelt langsam den Kopf. Nein, glaub nicht. Kenn ich nicht. Höflich wartet er noch kurz und sieht sich mit uns noch eine halbe Minute vom Konzertmitschnitt an, bevor er unauffällig aus dem Zimmer verschwindet. Wir bleiben und hören und schauen und lachen und kriegen feuchte Augen – wie immer.

Das ist so. Das kennen wir nicht anders. Unsere Vorliebe für den holländischen Lulatsch mit der Halbglatze kann nicht jeder nachvollziehen. Mit dem singenden Flieger aus Berlin geht es uns ähnlich. Aber das macht nichts. Wir sind nicht allein. Wir haben ja uns, eine in den 70er Jahren begründete Plattensammlung und ein analoges Tonabnehmergerät, das immer noch funktioniert.

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Reifeprüfung

Tabus! So sehr wurden wir in den vergangenen Jahrzehnten mit ihren Brüchen überschüttet, dass ich mir schon langsam Sorgen machte. Was, wenn wir beim Griff in die Tiefen alles Menschlichen irgendwann ins Leere fassen – weil da nichts mehr ist, was sich noch gewinnbringend ans Licht zerren ließe? Was, wenn es keine überraschenden Antworten mehr gibt auf die wesentlichen Fragen des Lebens: Wer macht es wo, wann, wie lange, wie oft, mit wem oder mit was? Irgendwann, so dachte ich, gehen sie uns noch aus, die Tabus! Irgendwann haben wir alle Stellungen durch! Und was dann? Wird das Loch, in das wir dann fallen, tief genug sein, um darin vielleicht doch noch ein paar unbeschriebene Geheimnisse zu finden? Und wenn nicht, womit wollen einschlägige Sender, Zeitungen und Zeitschriften dann ihr Geld verdienen?
Zum Glück ist die Sorge unbegründet. Wenn man sich auf eines verlassen kann, dann hierauf: Irgendein Tabu findet sich immer. Und wenn nicht, wird halt eins gemacht. Der Spiegel, zum Beispiel, präsentiert gerade so eins. Denn erst jetzt, da wir dank des medialen Dauerfeuers endlich tief verinnerlicht haben, dass mit jemandem etwas nicht stimmt, der nicht alles und jeden von mehreren Seiten und mindestens dreimal pro Stunde ausprobiert – erst jetzt sind wir reif genug, um uns der bizarrsten Vorliebe aller Zeiten zu stellen:

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Machen wir uns die Hände schmutzig

Die Spülmaschine ist pickepackevoll. Du willst sie starten. Du greifst in die Schachtel mit den Spültabs. Sie ist leer. Es ist Sonntag. Morgen ist Feiertag.

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