Schnittstellen-Probleme
Der nicht sehr groß gewachsene Verkäufer in der Computerabteilung kneift konzentriert die Augen zusammen, als ich ihm schildere, was ich haben will: Eine heimisches Drahtlosnetz, das ich ausschließlich für das Notebook nutzen will und nicht für den Desktop-PC. WLAN on demand sozusagen. Funk nur dann, wenn es nötig ist, und nicht permanent. Ansonsten gutes altes Kabel, Salat hin oder her.
Eigentlich eine einfache Sache. Dachte ich.
Psycho on the rocks
Einen ausgesprochen gruseligen Thriller auf DVD sehen. Ein völlig unpassendes Hungergefühl verspüren. Sich kaum in die benachbarte Küche trauen, zögern, dann doch gehen. Die Tür offen lassen. Die spannungsgeladene Filmmusik bis zum Kühlschrank hören. Kurz überlegen, das Eisfach öffnen, eine Packung Vanilleeis herausnehmen.
Nicht wissen, dass Siebenstein die Dose inzwischen für eingefrorenen Blumenkohl nutzt.
Gefrorenes Gehirn sehen.
Sehr laut schreien.
Bis aufs Blut
Ich mag es, in der Nähe des Wassers zu wohnen. Wir leben so nah am Fluss, dass die Fähre zu den oft benutzten öffentlichen Verkehrsmitteln gehört, und noch näher an mehreren Seen, die sich paradiesisch hinter unserem Haus … aber ich erwähnte es ja bereits. Es ist wirklich schön, in der Nähe des Wassers zu wohnen.
Doch doch.
Es geht auch völlig in Ordnung, dass Siebenstein mich in letzter Zeit nur noch Streuselkuchen nennt.
MehrTrostpflaster, Teil I
Die klammheimliche Freude, ab Herbst 2005 endlich wieder vom Grunde meines Herzens in Opposition zur Regierung gehen zu können.
Übern Berg
Sie kommen immer um die gleiche Zeit: Abends, wenn die Hitze nachlässt und der Himmel in dieses dunklere Blau rutscht, wird unsere Dachterrasse zum Versammlungsort der hiesigen Junikäfer. Ausgesprochen vertrauensselige Tierchen. Heute hat Misses Little einen der arglosen Brummer erwischt, als der Wahnsinnige direkt vor ihrer Katzennase Pirouetten drehte. Seither kenne ich mich mit Erster Hilfe bei Käfern bestens aus. Stabile Lage, Flügelrichten, Fühlermassage, eine eiligst eingerichtete Wassertränke auf der Fingerspitze – und die nächste Plage war gerettet.
Örtlich Bodennebel
Stellen wir uns folgende Situation vor: Ein Journalist fragt im Interview einen Politiker der FDP, ob es in einer schwarz-gelben Koalition eine Erhöhung der Mehrwertsteuer geben werde oder nicht.
Der Politiker reagiert folgendermaßen:
Gegenfrage: Schlagen Sie noch Ihre Frau?
Wie sollte der Journalist reagieren?
a) Beantworten Sie einfach meine Frage.
b) Das tut hier nichts zur Sache.
c) Nein. Da können Sie sie fragen.
Krieg der Häkchen
Gänsefüßchen haben Hochkonjunktur.
Sie scheinen überall zu sein.
Geradezu beängstigend wird es, wenn ich an Bord eines Flugzeugs in einem Prospekt lesen muss: Wir wünschen Ihnen einen “guten Flug”. Für mich liest sich das nämlich so: “Hallo, lieber Fluggast, Sie wissen ja, der Ruf unserer Gesellschaft ist nicht gerade der Beste, also erwarten Sie nicht zu viel. Beschwerden bitte direkt in die dafür vorgesehene Spucktüte! Und jetzt heißt es: Anschnallen und beten!”
Der Zwiebelfisch über das grassierende Gänsefüßchen-Virus.
Fragen der Saison
- Lohnt es sich so kurz vor dem kalendarischen Sommeranfang noch, die Winterreifen wechseln zu lassen?
- Muss ich mir das Schreiben einer netten E-Mail ohne jeglichen Hintergedanken wirklich verkneifen, damit der Adressat nicht denkt, ich hätte einen Hintergedanken?
- Und stimmt es euch in NRW nicht bedenklich, dass der künftige Ministerpräsident immer von Nochrhein-Westfalen spricht?
Aus der Reihe Verkannte Spione
Heute: Die Stasi-Vase.
Ja, die gab es. Schwarz, bauchig, glänzend, mit einem weißen Emblem, auf dem eine rote Fahne am Lauf eines aufgestellten Maschinengewehrs im Wind flattert… romantisch.
Es gibt sie noch, ein Exemplar mindestens. Das steht im Wendemuseum in Los Angeles, wo drei junge Amerikaner Artefakte des Sozialismus ausstellen. Zwischen 20 Jahrgängen Neues Deutschland, Pionierhalstüchern, Bummi-Heftchen und dem Original-Tisch-Gong, mit dem die SED-Kreisleitung Brandenburg zu ihren Sitzungen rief, zeugt die Stasi-Vase dort von der lange unterschätzten Naturverbundenheit ostdeutscher Agenten.
Friedhofsfein
Heute zur Beerdigung, die erste seit fünf Jahren. Während ich eben meine schwarzen Schuhe ungewöhnlich lange und gründlich putze, kommt mir in den Sinn: Nicht mal im Angesicht des Todes lassen wir Äußerlichkeiten in den Hintergrund treten.

