Standard
Weißt du, ich will ja gar nicht viel im Leben, höre ich heute bei Saturn einen blutjungen Kerl zu einem Kollegen sagen. Nur das, was man eben so erwartet. Gutes Einkommen, Auto, Urlaub, ein Haus und so. Was das und so beinhaltet, habe ich mir lieber gar nicht erst ausgemalt.
Die südlich-des-Äquators-Version des gleichen Gesprächs hätte sich wohl so angehört:
Weißt du, ich will ja gar nicht viel im Leben. Nur eine Handvoll Reis, und die Gewissheit, dass mir die Kinder morgen nicht verhungern.
Jaja. Ich weiß. Der Begriff Standard ist dehnbar. Ich und so ziemlich die meisten, die das hier lesen, kennen eben nur das lange Ende des Tisches. Ich gestehe: Auch ich träume von einem Haus, mit einem alten Schreibtisch drin, an dem ich sitze und schreibe, und einem Fenster, durch das ich das nahe Meer rauschen höre und die Möwen schreien. Irgendwann. Bestimmt.
Osamas to-do-Liste
Die Spanier haben ihrer Regierung den plumpen Versuch, die verheerenden Bombenanschläge wahltaktisch auszunutzen, um die Ohren gehauen. Da konnte der (bisherige) Innenminister noch so oft ETA, ETA rufen – eine Mehrheit des Wahlvolks sah sich offenbar nach dem 11. März in ihrer Ablehnung des Irakkriegs auf das Furchtbarste bestätigt und wählte die Regierung, die das Land erst in den Waffengang zog und dann die schrecklichen Folgen nicht wahr haben wollte, ab.
Die Einschläge kommen immer näher. Das war mein erster Gedanke am vergangenen Donnerstag. Trotz Anti-Kriegs-Kurs unserer (Noch-)Regierung: Allzu sicher dürfen wir uns in Deutschland wohl nicht fühlen. Schon melden sich Terrorismusexperten wie Rolf Tophoven: “Wir sind derzeit nicht Ziel Nummer 1, aber wegen des Bundeswehr-Engagements in Afghanistan und am Horn von Afrika sicher im Visier der Islamisten.” Er rechne damit, dass die Terroristen nun die Verbündeten der USA “abarbeiten”.
Spaniens Wahlsieger Zapatero kündigt an, die Soldaten in Irak noch bis zum Sommer zurückzuholen. Schön für die Heimkehrenden, aber mal abgesehen davon, dass die Spanier in Irak nicht zu Ende führen, was sie nun mal angefangen haben: Kann das wirklich die Antwort sein auf Terror, der Hunderte Unschuldige massakriert? Müssen sich westliche Demokratien künftig Sicherheit und Unversehrtheit ihrer Bevölkerung durch Wohlverhalten oder zumindest Neutralität gegenüber Terroristen erkaufen?






