Sieben Wochen ohne
Auf der Suche nach einem passenden Fastenobjekt, auf das zu verzichten mir ein gaaanz kleines bisschen schwer fällt, aber dann auch nicht so furchtbar schwer, dass ich womöglich knatschig werde, kam ich auf eine prima Idee…
Machts also gut, bis Ostern! :)
Nein danke. Heute nicht.
Nichts ist falsch lautet der Titel der aktuellen Titelstory im FR-Magazin, und gemeint ist die Welt von Stanley. Stanley ist acht und Autist, und in der Geschichte, die seine Mutter Rosie Barnes erzählt, gibt es eine Stelle, die mir ganz besonders gefallen hat. Sie sagt:
Ich bin immer viel zu sehr damit beschäftigt, was andere Menschen gerade denken und fühlen. Manchmal denke ich, das ist sehr dumm, wie wir uns von anderen beeinflussen lassen. Das habe ich von Stanley gelernt: Der sagte eine Zeitlang immer den Satz: “Nein danke, nicht heute. Nein danke, nicht heute.” Manchmal sage ich das jetzt auch zu mir selbst: “Nein danke, nicht heute.”
Der FR-Artikel ist online nicht zu finden, aber der Guardian hat die Geschichte von Stanley bereits im November 2002 erzählt. Einen – im Netz leider nur winzigen – Blick auf die Fotos, die Rosie Barnes unter dem Titel “Understanding Stanley” gemacht hat, bietet das Fotomagazin Eight in seiner März- Ausgabe.
Nachricht von Mom
Siebenstein sagt, sie sei wieder da gewesen.
Siebenstein gehört zu den Menschen, die sich mit Tieren unterhalten können und die Anwesenheit von Verstorbenen wahrnehmen.
Ich selbst hab dazu so gar kein Talent. Ich rede zwar mit meinen Tieren, aber die antworten mir nicht. Jedenfalls nicht so, wie ich es gerne hätte. Bei mir sind das eher kurze Unterredungen: Meine Augen sagen: “Sooooofoooort runter da!” Und sie geben mir zu verstehen: “Pah.” Wenn Siebenstein sich dagegen mit Misses Large und Misses Little unterhält, muss man regelmäßig eine Rednerliste führen.
Siebenstein jedenfalls ist sicher, sie sei wieder da gewesen. Meine Mutter habe am Bettrand gesessen, während ich schlief, “Mein Kind, es ist alles gut” zu mir gesagt und mich auf die Stirn geküsst.
Ich glaube das. Auch, wenn Siebenstein weder “Wieder viel zu spät ins Bett!” noch “Wer nachts feiert, kann auch morgens aufstehen!” gehört haben will – ich glaube dennoch, dass sie da war. Wer möchte das nicht: Glauben, dass alles gut wird.
Dont think twice
Die weitaus meisten Fehler, die man sich im Laufe der Zeit leistet, geben sich ja erst im Nachhinein als solche zu erkennen. Manchmal aber weiß man, dass es einer ist, noch während man ihn macht.
Ich wusste es in dem Moment, als ich den Schritt aus der S-Bahn machte. Es war meine Station, ich musste aussteigen, zur Arbeit, ich war eh schon spät dran. Wenn ich mir Mühe gebe, fallen mir bestimmt noch mehr Entschuldigungen ein dafür, dass ich nichts tat. Nichts außer auszusteigen.
War es nicht ein stinknormaler Streit zwischen zwei Eheleuten, da in der S-Bahn? Sie waren laut, fast schrien sie sich an, er hat sie berührt. Nicht geschlagen, aber unangenehm angefasst. Wann ist die Grenze des Privaten überschritten, wann wird eine Auseinandersetzung öffentlich, wann darf ich eingreifen, nein, wann muss ich eingreifen? Und warum zum Teufel kann man darauf wetten, dass immer ein paar gestandene Männer bei so einer Szene danebenstehen und dämlich grinsen?
Fürs nächste Mal schreib ich es jetzt hundert Mal: Nicht lange nachdenken – was tun.
Der kleine Unterschied
Mein Kollege Oliver und seine Frau trainieren gerade für den längsten Tag des Jahres. 3,8 Kilometer Schwimmen und 180 Kilometer Radfahren. Ach ja, und dann schnell noch ein Marathon. Gerade so, als ob die 42 Kilometerchen zu Fuß den Kohl dann auch nicht mehr fett machen würden. *püh*
Die beiden haben noch 147 Tage bis zum Ironman Germany in Frankfurt, und bis dahin führt Oliver Trainingstagebuch im Web. Wenn ich ja nicht wüsste, dass Triathlon eine Sache für mitunter durchaus liebenswerte, aber leider völlig durchgeknallte Masochisten ist, bekäme ich schon beim Lesen Lust auf ein solches Projekt. Aber halt, ich hab ja eins! Ein bisschen unspektakulärer, ok. Kürzere Strecken, na gut. Sechs oder sieben Kilometer, dreimal die Woche. Und nass werden will ich auch nicht dabei. Vielleicht… ja, vielleicht sollte ich ihn auch aufschreiben, meinen langen Lauf zu mir selbst, meinen harten, entbehrungsreichen Weg zur…
Rent a killer
Das Web ist die Pest: Selbst Auftragsmörder kann man jetzt online mieten.
MehrAnd thats why they call it the FR-Blues
Also, das mit der Farbe der Kacheln stimmt nicht so ganz. Aber sonst… Ich müsste mal langsam meinen Schreibtisch aufräumen. Den beige-farbenen.
MehrS 9
Mit einem “Zschschsch” geht die Tür der S-Bahn auf, und ich hol Luft, so schnell und tief ich kann. Ich steh meistens hier, gleich an den Tür. Abends will ich mich nicht setzen. Abends strecke ich mein Rückgrat, das sich zehn Stunden lang vor einem Monitor gekrümmt hat. Abends zieh mich wieder gerade. Und hole Luft. Bei jedem Halt saug ich den Sauerstoff ein, der sich mir und den anderen Fahrgästen, die sich in dem muffigen Waggon drängen, erbarmt.
Zschschsch. Ostendstraße. Draußen auf dem Bahnsteig wartet eine Frau, einen Hund an der Leine. Ein Mann rauscht an mir vorbei, steigt aus, geht auf sie zu. Bückt sich.
Der Schwanz wedelt mit dem Hund. So sagt man wohl. Passt auch. Der Hund ist nur Schwanzwedeln, so sehr freut er sich, sein Herrchen unter all den aussteigenden, fremd riechenden Menschen zu erkennen. Der Mann greift nach dem Kopf des Tieres, umfasst das Kinn, hebt das pelzige Gesicht zu sich hoch.
Die Frau steht und wartet.
Weil sie nicht weiß, wohin sie sonst schauen soll, schaut sie in die offene S-Bahn. Ihr Blick bleibt an mir hängen.
Ich sehe eine Frau, die auf einen Mann gewartet hat. Und die nun wartet, bis der Mann den Hund begrüßt hat. Noch hat er nichts gesagt. Nichts außer: “Na mein Süßer?” Und: “Ja da bist du ja.” Und: “Du süßer süßer süßer du.”
Ich seh zu ihr. Sie sieht zu mir. Sie lächelt mich an. Zuckt die Schultern, als wolle sie erklären: “Ja, so ist es halt.”
Zschschsch.
Die Fahrt geht weiter.
Ja, so ist es halt.
Klare Worte im Waschetikett
Wasmiddel voor de fijne was.
Apart links wassen, was verschiet.
Hm.
Es handelt sich nicht um eine Windel.
Gestandene Männer
Es stimmt: Ich gäb was drum, den amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten spätestens nach der kommenden Wahl zurück im Kuhstall seiner Ranch in Texas zu wissen. Der aktuellen Kampagne der Demokraten kann ich dennoch nichts abgewinnen: Im Vorwahlkampf für die Präsidentschaftskandidatur wird jetzt ausgerechnet Bushs Drückebergerei vor dem Militärdienst gegen ihn ins Feld geführt.
Ich habe noch nie verstanden, dass eine Brust voller militärischer Orden jemanden besonders geeignet macht, eine Nation zu führen. Und ebenso wenig will mir in den Kopf, dass jemand, der dem öden Strammstehen nichts abgewinnen kann und stattdessen lieber blau macht, sich automatisch für das Amt des Präsidenten disqualifiziert.
Nun mag ja Hintergrund der Kampagne sein, Bushs Faible für die Feldherren-Pose als das zu enttarnen, was es ist: reine Show. Trotzdem: Wenn die Liste der Dinge, die für das wichtigste Amt dieses Planeten qualifizieren, statt dem Willen zum Töten zum Beispiel die Fähigkeit zum Windelwechseln enthielte, wäre mir wohler.
Bushmesser: Spiegel online misst Bushs Chancen für die Wiederwahl.

