Schrittmacher

Alte Jogging-Hasen mögen es milde belächeln, aber für mich ist es eine kleine Sensation: Vor vier Monaten war ich nach fünf Minuten Jogging völlig außer Puste. Jetzt laufe ich 75 Minuten am Stück, und das nicht mal auf dem Zahnfleisch. Ich frage euch: KANN DAS SEIN?
Was da in den vergangenen Monaten passiert ist – und bei jedem Lauf aufs Neue geschieht – fühlt sich für mich an wie ein kleines Wunder. 15, 20 Minuten brauche ich, um die Müdigkeit aus den Beinen zu schütteln, dann finde ich meinen Rhythmus und richte mich häuslich darin ein. Spätestens nach 25 Minuten ist es, als würde ich auf Autopilot umschalten. Mein Fahrwerk arbeitet wie von selbst, und ich kann auch meinen Gedanken freien Lauf lassen.

Ich vermute, das Geheimnis liegt in der Entschleunigung. Ich renne nicht mehr. Ich werde nicht mehr reflexartig schneller, wenn mir im Wald ein Läufer entgegen kommt, der vermutlich in der gleichen Zeit die doppelte Strecke absolviert. Ich habe keine Eile. Wenn ich laufe, nehme ich gleichzeitig das Tempo aus meinem Leben. Folge meinem eigenen Herzschlag.

Aber das sollte man ja eigentlich immer tun. Im Laufen ebenso wie im Sitzen. Im Liegen sowieso.

6 Kommentare

  1. klingt faszinierend!
    ich träume manchmal davon, dass ich so laufe – real habe ich es noch nicht erlebt.

  2. Gratulation!!! Ich freue mich immer sehr wenn ich von jemanden höre, der auf einmal laufen kann – es laufen lässt – und es genießen kann.
    Bei mir hats viel länger gedauert, ich habe es gehasst und bin eigentlich nur gelaufen weil der Hund den Auslauf brauchte. Irgendwann hat es sich dann geändert. Also willkommen im Club ;-))
    – und hier noch was für die Motivation:
    Irgendwann packt es auch Dich!
    “Nie wieder hatte ich mir noch vor fünf Jahren geschworen. Fix und fertig konnte ich mich nach meinem ersten Marathon gerade noch auf eine Bank strecken. Aber mit zwei Flaschen Bier kam ich wieder hoch, streichelte heimlich über meine schmerzenden Beine, ließ mich wohlig in die Erschöpfung gleiten, die mich von oben bis unten durchzog – ” der kurze Augenblick des Glück”, könnte man formulieren, aber ich will ja nicht kitschig werden, drum gebe iches auch nur klammheimlich zu. Der Einstieg in die Sucht – der einzigen, die gesund ist, ganz nebenbei -, die den Körper fit hält und den Geist wenigstens einmal täglich auf Touren bringt, anregt im Sauerstoff-Bad, entspannt vom Streß. Eine Entspannung, zu der man durchstoßen muss, ein bißchen Jogging hier und da reicht nicht hin. Laufen ist mehr als dreimal die Woche Trab. Sie vertehen mich schon ? spätestens nach dem ersten Marathon…”
    – du verstehst es schon jetzt:-))

  3. Marathon? Ach nö, lass ma… Aber das Schulterklopfen nehm ich trotzdem, danke, Beate!
    Limone, ich kenn das auch anders: Im Traum kann ich manchmal gar nicht laufen. Klebe fest irgendwie!

  4. Das ist toll Mo!

    Und dann noch das:
    “Folge meinem eigenen Herzschlag.
    Aber das sollte man ja eigentlich immer tun. Im Laufen ebenso wie im Sitzen. Im Liegen sowieso”.

    Das zu lernen dauert unter Umständen ebenso eine lange Zeit.

    Und…
    ich werde demnächst mal zu Deinem Lauftreff kommen :-)

  5. Der Körper gewöhnt sich schnell…
    Aber wieso bist du dann gestern eigentlich mit dem Rad gekommen??? ;o)

  6. Oh, das ist leicht zu erklären: Bis ich endlich angekommen wäre, wären bestimmt keine Muffins mehr übrig gewesen! ;-)

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